Mauer- oder Turmsegler

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Segler, Apus ápus (L.)

Der Mauer- oder Turmsegler ist hier nur eingeschmuggelt. In die Rubrik „Gesang“ weiß ich bei bestem Willen keinen Ton zu schreiben und das aus dem einfachen Grunde, weil er keinen Gesang hat, weil er überhaupt kein Singvogel und trotz seiner Schwalbenfigur keine Schwalbe ist. Er muß aber hier mit erwähnt werden, damit der noch Unkundige die Schwalben von ihm unterscheiden lernt. Und mag die Wissenschaft ihn nicht zu den Singvögeln*) rechnen, sein lebensfrohes „srih srih“, mit dem er in sausendem Fluge spielend durch die Luft eilt, ist einer der auffallendsten unter den mancherlei Vogellauten, die die Stimmung eines schönen Sommertages zusammenzaubern. Es erklingt noch, wenn all die Schwalben bereits in ihren Nestern schlafen.

Name: „Segler“ vom Gleitflug, „apus“ = griech. fußlos, wegen der kleinen Füße.

Vorkommen: Fast überall, wo geeignete Gebäude oder hohle Bäume ihm Brutplätze bieten, häufig.

Artmerkmal: Schlanke Sichelflügel, der ganze Vogel rauchschwarz bis auf einen hellen Kinnfleck.

Größe: Erheblich größer als all unsere Schwalben, Flügel 16,7— 18,2 cm.

Weibchen: Wie Männchen.

Junge: Mit hellen Säumen an der Brust.

Lockton: „Srih, srih“.

Gesang: Kein Gesang

Eier: 2 (selten 3), länglich walzenförmig, weiß, Mai, Juni, eine Brut.

Nest: Flache Schicht von ein paar Halmen, Federn usw., mit Speichel verkleistert, auf dem Boden der Nisthöhle.

Nistplatz: Mauerlöcher, hohle Waldbäume, Starkübel.

Nahrung: Insekten.

Zug: Ende April — Ende Juli, ausnahmsweise später.

Einzige deutsche Form der Realgattung Apus Cýpselus.

*) Der Fußbau (vier scharfbekrallte Zehen nach vorn) und die dicke Haut entfernt sie nebst zahlreichen anatomischen Merkmalen weit von diesen.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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