Deutsche Mythologie – Die Riesen – Name und Art der Riesen

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Eine uralte germanische Bezeichnung der Riesen hat bereits Tacitus überliefert (Germ. 46). Jenseits der Finnen im hohen Nordosten beginnt die Fabelwelt: die Ellusier und Etionen haben Gesichter und Antlitze von Menschen, Leiber und Gliedmaßen wilder Tiere (S. 146). Etja, Etio (urgerm. *etanaz), an. iotunn, ags. eoton, as. etan (as. Etanasfeld, thür. Etenes-leba) gehört zu etan „essen“ und bedeutet „gefräßig“. Noch im 11. Jhd. (Adam. Brem. 4, 25. 19) wird, wie in der nordischen Mythologie durchgängig, das Heim aller Unholde und Riesen in den Nordosten verlegt. Diese merkwürdige Übereinstimmung läßt sich nur dadurch erklären, daß“ seit unvordenklichen Zeiten die germanische Weltansicht sich die Riesen im Nordosten hausen dachte. An der Grenze der Welt lebt nach der Dichtung des Mittelalters ein ungeheueres, nur zu Fuß und mit Stahlkolben kämpfendes Geschlecht, das mit dem grünen Home der Drachen bedeckt und mit ihrer Schnelligkeit begabt ist (Wolfram Wilh., Titurel), und ein besonderes Riesenreich begegnet auch sonst in der Sage (Rother 767). Eine andere urgerm. Bezeichnung war urisaz, stark, kraftvoll (ahd. turs; vgl. den Ortsnamen Tursinriut, Tirschenreut; Turislöon = Riesen walden, jetzt Dorla bei Fritzlar, und die Eigennamen Thurismund, Thurisind; mhd. türse, Schweiz, türsch, dürst, ags. dyrs, an. Jjurs). Der Name von Armins Gattin, Thusnelda, gehört nicht hierher, er bedeutet nicht die Riesen (Thursen) Kämpferin (Thursinhilda), sondern büsnello ist die Kraftkühne.

Nur in Deutschland findet sich der Name Riese, der Kräftige, Männliche, Starke (skr. vrSan, ahd. risi, riso, as. wrisil, mhd. rise; nicht zu risan „sich erheben“ gehörend). Auch urgerm. *hünaz ist der Kräftige, Starke (mhd. hiune, mds. hune, Hürne; vgl. an. hunn Bär, skr. <jüra cler Held, und die Ortsnamen: Hauna, Hünfeld, Personennamen: Hünila, Hünirix, Hünimund, Humbert, Hünbolt = Humbold). Da aber für Hüne die Bedeutung „Riese“ nicht vor dem 13. Jhd. belegt werden kann, ist es einfacher, die Hünen aus dem Namen den Hunnen abzuleiten (S. 120). Ein anderer alter Ausdruck liegt noch vor in ags. ent, bayer.-österr. Enz, enterisch, enzerisch = ungeheuer groß, seltsam: Enzenberg (Inselberg) = Riesenberg.

Alle diese Namen bezeichnen das Gewaltige, Ungeheuere. In einem ags. Gedichte heißt es: „ich kann mächtiger schmausen und essen als ein alter Riese.“ Von der Gefräßigkeit der Riesen ist der allgemeine Name Etionen wie der besondere Eigenname Wolfesmäge entlehnt (Virg. 882). Selbst von rohem Fleisch oder gar von Menschenfleisch nähren sie sich: so entstand der Menschenfresser unserer Märchen. Soweit an leiblicher Größe und Stärke der Mensch den Zwergen überlegen ist, bleibt er hinter den Riesen zurück.

Den ungefügen Ecke vermag kein Roß zu tragen, in weiten Sprüngen, einem Leoparden gleich, rennt er durch den Wald; das Wild flüchtet in den Wald und schaut neugierig seinem gewaltigen Laufe nach. Der Bauch eines auf der Erde ausgestreckten Riesen sieht aus wie ein kleiner Berg (K. H. M. Nr. 134); ihre Leiber sind elf und wohl sechszehn Fuß lang (D. S. Nr. 326). Für das Pferd eines Riesen muß ein besonderer Stall gebaut werden, es ist mehr denn zehn Ellen hoch und liegt an einer gewaltig dicken Kette, die ihm statt des Halfters dient; die Königstochter muß auf einer Leiter hinaufsteigen und drückt dem Rappen die ellenlangen Sporen in die Seite, als er vom Hexentanzplatz über die brausende Bode setzt; vier Fuß tief schlägt das Roß seinen Huf in das harte Gestein, das noch heute die Roßtrappe heißt (D. S. Nr. 318).

In fast allen gebirgigen Gegenden ist die Sage vom Riesenspielzeug bekannt. Das Riesenfräulein von der Burg Nideck streicht mit einer Hand Bauern, Pferde und Pflug in ihre Schürze, erreicht mit einem Schritte den jähen Berg, wo die väterliche Burg ragt, und stellt das Spielzeug auf den Tisch (D. S. Nr. 17, 319, 324). In Steine, mit denen sich die Riesen geworfen oder auf denen sie gestanden haben, findet man die Male von ihren Händen und Füßen eingedrückt (D. S. Nr. 19, 134 ff., 166). Der kleine Sohn der Riesenkönigin Frau Hütt knickt sich eine Tanne als Steckenpferd ab (D. S. Nr. 233). Der junge Riese zerbricht eine eiserne Stange, die kaum vier Pferde fortschaffen können, reißt zwei der größten Bäume auB und schleppt sie mit dem Wagen und den Pferden nach Hause; Mühlsteine, die auf ihn geworfen werden, hält er für Sandkörner und trägt einen Mühlstein als Halsband (K. H. M. Nr. 90).

Die Fußtritte der Riesen bilden Täler in die weicho Erde, sie machen meilenweite Sprünge, von den Tränen eines Riesenweibes rühren die Flüsse her, und die Berge sind nur Helme der Riesen, die tief in der Erde stecken. Die Kraft und Wildheit der Riesen übt sich am liebsten in mächtigen Steinwürfen, Bergversetzungen und Ungeheuern Bauten. Wenn sie von Wut entbrennen, so schleudern sie Felsen, reißen secbzigjährige Eichen samt den Wurzeln aus und fechten damit (K. H. M. Nr. 90; D. S. Nr. 318), werfen Löwen an die Wand (Rother 1150), reiben Flammen oder drücken Wasser sub den Steinen (Roth. 1048, K. H. M. Nr. 20), flechten Tannen wie Weiden (Nr. 166) und stampfen mit dem Fuße bis ans Knie in die Erde (Roth. 943). Sie müssen von den Helden, denen sie dienen, in Fesseln gelegt werden, und nur im Kriege läßt man sie gegen den Feind los. Nach Tiroler Sagen fährt der Bauer in einen gestrüppvollen Hohlweg — es ist aber das Nasenloch eines Waldriesen, der ihn samt Ochsen und Wagen in die weite Welt hinausniest; von dem Brüllen eines Riesen in seiner Höhle wird ein ganzer Berg morsch und stürzt ein; der Riese, dem ein Hauer dient, ist so hoch, daß das Erdenwurm auf eine Tanne steigen muß, wenn es seinem Herrn etwas zurufen will. Der Riese Harpin fällt wie ein Baum zu Boden (Iwein 5074), Asprian tritt den Verwundeten in den Mund (Roth. 4275), die Stimme des Riesen Velsenstöz erbraust wie eine Orgel, davon Berg und Tal erschallt (Virg. 732, 864, 870): auch Glockeböz, der Glockenschläger und Klingelbolt sind Sturmriesen, deren heulender Ruf furchtbar im Hochgebirge erdröhnt. Wenn der schlafende Sigenot atmet, biegen sich die Baumäste, er rauft in dem Tann Bäume aus und trägt den Berner unter den Armen fort (60, 73, 74, 110, 158). Die Riesin Runse nimmt einen Baum mit Wurzeln und Ästen, daß zwei Wagen sie nicht gefahren hatten; eine andere schreitet über alle Bäume und bedarf der Häute zweier Rinder zu ihrer Beschuhung. Der ungeheuere Körper der Riesen ist zuweilen mit mehreren Händen und Häuptern ausgestattet: ein mhd. Gedicht nennt einen dreihäuptigen Thursen; Heime, der Sohn einer Meerminne, hat vier Ellenbogen, Asprian vier Hände.

Seit alter Zeit waren Sagen vom Streite berühmter Helden gegen die Riesen berühmt, vor allem Beowulfs Sieg über Grendel und seine Mutter. In der Vorrede zum Heldenbuche heißt es: „Gott schuf zuerst die kleinen Zwerge, damit sie das wüste Land bauten und das Gebirge mit seinen Schätzen ergründeten. Darauf ließ er die Riesen werden, damit sie die wilden Tiere und die großen Würmer erschlügen, auf daß die Zwerge sicherer wären, und das Laud besser bebaut werden könnte. Die Riesen wurden jedoch böse und untreu und taten den Gezwergen Leid an. Da schuf Gott die starken Helden, zwischen Zwergen und Riesen in der Mitte, die die Zwerge vor den Riesen schützten und die
wilden Tiere und Würmer bekämpften. Er gab deshalb den Helden die Natur, auf Mannheit und Ehre, auf Streiten und Jagen Mut und Sinn zu stellen.“

Das Altertum kannte zwar auch die Riesen als wild und gefährlich, stellte sie sich aber auch leiblich schön, erfahren, gutmütig, wenn auch plump vor. Die schönste geistige Blüte der Riesenwelt ist der urweise Herrscher der Binnengewässer Mimiaz. Noch in vielen Sagen lagert der kindliche Frohsinn friedlich heiterer Verhältnisse über ihnen, und daraus eutspringt ihre Treue und Redlichkeit. Hoher, strebender Sinn ist ihnen eigen, wie der Name Höhermuot zeigt (Virg. 890). Als sie aber vertrieben wurden, ward ihr gutmütiger, heiterer Sinn bitter und finster, dumpf und stumpf: so erklären sich die Namen Bitterbüch, Bitterkrüt und Tuinbo. Gewissermassen die Mitte zwischen den guten und bösen Seiten der Riesen nehmen in der as. Genesis die Nachkommen Kains ein (119 ff.). Der Dichter folgt zwar der Bibel, nimmt aber die lebhaftesten und eindrucksvollsten Farben aus dem heimischen Glauben. Von Kain stammen kräftige Leute, hartgemute Helden, herben Gemütes, wilden Willens, sie wollten des Waltenden Befehle nicht erfüllen, erhüben schlimme Fehde, erwuchsen zu Riesen. Der Riese auf Nideck duldet nicht, daß sich seine Tochter an den Menschen vergreift. Rübezahl, der schlesische Wetterherr, erweist armen Leuten Wohltaten, wenn sie es verdienen. Die riesischen wilden Frauen der Tiroler Sage treten als Mägde bei Bauern in den Dienst. Namentlich in Tirol kennt die Sage noch alte gute Eigenschaften der Ungeheuern Gesellen. Weichherzig weinen sie über verunglückte Tiere, schützen die Waldvögel und das Alpenvieh, sagen das Wetter voraus und lehren die Bauern manches Nützliche, denn sie sahen den Urwald schon neunmal fällen und wachsen und erfuhren deshalb so mancherlei. Der und jener Wilde sperrt sich auch ein seliges Fräulein in den Singkäfig, statt es zu zerreißen, wie ihre Sitte sonst ist. Auch suchen sich einige den Menschen zu nähern. Mancher Riese kehrte über den Winter in Bauernhöfen ein und erwies sich im Sommer darauf für die Herberge dankbar, indem er den Hof vor wilden Wassern und Bergfällen schirmte. Riesentöchtor spannen Liebschaften mit starken Kauern an, und wenn diese nicht beim ersten Kuß an gebrochenen Rippen verschieden, heirateten sie sich und wurden die Stammeltern der Unholde und der „Starken“, die an vielen Orten bis in die jüngste Zeit fortlebten. So zeigten die Riesen neben der plumpen Kraft eine gewisse treuherzige Gutmütigkeit. Aber wir verstehen auch, daß in den Bergen und Tälern der wilden Gebirgslandschaft, in der Wildnis des Tiroler Hochgebirges wie im Norden an der Küste des Meeres besonders das Furchtbare der Riesenerscheinung ausgebildet wurde, und können die Vorliebe nachempfinden, mit der mhd. Dichter altes mythisches Volksgut ihrer Heimat bearbeiteten. Dietrichs Kämpfe mit Riesen sind noch voll des frischen Naturlebens, von dem sie den Ausgang nahmen; und die Rolle, die Dietrich als gewaltiger Streiter im Kampfe mit den Riesen und Drachen spielt, ist durchaus mythisch, wenn auch gerade erst die jüngsten Dichtungen davon berichten. Dietrich ist zwar nicht in die Stelle eines alten Donner- oder Sonnengottes gerückt, er ist zwar kein verkappter Donar, noch auch dessen Hypostase — wohl aber enthalten die auf seine Person übertragenen Sagen Reste alter Sturm- und Gewittermythen. Im Eckenliede tritt deutlich der alte Sturinriesenmythus zutage, da rauscht noch immer der unbändige Sturmgeist, zum Schrecken der Vöglein und alles Getieres, durch die krachenden Bergwälder. Selbst in dem späten Dichtwerke Virginal waltet noch immer ein regerSinn für die großartige Gebirgswelt, deren gewaltsame Erscheinungen als Riesenvolk mal Drachenbrut dargestellt sind. Donnerartig wie ein niederstürzender Bergbach ertönt das gräßliche Schreien der Riesen. Als Dietrich mit tödlichem Steinwurf einen jungen Riesen getroffen hat, stößt dieser einen so grimmen Schrei aus, als bräche der Himmel entzwei, und seine Genossen erheben eine Wehklage, die man vier Meilen weit über Berg und Tann vernimmt; die stärksten Tiere fliehen aus der Wildnis, es ist, als wären die Lüfte erzürnt, der Grimm Gottes im Kommen, der Teufel herausgelassen, die Welt verloren, der jüngste Tag herangebrochen. Ein starker Riese Felsenstoß läßt seine Stimme gleich einer Orgel erdröhnen, man hört sie über Berg und Tal, überall erschrecken die taute, und selbst der sonst unersättliche Kämpe Wolfhart meint, die Berge seien entzwei, die Hölle aufgeweckt, alle Recken sollen flüchtig werden. Die Riesen hausen wie die Drachen am betäubenden Lärm eines Bergwassers, bei einer Mühle und zunächst einer tiefen Höhle. Der Zusammenhang dieser riesischen Gestalten mit ihrer landschaftlichen Umgebung hat sich frisch und lebendig erhalten.

In der Volkssage hat sich die Eigenart der Riesennatur am echtesten fortgepflanzt. Aber einige altertümliche Züge finden sich auch in der höfischen Ritterdichtung des Mittelalters.

Selbst in den Artusromanen gehören ungeschlachte Riesen, .ungefüge Knaben zur notwendigen Ausstattung. In dem Romane des Strickers Daniel sind sie unverwundbar wie auch sonst (S. 104). Ihr Vater hat sie so hart gemacht, daß sie nur durch ein ganz besonderes Zauberschwert verwundet werden können. Dieses Schwert erwirbt Daniel vom Zwerge Juran und tötet sie (S. 140). Ebenso muß Dietrich erst vom Zwerge Alberich Nagelring das gute Schwert erhalten, um das Riesenpaar zu bezwingen. Ein altes mythisches Motiv ist auch, daß der Kiese nur durch ein Schwert besiegt werden kann, das ihm selbst gehört: es muß Eisen und Stein wie Holz schneiden können. Mit der Waffe, die Kuperan ihm gewiesen, tötet Siegfried den grimmen Drachen. Beowulf findet in Grendels Wohnung oin Riesenschwert, aller Waffen Krone, das alte Erbkleinod und tötet damit das mächtige Meerweib, die Wölfin des Grundes (1558 f.). Ein gewöhnliches Eisenschwert schneidet auf die Riesen nicht ein, bloß mit dem Schwertknopfe können sie erschlagen werden (Ecke 178).

Auch das komische Element fehlt nicht, das den Riesen anhaftet.

Der Senoschall Keie schilt die Tafelbrüder, weil Bie vor einem Riesen fliehen und reitet mutig auf ihn los. Der aber packt ihn wie die andern und schwenkt ihn wie eine Waffe in der Luft Zufälligerweise hat er nur die Rüstung gefaßt. Von dem Schwingen saust Keie aus Halsberg und Waffenrock heraus; vom tödlichen Fall wird er aber durch eine nahe Linde gerettet, die ihn mit ihrer Krone auffängt, so daß er von Ast zu Aste sachte niederfällt. Auch der Riese Widolt schwenkt einen Feind als Waffe und wirft einen über vier Mann hin, daß seino Füße die Erde nicht berühren (Roth. 1701, 1718).

Steine und Felsen sind des Riesengesehlechtes Waffen.

Mit Felsen und Bäumen bekämpfen sie einander und schleudern ungeheuere Blöcke wider die verhaßten Kirchen. Von großen Steinen, die einsam in weiter Ebene liegen, sagt das Volk, daß Riesen oder Hünen sie geworfen hätten. Auch Steinhämmer und Äxte werfen sie sich zu (D. S. Nr. 20, 16); ein Felsen bei Bonn heißt Fasolts Keule. Spätere Sagen geben den Riesen Stahlstangen, von vierundzwanzig Ellen, eiserne und stählerne Kolben. Widolt beißt in die Stahlstange, die zwei gewöhnliche Männer nicht zu heben vermögen, daß Feuer daraus fährt und schlägt damit wie ein schneller Donner (Roth. 650, 2734). Mit einer eisernen Stange haut der Riese, der Siegfrieds Reich bewacht, dem Helden den Schild in Stücke (N. L. 461). Wiederholt wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Riesen ritterliche Waffen nicht führen, sondern nur eine mächtige Stange (Strickers Daniel; Er. 5384).

Kleine Sandhügel und erratische Granitblöcke schreibt norddeutsche Sage den Hünen zu, die erst vor hundert Jahren ausgestorben seien. Bauten der Vorzeit, die lange Jahrhunderte überdauert haben, und die das heutige Geschlecht nicht mehr unternimmt, stammen von den Riesen her.

Das Wort der Bibel (Matth. 5, 4) „es mag die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen bleiben“, wird im Heliand so wiedergegeben: „die Burg, die auf Bergen steht, der hochragende Fels, das Werk der Riesen, kann nicht verhohlen bleiben“ (1395 ff.). Die Höhle des Drachen, den Beowulf erschlagen, heißt der Riesen Werk: Felsenbogen halten mit Stützen das ewigo Erdhaus innen fest (2717). In mhd. Dichtungen wird den Riesen in den alten Zeiten der Bau von Burgen zu geschrieben. In Bayern und Salzburg nennt man gepflasterte Heerstraßen, die dem Volke uralt und nicht geheuer erscheinen, enterisch. In Hessen zeigt man neun gewaltige, große, steinerne Säulen und daran die Handgriffe, wie sie von den Riesen im Arbeiten herumgodreht wurden; denn sie wollten damit eine Brücke über den Main bauen (D. S. Nr. 19). Überall verbreitet sind die Erzählungen, daß Riesen ganze Hügel von ihren Schuhen abstreifen oder daraus schütten, wie wenn es Sandkörner seien, oder kleine Berge aus der löcherigen Schürze verlieren (D. S. Nr. 323 ff.); der Riese ist der Sand und Steinchen führende Wirbelwind, der Bäume entwurzelt und schwere Lasten in die Lüfte hebt. Ein Hüne fiel mit solcher Gewalt auf einen großen Feldstein, daß er das Nasenbein zerschmetterte, und ihm ein Strom von Blut entstürzte, dessen Überreste noch heute zu sehen sind. Ein anderer ritzte beim Springen seine große Zehe an der Turmspitze; das Blut spritzte in einem tausendfüssigem Bogen aus der Wunde und sammelte sich iu einer nie versiegenden Lache (D. S. Nr. 325). Das Blut des versteinerten Sturmriesen und wilden Jägers Watzmann fließt in ein weites, tiefes Seebecken.

Der Norden und Süden Deutschlands sind reicher an Kiesensagen als das mittlere Deutschland; die Hochgebirge (Tirol) und die Küsten der Nordsee reden vorzugsweise von ihnen. Aus der Urzeit stammt der allgemeine Typus, aber Farbe und Gepräge hat ihnen die Gegend gegeben, die sie zu lebensvollen mythischen Persönlichkeiten ausgebildet hat.

Text aus dem Buch: Deutsche mythologie in gemeinverständlicher darstellung (1906), Author: Paul Herrmann.

Siehe auch:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube
Deutsche Mythologie – Schicksalsgeister
Deutsche Mythologie – Der Mütter- und Matronenkultus
Deutsche Mythologie – Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Elfen und Wichte
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Zwerge
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Feldgeister

Auch interessant:
Nordische Göttersage – Sammelkarten
Kunstwerke aus der altnordischen Mythologie
Germanische Schöpfungsgeschichte
Walhall – Germanische Götter- und Heldensagen

Kunst & Buchübersetzungen aus dem Kunstmuseum Hamburg:

(auf das jeweilige Bild klicken)

Indianerleben

Indogermanischer Volksglaube

Mecklenburger Geschichte

Die Bagdadbahn

Schweden im Auge des Künstlers

Jules Joseph Lefebvre

Dresden

Albrecht Dürer

Rembrandt

Fra Filippo Lippi

Das Weib in der antiken Kunst

Wolfgang Willrich

Hans Thoma

GABRIEL METSU

Lucas Cranach der Ältere

Albrecht Altdorfer

Albert Anker

Georg Sluyterman von Langeweyde

Hieronymus Bosch

Walhall – Germanische Götter- und Heldensagen

Die Miniaturen des frühen Mittelalters

Kunst im 3. Reich

Das Deutsche Rathaus der Renaissance

Deutsche Exlibris

Pompeji vor der Zerstörung

Weltkarikatur Völkerverhetzung

Deutsche Burgen und feste Schlösser

Quinta Essentia

Der Krieg in Bildern

Stuttgarter Psalter

Blumenkunst

Zwei Jahre bei den Indianern nordwest-Brasiliens

Die Singvögel der Heimat

Die Nordwest-Passage

Buchempfehlungen

Kräuterbuch aus dem Jahre 1664

Herunter Laden

365 Tage Rohkost

Herunter Laden

Geschichte der Teutschen Nazion

Herunter Laden

Dresden

Herunter Laden

Deutsche Burgen und feste Schlösser aus allen Ländern deutscher Zunge

Herunter Laden

Pompeji vor der Zerstörung

Herunter Laden

Das Weib in der antiken Kunst

Herunter Laden

Rembrandt und seine Umgebung

Herunter Laden

DIE TECHNIK IN DER KUNST

Herunter Laden

Alt-Konstantinopel

Herunter Laden

Olympische Kunst

Herunter Laden

Geschichte der modernen Kunst Band I

Herunter Laden

Deutsche Mystik und deutsche Kunst

Herunter Laden

Der Bauern-Bruegel

Herunter Laden

Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert

Herunter Laden

Walhall – Germanische Götter- und Heldensagen

Herunter Laden

Die Entwicklung der Kunst in der Stufenfolge der einzelnen Künste

Herunter Laden

Deutsche Mythologie

Herunter Laden

Die altdeutsche Buchillustration

Herunter Laden

Die Weltkarikatur in der Völkerverhetzung, was sie aussagt und was sie verrät

Herunter Laden

Album der Dresdner Galerie

Herunter Laden

Album der Casseler Galerie

Herunter Laden

Deutsche Exlibris und andere Kleingraphik der Gegenwart

Herunter Laden

Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert

Herunter Laden

Blätter zur Plastischen Anatomie des Pferdes

Herunter Laden

Die Nibelungen: dem Deutschen Volke Wiedererzählt

Herunter Laden

Quinta Essentia

Herunter Laden

Impf-Friedhof. Was das Volk, die Sachverständigen und die Regierungen vom “Segen der Impfung” wissen.

Herunter Laden

Das Kriegskochbuch

Herunter Laden

Führer für Pilzfreunde (1896)

Herunter Laden

Christliche Sinnebilder

Herunter Laden

Die Frau als Hausärztin: ein ärztliches Nachschlagebuch der Gesundheitspflege und Heilkunde in der Familie, mit besonderer Berücksichtigung der Frauen- und Kinderkrankheiten, Geburtshilfe und Kinderpflege (1911)

Herunter Laden

Bilder-Atlas des Pflanzenreichs nach dem natürlichen System (1901)

Herunter Laden

Asiatische Monumental-Plastik

Herunter Laden

Die Singvögel der Heimat

Herunter Laden

Grundriss Germanisches Recht

Herunter Laden

Urgermanisch

Herunter Laden

Die Schöne Heimat: Bilder aus Deutschland

Herunter Laden

Die Nordwest-Passage

Herunter Laden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.