Putin und Israel – eine komplexe und vielschichtige Beziehung

VORWORT EINAR SCHLERETH – Diesen Artikel halte ich für wichtig, vor allem deswegen, weil ich schon ähnliche Gedanken hatte, aber keine persönlichen Erfahrungen besitze und keine ausreichenden Kenntnisse über das russisch-israelische Verhältnis hatte, um darüber etwas zu schreiben. Im wesentlichen bin ich hiermit einverstanden. Nur ein paar Punkte sehe ich anders.
So finde ich etwa die Gleichstellung von Putin mit dem niedrigen, widerlichen Netanyahu, dem Schlächter von Frauen und Kindern, völlig unangebracht. Und der Mord an Imad Mugniyeh wurde von Anfang an Assad in die Schuhe geschoben, was völlig absurd ist (man muss die englische Wikipedia lesen, die nicht so verlogen ist wie die deutsche). Das hat man getan, um von den wahren Mossad-Mördern abzulenken. Hingegen ist die Zusammenarbeit Assads mit der CIA bei der Folterung von sogenannten Terroristen wirklich ein häßlicher Fleck auf seiner Weste.
Der wiederholte Hinweis im Artikel, dass Putin auf Zeit spielt, ist nicht gerade neu. Das musste er von Anfang an tun, um dem Gegner Sand in die Augen zu streuen. Aber daraus zu folgern, dass Russland es nicht mit NATO plus CENTCOM aufnehmen könnte, halte ich für unsinnig. Da vertraue ich eher Pepe Escobar.
Bei dem geschmacklosen Waffendeal Putins mit Ägypten kann man allerdings noch weitere Gründe anführen. Erstens wurde Ägypten aus der anti-Assad-Phalanx herausgebrochen und Sisi sprach sogar von Hilfe, rein verbal natürlich. Und zweitens hat er selbst alle Hände voll zu tun, um die ISIS im Sinai zu bekämpfen.

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Israeli_flag (2)erschienen bei einartysken

The Saker – 24. Dezember 2015
aus dem Englischen: Einar Schlereth

Der kürzliche Mord an Samit Kuntar durch Israel hat wieder einmal die Diskussion über Putins Beziehung zu Israel enfacht. Dies ist ein enorm kompliziertes Thema und diejenigen, die einfache, vorgefertigte „Erklärungen“ mögen, sollten jetzt aufhören zu lesen. Die Wahrheit ist, dass die Beziehung zwischen Russland und Israel und zuvor noch, die zwischen Juden und Russen ein ganzes Buch erfordern würde. Tatsächlich hat Alexander Soltschenizin genau so ein Buch geschrieben mit dem Titel „200 Jahre zusammen“, aber wegen des eisernen Griffes der Zionisten um die englischen Medien ist es immer noch nicht ins Englische übersetzt worden. Das sollte euch eigentlich schon genug sagen – ein weltweit anerkannter Autor, der den Nobelpreis für Literatur erhielt, kann sein Buch nicht auf Englisch herausbringen, weil sein Inhalt die offizielle Darstellung über russisch-jüdische Beziehungen im allgemeinen und über die Rolle, die Juden in der russischen Politik des 20. Jh. spielten, im besonderen unterminieren könnte! Welch weiteren Beweises bedarf es für die Realität der Unterordnung des ehemaligen britischen Imperiums unter zionistische Interessen?

Ich habe bereits über dieses Thema früher geschrieben und möchte euch zumindest bitten, die folgenden beiden Artikel zu lesen, bevor ihr fortfahrt:

  • Anglozionisten: Kurzer Abriss für Neulinge
  • Wie ein mittelalterliches Konzept von Ethnizität die NATO noch einen gefährlichen Fehler begehen lässt

Bevor ich einige Idiosynkrasien der russisch-israelischen Beziehung aufgreife, möchte ich auf etwas sehr Wichtiges hinweisen: ihr solltet nicht einfach annehmen, dass sie zwischen Juden und nicht-Juden in Russland ähnlich denen im Westen sind. Das ist nicht der Fall. Ohne in eine detaillierte Diskussion der Emanzipation der Juden im Westen und ihre lange Reise von ihrem von Rabbis beherrschen shtetl in die Vorstände der größten westlichen Unternehmen zu tauchen, will ich nur sagen, dass für russische Juden dieser Prozess der Emanzipation in einer weit gewalttätigeren und katastrophaleren Weise ablief. Der zweite große Unterschied zwischen westlichen und russischen Juden ist, dass etwa zwischen 1917 und 1939 eine bestimmte Schicht von Juden (bolschewistische Juden) quasi die totale Kontrolle über Russland hatten. Während der bolschewistischen Periode verfolgten Juden die Russen und besonders orthodoxe Christen mit einem wahrhaft genozidalen Hass. Dies ist eine Tatsache, die den meisten Russen sehr wohl bekannt ist, selbst wenn dies immer noch als kriminelles Denken in westlichen Kreisen angesehen wird. Es ist auch wichtig zu betonen, dass die bolschewistischen Juden nicht nur orthodoxe Christen verfolgten, sondern alle religiösen Gruppen, einschließlich, nebenbei bemerkt, jüdische. Diese Fakten kennt Putin sehr genau und er sprach sie an in einer Rede vor einer Gruppe Juden in Moskau:


Im zweiten oben erwähnten Artikel diskutierte ich diese Fragen und alles, was ich wollte, dass ihr wisst, ist, dass Putin sich der Vergangenheit sehr genau bewusst ist und dass er den Mut und die intellektuelle Ehrlichkeit besitzt, die russischen Juden daran zu erinnern.

Putin und die Rabbis

Die zweite absolut wichtige Tatsache über die Beziehung zwischen Russland und Israel ist die Einwanderung russischer Juden nach Israel. Hier will ich euch nur eine Aufzählung vorlegen, warum das ein entscheidender Faktor ist:

Egal, ob sie in Israel, Österreich, Deutschland oder den USA landeten, machte die Immigration der russischen Juden nach Israel es möglich für jene Juden, die nicht in Russland bleiben wollten, auszuwandern. Umgekehrt trafen jene, die nicht auswanderten, sondern blieben, eine freie Wahl. Das bedeutet, dass die große Mehrheit, wenn nicht alle, der rabiaten Russenhasser und Christen-hassenden Juden Russland verlassen hatten. Jene, die in Russland blieben, taten es, weil sie entschieden, dass es ihre Heimat war.

Eine große Zahl (manche Schätzungen gehen bis zu 20%) der so-genannten „Juden“, die Russland verließen, sind keineswegs Juden, darunter auch solche, die sich in Israel ansiedelten. Die Wahrheit ist, dass die ökonomische und soziale Notlage, der sich die sowjetische Gesellschaft unter Breschnew & Co und unter Jetsin gegenübersah, eine Menge nicht-jüdische Russen ein paar (nicht existierende) jüdische Vorfahren erfinden ließ, um auswandern zu können. Folglich gibt es in Israel viele wirkliche Russen im Gegensatz zu jüdischen Russen.

Als Ergebnis dieser großen Auswanderung gibt es zahllose persönliche Bindungen zwischen Individuen und Familien, die in Israel und Russland wohnen. Das bedeutet, dass, sagen wir, im Fall Irak oder die Hisbollah ließen Raketen auf Israel regnen, es Leute in Russland gibt, die persönlich betroffen sind wegen ihrer Freunde in Israel, selbst wenn sie nicht unbedingt die israelische Politik billigen.

Die sogenannte „russische Mafia“ ist in Wirklichkeit vor allem eine Mafia aus russischen Juden. Das trifft besonders auf den Westen zu. In Russland gibt es jüdische Gangster, aber eigentlich keinen jüdischen Mob. Russische und jüdische Gangster kommen prima miteinander aus und das schafft auch sozusagen starke „Geschäfts“-Bande zwischen „russischen“ Oligarchen und Israel.

Unter Jeltsin wurde das Land praktisch beherrscht von der sog. Semiganirshchina, die „Herrschaft der sieben Banker“. Dies waren die sieben Top-Banker, die etwa 50 % der ganzen Ökonomie Russlands beherrschten. Alle, außer einem (Potanin) waren Juden.

In den Jeltsin-Jahren bestand die große Mehrheit der Mitglieder der Regierung und besonders der Berater aus Juden. Juden hatten auch die Kontrolle über fast alle Mainstreammedien. Um euch eine Vorstellung zu geben, wie vorherrschend dieser Trend in den 1990-er Jahren war, habt ihr hier eine (Maschinen-Übersetzung) Liste von Juden an der damaligen Spitze, die ich im Netz gefunden habe:

Die Oligarchen sind Juden, um die Wiederwahl von Boris Jeltsin bei der Präsidentenwahl 1996 sicherzustellen:
1991 – 1999
Boris Jeltsin (Eltsin – Jude verheiratet mit einer Jüdin)
Naina Jeltsin – eine Jüdin
Berater Jeltsins in ökonomischen Fragen: Livshits, Jude.
Unter Jeltsins Herrschaft (1991-1999) waren die Mehrheit seiner Berater Juden.
Chef der Präsidenten-Verwaltung: Filatov, Chubais, Voloshin, die Tochter des Präsidenten (eine neue Position der jüdischen Behörde) Tatyana Dyachenko (nach jüdischem Gesetz Halacha, als Tochter eines Juden eine Jüdin).
Die Juden in der Regierung:
Alle Schlüsselministerien waren von Juden besetzt:
Wirtschaft: Yasin – Jude
Stellvertr. Minister: Urison – Jude
Finanzminister: Panskov – Jude
Stellvertreter: Vavilov – Jude
Vorsitzender der Zentralbank: Paramonov – Jude
Außenminister: Kozyrev – Jude
Energie-Minister: Shafranik – Jude
Kommunikationsminister: Bulhak – Jude
Minister für Natur-Resourcen: Danilov – Jude
Transport-Minister: Efimov – Jude
Gesundheitsminister: Nechayev – Jude
Wissenschaftsminister: Saltykov – Jude
Kulturminister: Sidorov – Jude
Massenmedien:
Vorsitzender der Medien: Rodents – Jude
PRESSE:
„News“: Golemiovskiy – Jude
„Komsomolskaya Pravda“: Fronin – Jude
„Moskovsky Komsomolets“: Gusev (Drabkin) – Jude
„Arguments and Facts“: Starks – Jude
„Work“: Potapov – Jude
„Moskow News“: Karpinski – Jude
„Kommersant“: Yakovlev (Ginsburg) – Jude
„New Look“: Dodolev – Jude
„Nezavisimaya Gazeta“: Tretyakov – Jude
„Evening Moscow“: Lisin – Jude
„Literary Newspaper“: Udaltsov – Jude
„Publicity“: Izyumov – Jude
„Interlocutor“: Kozlov – Jude
„Rural Life“: Kharlamov – Jude
„Top Secret“: Borovik – Jude
Fernsehen und Radio:
„Ostankino“: A. Yakovlev – Jude
Russian TV and Radio Company: Poptsov – Jude
1996.1999 „Seven bankers“
Die gesamte russische Finanz in den Händen von Juden konzentriert. Ein Land, das von sieben Bankern beherrscht wird:
1. Aven -Jude
2. Berezovsky – Jude
3. Gusinsky – Jude
4. Potanin – kein Jude
5. Smolensk – Jude
6. Friedman – Jude
7. Khodorkovsky – Jude
8. Roman Abramovich – Jude

Die Liste von Juden in der Sowjet-Regierung von 1917 – 1939 sieht genau gleich aus. Ihr könnt sie im Internet selbst heraussuchen.

Um die Wahrheit zu sagen, sind Leute, die solche Listen aufstellen, selten von rein wissenschaftlichen Absichten getrieben und fühlen sich oft nicht an strenge Beweise gebunden. Es ist also durchaus möglich, dass ein gewisser Prozentsatz der Listen keine Juden sind.

Aber selbst mit einer großen Irrtumsmarge bekommt man ein Bild. Sowohl 1917 bis 1939 als auch zwischen 1991 und 1999 waren die Zügel der Macht fest in jüdischer Hand und beide Male mit wahrlich katastrophalen Folgen. Der große Unterschied ist, dass die Juden an der Macht Anfang des 20. Jh. ideologische Gegner des Anglo-Imperiums waren, aber am Ende des 20. Jd. praktisch eine Erweiterung des anglo-zionistischen Imperiums.

Über die Erweiterung des anglo-zionistischen Imperiums

Ich habe schon oft früher erklärt, dass die Kandidatur von Putin für die Jeltsin-Nachfolge ein Kompromiss zwischen den russischen Sicherheitsdiensten und dem russischen „großen Geld“ war; Medvedev wurde als Gegenwicht zu Putin aufgestellt. Ich beziehe mich gewöhnlich auf die Kräfte, die Putin stützen als „eurasische Souveränisten“ (neue Wortschöpfung von Saker) und jene, die Medvedev stützen als „atlantische Integrationisten“. Das Ziel der ersteren ist, Russland vollständig souverän zu machen und es zu einem Schlüsselelement in einem multi-polaren, doch eurasisch geeinten Kontinent zu machen, mit dem Ziel der letzteren, von dem anglo-zionistischen Imperium als ebenbürtiger Partner akzeptiert und in die westlichen Machtstrukturen integriert zu werden. Das Folgende ist so wichtig, dass ich es in einem getrennten Absatz behandeln werde:

Die Atlantischen Integrationisten haben immer noch die volle Kontrolle über den russischen Finans- und Bankensektor und sie kontrollieren die Russische Zentralbank. Sie sind bei weitem die größte einzelne Gefahr für Putins Herrschaft und jener, die ihn unterstützen. Bedenkt man, dass etwa 90 % der Russen jetzt Putin unterstützten, heißt das, dass diese Atlantischen Integrationisten die größte Einzelbedrohung des russischen Volkes und Russlands als Ganzem darstellen.

Wie ist das alles mit Israel verknüpft? Einfach!

Putin erbte ein System, das von und für das anglo-zionistische Imperium geschaffen wurde. Er war der Kompromiss-Kandidat zwischen zwei radikal entgegengesetzten Parteien und er brauchte Jahre, um zuerst die meisten der russisch-jüdischen Oligarchen los zu werden und dann, gradweise, den Prozess der Säuberung zu beginnen, bei dem Schritt für Schritt die Zionisten von ihren Macht-Positionen ausgebootet wurden. Laut Mikhail Khazin, hat die Machtbalanz zwischen beiden Gruppen jüngst 50 : 50 erreicht, ein (unstabiles) Gleichgewicht. Das bedeutet also, dass die „Putin-Leute“ täglich gut auf ihren Rücken aufpassen müssen, weil sie wissen, dass ihre sogenannten Kollegen bereit sind, sie jeder Zeit niederzustechen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Mir fällt gerade ein, dass die Coup-Gerüchte in Russland stark übertrieben sind. Nicht nur, weil Putin die Unterstützung der „Macht -Ministerien“ (Verteidigung, Staatssicherheit, Inneres, etc.) genießt, sondern, noch viel wichtiger, die Unterstützung von 90 % des Volkes. Einen Mann zu stürzen mit so einem kultähnlichen Gefolge, ein Mann, der wirklich von der großen Mehrheit des Volkes geliebt wird, wäre zu gefährlich. Aber das heißt nicht, dass die 5. Kolonne nicht bereit ist, jede Anstrengung Putins und seiner Anhänger zu sabotieren.

Die Wahrheit ist, dass Putin gezwungen ist, viele, viele Male Kompromisse einzugehen. Hier nur ein paar Beispiele:

Die Oligarchen
: Als Putin Russland von der semibankirshchina befreite, hat er nicht direkt gegen die Oligarchen zugeschlagen. Er hat sich nur jener Oligarchen entledigt, die, wie Khodorkovsky im Grunde einen Staatsstreich gegen Putin durchführen wollten, indem sie die gesamte Duma kauften. Den Oligarchen wurde gesagt, „haltet euch von der Politik fern und ich lasse euch in Ruhe“. Der Deal gilt heute immer noch.

Die Wirtschaft: Selbst in seiner jüngsten Rede musste Putin erklären, dass er die Zentralbank und die Wirtschaftsminister der Medvedev Regierung unterstützt. Bedenkt man, dass praktisch ALLE Putin-Anhänger offen und laut Zeter und Mordio schreien gegen die Misswirtschaft in der russischen Wirtschaft, dann ist das eindeutig eine erzwungene Erklärung und nicht etwas, was er glaubt.

Nebenbei bemerke ich eine systematische Verteufelungs-Kampagne im zentralen russischen Fernsehen gegen die Zentralbank und die Wirtschaftsminister, und das kann kein Zufall sein. Ich sehe voraus, dass Putin eine Säuberung dieser Kreise vorbereitet, aber dass er erst alle seine Hühner auf Vordermann bringen muss, bevor er handelt, besonders indem er die öffentliche Meinung gegen sie aufbringt. Jetzt wird die russische Ökonomie immer noch von IWF-Puppen gelenkt, von „Washington consensus“-Typen, daher ihre idiotische Politik der Zinsraten, dem Ankauf von US-Obligationen, der niedrig gehaltenen Inflationsrate etc. pp. Putin ist aus Überzeugung nicht, was ich einen „Sozialisten“ nennen würde, aber er ist definitiv ein Vertreter eines „sozialen Markts“ und jemand, der wirklich versucht, Russland von dem westlichen Finanzsystem abzukoppeln und nicht nach den Regeln des Imperiums zu tanzen.

Außenpolitik
: Erst jetzt, seit Putins vergangener Wiederwahl, führt Russland ein ziemlich konsistente Außenpolitik, nachdem sie vorher im Zick-Zack verlief. Besonders während der Medwedew-Zeit, als der Iran und Libyen von Russland im UNSC verraten wurden (was Putin offen „dumm“ genannt hat).

Persönlichkeiten: Erinnert ihr euch an den super-korrupten Verteidigungsminister Serdiukov? Ratet mal. Er ist immer noch nicht wegen irgendetwas angeklagt worden. Selbst die Frau, mit der er die meisten dreckigen Geschäfte machte, lebt immer noch in ihrem luxuriösen Appartment in Moskau. Was sagt uns das? Dass selbst, als Putin starke Beweise hatte von Serdiukovs Schandtaten und er die Macht hatte, ihn durch Shoigu zu ersetzen, hatte er nicht genug Macht, um die hohen „Atlantischen Integrationisten“ ins Gefängnis zu stecken.

Die Nazi-besetzte Ukraine
: Putin hatte genug Kontrolle über die Regierung, um die lebenswichtigen Voentorg (Versorgungsgüter) zu schicken und sogar ein paar Spezialkräfte und Artillerie-Schläge über die Grenze, um den Neurussen zu helfen, aber er konnte die Wirtschaftsminister nicht zwingen, die russische ökonomische Macht zu nutzen, um die ukrainische Ökonomie zu erdrosseln. Das Ergebnis war, dass Russland im Grunde kostenlos Energie über die Grenze nach Kiew schickte.

Russenfeindliche Propaganda
: Als jüngst ein drittrangiger Sport-Journalist, Alexei Andronov, einen bösartigen anti-russischen Kommentar auf Twitter legte, wurde er dafür von Alexei Puskkov kritisiert, ein Journalist, der auch Chef des außenpolitischen Komitees der Staatsduma ist und eine eigene TV-Show „Postscriptum“ hat. Der TV-Kanal, der seine Show sendet, TV Tsentr, schnitt die Kritik an Andronov sofort heraus. Dann hat der berühmte russische Filmregisseur Nikita Mikhailkov eine ganze Show aufgenommen, wo das Ereignis diskutiert wurde, und TV Rossia, die die Show sendeten, schnitten die ganze Episode heraus. Die Direktorin des TV-Kanals, wo Andronov arbeitet, Tina Kandelaki, gab ihm volle Unterstützung. Quintessenz: Zwar hat Putin die Qualität der russischen Medien insgesamt immens verbessert, aber die Russophoben sind immer noch sehr einflussreich und können ihr hasserfülltes Gift straflos verspritzen.

Ich könnte Beispiel auf Beispiel aufzählen, aber ich denke, ihr habt es verstanden: Putin ist ein sehr guter Mann mit Verantwortung für ein sehr schlechtes System.

Jetzt lasst uns wirklich zurückkommen auf Syrien, Hisbollah und den Mord an Samir Kuntar.

Erstens ist zu bedenken, dass die Entscheidung, in Syrien militärisch zu intervenieren, kontroversiell war. Putin hat damit begonnen, indem er zwei Dinge tat: zuerst dem russischen Volk erklären, dass es besser wäre, mit den Terroristen „dort“ (in Syrien) fertig zu werden als „hier“ (in Russland) und zweitens versprechen, keine Bodentruppen zu schicken. Als die Daesh und die Türken den von Obama und Biden gegebenen Auftrag erfüllten und ein russisches Passagierflugzeug herunterholten und später eine SU-24, stand das russische Volk weiter an der Seite Putins, aber die meisten Russen, ich eingeschlossen, waren sich der Gefahren der Situation genau bewusst. Letztendlich ist es Putins persönliche Glaubwürdigkeit, die es ihm erlaubte, die Sache trotz realer Bedenken durchzuziehen.

Zweitens ist es klar, dass Putin und Netanyahu einen Deal machten, als letzterer nach Moskau reiste: die Israelis mischen sich nicht in die russischen Operationen bei der Hilfe für Syrien ein, solange sich die Russen nicht in die Kampfoperationen zwischen Hisbollah und Israel einmischen. Das machte es beiden Seiten möglich, ihre Hauptinteressen zu verfolgen, wenngleich auf Kosten zweitrangiger Ziele. Euch gefällt der Deal nicht und ihr stellt seine Moral in Frage? Gut! Ich auch. Ich fühle mich wirklich dabei nicht wohl, aber ich erwarte nichts anderes von skrupellosen Realpolitik-Handhabern wie Putin und Bibi Netanyahu (gut, dass ihr und ich nicht an der Macht sind!).

Nebenbei gesagt, gibt es einen weiteren Präzedenzfall, der für mich ebenso unbehaglich ist: die russische totale Unterstützung der blutigen militärischen Unterdrückung der Moslem-Bruderschaft in Ägypten. Ich akzeptiere das Argument, dass die Unterstützung der ägyptischen Armee Sinn macht im Kontext mit dem Syrien-Krieg, aber die Ethik, so ein Regime zu unterstützen, missfällt mir sehr. Und das macht, dass Putin ein skrupelloser, aber erfolgreicher Politiker ist und ich bin nur ein quasi irrelevanter Blogger: es braucht einen skrupellosen Bären, um gegen skrupellose Wölfe zu kämpfen.

Nach dem Gesagten lasst uns nicht so tun, als ob die Hisbollah weniger zynisch ist, wenn notwendig. Ich erinnere alle daran, dass Imad Mugniyeh in Damaskus von Israelis ermordet wurde in einer Operation, die nur möglich war mit hochgestellten Komplizen im Assad-Regime; die Hisbollah gelobte „Vergeltung“, hat aber später nie einen Piep gegen sein Regime gesagt. Auch hatte die Hisbollah nichts dagegen, als Assad Moslems für die CIA folterte durch das schändliche „Auslieferungs“ -Programms.

Was Putin angeht, hat er andere Prioritäten, als Hisbollah zu schützen oder Israel zu bekämpfen:

In Russland zu überleben und nicht von der immer noch mächtigen zionistischen Macht-Konstellation (um einen Ausdruck von James Petras zu benutzen), steht an erster Stelle. Eine andere Priorität wäre, nicht seinen (internen und externen) Feinden das politische Argument zu geben, dass „Russland Israel angreift“. Kein Gefecht mit Israel zu haben und kein kleines und isoliertes russisches Kontingent zu haben, das an zwei Fronten kämpfen muss, ist auch entscheidend. Und auch, nicht angeklagt zu werden, dass die Russen de facto eine „Hisbollah Luftwaffe“ sind wie die USA eine „Daesh Luftwaffe“ sind. Dies sind offensichtliche Prioritäten für Putin.

Und dann dies: zwar könnten die russischen S-400 leicht jedes Israel -Flugzeug abschießen, aber das russische Luftwaffen-Kontingent hat nicht die materiellen Mittel, Israel zu bekämpfen und noch weniger, die NATO und die CENTCOM. Was Russland angeht, kann es sich definitiv keine Auseinandersetzung mit Israel leisten, nicht wegen der Macht dieser winzigen zionistischen Entität, sondern wegen der Tatsache, dass das US-Imperium gründlich unter zionistischer Kontrolle steht. Und jene Amerikaner, die jetzt klagen, dass „Putin nicht den Mut hat“, Israel anzugreifen, sollten sich selbst zuerst fragen, wie es kommt, dass Israel scheinbar die USA und Europa in ein zionistisches Protektorat ohne Stimme verwandeln konnte, und was sie selbst tun, um sich von diesem Joch zu befreien!

Was den Westen angeht: Man sollte die Position des anglozionistischen Imperiums auf der einen Seite und vieler einflussreicher russischer Juden (in Russland und in Israel) über den Krieg in der Ukraine vergleichen. Während der Westen das Nazi-Regime in Kiew rückhaltlos unterstützte, haben viele russische Juden, besonders sehr berühmte wie Wladimir Solowjew eine kategorische anti-Nazi-Position eingenommen. Und während in Israel die Popularität von Putin und Russland immer noch sehr niedrig ist, wird in Russland der größte Teil der anti-Putin-Opposition nicht von Juden gestellt. Schließlich ist die russische Öffentlichkeit traurigerweise sehr schlecht informiert über die Schrecken, die das zionistische Regime am palestinensischen Volk verübte, während die Israelis und die Leute mit doppelter Staatsbürgerschaft (wie Evgenii Satanovskii oder Avigdor Eskin) ständig den Gedanken zu Markte tragen, dass „wir Russen und Israelis sind die einzigen, die gegen den Moslem-Terrorismus kämpfen“, wobei sie maximal Kapital schlagen aus dem gegenwärtigen Krieg Russlands gegen die Daesh. Mit anderen Worten, könnte Putin große Schwierigkeiten haben, wollte er den Abschuss eines israelischen Flugzeugs der russischen Öffentlichkeit verkaufen.

Ich verstehe, dass nichts des oben Gesagten Zustimmung von echten Juden-Hassern finden wird, die schlichte schwarz-weiß Argumente lieben. Für sie wird Putin immer der ‚Ausverkäufer‘ sein, ein ewiger shabbos-goy [Nichtjude] oder eine Marionette des internationalen Kapitals. Aber schließlich spreche ich nicht zu ihnen. Aber es gibt Leute, die aufrichtig verblüfft und verwirrt sind von der russischen Politik, die ihnen verwirrend oder sogar widersprüchlich vorkommt. Zu ihnen will ich abschließend dies sagen:

Putin verfolgt seine Sache Schritt für Schritt und er weiß, wann er warten muss und die Ereignisse ihre eigene Dynamik entwickeln lassen muss. Er ist sich auch klar bewusst, dass er buchstäblich mit einer Hand auf den Rücken gebunden und der anderen Hand heftig gegen externe und interne Feinde (die sehr viel gefährlicher sind) gleichzeitig kämpfen muss. Ich bin sicher, dass Putin sich völlig klar darüber ist, dass potentiell seine Politik des Widerstands, der Souveränitäts-Herstellung und Befreiung zu einem interkontinentalen Atomkrieg führen kann, und dass Russland immer noch schwächer als das anglozionistische Imperium ist. Genau wie zu Zeiten von Stolypin braucht Russland verzweifelt noch ein paar Friedens-Jahre, um sich weiterentwickeln und wahrhaft aufrichten zu können. Dies ist definitiv nicht die Zeit für eine frontale Konfrontation mit dem Imperium. Russland braucht unbedingt *Frieden* und *Zeit*: Frieden in der Ukraine, Frieden in Europa und, ja, Frieden im Nahen Osten. Nun ja, letzteres ist keine freie Wahl, und als er gezwungen wurde, traf Putin die Entscheidung, Krieg zu führen. Und ich bin absolut und kategorisch sicher, dass wenn das Imperium Russland angreift (von der Türkei oder sonstwo), wird Russland zurückschlagen. Russland ist bereit zu kämpfen, wenn nötig, aber es wird alles tun, um es zu vermeiden. Das ist der Preis, den Russland zahlt für das Schwächersein. Die gute Nachricht ist, dass Russland mit jedem verstreichenden Tag stärker wird, während das Imperium schwächer wird. Und die Macht der AngloZionisten und ihrer 5. Kolonne in Russland wird auch mit jedem verstreichenden Tag schwächer. Aber dieser Prozess braucht Zeit.

Das große Ereignis, auf das man achten muss, ist ein Schlag gegen die Zentralbank und die Wirtschaftsminister der Regierung. Jeder in Russland wartet darauf; Putin wurde jüngst sogar direkt gefragt, aber er leugnet immer noch und sagt, dass er diese Saboteuere voll unterstütze. Beachtet man Putins Spur, ist es einfach dumm zu sagen, dass er sie wirklich unterstützt – das ist deutlich eine Hinhaltetaktik bis zum rechten Zeitpunkt.

Irrt euch nicht. Es gibt keine große Liebe zwischen Russland und Israel. Aber auch keine große Feindschaft, zumindest nicht auf russischer Seite. Die meisten Russen wissen Bescheid über die üble Rolle, die Juden bereits zweimal in der russischen Geschichte spielten, aber das verwandelt sich nicht in die Art Feindschaft gegen Juden, wie man es zum Beispiel in der Ukraine beobachten kann. Russen können höchstens misstrauisch gegenüber jüdischer *Macht* sein, aber selten verwandelt sich das in Feindschaft gegen einfache jüdische Menschen. Manche der am meisten verehrten russischen öffentlichen Figuren, wie der Barde Wladimir Wyssozki, hatten jüdisches Blut. Die meisten Russen machen auch einen Unterschied zwischen „deren“ Juden (russenfeindliche Juden im Westen) und „unseren“ Juden (russische Juden, die Russland lieben). Aber seit die Russenphobie sich auch unter russischen Eliten verbreitete, vor und nach der Revolution, kann es schwerlich als jüdisches Phänomen bezeichnet werden. Die russische Kultur ist immer multi-national und multi-ethnisch gewesen und trennt nicht Menschen nach ihrer Ethnizität, sondern beurteilt sie eher nach ihren Taten und Ideen. Aus all diesen Gründen ist der Hass auf den „Yid“ mehr ein ukrainisches, nationalistisches Phänomen als ein russisches.

Und während die meisten Russen nicht eine Wiederkehr an die Macht von einer neuen Version bolschewistischer Kommissare oder „demokratischer“ Oligarchen in Russland wünschen, gibt es eine Geschlossenheit und eine anti-Nazi-Solidarität zwischen Russen und Juden, die nicht übersehen werden darf.

Betreffs Palästina, so wird Russland alle relevanten UN-Resolutionen unterstützen und folglich auch der typische und eher phantasielose „Zwei-Staaten-Lösung“-Vertreter sein. Russland wird höchstens „beklagen“ oder „bedauern“ die Misshandlungen der Palästinenser durch die Israelis, aber Russland wird nie ein systematischer Verteidiger der palästinensischen Rechte wie Iran oder Hisbollah sein, einfach weil die Zukunft Palästinas nicht eine russische Priorität ist.

Ich hoffe, dass das oben Gesagte hilfreich zum Verständnis dessen ist, warum Russland nichts zum Schutz der Hisbollah gegen Israel tut (aber auch nicht die Hisbollah hindern wird, von Syrien aus zurückzuschlagen, falls die Hisbollah diese Entscheidung trifft). Einfach gesagt: Es gibt keinen zwingenden internen oder externen Grund für Russland, direkt darin verwickelt zu werden, während es reichtlich zwingende interne und äußere Gründe für Russland gibt, sich herauszuhalten. Wenn die UdSSR in der Vergangenheit die PLO unterstützte aus sowohl ideologischen und geostrategischen Gründen, wird das moderne Russland nicht demselben Paradigma folgen. Außerdem sind weder die Fatah noch die Hamas attraktive Partner für Russland, so wenig wie die Moslem-Bruderschaft in Ägypten.

Was die Hisbollah angeht, braucht sie nicht den Schutz Russlands. Und die Morde an Imad Mugniyeh oder Samir Kuntar wird in keiner Weise den Widerstand schwächen. Tatsächlich, wenn die Geschichte des Mordes von Abbas al-Musawi uns etwas lehrt, dann dies, dass manchmal, wenn Israelis einen Hisbollah-Führer töten, ihnen als nächster ein viel größerer Gegner ersteht. Wenn Gott will, wird dies auch dieses Mal der Fall sein.

4 Gedanken zu „Putin und Israel – eine komplexe und vielschichtige Beziehung

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