Gimpel

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Gimpel, Pyrrhula europaéa Vieill. (L.)

Wenn im verschneiten Wald ein Gimpelpärchen mit ängstlichen Lockrufen sich des Trostes gegenseitiger Nähe zu versichern sucht, dann kommt so recht das liebenswürdige Wesen dieses Vogels und der Schmuck, den seine lebhaften und doch so zarten Farben dem märchenhaften Winterbild verleihen, zur Geltung. Es ist, als hätte der Gimpel alle Zärtlichkeit bereits in den Lockruf gelegt und für den Gesang nichts mehr übrig. Erst beim abgerichteten Vogel wird die Weichheit der Lockstimme auf den Gesang übertragen.

Name: Auch Dompfaff, von den Farben. Daß man dumme Menschen Gimpel nennt, kommt daher, daß die Vogelfänger den Gimpel, dem die Anhänglichkeit an seinesgleichen zur Falle gemacht wurde, für dumm hielten. „Pyrrhula“ wohl von griechisch „pyrros“ feuerrot. (Vieillot französischer Ornithologe.)

Vorkommen: In Waldgegend oder wenigstens buschreichem Gelände, zumal im Winter häufig, dann gern an Ebereschenbeeren.

Artmerkmal: Die schwarze Kappe und der kurze Schnabel.

Größe: Wie Haussperling. Flügel 8,0—8,6 cm, Gewicht 21,7 g.

Weibchen und Junge: Rücken und Brust braun.

Lockton: Klagendes „diü diü“ (auch bisweilen „büt büt“).

Gesang: Beiden Geschlechtern eigen, heiser, von Schwanzzucken begleitet Ganz anders der flötende, ganze Lieder getreu wiedergebende Kunstgesang abgerichteter Stücke im Käfig.

Eier: 4 bis 5 (6), hellblau, mit einem Kranz schwarzer Kleckschen und Linien und violettbrauner Flecken, Mai bis Juli, zwei Bruten.

Nest: Flacher Bau aus feinen Zweigen usw. mit Mulde aus Wurzelfasern.

Nistplatz: Meist Büsche und Bäumchen an freien Stellen im Walde*). Nahrung: Waldsamen, Beerenkerne, Knospen.

Strichvogel: Die kleine westliche P. europaea bleibt im Winter am Brutort. Sehr selten erscheinen einige in waldloser Gegend.

Mit der erheblich größeren P. pyrrhula (L.), die in Ostpreußen schon brütet, der mitteldeutschen germänica (Brehm) und anderen von den Azoren bis Japan reichenden Formen die Realgattung Loxia Pyrrhula bildend. Flügel der östlichen Form 9,1 bis 9,7 (9,8) cm, Gewicht 30 bis 34 g, bei germanica etwa 22 bis 28 g und bis etwa 9,3 Flügellänge. Die deutschen Gimpelrassen bedürfen noch weiteren Studiums, die südlichen Vögel scheinen Zeugen einer kälteren Zeit, die nordwestdeutschen, von jenen vielleicht eine Zeitlang durch Steppe getrennt, scheinen in einer späteren wärmeren Zeit östlich vorgedrungen zu sein.

*) Ausnahmsweise auch in Gärten oder Anlagen, sogar in den Städten.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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