Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Eine allen Ansprüchen genügende Darstellung, wie sich das Leben unseres Volkes im XIV. und XV. Jahrhundert gestaltet, zu entwerfen, ist zur Zeit noch unmöglich.

Erst muss in den Städten aus den Archiven zusammengestellt werden, was über das Leben und Treiben der Bürger Auskunft giebt, es müssen die Materialien für einzelne Städte, dann für grössere und kleinere Landstriche gesammelt und veröffentlicht werden. Vor mehr als hundert Jahren hat Samuel Benjamin Klose aus den Breslauer LTrkunden solche Excerpte aneinandergereiht, welche erst 1847 unter dem Titel: „Darstellung der inneren Verhältnisse der Stadt Breslau von den Jahren 1458 bis zum Jahre 1526“ als dritter Band der „Scriptores rerum Silesiacarum“ veröffentlicht worden ist. Leider hat Kloses Beispiel nicht zur Nachahmung angeregt. Xeben diesen wichtigen Urkunden-excerpten sind zumal die Städtechroniken der beiden letzten Jahrhunderte des Mittelalters von Bedeutung, doch auch von diesen Werken ist erst der kleinere Theil gedruckt, nur der geringste in den Musterausgaben der „Deutschen Städtechroniken“ veröffentlicht. Ebenso sind nur vereinzelte Sammlungen der Stadtrechte und Polizeiordnungen bisher bekannt gemacht worden. Auch den Poesien des XIV. und XV. Jahrhunderts hat man noch lange nicht genügende Aufmerksamkeit geschenkt, und viele Gedichte, wie z. B. die für die Sittengeschichte so bedeutenden Werke des Teichners sind noch nicht vollständig herausgegeben worden. Dass auch die deutschen Wörterbücher meist im Stiche lassen, sobald man die Erklärung eines selteneren Ausdrucks, der in den Schriften jener Zeit uns begegnet, in ihnen sucht, ist ja auch nicht in Abrede zu stellen.

Von den Kunstdenkmälern des XIV. und XV. Jahrhunderts sind die für den Gebrauch der Kirche geschaffenen wohl häufig und gründlich studiert worden; das gilt aber durchaus nicht von den Werken der Kunst und des Kunsthandwerks, welche für die Bedürfnisse des weltlichen Lebens bestimmt waren. Noch immer wird gerade diesen Erzeugnissen sehr selten Aufmerksamkeit geschenkt, und Werke, wie die schöne und lehrreiche Veröffentlichung von Moriz 1 leyne „Die deutsche Kunst im Hause“ (Basel 1881), gehören leider noch immer zu den Seltenheiten. So ist auch auf diesem Gebiete keineswegs das noch vorhandene Material vollständig bekannt, geschweige denn bearbeitet und veröffentlicht.

Alle diese Umstände lassen es zwar rathsam erscheinen, mit der Darstellung des deutschen Lebens im XIV, und XV. Jahrhundert so lange zu warten, bis jene geschilderten unerlässlichen Vorbedingungen erfüllt sind; indessen ist es doch auch berechtigt, die Aufmerksamkeit auf diese so interessante Zeit zu richten, anzuregen, dass auch ihr die Theilnahme zugewendet wird, welche der früheren Zeit, zumal der Periode, in der die grosse Zahl von Heldengedichten, von Liebesliedern in Deutschland wie in Frankreich entstanden, in so reichem Masse geschenkt worden ist. Dass diese Schilderung, die ich hier zu geben versuche, nicht auf Grund des gesummten Materiales entworfen ist, weiss ich sehr wohl; es ist mir auch wohlbekannt, dass manche Veröffentlichungen, die für die Arbeit zu benützen erspriesslich gewesen wäre, nicht herangezogen worden sind, weil es hier nicht möglich war, sie zu beschaffen, aber dennoch hoffe ich, wird meine Schilderung nicht ohne Nutzen sein, einmal, indem sie zu ähnlichen Studien anregt, Gelegenheit bietet, die erkannten Lücken meiner Darstellung zu ergänzen, dann aber auch, weil sie dank dem freundlichen Entgegenkommen des Verlegers mit einer solchen Fülle von Illustrationen ausgestattet ist, Abbildungen, die zum grösseren Theile bisher gar nicht oder nur in schwer zugänglichen Werken veröffentlicht worden sind.

Auf diese Abbildungen möchte ich das Hauptgewicht legen. Abgesehen von den wenigen Bildern, die schon früher bekannt gemacht worden sind, wurden besonders Kupferstiche des XV. Jahrhunderts benutzt. Die dankenswertheste Unterstützung wurde mir durch das wohlwollende Entgegenkommen der k. k. Kupferstichsammlung zu Wien und durch die freundliche Theilnahme des schon verstorbenen Custos Dr. Franz Schestag gewährt. Nicht minder fühle ich mich der Verwaltung der Kunstsammlungen Sr. k. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Albrecht, besonders dem Vorstand der Albertina, Herrn Schönbrunner, zu Hanke verpflichtet, wie auch die Kupferstichsammlung des k. Museums zu Berlin und deren Director Herr Dr. Fritz Lippmann mir die Nachbildung einiger Stiche und Handzeichnungen entgegenkommend gewährte. Andere Beihilfe bot die Sammlung‘ des Städel’schen Institutes zu Frankfurt a. M. und stets bereit hat mein lieber Freund, Flerr Adalbert R. von Lanna zu Prag, mich durch Darleihen aus seinen erlesenen Kunstschätzen unterstützt. Von den Handzeichnungen wurden ausser den aus den Berliner, Frankfurter, Prager Sammlungen vor Allem die der Universität Erlangen benützt, deren Nachbildung der Vorstand, Herr Prof. Dr. Zucker, mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit gestattete. Aus der Ambraser Sammlung konnten mehrere Miniaturen copiert werden. Herrn Regierungsrath Dr. Ilg danke ich für die freundliche Unterstützung. Die Vorstände des Germanischen Museums, Herr A. von Essenwein wie Herr Hans Bösch, haben auch diesmal wiederum ihre freundliche Hilfe mir, wie schon so oft, nicht versagt. Die Göttinger Universitätsbibliothek überliess leihweise mir auf längere Zeit kostbare Bilderhandschriften; das Gleiche wurde mir auf meine Bitte wiederholt von der Münchener Hof- und Staatsbibliothek gewährt. Auch aus den Bibliotheken von Krakau, Innsbruck und Weimar habe ich Miniaturmanuscripte erhalten, und diele. Privatbibliothek zu Stuttgart sandte auf meine Bitte sogar mehrere wichtige und werthvolle Manuscripte. Ich danke hiermit aufs Herzlichste den Vorständen dieser Sammlungen, den Herren Professoren Dziatzko, Laubmann, Est-reicher, Hörmann, Huber, Reinh. Köhler, Zeller. Nicht minder wurde mir bei meinen Studien auf der Landesbibliothek zu Kassel jede Förderung zu Theü. Endlich danke ich meinem verehrten Collegen Herrn Prof. Dr. Gindely, durch dessen freundliche Vermittlung mir die Benützung einiger wichtigen Bilderhandschriften aus der Bibliothek des Herrn Fürsten Lobkowitz gestattet wurde.

Nur ein Theil der Miniaturen ist von tüchtigen Künstlern copiert worden. Von Fahrnbauer in Wien rühren die trefflichen Nachbildungen der Handschriften aus der Ambraser-Sammlung her; im Germanischen Museum wurden die farbigen Kopien nach der Göttinger Handschrift des Bellifortis angefertigt, die grössere Zahl von Miniaturen habe ich selbst nach Durchzeiehnungen copiert, auch mancherlei andere Kunstwerke, die gerade zur Illustration des Buches passend erschienen, gezeichnet, mehr auf die Wiedergabe des für den bestimmten Zweck in Betracht kommenden Details als auf eine exaete Reproduction der ganzen künstlerischen Erscheinung Gewicht legend.

Durch die Bekanntmachung so vieler bisher wenig beachteter Kunst-denkmiiler glaube ich auch die Kenntniss der Kunstgeschichte des Mittelalters einigermassen gefördert zu haben. Zugleich lag es mir daran, zu zeigen, wie die Denkmäler der Kunst für die Erforschung der Sittengeschichte nutzbar gemacht werden können, und dass die Kunstgeschichte auch für die Lösung solcher Fragen von hervorragender Bedeutung sich erweisen kann.

Die Anfertigung der Buntdrucke verzögerte die Herausgabe des Buches ganz erheblich, und die mehr als zweijährige Dauer der Drucklegung trug auch dazu bei, dass manche für dies Werk eigens angefertigte Abbildungen von Anderen früherund oft auch besser veröffentlicht werden konnten. So sind die Miniaturen der Krakauer Bilderhandschrift des Balth. Be hem roh Br. Bücher inzwischen in Lichtdrucken bekannt gemacht worden, die natürlich meine Zeichnungen als ungenügend erscheinen lassen müssen.

Es soll, wie schon der Titel des Buches besagt, eine deutsche Sittengeschichte des XIV. und XV. Jahrhunderts gegeben werden, doch erschien es erspriesslich, die Schilderung nicht präcis mit dem Beginn des Jahres 1500 abzubrechen, sondern dieselbe bis zum ‚Tode des Kaisers Maximilian (1519) fortzuführen. Die Gründe lür diese Anordnung liegen aut der Hand; ich wollte aber, da mir in einer Besprechung des ersten Jlalhbandes der Vorwurf gemacht wurde, dass ich die selbstgesteckten Grenzen willkürlich überschritten habe, hier nochmals hervorheben, dass dies mit Vorbedacht und, wie ieh glaube, auch mit vollem Kocht geschehen ist.

In der hier vorliegenden Eamilienausgabe wurden alle Abbildungen und Ausdrücke, welche irgend Anstoss erregen konnten, und die in der grossen Ausgalws nicht zu vermeiden waren, entfernt, auch manche Kürzung der Darstellung theils von dem Verfasser selbst vorgenommen, theils ohne dessen Beiwirkung von der Verlagsbuchhandlung angeordnet.

So weit es möglich war, sind die Quellenschriften wörtlich angeführt worden. Das Deutsch des XIV. und XV. Jahrhunderts ist ja auch für die Jetztzeit nicht schwer zu verstehen, besonders wenn man sich erinnert, dass aw oder ow wie au, ew wie eu ausgesprochen werden. Schwierige Worte sind immer erklärt worden.

Es schien geboten, bei der Schilderung des Lebens im XIV. und XV. Jahrhundert nicht den Versuch zu wagen, das Treiben der europäischen Culturvölker als ein Ganzes vorzuführen, sondern sich darauf zu beschränken, nur eine einzige Nation ins Auge zu fassen. Im XII. und XIII. Jahrhundert war der Unterschied in Sitte und Gewohnheit zwischen den Völkern, so weit wir das zu beurtheilen vermögen, noch weniger scharf ausgeprägt, oder richtiger gesagt: bei der Dürftigkeit der Quellen-Überlieferung ist er für uns minder wahrnehmbar; aber für das spätere Mittelalter tritt er um so deutlicher hervor, und deshalb ist es geboten, dass zunächst das Leben der einzelnen Völker untersucht wird; dann später wird man mit Leichtigkeit die Züge feststellen können, welche den civilisierten Nationen Europas in gewisser Zeit gemeinsam waren. Ja es ist nicht zu verhehlen, dass selbst in Deutschland schon in den letzten beiden Jahrhunderten des Mittelalters sich gewisse Unterschiede in Sitten und Lebensweise der verschiedenen Landstriche ausgebildet hatten, auf die Rücksicht zu nehmen nur die zur Zeit noch fehlende Veröffentlichung des Quellenmateriales verbietet, die aber jedenfalls im Auge behalten werden muss. Bereits Sigmund von Herberstein bemerkt, als er auf einer Reise nach Dänemark 1516 die Grenze von Norddeutschland überschreitet: „da befanndt ich ain grosse Veränderung der Speis unnd des Landwesens“, und Sebastian Franck von Wörth, der die Verhältnisse seiner Zeit so genau kannte, sagt in seinem Weltbuche von Deutschland: „und hat schier ein jede Provintz yr eygen sitten nach dem sprüchwort: lentlich sittlich“.

Es ist also nicht zulässig, die Berichte eines Landstriches zur Charakterisierung der allgemeinen Verhältnisse zu verwenden, wenigstens ist eine gewisse Vorsicht geboten. Wenn diese Warnung in dem vorliegenden Buche nicht immer buchstäblich befolgt worden ist, so war die Dürftigkeit des vorhandenen Quellenmaterials daran schuld. Dass die Materialien in reicherem Masse für die spätere Zeit als für den Beginn des XIV. Jahrhunderts zur Verfügung standen, hat auch auf die Schilderung wesentlich eingewirkt. Dass die Aeusserungen der Sittenprediger, die oft von so grosser Bedeutung sind, nicht immer gar zu wörtlich zu nehmen sind, brauche ich wohl nicht zu betonen; ich habe auch in der Darstellung hin und wieder darauf hingewiesen, möchte aber noch einmal hervorheben, wie gerade diese Strafpredigten wohl vorhandene Uebel-stände rügen, aber die Sünden auch, damit sie den Hörern recht klar und verabscheuenswerth erscheinen, schwärzer ausmalen, als sie in Wirklichkeit gewesen sind.

Die Zeit des XIV. und XV. Jahrhunderts hat in Deutschland nur wenige grossartig gedachte und angelegte Baudenkmäler aufzuweisen. Die imposanten Dombauten des romanischen und gothischen Stiles, die schönen Klosterkirchen wie die mächtigen Reichspaläste gehören einer früheren Epoche an; aber mögen die Kunstformen auch gegen Ausgang des Mittelalters weniger vollendet sein, so ist doch eine viel grössere Mannigfaltigkeit der künstlerischen Aufgaben jetzt dem Architekten zu lösen Vorbehalten. Die kirchliche Kunst tritt mehr und mehr in den Hintergrund; an Stelle der Kathedralen baut man jetzt hauptsächlich Pfarrkirchen, anstatt der Klöster der alten vornehmen Mönchsorden solche für Bettelmönche. Aber in allen grösseren Städten entstehen Rathhäuser und legen von dem Reichthum, von dem Kunstgeschmack der Gemeinde, die sie erbauten, Zeugniss ab. Kaufhäuser und alle die Gebäude, deren ein entwickeltes Gemeindeleben bedarf, werden errichtet. Die Wohnhäuser der Bürger werden immer stattlicher und entbehren auch nicht des architektonischen Schmuckes, der künstlerischen inneren Ausstattung. Die Kunst wird Allgemeingut; wenn sie auch an Feinheit und Schönheit verliert, so gewinnt sie dadurch wieder an Vielseitigkeit, und manches Denkmal entsteht selbst in der Spätzeit, zumal auf dem Gebiete des Kunsthandwerks, dem auch wir unsere Bewunderung nicht zu versagen vermögen. Die Werke der Plastik tragen zwar nicht mehr jenen idealen Charakter an sich, welcher die hervorragenderen Arbeiten des XIII. Jahrhunderts so vorteilhaft auszeichnet, doch ist im XIV. Jahrhundert wohl zuwreilen noch ein Nachklang derselben zu bemerken, und wenn die mehr naturalistischen Leistungen des ausgehenden Mittelalters auch das Auge oftmals weniger befriedigen, so kann es doch nicht verkannt werden, dass gerade diese Art der Kunstbestrebungen erforderlich war, sollte die spätere Zeit, auch technisch in jeder Hinsicht ausgerüstet, die ihr gestellten Aufgaben in vollkommener Form zu lösen im Stande sein. Wie die Malerei erst seit der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts ihrer Vollendung entgegengeht, wie Holzschnitt und Kupferstich den Sinn für die Schöpfungen der Kunst ebenso verbreitete, als dies die Buchdruckerkunst mit den Werken des Geistes, der Gelehrsamkeit that, das auszuführen erscheint überflüssig. Gewiss die meisten Erzeugnisse der späteren mittelalterlichen Kunst sind Handwerkerarbeiten, entbehren, wenige rühmliche Ausnahmen abgerechnet, einer höheren idealen Schönheit und Tiefe der Erfindung, aber gerade dadurch waren sie wieder geeignet, auf die Menge des Volkes zu wirken, in der That volksthümlich zu werden. So erscheint dieser ganze Zeitabschnitt, dessen Leben kennen zu lernen hier unsere Aufgabe bildet, durchaus nicht so uninteressant, wie man auf den ersten Blick hin dies glauben möchte. Es ist ein mächtiges Streben erkennbar; auf allen Gebieten der Wissenschaft beginnt es sich zu regen; grosse, für die Folgezeit hochwichtige Erfindungen und Entdeckungen werden gemacht; der Gesichtskreis des Volkes erweitert sich zusehends; schon beginnt man zu prüfen, was man in früheren Jahrhunderten gläubig hingenommen, und, was immerhin zu beachten, die llussiten gewinnen sich mit bewaffneter Hand Anerkennung ihrer Glaubenssätze. Bald werden auch sociale Bewegungen bemerkbar; eine Aenderung der Eigenthumsverhältnisäeeu zunächst der Verhältnisse des Guts- und Grundherrn zum zinspliichtigen Bauer wird angestrebt, und schliesslich erstickt man diese Bewegungen für einige Zeit mit blutiger Gewalt. Aber auch die mittelalterliche Form der öffentlichen Verwaltung ändert sieh. Gelehrte Juristen treten an Stelle der Volksrichter, eine Verbesserung der so mangelhaften Reichsverfassung erscheint geboten und wird wenigstens zum Theil doch allmälig erreicht. Das Kriegswesen bekommt durch die Verwendung des Schiesspulvers eine ganz andere Gestaltung. Bald überwiegen die Söldnertruppen die aus den Landeskindern gebildeten, zur Kriegsfolge verpflichteten Heere: es bildet sich ein Berufssoldatenstand ausf ohne, den die grossen Kriege des XVL und XVII. Jahrhunderts nicht denkbar gewesen wären.

Allein alle diese soeben berührten Erscheinungen sind schon längst von berufenerer Hand geschildert worden, dagegen hat man das tägliche Leben jener Zeit immer nur flüchtig dargestellt, einzelne, oft aus dem Zusammenhang herausgerissene Notizen zu culturgeschichtlich bedeutsamen Thatsaehen stempelnd. Und doch verdiente auch das bunte mannigfache Leben am Schlüsse des Mittelalters wohl eine eingehendere Betrachtung, als es dieselbe bis jetzt gefunden hat. Dass die hier gebotene Darstellung durchaus nicht den Anspruch erhebt, etwas Vollständiges, in sich Abgerundetes zu bieten, ist in der Vorrede schon ausgesprochen worden. Auch bei dieser Arbeit war es das Hauptziel des Verfassers, zunächst die für den Kunsthistoriker, für den Alterthumsforscher wichtigen Fragen anzuregen, vor Allem die Costümgeschichte, die ja für die Kunststudien von so hoher Bedeutung ist, genau darzustellen, im Uebrigen aber nur die bunte Aussenseite des damaligen Lebens zu schildern, ein tieferes Eingehen in die verschiedenartigen Fragen aber Anderen zu überlassen.

Stichelreden gegen die verschiedenen Stämme, Landstriche und Städte Deutschlands

Das Reich des deutschen Kaisers umfasste noch im XIV. und XV. Jahrhundert ein grosses, mächtiges Ländergebiet. Die Freigrafschaft Burgund, Savoyen, Lothringen und die Niederlande gehörten ihm zu; auch die Schweiz trat erst 1648 völlig aus dem Reichsverbande aus. Die Karte, die 1493 Hartmann Schedelin seiner Weltchronik veröffentlichte, und die in verkleinerte» Mässstahe hier (Fig. 1) mitgetheilt wird, gibt einen Ueber-blick über das ganze weite Gebiet, das damals der deutsche Kaiser mit «nitaer mehr geminderter Macht Vollkommenheit beherrschte. Die politische Bedeutung- der Reichsfürsten, der reichsunmittelbaren Grafen und Freiherren, der Reichsstädte war seit dem XIII. Jahrhundert stetig- gewachsen, und mit ihrem Wachsthum war die Macht des Kaisers verringert worden. Die einzelnen deutschen Landstriche fühlten sich kaum noch zusammengehörig-, und frühzeitig schon finden wir Scherzgedichte, in denen die deutschen Volksstämme charakterisiert und verspottet werden. Hin solches lateinisches Gedicht ist uns erhalten. Es wird da Oesterreich als freigebig, aber Geschrei liebend und beweglich geschildert, sein guter Tisch gelobt, aber tlie leichtfertige Redeweise getadelt, Mähren Sei fromm, aber leicht zu täuschen. Den Schwaben wird vorgeworfen, dass sie um eines Geschenkes willen ihre Versprechungen brechen; dagegen vermeiden sie unschicklich zu reden, sind edel und stolz. Witzlos, schwarz, furchtsam und trunksüchtig sei der Böhme, der Baier freigebig, heiter, betrügerisch, nicht von zu feinem Verstände, beständig, gesellig.

Dann wird Frankens guter Wein gelobt, der Weinreichthum am Rhein um Speier gepriesen; bemerkt, dass INIaestricht nur allein an Fischen reich sei, dass der Brabanter massig“ bei Fische, geschmeidig und beharrlich sei, der Flanderer geschwätzig, aberreich; Holland gilt für arm, nur reich an Milch, kühn, thöricht, keusch; aufsetzigseien die Friesen, stark, Löwen im Kriege, bessere Trinker gebe es nicht unter dem Himmel; der „Elsässer“ ist treu im (Lauben, keines Menschen Freund; wenn er dir Willkommen zuruft, nimm; du dich wie vor einem Feind® inacht; dumm sind die Sachse«* nicht aber züchtig, nicht zur Freigebigkeit geneigt, weil sie arm sind; Diebe sind dit: Thüringer. weniggastfrei gegen fahrende Leute, dagegen tanzen sie hübsch; bei ihnen ist der gebratene Häring beliebt; aus dem Kopfe machen sie fünf Gerichte; in Westphalen ist man verschwiegen, ruhig, beharrlich; da herrscht die schöne Frau, die gastliche Aufnahme ist gering, grobes Brod, dünnes Bier, lange Meilen gibt es da u. s. w. Trier ist dem Alter nach, Köln des Reichthums halber, Mainz seines Ansehens wegen die erste Stadt.

Nach den von Mone veröffentlichten lateinischen Distichen wird der Kölner im Alter immer zaghafter, der aus Cleve geiziger, der aus Geldern stolzer, der Lütticher gröber, der Brabanter dümmer, der aus dem Hennegau klüger, der Flanderer schamloser, der Seeländer nichtsnutziger, der Holländer auf gutes Essen erpichter, der Maestrichter verschlagener. Ein anderes Gedicht, das er an gleicher Stelle anführt, sagt; Brüssel erfreut sich der Edlen, Antwerpen des Geldes, Gent seiner Taue, Brügge der hübschen Mädchen, Löwen der Gelehrten und Mecheln der Dummköpfe.

Wattenbach theilt dann aus einer Münchener Handschrift des XV. Jahrhunderts ein paar lateinische Verse mit. Frömmigkeit in Italien, Wahrhaftigkeit in Ungarn, Demut in Oesterreich, Keuschheit in Bayern, Armut in Venedig, schöne Weiber im Mohrenlande, Religiosität in Böhmen, Glückseligkeit in Bologna, Brot in Köln, Trunkenheit in Sachsen, Treue in Thüringen, Meilen in Westphalen, Einfalt in Schwaben, Auslegungen der Juden, Erfurter Bier taugen alle summt und sonders nichts.“ Interessant ist ferner eine Art Sequenz, welche R. Peiper veröffentlicht hat. In derselben wird die Kunstfertigkeit und die Verfassung von Nürnberg gerühmt; die Elsässer, Pfälzer, Württemberger werden wegen ihrer Liebe zum Wein geneckt. Dann preist der Dichter das schöne Belgien, die feinen Brabanter und ihre anmuthigen Mädchen. F’ischer und Flirten, Schiffer und Kaufleute sind die Holländer und Seeländer. Die Dänen stechen mit Dolchen; die Holsteiner sind wild und grausam. Die benachbarten Lübecker, Bremer. Hamburger werden ihres Handels wegen gerühmt, die Sachsen wegen ihres Muthes; aber sie sind Trunkenbolde, doch stark von Körperbau. Die Thüringer sind ungastlich, die Meissner nicht ganz so schlimm, aber grosse Heuchler. Die Lausitzer und Slaven sind diebisch und feig, und schmutzig die Märker. Schlesier sind verliebt, haben schöne Frauen, sprechen aber bäuerisch … Die Mährer und Böhmen sind gotteslästerliche Ketzer; trunksüchtig (madidi) sind die Oesterreicher.“

Eine deutsche Priamel, die Eschenburg- in seinen Denkmälern (Bremen 1790), 417 mittheilt, lautet: „In Baiern zeucht man viel der sehwein.Der treib man viel hinab an Rein. In Pohland. in Winden bös gebäu, Die Ungarn lausig und ungetreu. In Mähren auch desselben gleichen, Die Swarzfelder tückisch schleichen. Vogtländer kiihdieb und auch rauben. Der Rockenzan mit dem ketzers glauben, Den thät der Huss in Daheim pflanzen. Die Schweizer gern fechten und tanzen. In Oestreich viel käsbrüh und langes haar, Tn Ivärnthen mancher trunkner thor. Prcussen und Sachsen trinken zu, An der see mit fischen wenig ruh. Und in Westphal göttlich gericht, Am Rhein schön frauen, als man spricht. In Meissen teutsche sprach gar gut, In Franken manches edle blut, We hüt, we hodels,1 frommes volk. In Flandern mancher grosse schalle. Kl-sasser schelten, fluchen und schwören, Die Schwaben überflüssig zehren; Vor allen landen sie doch geben Buben, henker, gemeiner weiber leben. Es ist ein gut land, aber selten komm ich heym. Die Fleminger ich desgleichen mevn. In den landen findt man reich und arm: Schwaben hüpft auf mit leerem darin.“

Die Burgen

Wenn uns die kaiserlichen und fürstlichen Schlösser, die im XII. und XIII. Jahrhundert in Deutschland erbaut wurden, die Paläste von Eger, Gelnhausen, Wimpfen a. B., Münzenberg in der Wetterau, vor allem die Wartburg bei Eisenach, den Beweis liefern, dass der hohe Aufschwung, den die Architektur gerade in jenen Zeiten genommen, auch den Profanbauten zugute kam, so dürfen wir doch nicht ausseracht lassen, immer uns zu erinnern, dass die Mehrzahl der Burgen, in denen der deutsche Adel jener Zeit hauste, keineswegs sehr prächtig eingerichtet und ausgeschmückt war, dass vielmehr dieselben meist dürftig und schlicht, mehr für die Sicherheit als für die Behaglichkeit der Bewohner bestimmt, nur aus fest aufgethürmten Mauermassen bestanden.

Feldsteine, die unbehauen zu mächtigen starken Mauern gefügt waren, lieferten das Material für die meisten dieser Burgen, und selten hat der Steinmetz seine Kunst zur Verschönerung dieser trotzigen, aber keineswegs schönen Bauten verwendet. Und diesen Charakter tragen die meisten der noch im XIV. und XV. Jahrhundert erbauten Burgen an sich. Bei dem Mangel alles ornamentalen Schmuckes ist es deshalb überaus schwer genau die Zeit zu ermitteln, in welcher sie errichtet wurden. Diese cyklopischen Mauerreste, die uns in den meisten Burgruinen entgegentreten, können ebenso gut dem frühesten wie dem spätesten Mittelalter angeboren. Dürftigkeit ist der gemeinsame Charakter, der allen diesen Burgbauten, gar wenige abgerechnet, aufgeprägt ist. Der deutsche Adel ist durchschnittlich nicht reich begütert; die Anforderungen an standesgemässen Luxus waren seit der Staufenzeit bedeutend gewachsen ; die Einkünfte, welche die Landwirthschaft gewährte, erschienen gering gegen die Summen, welche der Kaufmann für schöne Kleider, Waffen, Rüstungen etc. verlangte; man musste sich aufs äussorste einschränken, wollte man stand es-gemäss leben, oder seine Einkünfte zu vermehren trachten, und auf Verschönern ihrer Wohnsitze scheinen die Herren am allerwenigsten ihre Einkünfte verwendet zu haben, lieber auf prächtige Kleider, auf wüste Schmausereien und Trinkgelage.

Viele Ritter halfen ihrer bedrängten Lage, wie das schon früher geschehen war, durch Wegelagerei auf. Dass indessen dem gefangenen Raubritter und Heckenreiter der Tod gewiss war, wenn er in die Hände der Städter fiel, schreckte die‘ Mehrzahl dieser vornehmen Strauchdielfee nicht ab; es kam eben nur darauf an. dass er sich nicht fangen liess, und um dies zu erreichen, musste er sich in seiner Burg möglichst sicher verstecken können. Trotzte diese Burg dem Ansturm der erbitterten Städter, so war für einige Zeit die Befahr abgewendet. Aber zahllose Raubnester wurden schon seit der Regierung Rudolfs von llabsburg gestürmt und gebrochen, selten von den Kaisern oder den Landesfürsten, am häufigsten von den schwer geschädigten Städten; alle Städtechroniken berichten von solchen Zügen; aber damit wurde das Hebel nicht ausgerottet, es wurde höchstens der zu grossen Concurrenz .gesteuert. Noch bis tief ins X VI. Jahrhundert hinein bleibt die alte Landplage der Raubritter bestehen. Dass diese rohen, ungeschlachten Gesellen, die mit den Rittern der höfischen Gesellschaft des XII.—XIII. Jahrhunderts gar nicht verglichen werden können, auf die Ausschmückung ihrer Raubnester kein Gewicht legten, ist ja natürlich; hätten sie wirklich einigen Schönheitssinn gehabt, dann würden ihnen die Mittel gefohlt haben, denselben zu bethätigen. So ist nur das Nothwendige geboten; dass man auf schöne Formen sieliL das ist eine sehr seltene Ausnahme.

Wie für die alten Burgen der früheren Zeit suchte man einen steilen Bergkegel, eine isolierte Bergklippe, einen von Wasser oder Morast umgebenen Platz, der, schon von Natur schwer zugänglich, sich leicht verteidigen liess. Ein Graben erschwert die Annäherung an die eigentliche Burg; erst wenn die Zugbrücke niedergelassen ist, kann man durch das noch mit Eallgattern bewehrte Thor in den Burghof eintreten. Wenn es der Raum erlaubte, war das eigentliche Kernwerk der Burg von der Vorburg- durch weitere Befestigungen geschieden. In der Vorburg sind nun innerhalb der Ringmauern die Pferde- und Viehstalluugen untergebracht ; es sieht da sehr ländlich aus: grosse Hühnermengen beleben den Raum: ein reicherer, vornehmerer Herr hält sich wühl auch Pfauen, nicht bloss des schönen Anblicks wegen, sondern weil dieselben einen als 1.eckerbissen hochgeschätzten Braten lieferten. Die Gebäude sind meist aus Holz oder aus Bindwerk errichtet, mit Stroh- oder Schindeldächern gedeckt, und das erklärt, warum wir in den Burgruinen keine Spuren mehr von ihnen vorfinden. Die aus Feldsteinen cyklopisch gefügten Mauermassen haben der Zeit mehr Widerstand geleistet. Im innern der Burg, wo der Herr selbst seine Behausung hatte, sah es wohl ein wenig behaglicher aus; die Mauern waren dann wenigstens mit Mörtel abgeputzt und geweisst, aber beschränkt waren die Räume jedenfalls und die Einrichtung derselben mehr als dürftig. Ja selbst die Schlösser, auf denen von Zeit zu Zeit Kaiser ihren Aufenthalt nahmen, hatten eine ärmliche Ausstattung und mussten immer erst erforderlichen Falles in Stand gesetzt werden. Die Nürnberger Chroniken berichten uns häufig, wie man die Burg für den bevorstehenden kaiserlichen Besuch vorübergehend einigermassen wohnlich machte. Einzelne Schlossherren hatten nun allerdings für die künstlerische Ausstattung ihrer Schlösser mehr Sinn und Verständnis; sie Hessen z. B. ihre Säle mit Wandgemälden schmücken. So finden sich in dem böhmischen Schlosse Neuhaus bedeutende Überreste von Wandmalereien aus dem Anfänge des XIV. Jahrhunderts, Scenen aus der Legende des h. Georg darstellend, im Schlosse Lichtenberg in Tirol solche aus dem Anfänge des XV. Jahrhunderts. (Fig. 2.) Andere Malereien sind in dem Schlosse Klingenberg in Böhmen erhalten. Sie stammen etwa aus dem Ende des XV. Jahrhunderts; ein Hochzeitszug ist noch ziemlich gut zu erkennen, während die Bilder der deutschen Kurfürsten schon mehr zerstört sind. Ein Schlachtbild und die Darstellung eines Turniers nebst Bildnissen von Fürsten etc., aus dem Jahre 1476 herrührend, finden sich im Saale der königlichen Burg zu Pisek in Böhmen. Das bekannteste Beispiel einer so reich gezierten Burg ist Runkelstein, bei Bozen im Talferthale gelegen. Da sind um 1400 die Säle mit Malereien aus den Epen von Tristan und Isolde und Garei vom blühenden Thal geziert, ja selbst die eine äussere Wand ist bemalt, und das Badezimmer hat einen reichen Schmuck von Wandgemälden erhalten. Aber der damalige Besitzer des Schlosses, Nicolaus von Vintler, war auch ein kunstgebildeter Mann, selbst Dichter und Freund der Dichtkunst; zudem möchte die Nähe Italiens auch diese Erscheinung mehr erklären. In der Regel aber begnügte man sich, wenn überhaupt die Kunst zur Ausschmückung der Burg in Anspruch genommen wurde, die Kapelle ausmalen zu lassen, und von diesen Malereien sind auch heute noch ziemlich viele, bald gut im Stande, bald mehr oder weniger zerstört, übrig geblieben.

Die Mehrzahl der Burgen ist nur noch in mehr oder weniger bedeutenden Ruinen erhalten; theils sind sie im Kriege zerstört worden, theils giengen sie, von ihren Bewohnern verlassen und infolge dessen vernachlässigt, zugrunde. Wurden in der Nähe neue Gebäude aufgeführt, und war der Transport nicht gar zu beschwerlich, dann benützte man die Ruine geradezu als Steinbruch, schleppte alle gut behauenen (Quadersteine fort und Hess nur die rohen Eeldsteingemäuer unberührt. Daher sind überaus wenige gut conservierte Burgen des Mittelalters auf unsere Zeit gekommen. Unter diesen ist besonders hervorzuheben das malerische Schloss Eltz, in der Nähe der Mosel bei Münstormaifeld gelegen, von dem hier einige Abbildungen gegeben werden. (Fig. 3 — 8.) Von einem kleinen befestigten Landhause, das nicht weit von Breslau liegt und 1313 erbaut wurde, habe ich eine flüchtige Skizze hier mit-getheilt. (Fig. 9.) Auch die festen Häuser von Marburg und Dielz können als Beispiele dienen (Fig. 10 und 11). dann die schöne Federzeichnung im mittelalterlichen 1 lausbuche, das der Fürst Waldburg-Wolfegg besitzt. (Fig. 12.) Die Ansichten von Burgen in Zeiller’s Topographien, von Matthäus Merian gezeichnet und gestochen, geben uns allein eine Vorstellung von dem Aussehen gut erhaltener fester Schlösser und Häuser. (Fig. 13.) Aber auch bei diesen so interessanten Abbildungen bemerken wir schon, dass die meisten Burgen nicht mehr in ihrer rein mittelalterlichen Gestalt erscheinen, dass im Laufe des XVI. Jahrhunderts mannigfache Anbauten und Umbauten ihre Form verändert haben. Die Stiche und Zeichnungen von Dürer geben uns daher oft ein besseres, unverfälschteres Bild. Besonders wichtig aber erscheinen die Miniaturen, die 1405 für das Werk des Eichstätter Kriegsbaumeisters Konrad Kieser, das Buch „Bellifortis, gemalt wurden. Aus diesem interessanten Werke, dessen schönstes Exemplar in der Universitätsbibliothek zu Göttingen bewahrt wird, theile ich die Abbildungen Fig. 14 und 15 mit.


Eine andere Abbildung einer wohlerhaltenen Burg bietet die Miniatur der Breslauer Froissarthandschrift vom Jahre 1408 und 1469. (Fig. 16.) Eine mehr dorfmässige Befestigung zeigt der Holzschnitt aus Hartmann Schedel’s Weltchronik. (Fig. 17.)

Als gegen das Jahr 15oo der Ritter Wilwolt von Schaumburg sein Stammschloss wiedersah, fand er alles verfallen. rAber es was vast wiest, nit 111er dan mit zweien ahn kematen, sonder mauer und graben, der bergbesetzt. Den understunt sich her Wilwolt von stunt zu bevestigen, mit gueten mauern, türnen, gefiertn graben, sehietten (Palissaden) und basteien zu umbiegen, die behausung mit neuen kematen und gueten herlichn gemachen und einer schönen löblichen capeilen zu pauen.“

Über die innere Einrichtung einer Burg- geben uns Inventare der Burg Badenweiler von 1422 und 1424 eine Vorstellung. Es werden ausser dem Keller und dem Kornhause „sechzehn Räumlichkeiten aufgezählt: die Herrenkammer mit einem Stüblein daneben, die Kapelle, Ritterkammer, Ritterstube, Küche und Pfisterei (Backhaus). Kerner Kammern für den Schreiber, Schaffner, Keller und Kellerin“. In jeder Stube ausser in der Ritterstube und in der Speisekammer stehen Betten. Dieselben sind mit Strohsäeken. Federkissen und Deeken ausgestattet. Weisszeug wird in Kisten und Laden bewahrt. Bedeutend ist die Menge des Küchen-geräthes und der vorhandenen Waffen. Aus dem Jahre 1523 rührt das Inventar des Schlusses Pocksberg her. Als Probe theile ich mit, was über die Einrichtung der Wohnzimmer des Burgherrn vermerkt wird.

Was die Wohnlichkeit einer Burg anbelangt, so haben wir hier das Zeugnis des Ulrich von Hutten, der sich in einem Briefe vom 23 October 1518 gegen Pirkhaimer folgendermassisß. über das Leben auf dem Steckelberg bei Fulda, seiner Stammburg, äussert: „Man lebt auf dem Felde, in Wäldern und in jenen Bergwarten. Die Leute, die uns erhalten, sind äusserst ddürftige Bauern, denen wir unsere Aecker, Weingärten, Wiesen und Wälder verpachten. Der Ertrag daraus ist im Verhältnis zur aufgewendeten Mühe gering, aber man gibt sich viel Mühe, dass er gross und reichlich werde, denn wir müssen sehr fleissige Haushälter sein. Dann stehen wir nothwendigerweise in einem Dienstverhältnis zu einem Fürsten von dem wir Schutz hoffen dürfen; wäre ich dies nicht, so würden sich alle alles gegen mich erlauben; und wenn ich es auch wäre, so ist doch diese Hoffnung- mit Befahr und täglicher Besorgnis verbunden, denn wenn ich aus dem Hause hinausgehe, ist zu befürchten, dass ich denen in die Hände falle, mit denen der Fürst in Händel und Fehde ist: an seiner Stelle fallen sie mich an und schleppen mich fort. Wenn das Unglück es will, kann ich mein halbes Vermögen auf das Lösegeld verwenden ; so treffe ich, wo ich auf Schutz gehofft, vielmehr auf Angriff. Doch dazu halten wir Pferde und schaffen Waffen an. sind von zahlreichem Gefolge umgeben mit grossen und in allem schweren Kosten, dass wir nicht fünfhundert Schritt weit ohne Waffen und Rüstung spazieren gehen dürfen.


Kein Dorf kann man unbewaffnet besuchen, nicht auf die Jagd, zum Fischen anders als gerüstet gehen. Dann gibt es häufig Streit zwischen unsern und fremden Bauern; es vergeht nicht ein Tag, wo uns nicht von irgend einem Hader berichtet wird, den wir sehr vorsichtig schlichten. Denn wenn ich zu keck mich der Meinigen annehme und ihnen angethanes Unrecht verfolge, so entsteht ein Krieg; wenn ich zu geduldig nachgebe und von meinem Rechte nachlasse, stelle ich mich den Unbilden von allen Seiten bloss; denn was einem zugestanden worden ist, das würden die andern auch für sich bewilligt sehen wollen, eine Belohnung für ihr eigenes Unrecht. Doch zwischen welchen Leuten kommt so etwas vor? Nicht unter Fremden, mein Freund, sondern zwischen Verwandten, Angehörigen, Verschwägerten, ja auch unter Brüdern ereignet sich das. Das sind die Annehmlichkeiten unseres Landlebens, das die Ruhe und Ungestörtheit. Ob die Burg auf einem Berge oder in einer Ebene liegt, immer ist sie nicht zur Behaglichkeit, sondern zur Befestigung erbaut, von Gräben und Wall umgeben, innen eng, mit Vieh-und Pferdeställen zusammengedrängt, da sind nahebei dunkle Kammern mit Kanonen, mit Pech und Schwefel, und was sonst zur Kriegsrüstung gehört, vollgefüllt. Ueberall riecht man den Gestank des Schiesspulvers, dann die Hunde und ihren Unrath — auch ein schöner Duft, wie ich meine. Es kommen und gehen Reiter, unter ihnen Räuber, Diebe und Wegelagerer, denn gewöhnlich stehen unsere Häuser offen, und wir wissen nicht, wer ein jeder ist oder kümmern uns nicht zu sehr darum. Man hör! das Blöken der Schafe, das Brüllen der Ochsen, das Bellen der Hunde, das Geschrei der Leute, die auf dem Felde arbeiten, der Karren und Wagen Knarren und Gerassel, ja in unserer Heimat auch der Wölfe Geheul, da die Wälder nahe sind. Alle Tage sorgt man und kümmert man sich um den morgigen Tag, es gibt beständige Bewegung, beständige Stürme: dieFAlder müssen geackert und umgegraben werden, in den Weinbergen ist Arbeit, es sind Bäume zu pfianzen, Wiesen zu bewässern; da ist zu behacken, zu säen, zu düngen, zu ernten, zu dreschen; es kommt die Ernte, es kommt die Weinlese. Wenn dann in einem Jahre schlechtes Ergebnis, wie dies bei jener Unfruchtbarkeit meist geschieht, eintritt, dann entsteht eine wunderbare Noth, eine wunderbare Armut, etc.“

Etwas reicher und schöner waren die Schlösser der Fürsten ausgestattet. Zu den vorzüglichsten Bauten dieser Art gehört das von eine Reihe von Zimmern vorhanden, die 1487 1504 erbaut, eingerichtet und ausgeschmückt worden sind. Eine der interessantesten Schlossbauten des ausgehenden Mittelalters ist die Albrechtsburg zu Meissen (Fig. 20), errichtet seit 1471. Ueber dieses schöne wohlerhaltene Monument spät-gothischer Architektur besitzen wir eine vortreffliche Monographie von Cornelius Gurlitt (Dresden 1881), der die hier mitgetheilten Abbildungen (Fig. 21—23) entlehnt sind. Auch von dem böhmischen Königsschlosse auf dem Ilradschin zu Prag sind einige geringe Ueberreste, unter ihnen der von König- Wladislaw erbaute Festsaal (1493) übrig geblieben.

Selbst bei diesen fürstlichen Schlössern ist Bequemlichkeit der Bewohner nur in zweiter Linie inbetracht gekommen; die Rücksichten auf die Sicherheit gegen alle Angriffe waren vor allem massgebend. Allein es finden sich hier doch grössere Festsäle vor, die in den kleineren Burgen meist fehlen, und die Kunst des Steinmetzen, des Males» ist in den meisten Fällen inanspruch genommen worden, so dass auch diese Monumente ähnlich wie die in den Städten errichteten Baudenkmäler einen wirklich künstlerischen Charakter an sich tragen.

Den vervollkommneten Feuerwaffen konnten die Burgen und die Schlösser nicht widerstehen. „Was vor hundert jaren fest gewesen ist“, heisst es in Joh. Agricola’s Sprüchwörtern (Nr. 711), „das ist jetzt unfest, wie mann weyß von den alten Stetten und schlossern.“ Und wieder an einer andern Stelle (Nr. 186) sagt derselbe Autor: „Die gröste feste war vor aller gewalt: die bergschloß, mauren und steinern thürne. Da warden büchsen und grew lieh geschoß erdacht, damit man die grossen festen ernieder würfft und zerbricht, und das geschöß thut grossem schaden, weil es mauern und stein sein, dann so es ein blosse were. Bey unsern Zeiten trachtet man wider das geschoß und bereitet zur gegenwehr bolwerck, grüben, welle, darin die büchsen bestecken, und können nicht schaden thun. Es wirt bald auch ein kunst kommen, damit man auch die welle und bolwerck umbreisset, das das sprüchwort war sey: Was luetischen hende machen, das können menschen hencle auch widerumb zubrechen.“

Haben die Burgenbauten dadurch zu leiden gehabt, dass man sie zerstörte, oder auch nur verliess und dem Verfalle preisgab, so wurde den Schlössern verhängnisvoll, dass auch in Deutschland seit dem Beginne des XVI. Jahrhunderts die italienischen Bauformen der Renaissance Eingang fanden. Bei der grossartigen Bauthätigkeit des XVI. Jahrhunderts entstanden zahllose Neubauten von Schlössern, und dem neuen Geschmack zuliebe mussten die alten gothischen Gemäuer abgetragen werden. Diesem Schicksal sind, wie gesagt, nur sehr wenige Monumente entgangen.

Aus dem Buch:Deutsches Leben im XIV und XV Jahrhundert (1892), Author: Schultz, Alwin.

Im Text gezeigte Abbildungen:
Wandmalerei im Schlosse Lichtenberg (Tirol)
Burg Eltz
Hof von Burg Eltz
Ausschnitt Marburg
Dietz im Lahuthal
Festes Haus – Aus dem Mittelalterlichen Hausbuch
Burg aus dem Jahr 1405
Burg aus dem Jahr 1405 – nach der Miniatur in der Göttinger Handschrift
Befestigung Burg aus dem Jahr 1493 – nach H.Schedels Chronik
Belagerung einer Burg um 1469
Nürnberg (Stadtansicht)
Marienburg

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