Girlitz

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Girlitz, Serinus serinus (L.)

Neben dem Zeisig ist der Girlitz unser kleinster Körnerfresser. Man würde das winzige Vögelchen, zumal da, wo es selten ist, leicht übersehen, wenn das Männchen nicht unaufhörlich den ganzen Tag von einem Zweig, Wipfel oder Telegraphendraht aus sein bald im Sitzen, bald im schwebenden Balzflug vorgetragenes Liedchen vernehmen ließe. So fällt seine Anwesenheit dem, der darauf achtet, trotz seiner Kleinheit schon aus einiger Entfernung auf. Im Einzelfall läßt sich oft schwer sagen, ob der Girlitz erst neuerdings eingewandert ist oder ob er früher übersehen wurde.

Name: „Girlitz“ vom Lockton. „Serinus“ nicht, wie einst Belon vermutete, vom sirenenhaften Gesang (so berühmt ist die Gesangsleistung des Vögelchens nicht), auch nicht von serenus = heiter, sondern ein alter, weit verbreiteter Vogelname (serin)von der gelben Farbe(citrinus)odervom zwitschernden Gesang (vgl. unser „Ziserinchen“ für den Birkenzeisig). Serin wird von den Franzosen für den Kanarienvogel gebraucht.

Vorkommen: In sonnigen Gartenlandschaften des Süd Westens wohl alteinheimisch, nach Nordosten hin angeblich erst eingewandert, aber Bestand im Lauf der Jahrzehnte überall wechselnd.

Artmerkmal: Einem wildfarbigen Kanarienvogal sehr ähnlich in Gestalt und Färbung, aber kleiner (kürzer).

Größe: Weit unter der des Feldsperlings, etwa wie Zeisig. Flügel etwa 7,0—7,5 cm. Gewicht 11 g.

Weibchen: Weniger gelb und mehr gestreift.

Junge: Bräunlich.

Lockton: „Girlitz, hitzriki.“

Gesang: Sitzend oder wie beim Baumpieper im Schwebeflug vorgetragen, ein anhaltendes feines Tirrelieren und Zwitschern.

Eier: 4, selten 5, bläulichweiß, rötlich und schwärzlich in Kranzform gefleckt und bekritzelt, April bis Juli, wohl zwei Bruten.

Nest: Aus Halmen, Reiserchen, Moos, innen Federn und Haare usw.

Nistplatz: Auf Obstbäumen, Weinstöcken, in kleinen Koniferen usw. Nahrung: Sämereien.

Zug: März — September, Oktober. Am Rhein auch im Winter.

Die Gattung Serinus hat im Süden, besonders in Afrika viele Vertreter, man hält den Girlitz für einen wirklichen Verwandten des wilden Kanarienvogels, mit dem er der Verwandtschaftsgruppe Lo.xia Cauän’a angehört. Die überaus leichte und durch Generationen fruchtbare Vermischung in Gefangenschaft und die große Ähnlichkeit beider Vögel scheint dieses zu bestätigen.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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