Feldsperling

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Feldsperling, Passer montánus (L.)

Der Feldsperling ist zwar als unerwünschter Gast in künstlichen Nisthöhlen noch mehr gehaßt als der Haussperling, aber mit seinem weißen Halsring ist er doch ein possierlicher, schmucker kleiner Kerl von liebenswürdigem Wesen. Hübsch sieht es aus, wenn das gleichgefärbte Pärchen nebeneinander im winterlichen Rauhreif auf auf einem Zweig oder auf dem Deckel seines Nistkastens sitzt. Öffnen wir den Kasten, so finden wir darin ein auch im Winter sauber mit Federn, etwa den weißen Brustfedern der Gänse ausgelegtes Bett bereitet, zum Schutz gegen die Kälte. Sonst dienen Nester nur der Brut. Im Frühjahr sah ich den Nesteingang öfters mit Blumen geschmückt, einmal sogar mit einem ganzen Stengel blauer Hyazinthen. Name: „montanus“ = Berge bewohnend, bereits vorlinneische unzutreffende Bezeichnung*).

Vorkommen: Gemein, auch fern von menschlichen Ansiedlungen brütend.

Artmerkmal: Ganzer Scheitel kupferrötlich, schwarzer Backenfleck, zwei Flügelbinden.

Größe: Erheblich geringer als die der vorigen Art. Flügel 6,8 bis 7,5 cm, Gewicht bis 27 g.

Weibchen: Dem Männchen völlig gleich. Herbstvögel ebenso gefärbt wie Sommervögel.

Junge: Wie alte, Scheitel zuweilen mit grauem Anflug in der Mitte.

Lockton: Dui, demm, tett tett tett usw., im Fluge teck oder gä.

Gesang: Balzlaute und Singversuche etwas zarter als beim Haussperling.

Eier: Etwa 5 bis 6, kleiner als Haussperlingseier, öfter dunkel, oft eins weiß, April—Juli.

Nest: Halme, Federn, oft mit bunten Fäden oder Blumen geschmückt, im Winter als Schlafnest hergerichtet, stets in Höhlen, gern in Nistkästen (auch im Unterbau größerer Nester).

Nistplatz: Baumhöhlen und Mauerlöcher.

Nahrung: Ähnlich der des Hausperlings, mehr Unkrautsamen, Schild-läuse usw. Sehr schädlich an unreifem Getreide.

Standvogel: Im Winter bleiben die alten Vögel gepaart.

Einzige deutsche Form der Verwandtschaftsgruppe Loxia Campéstris, die durch weite Verbreitung und ganz andere Gliederung auf wesentlich andere Schicksale als die der Haussperlinge zurückweist.

*) Sie ist aber wie viele ähnliche von Linne, übernommen. Als wissenschaftliche Bezeichnung wählt man stets den ersten Namen seit Linnes Reform von 1758, ohne Rücksicht auf die Bedeutung.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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