Haussperling

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Haussperling – Pásser domésticus (L.)

Der männliche Haussperling ist im Sommer ein entschieden schön gefärbter Vogel Die im Winter durch fahle Säume verhüllten bunten Zeichnungen treten dann in scharfen Gegensätzen hervor. In der Großstadt freilich bleibt er das ganze Jahr ein schmutziger, unscheinbarer Aschenputtel oder gar ein rußiger Schornsteinfeger. Als Singvogel verdienen die Sperlinge die Note: „Gänzlich ungenügend“. Nicht einmal dem Weibchen scheint das erregte: „Schilp Schilp“ zu gefallen. Wenigstens beißt es die fremden Männchen, die es huldigend umtanzen, ärgerlich weg, als wollte es sagen: „Geht fort, ihr albernen Gecken!“ Mehrmals habe ich bei dieser oder der folgenden Art gesehen, daß es einen von ihnen beim Schwanz nahm und ihn so lange freischwebend in der Luft hielt, bis ihm alle Singgelüste vergangen waren.

Name: „Passer“: lat. Name für Sperling, „domesticus“ von domus Haus, „(L.)“ von Linné benannt.

Vorkommen: Fast nur bei menschlichen Ansiedlungen brütend, nach Nahrung in Felder und Alleen weit hinausstreifend. Artmerkmal: Kopfmitte grau, kein schwarzer Wangenfleck.

Größe: Allbekannt. Flügel etwa 7,6—8,6 cm. Gewicht bis 34 g. Weibchen: Ohne bunte Kopfzeichnung.

Junge: Dem Weibchen ähnlich, Herbstvögel mit trüben Federspitzen, daher Männchen im Alter und im Sommer viel schöner.

Lockton: „Schilp“ usw.

Gesang: Schilpen begleitet den Balztanz. Einzelgesang „Dieb Dürr“ usw.

Eier: Etwa 5—6, weißlich, dunkel gefleckt, oft ein Ei heller, von April an.

Nest: Stroh- und Grashalme mit Federpolster, in Höhlen oder frei.

Nistplatz: Mauerlöcher und ähnliche Schlupfwinkel, seltener freistehendes Kugelnest auf Bäumen und im wilden Wein. (Gern in Nestern der Mehlschwalbe und an Storchnestern.)

Nahrung: Getreide, Straßenabfälle, Insekten, Kirschen, Trauben usw. Standvogel: lm Winter gesellschaftlich auf Nahrungssuche und an Schlafplätzen.

Nördliche Form der Verwandtschaftsgruppe (Realgattung) Lóxia*) Passer, mehr ein unfreiwillig von der Kultur begünstigter Parasit als ein Glied der freien Natur, also kein im vollen Sinne wilder Vogel, daher Weltverbreitung abnorm.

*) Die Finkenvögel, von Linne als Loxia und Fringilla zusammengefaßt, zeichnen sich durch den kegelförmigen Körnerfresser- (Kernbeißer-) Schnabel aus, dessen Spitze aber in der verschiedensten Weise gestaltet, gleichsam ausgezogen ist. Die Sperlinge (Passer) unterscheiden sich durch Eier, Nestbau und geringe Gesangsleistungen sehr von den anderen Finken. Gattungs- und Realgattungsnamen schreibt man groß.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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