Heidelerche

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Heidelerche, Lúllula arbórea (L.)

Der vielleicht auf den ersten Blick befremdende Vergleich zwischen Lerchen und Kröten hat noch eine weitere Seite. Man mag diese Tiere als Geschöpfe ansehen, die hinsichtlich ihrer Farben recht stiefmütterlich von der Natur behandelt sind. Genau in der Nähe betrachtet erweist sich aber ihr erdfarbenes Kleid in manchen Fällen als überraschend farbenschön, indem gelbe, graue und rote Töne sich mit dem Wechsel dunkler und heller Zeichnung geschmackvoll verbinden. Das ist zumal bei der Heidelerche im frischen Gefieder der Fall. Aber weit entzückender als durch ihre äußere Erscheinung ist diese kleine Lerche durch ihren stimmungsvollen Gesang, in dessen Lob alle Beobachter begeistert einstimmen. Sie steht in ihrem Wesen der Haubenlerche näher als der Feldlerche, der sie in der Färbung ähnelt.

Name: Vom Aufenthalt, „Lullula“ vom Gesang, „arborea“ (arbor= Baum), weil sich diese Art im Gegensatz zu den anderen Lerchen oft auf Bäume setzt.

Vorkommen: Nicht überall. Auf sandigen Blößen an Kiefernwäldern.

Artmerkmal: Viel kürzere Gestalt und feinerer Schnabel als bei andern Lerchen.

Größe: Viel kurzschwänziger und dünnschnäbliger als die Feldlerche und kleiner als die Haubenlerche. Flügel 9,1—9,9 cm.

Weibchen: Gleichgefärbt.

Junge: Mit hellen Federrändern.

Lockton: „Didloi“, „tütüt“ usw.

Gesang: Auf einem Baum oder im Fluge lullend, etwa „lülllülllüll lullullull“ usw., mit Pausen, sehr oft mitten in der Nacht.

Eier: 4—5, weißlich, fein und dicht bräunlich gefleckt, März — Juli (nach Hilgerts Beobachtungen) zwei Bruten.

Nest: Moos, Wurzeln, Halme, oft unter einem kleinen Busch.

Nistplatz: Auf der Erde auf Blößen in oder am Nadelwalde (Heide).

Nahrung: Sämereien und sehr viel Insekten.

Zug: Februar, März — September, Oktober, echter Zugvogel, selten (am Rhein öfter) überwinternd.

Einzige in Deutschland festgestellte Form der Realgattung Alauda*) Lullula.

*) Die Lerchen charakterisieren sich durch ihren zum Laufen geeigneten Fußbau mit sonderbar langer Hinterzehenkralle, zum Singflug geeignete große und breite Flügel, bodenfarbige Oberseite, meist gefleckte Vorderbrust und sehr verschiedene Schnabelformen. Den Namen „Lerche“ (Larike, Lewerike, english lark) hat man bald von der Stimme der Feldlerche abgeleitet, bald auf einen Aberglauben germanischer Völker zurückgeführt. Die Deutung „Irrtumbringer“ ist sonderbar.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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