Archiv für das Jahr: 2015

Die deutsche Graphik

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die graphische Kunst kann man zu den deutschen Dingen rechnen. Es ist nicht sicher bekannt, woher sie ihren Ursprung genommen hat. Vielleicht sind wie der Steindruck, so auch der Kupferstich und Holzschnitt zuerst in Deutschland zu künstlerischer Vervielfältigung benutzt worden. Die frühesten uns erhaltenen Beispiele, ja die Hauptmasse aller frühen Denkmale beider Arten sind deutsch.

Aus dem Bildungstriebe, der in Deutschland in weiteren Kreisen lebendig war als anderswo, sind die vervielfältigenden Künste erwachsen, ebenso wie die deutsche Erfindung der Buchdruckerkunst, deren Werke der Holzschnitt schmückte und anschaulich machte.

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Das Pergamon-Museum

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg


Das Pergamon-Museum wurde nach den Plänen des Geb. Baurats Wolff unter Leitung des Regierungs und Baurats Hasak in den Jahren 1897—1899 erbaut, die Fertigstellung seiner Einrichtung nahm dann noch die Zeit bis gegen Ende 1901 in Anspruch.

Maßgebend für die Anlage des Baues war die Absicht, den großen Relieffries vom pergamenischen Altar in einer seiner ursprünglichen Wirkung möglichst nahekommenden Anordnung und Beleuchtung wieder aufzustellen. Daraus ergab sich die Anlage eines rechteckigen Mittelsaals und eines ihn umgebenden Umgangs, an dessen innerer Wand die Reliefs aufgestellt sind, während an der äußeren Wand andere Skulpturen und die wichtigsten Inschriften aus Pergamon untergebracht wurden. Der tiefer gelegene und darum höhere Mittelsaal soll in erster Reihe die Architektur der wichtigsten in Pergamon wieder aufgedeckten Bauwerke veranschaulichen; außerdem sind an der linken Schmalwand die Hauptstücke aus den architektonischen Ergebnissen der Ausgrabungen zu Magnesia am Mäander, an der rechten Schmalwand Architekturproben aus Priene aufgebaut. Ein unter dem oberen Umgang den Mittelsaal an drei Seiten umgebendes Sockelgeschoß enthält, als Studiensammlung angeordnet und auf Verlangen zugänglich, die wichtigeren Architekturstücke, Skulpturen und Inschriften aus Pergamon, Magnesia und Priene, soweit sie nicht in den Haupträumen untergebracht werden konnten. Zusammenhanglose Bruchstücke und die unbedeutenderen Inschriften sind im Kellergeschoß übersichtlich magaziniert.

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Die Holländischen Radierer vor Rembrandt

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Geerit Pietersz, Jaques De Gheyn, Simon Frisius, Werner van den Valckert, David Vinckboons, Johan Lys, Willem Buytewech, Esaias vanden Velde, Jan van de Velde, Jacob de Gheyn d. j., Moyses Uytenbrouck, Pieter de Molyn.


Die folgenden Betrachtungen gelten den holländischen Radierern der Generation vor Rembrandt. Rembrandt selbst steht allgemein anerkannt als der Gipfel der Radierkunst da; sein radiertes Werk übertrifft an Tiefe des Ausdrucks und vollendeter Ausnutzung der Mittel alles, was vorher von radierenden Künstlern hervorgebracht worden ist, und die Generationen, die nach ihm kamen, haben, so wie sie neue Techniken erfanden, die Radierkunst auch mannigfach verändert, haben jedoch bei allen Wandlungen der Radiertechnik im wesentlichen nur die Mittel ausgebaut, die schon von Rembrandt angewendet worden sind. Selbst die neusten Zeiten schöpfen noch unaufhörlich aus dem gleichen nie versiegenden Quell.

Nach allem, was wir von den Gesetzen der Kunstevolution wissen, kann Rembrandt nicht alles aus sich allein geschaffen haben; es muß notwendigerweise eine ganze Reihe von Schöpfungen gegeben haben, die seine Erscheinung vorbereiteten. Der Forscher fühlt sich, von diesem Gedanken geleitet, angetrieben, die Fäden, mit denen RembrandFs Radierkunst an die vorangehenden Zeiten geknüpft ist, aufzunehmen und zu entwirren. Der lyiebhaber verspricht sich beim Durchsuchen dieses noch wenig bekannten Gebietes einen kleinen Schatz von Kunstdingen, deren Verborgenheit ihn reizt. Beide, der Forscher wie der Fiebhaber, werden sich nicht umsonst mühen. Der Weg allerdings, der zwischen den Massen des noch kaum gesichteten Materiales hindurchführt, ist vorerst etwas schwierig. Auf Umwege wird man gefaßt sein müssen, vielleicht auch auf Irrwege.

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Etruskische Malerei

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der Plan zu einem Buche über etruskische Malerei entstand bei mir, als ich die Gräber Südetruriens an Vorfrühlingstagen des Jahres 1907 mit Freunden von Rom aus zum ersten Male besuchte.

Wer das gewaltige Gräberfeld bei Corneto, in dem die Hauptstadt der Etrusker, Tarquinii Jahrhunderte hindurch ihre Toten bestattete, je durchwandert hat, wird häufig den Wunsch empfunden haben, die Bilder noch einmal in Ruhe zu betrachten, die an den Wänden der Grabkammern an seinen Augen oft nur zu flüchtig vorübergezogen sind. Viele werden freilich nie dazu kommen, Etrurien zu besuchen und die Malereien der Gräber am Orte selbst zu bewundern. Ihnen will mein Buch nach Möglichkeit die eigene Anschauung ersehen, indem es im Bilde vorfiihrt, was heute noch erhalten und der Betrachtung wert ist. Einen Vorteil wenigstens hat der Leser dieses Buches vor dem Reisenden, der Corneto und die übrigen Etruskerstätten aufsucht: der reine Genuß der Malereien ist den an solche Expeditionen weniger Gewöhnten oft stark beeinträchtigt durch beschwerliches Herumsfolpern auf frischgepflügten Feldern, anstrengende Klettereien in die Gräber auf antiken Treppenstufen, die noch wenig von den Cordonaten Bramantes oder Michelangelos ahnen lassen, wobei es auch wohl passieren kann, daß beim Öffnen der schweren Eisentüren der Gräber eine Schlange dem entsetzen Besucher aus dem dumpfigen Gefängnis entgegenstürzt.

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