Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Das Werk ,,Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart“ erscheint zur Eröffnung des Kgl. Kunstgebäudes in Stuttgart. Die Tatsache, daß dank der Gnade des Königs Wilhelm II. und der Förderung durch Staat und Stadt der modernen Kunst in Stuttgart nunmehr ein eigenes, stattliches Heim erstanden ist, in dem künftig in regelmäßig wiederkehrenden Ausstellungen die Schöpfungen der Kunst gezeigt werden sollen, bietet den natürlichen Anlaß, in diesem wichtigen Zeitpunkte auch in literarischer Form einen Überblick über das Schaffen der württembergischen Künstler der Gegenwart zu geben.

Ein solcher Überblick ist zweifellos für den Einheimischen und den Auswärtigen ein Bedürfnis; denn es fehlte bisher jeder Versuch einer zusammenfassenden Darstellung dieser Kunstperiode, die, wie man schon heute wohl sagen darf, zu den wichtigeren der württembergischen Kunstgeschichte gehört. Unsere Veröffentlichung erscheint aber um so mehr gerechtfertigt, als Stuttgart, im Gegensätze zu allen anderen deutschen Kunststädten, bisher nur wenig getan hat, auf die Leistungen seiner Künster hinzuweisen.

Dieses Buch widmet sich den Schöpfungen aller württembergischen und der im Auslande schaffenden schwäbischen Künstler der Gegenwart. Es wäre nahe gelegen, lediglich die Besten herauszugreifen, einen Überblick nur über den Hochstand der württembergischen Kunst zu geben. In der Tat war dies die ursprüngliche Absicht des Herausgebers. Am Ende erschien es aber doch zu hart, zumal bei dem vorliegenden Anlasse, so viele Künstler gänzlich mit Stillschweigen zu übergehen. So wurde der ursprüngliche Plan einer Auswahl der Besten aufgegeben und umgekehrt ein möglichst vollständiger und objektiver Überblick über alle Kunstwerke, die in und von Schwaben in den letzten zwei Jahrzehnten geschaffen worden sind, angestrebt.

Die überaus reiche Ausstattung des Werkes ist vor allem den zahlreichen Stiftungen von farbigen Kunstdrucktafeln und von Heliogravüren zu danken. Dabei wurde soweit tunlich auf die Wünsche der Stifter Rücksicht genommen. Hieraus erwachsende Ungleichheiten in der Verteilung der Kunstbeilagen konnten durch das Entgegenkommen des K. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens und der Deutschen Verlags-Anstalt im wesentlichen ausgeglichen werden. In mehreren Fällen mußte, dem Grundsatz möglichster Objektivität entsprechend, die Annahme von Stiftungen abgelehnt werden, um nicht einzelne Künstler gegenüber anderen bevorzugt erscheinen zu lassen.

Sämtlichen Spendern, insbesondere aber Seiner Majestät König Wilhelm II., den Kgl. Ministerien des Kirchen- und Schulwesens und der Finanzen, sowie den kunstfördernden Vereinen, sei hiermit gedankt.

Dank gebührt auch den Künstlern für die entgegenkommende Überlassung von Kunstwerken zur Nachbildung und für die Ausfüllung der Fragebogen. Die Abbildungen wurden tunlichst der Bedeutung der Künstler entsprechend verteilt. Nur bei einzelnen wenigen Künstlern wurde auf deren Wunsch von der Aufnahme von Abbildungen abgesehen.

Die Fragebogen, die in nahezu tausend Exemplaren an Künstler und Sammler versendet wurden, leisten für tunlichste Objektivität der Berichterstattung Gewähr; es war vorgesehen, das von ihnen gelieferte wertvolle Material über die Kunstwerke und ihre Entstehungszeit in dem beigegebenen Künstlerverzeichnis zu verarbeiten; dadurch wäre indes das Buch so erheblich belastet worden, daß von der Durchführung dieser Absicht bedauerlicherweise Abstand genommen werden mußte. Das ganze Material der Fragebogen ist nunmehr Herrn Professor Dr. Thieme in Leipzig zur Verfügung gestellt worden und wird von ihm in seinem an keine Schranken gebundenen Allgemeinen Lexikon der bildenden Künstler verarbeitet werden.

Nachdem einmal der mit Notwendigkeit subjektive Qualitätsstandpunkt aufgegeben und weitestgehende Vollständigkeit und Objektivität zu erstreben war, erschien es folgerichtig, die Behandlung des Stoßes an möglichst viele die Gewähr streng sachlicher Berichterstattung bietende Autoren zu verteilen. Demgemäß übernahm Professor Dr. Max Diez, Vorstand der Gemäldegalerie, die Einführung, die Geschichte der Gemäldesammlung und die Darstellung der Entwicklung des größten Teiles der heimischen Malerei und des Kunstgewerbes, Landeskonservator Professor Dr. Eugen Gradmann die Geschichte der Altertümersammlung und der schwäbischen Landschaftsmalerei, Professor Dr. Gustav E. Pazaurek die Geschichte des Landesgewerbemuseums und die Darstellung der Entwicklung des Bildhauers Habich, Professor Dr. Heinrich Weizsäcker die den Malern Holzel und Schmoll von Eisenwerth und dem Bildhauer Janssen gewidmeten Abschnitte, Dr. Gustav Keyßner die Architektur. Dem Herausgeber lag die Geschichte des Kupferstichkabinetts sowie die Darstellung der Hölzelschule, der auswärtigen schwäbischen Malerei, der ganzen übrigen Plastik und der Kunstindustrie ob. Jeder Mitarbeiter trägt die Verantwortung für Form und Inhalt seiner Abhandlungen. Obgleich den Autoren die Fragebogen Vorlagen, haben sie sich die Mühe nicht verdrießen lassen, nach Möglichkeit mit sämtlichen von ihnen behandelten Künstlern persönlich in Verbindung zu treten. So haben alle ihre ganze Kraft eingesetzt, das Werk zu einem würdigen Abschlüsse zu bringen.

BAUM

Text aus dem Buch: Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart (1913), Author: Baum Julius,  Diez, Max.

Siehe auch:
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – Vorwort
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – Einleitung
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE GEMÄLDEGALERIE
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE KUPFERSTICHSAMMLUNG
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE ALTERTÜMERSAMMLUNG
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DAS LANDESGEWERBEMUSEUM
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE HEIMISCHE SCHULE
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE KÜNSTLER AUSSERHALB DER AKADEMIE
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE LANDSCHAFTSMALER
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE NACH STUTTGART BERUFENEN
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – ADOLF HÖLZEL
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE HÖLZELSCHULE
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – KARL SCHMOLL VON EISENWERTH
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – Otterstedt, Pankok, Cissarz, Kerschensteiner, Gref und Reile
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE AUSWÄRTIGEN SCHWABEN
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DONNDORF UND DIE ÄLTERE HEIMISCHE ENTWICKLUNG
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – HABICH JANSSEN UND ANDERE NACH STUTTGART GEZOGENE KÜNSTLER
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – ULFERT JANSSEN
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – ANDERE NACH STUTTGART GEZOGENE KÜNSTLER
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE AUSWÄRTIGEN SCHWABEN
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DIE ARCHITEKTUR
Die Stuttgarter Kunst der Gegenwart – DAS KUNSTGEWERBE

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