Asiatische Monumental-Plastik

aus dem einzigartigen Kunstmuseum Hamburg

O große Erde voller Menschen Kleiner Himmel voller Sterne …

Das erste Bild dieser kleinen Auswahl fernöstlicher Bildwerke: ein Kind, in dem schon der große Jüngling keimt, hingekniet, die Hände zum Himmel aufbrechend in Anbetung und Anrufung. Zartheit in dem, was hier Beginn, Erwartung und innere Entblößtheit ist; die leise Spannung vor dem Aufschweben, die sanfte Glut des Kindes vor dem Vorhang einer Wunderwelt, das tief verheimlichte Fieber vor den Geheimnisschauern der Kindgeburt. Alles was in uns liegt an vergessenem oder behütetem oder triebhaftem Glauben an das Wunder und alles, was an der Grenze unserer täglichen Wirklichkeit sich verflüchtigen will zu einer höheren Lust des Seins — gesellt sich dem Lächeln dieser Kinderarme zu.

Und das letzte Bild: eine zarte große Hand, die leuchtet wie eine Blüte aus dem nüchternen Dunkel hervor; die sich schenkt, die gibt, weil aus ihr das Geben unaufhaltsam herausbricht; verdichtet zum Aggregatzustand eines Gegenstandes, trägt sie das wundertätige Wahrzeichen seligen Heiles im All und eines Friedens in aller Ewigkeit. Diese Hand, die schon an sich das Wunder ist, und in ihrem in die Unendlichkeit hineingestellten Gestus immer Geheimnis bleibt.

Und was zwischen diesen beiden Bildern und ihrem Wechselsein von Ruf und Antwort, von Unten und Oben abblättert und sich kundgibt; sind Bruchstücke eines unheimlichen Kolosses, Denkzeichen eines erbitterten Kampfes um Gott; sind immer wieder aufgezeigte magische Anhaltspunkte oder wie von selbst auferstandene Zeugen und Helden aus jenem einzigen Lebenstumult, der aus dem Widerspiel des vieltausendfachen Daseins dieser Menschenwelt mit dem ewigen Nichts — und dieser ewigen Leerheit mit der immer endlichen Fülle besteht und nie zum Ende führt. Eine bunte Welt der Spiegelungen; furchtbare Endgültigkeiten und sprühende Täuschungen; Proteste und Gebete; Lästerung und Ekstase; Verkündigungen oder zerfleischende Irritationen. Je nachdem, wo der Pendel zwischen Phallus und Nichts gerade stehen blieb . . .

Ja, eine buntdurchwirkte, schwer geballte Welt; heiß wie tropische Brunst und eisig wie der Gedanke eines Einsiedlers; so behutsam wie der Kelch einer Blume und mütterlich wie eine stillende Brust; so gewalttätig wie ein Urwalddickicht und so entsetzlich kalt; sehr gütig, und einfach und maßlos wild; vergrübelt oder wundertätig oder glanzvoll; voll überirdischer Pracht; ganz unerhört gelöst, schwebend und leuchtend. Reich immer durch das Unerreichbare, sieghaft durch das Nieversiegende; grausam durch diese alles zerfressende Ausscheidung; weit bis zum Schwindel des Absturzes und im Absturz voll der Herrlichkeiten heller Gesichter — bis zur Gesichtslosigkeit, wo wir uns selber nicht mehr angehören.

* * *

Und diese Welt haben wir zu uns herauf beschworen! Wie waren wir beglückt in einem hemmungslosen Hinnehmen; wie verführte uns der milde Glanz dieses mystischen Feuers und dieses viele Lächeln zur Müdigkeit; wie barmherzig umleuchteten uns diese Harmonien einer fernen Weltlust; wie entzündete sich unsere Lust am Schönen, am Formvollendeten, am Ausdrucksvollen; wie fühlten wir uns bestätigt in unserem Suchen, in unserer Rechtforderung an das große Schicksal, in all unseren Geistbeschwörungen . . .!

Aber täuschen wir uns nicht! Da wir reich waren durch ein Anderes und über eine Weile im Schatten großgestirnter Gedanken und Gesichter ausruhen durften . . wird es nun Zeit, aus diesen hochzeitlichen Tagen zu erwachen und ernster und eindringlich auf den eigenen Herzschlag zu lauschen. Erst glaubten wir noch, wir wären diesen fernen Werten gleich; dann erkannten wir, daß wir uns selber furchtbar bloßstellten in unserer Krampfhaftigkeit und Verkümmerung und großen Angst. Dann glaubten wir, Viel und das Wesen jener fremden Dinge und Menschen begriffen zu haben; und nun gestehen wir uns ein, daß es ein wahres Wissen um das Objekt gar nicht gibt; es sei denn, daß wir uns selbst aufgeben und enteignen. Eine traurige Art der Selbstentleibung! Ja, wir griffen auf, was immer nur unser Intellekt, unser Fleiß, unsere Erfahrung über die Dinge erraffen konnte, wir sanktionierten dieses Wissen — und lebten an den Dingen vorbei. Denn nichts läßt sich hier vom Wissen her wahrhaft in Besitz nehmen, aber alles durch das viele Wissen unfruchtbar machen zum großen selbstzeugenden Erlebnis. Und nur darauf kommt es an. Und deshalb hüten wir uns vor diesen Klärungen des Tatbestandes, die nichts hmterlassen als Trümmer, vor diesen Deutungen, die Unwichtiges vor das Lebendige schieben, die unsere Phantasie lähmen und unseren Mut abschwächen, die uns ein Rezept geben statt der unerbittlichen Besinnungslosigkeit, statt Wirbel, Explosion und himmeldurchspaltender Lust. Hüten wir uns, mit all den tausendfältigen Gediegenheiten des exakten Wissens unseren Geist zu überfüllen, auf daß wir nicht impotent werden, oder satt und wohlgefällig oder verzagt und kleingläubig. Wir können nie zu den Dingen — immer nur zu uns selbst kommen — und nur durch uns selbst wieder von uns selbst loskommen. Noch einmal: zerschlagen wir uns nicht das Erlebnis, das hier auf uns wartet — das aufblüht — wenn wir statt des Wissens um die Dinge das Schrecknis der Dinge suchen und bestehen.

Da ist zunächst die Riesenhaftigkeit des Geburtsraumes dieser Bilder und Ideen; dieses viele Zonen der Erde überziehende Schlachtfeld, auf dem der ungeheure Kampf von Mensch und Erde mit Gott und Himmel gekämpft wurde, dieser Kampf gegen das Nichts und um das Nichts. Da ist die Zeitspanne von einigen Jahrtausenden, während der vielartige Völker sich untereinander verschränkten, Norden und Süden sich gegenseitig durchfluteten; wo immer wieder der Erde neue Generationen entwucherten, die ihr Leben vom Wirbel zur Ruhe trugen oder aus der Reinheit in Verstrickung endeten. Diese vielen Volks- und Landschaftseinheiten, alle mit ihren panischen Bestimmtheiten und ihren magischen Abbildern . . . Ja, es ist etwas Gewaltiges um die Summe der menschlichen Geschicke und Gesichte, die uns so plötzlich brennend nahe wird, daß unser eigenes Menschtum ganz still wird und ganz hellsichtig weit, brüderlich groß und lächelnd beschämt.

Und dennoch gehen wir hin und legen unsere Hand auf den Globus und dozieren: Hier Ostasien und dort Südasien; und können nun die Rassen festlegen und das Klima und die Haupttypen von Veranlagung, Gesinnung, Entwicklung und der künstlerischen Bedeutung.

Und da es hier um Plastik geht, so läßt sich dann aufzeigen, daß der Grundzug indischer Plastik auf der gegenseitigen Durchdringung von sinnlicher, erdhafter Wucht und überwirklicher Geistigkeit beruht; auf dieser Lust des Inders zu verwirklichen und zu ergreifen und zugleich sich hinauszustellen aus allen Bereichen der Begrenzung. Und dieser Grundzug bestimmt die Tatsache, daß die indische Plastik keinerlei grundlegender Entwicklung unterlegen ist, sich immer gleich blieb, es sei denn dort, wo die Eigenart der Äquatorzone sie zersetzte und eigenwillig durchdrang. Wohl aber erlebte sie reiche Abwandlungen durch Zeit und Volk, immer unerreichbar in ihren Höhepunkten: den Felsklöstern im nordwestlichen Vorderindien, dem Ankor Vat in Hinterindien und dem Borobudur auf Java. Feuersbrünste und Orkane menschlicher Erhabenheiten. Dabei können wir von einer Abmilderung des Gigantischen ins Majestätische, zu Feierlichkeit und ruhig strahlender Menschlichkeit bei den Bilderwerken Mitteljavas sprechen, bei denen Ostjavas aber von einer phantastischen Aufhebung des Beobachtungsfeldes; in Cambodja von der absolut bejahten Sinnlichkeit, gewaltig genug, ein ganzes Geschlecht zu erneuern; diese Buddhas wie Phallusgesichter, schwer wie ein Urwaldduft und geheimnisvoll in ihrer göttlichen Schwangerschaft. Und daneben die Werke aus Siam mit ihrer vergrübelten Schwermut, ihrer von entsetzlicher Skepsis durchfurchten inneren Weisheit. Bei alledem können wir noch unterscheiden zwischen den mehr elementar sich ausdrückenden Formsymbolen brahmanischen Inhalts, stark naturhaft und mehr auf der Verschiebung des leiblichen als des geistigen Horizontes beruhend und der mehr psychisch gestimmten Innerlichkeit buddhistischer Werke und ihrer menschlichen Affinität zum Göttlichen. Und daß immer das Bild ohne Abstraktion gewonnen ist; von größter Leibhaftigkeit ist, die optische Fühlungnahme sehr vital erregend und dann zum Sinnhaften fortreißend. Schließlich können wir sagen, daß Kunst in unserem Sinne hier gar nicht existiert, sondern alle diese Werke schließlich nur Erektionen des menschlichen Geistes und Wollens in aller Sehnsucht zu Gott und über sich hinaus sind.

Diesem Südasien können wir dann als eigenen Raum und Kulturherd Ostasien entgegenstellen. Und wir vermerken einen Hauptunterschied zur indischen Plastik darin, daß in China das plastische Bild nicht der erotischen Vitalität entstammt, sondern aus einer Lust zur Begrenzung, Formulierung, Umschreibung, zur Praezision; dies alles nicht aus Weltangst, sondern als Gegenwert zu einer Lust zum Verträumen, Versinnen, Aufgehen, Sich-Verflüchtigen. Dabei durchlebt — ebenfalls im Gegensatz zu Indien — die ostasiatische Plastik eine sehr reiche und wechselnde Entwicklung, die von der scharfen, einsamen, in sich verschlossenen Geistigkeit zu einer aufgeblühten, weltgeselligen, ausstrahlenden Leiblichkeit führt; von einer ganz strengen Filtration aller Wirklichkeit zu einer bunten, lebensdurchbluteten Aktivität und von da dann in viele Kanäle der Abwandelung, teils ins lyrisch-Stimmungsmäßige, teils ms dramatisch-Lebensvolle, um am Ende matt und starr zum Schema zu erkalten. Die Höhepunkte der Frühzeit umschließt die Zeit des 5. bis ins 7. Jahrhundert hinein, während die anschließenden Jahrhunderte die mächtige Entfaltung der künstlerischen Großtaten bringen, im Zusammenhang mit der Hochflut indischer Schöpferkraft, der auch Ankor und Borobudur angehören, und die etwa gleichzeitig mit den großen Werken der chinesischen Tang-und der japanischen Tempyo-Zeit sind. China, das ist das Land der genialen Gegensätzlichkeiten, jäh, aprupt, explosiv und zugleich gelassen, würdevoll, erhaben; voller Klugheit und logischer Schärfe und Sinn für das Naheliegende — dabei voll Güte und weicher Verträumtheit und Vertrautheit mit aller Ferne. Japan dagegen beruhigt und durchaus kultiviert; ein Volk, das von der geistigen Doktrin des Buddhismus viel auf seine Lebenshaltung und Lebensführung übernommen hat, streng, gesittet und ausgeglichen, voll Disziplin und Beherrschtheit.

Aber vergessen wir nicht, daß alles solches ja nur außerhalb der Werke selbst liegt. Und daß wir soviel darüber auch zu wissen vermögen, es uns doch nicht ver-hilft zu dem, wonach wir suchen. Dies Wissen aber nur dem, der es zu überwinden vermag, eine flüchtige Ermunterung oder ein Ausgleich seines Erschauens an das Erschaute sein kann. Ein Kontakt aber, der uns in die Unendlichkeit eines magischen Erlebens hinausschleudert, ist nur dann möglich, wenn Mensch und Objekt sich vollkommen voraussetzungslos gegenüberstehen.

Diese Bildwerke sind sämtlich Symbole, Verkünder von Wahrheiten, Kraftquellen einer Idee, Tatsächlichkeiten eines Glaubens; sind Feuerbrände der Erleuchtung, Denkmale der Trost- und Liebestätigkeit, sind aus der Dunkelheit aufleuchtende Wunder oder Manifeste erdbeherrschender kosmischer Gesetze . . . Wie hat uns diese Welt unendlich bestürmt und mitgerissen; diese Welt, die so viel höher, leichter und leuchtender schien als die unsere, so viel blutvoller und lustvoller. Frieden, Eintracht, Glanz, Heil, Gleichmaß, Liebeswerk, Stille. Wie wohl das tat — und dennoch irgendwie von Schalheit dampfte wie ein geschlachtetes Tier.

Diese Ideenwelt — mit allen Gedanken, Bildern, Legenden, Symbolen — bildet das Thema unserer Bildwerke. Und auch hier können wir nun hingehen und den geistigen Gegenstand zur Formel bringen und danach die plastischen Verwirklichungen nach Typen aufreihen, als da sind vier verschiedener Art: die Buddhas, die Bodhisattvas, die Wächtergestalten und die Darstellungen der Priester, Büßer und Gläubigen. Die Buddhas, deren Bild zum Wesen mystischer Schrankenlosigkeit weist, deren Name den Ewigkeitswert des erlösenden Glaubens bedeutet, von einer wirbelnden Mannigfaltigkeit der Erscheinung, während sie selbst doch den Punkt der Mitte bedeuten; und in immer neuer visionärer Inbrunst vom Irdischen abgelöst und an immer unsagbarere Schwindel und Taumel der Unvorstellbarkeit und Grenzenlosigkeit anheimgegeben. Da sind die menschlichen Buddhas, teilhaftig an Form, Zeit und Geschehen — darüber aber namen- und gestaltlos ein himmlischer Reflex, nur eine Existenz der Beschauung, fern aller Trübung, Bestimmtheit und Endlichkeit des Vorstellens und Denkens — in lichter Indifferenz — in der Magie ätherischen Wirkens: der Dhyani-Buddha. Und Buddhas sind ihrer so viele, als es Weltzeitalter gibt.

Und wer nach jener überschwenglichen Vollendung der Weisheit und Tugend ringt, welche dazu befähigt, dereinst allerherrlichst vollendeter Buddha zu werden, der wandelt den Weg des Bodhisattva. Heilsjünger, die sich aus aller Trübsal und Verkettung des irdischen Ichs emporgeläutert haben, als Buddha designatus, dennoch auf das große Nichts verzichtend, heiß im Wunsch, die Welt erlösen zu helfen:

„Alle Kreaturen aus dem stürmischen Meere der Schmerzen und des Todes in den Hafen der Ruhe, ans jenseitige Ufer der Befreiung überzusetzen“.

Heilsjünger, als Mittler zwischen dem Göttlichen und Irdischen, dem Uferlosen und dem Nahbegrenzten, als Ausstrahlungen und Wirkungsfaktoren jener an sich wirkungslosen Gottheit der unwandelbaren Ferne; tausendfach in anderer Form erscheinend je nach der Not und dem Bedürfnis der Rufenden und Betenden.

Und daneben die Gestalten der Wächter und Richter; jener wehrhaften und ritterlichen Helden, die gegen das Übel, gegen das Böse, gegen alle Feinde des Glaubens und der Religion, gegen die anstürmenden Dämonen ankämpfen und die Tore der Tempel bewacht halten. Oft auch gesteigert bis zu einem furchtbaren Furor von Blut, Tod und Leidenschaft.

Und endlich die Darstellungen jener Menschen, die dem Glauben ergeben, Glück und Größe dieses Glaubens an ihrem Leben ermessen lassen; Patriarchen und Prinzen, die für die Lehre sich opferten, Einsame, die als Büßer und Weise der Welt entsagten, Priester, die klar und kraftvoll das Heil und den Sinn der Lehre predigen . . .

Und neben und mit diesen buddhistischen Glaubensgestalten die vielfachen Namen und Gesichter brahmanischer Gottheiten: vornehmlich Civa in seiner ewig zerstörend aufbauenden Tendenz — und Vishnu, das Prinzip der erhaltenden Ewigkeit — und Brahma als eine große Synthese des Seins und des Nichtseins .. . alle drei mehr zwischen den Dingen schwebend als mit und in den Dingen seiend . ..

Ein Meer von Namen, Legenden, Göttern, Jüngern, Gedanken, Visionen, Gesichtern, Symbolen tut sich auf. Aber wiederum — würden wir alles das wissen — wären wir dem näher, wonach wir suchen? Erschöpfen sich denn diese Bildwerke im Religiös-Thematischen oder im Künstlerisch-Formalen? Irgendwo liegt doch ein magisches Zentrum, das alles dies wieder aufhebt, bedeutungslos macht, zum Vorwand, zur Fiktion, zum Pol; ja geradezu als eine Irritation erscheinen läßt. Weil gar nicht das als Letztes gemeint ist, weil alles das nur das Scheinbare ist; dem nur ein Element, eine Wahrheit, eine einzige Wesensbeziehung zugrunde hegt: Das Nichts, die Leerheit, das Nichtsein; und wenn man so will — ist das vielleicht das Nirvana.

Und dieses Nichts ist nur durch das Erleben zu erschließen. Alles Sein ist nur die Umkehrung dieses Nichts und es gibt daher auch keine umfassendere und ungeheuerlichere Orientierung des Lebens als die an das Nichts … als dieses Ablösen und Auflösen aller Gegenständlichkeit in die Gegenstandslosigkeit hinein, alles Denkens in den taumelnden, besinnungslosen Schwindel, als dieses schwebende Aufgehobensein durch Aufhebung alles Seins. Wie ungeheuer ist diese Versetzung, daß ja alles in seiner leiblichen, sinnlichen Erscheinung und Wirklichkeit und Lebbarkeit — nur eine Fiktion ist, eine Inversion der unendlichen Leerheit, nichts als eine Umkehrung, als eine Negation; und je stärker und potenzieller die Wirklichkeit sich als solche durchsetzt, um so gewaltiger ist auch die Spannung zum Gegenteil. So sind auch die Bildwerke, vornehmlich jene aus Cam-bodja, in ihrer unfaßlichen dynamischen Sinnlichkeit nur das Dokument dieses „Nichts“, das sich — selbst beziehungslos — in seinem Gegenteil äußert, an seinem Gegenpol erlebbar macht. Je wirklicher, plastischer, erdiger sich Form und Thema hier also kundtun, um so unwirklicher muß man sie ablesen; um so mehr muß man die Buchstäblichkeit des Thema und die Tatsächlichkeit der Formgestaltung als eine Irritation auffassen; muß die Beziehung zum Gegenteil anknüpfen und dann sich von dieser Zwischendinglichkeit eines Existierenden als Fiktion und eines Nicht-Seienden als Existenz ganz gefangennehmen lassen, ganz erwärmen, zur Verzweiflung bringen, zum V/irbel durchkreuzen lassen, um…..

Diese Beziehung zum Nichts hebt einmal alles wirklich-Gegenständliche auf, löst jede Grenzsetzung zum Irrationalen, erweitert alles Menschliche zu einem chaotisch heiteren Spuk … läßt aber andererseits nun die Welt in einer ungeheuren plastischen Wucht der Realität neu entstehen, in buntester Lebensfülle und leiblicher Bestimmtheit auftauchen und auf den Menschen zurückwirken. Dies ist wie ein Ausatmen des Lebens, ein Sterben, ein magisches Schweben und ein Einatmen, ein Wiedergeborenwerden, ein Sich-selbst-in-Besitz-Nehmen … in einem dauernden Ab- und Rücklauf vom Genital zum Nichts — vom Nichts zum Genital. Dann wächst auch alles Wirkliche durch diese dauernde Aufhebung und Abgrenzung an das Irrationale — durch diese letzte Hochspannung — bis in die letzten Bezirke der Kraft, Bewegtheit, Tiefe, Bedeutsamkeit und Lust.

So schieben sich diese beiden Welten dauernd ineinander, durcheinander, mit wechselnden Vorzeichen, abnehmend und zunehmend — und unsere Bildwerke sind wie Reflexe aus diesem lautlosen Weltgetöse von Tod und Geburt, sind Kristallisationen dieser Legierungen von Irdischem und Ichlosem. Diese Beziehungs-losigkeit, diese Zwischendinglichkeit, dies Schweben zwischen dem Wirklichen als Scheinbarem und dem Erscheinungslosen als Wirklichem, dies Sein und wieder Nicht-Sein, diese aufreizende Wechselwirkung zwischen der plastischen Größe und dem unendlichen Raum — diese ganze Unwirklichkeit ist es, die diesen doch so ungeheuer wirklichen Denkmälern immer wieder die Wundertätigkeit erneuert, die große Aura gibt, die Jenseitigkeit und die tiefe Erregbarkeit, die Inbrunst, Glauben, Schweiß, Ekstase, Lächeln und Unendlichkeit auslöst.

Keine Gewalt ist größer und keine Liebe unbegrenzter, kein Sein vehementer und kein Gesicht durchglühter als das, was an das Nichts gebunden ist und vom Nichts her auf sich selber zu gelebt wird. Auf den Menschen zu in immer wachsender Verdichtung, immer umschließender Umkreisung; dabei sich selbst als Welt — und diese dann nie ohne den Gegenpol der Aufhebung erfassen, ausleben und austragen. Das ist das magische Erleben der Welt; und unter diesem Erleben stehen unsere Bildwerke. Wie sie verführen, unsere Müdigkeiten und unseren Überdrang ausströmenzu lassen und uns anheimzustellen an ein Heil und eine Wahrheit, in die wir eintreten wie in eine Landschaft — und wie sie unsern Sinn ermutigen, die Welt zur Explosion zu bringen; nicht aus Lust, aus Gier und Verzweiflung allein — sondern aus dem Trieb heraus zum Ende zu kommen, einmal nicht mehr ja und nein sagen zu brauchen, einmal ohne Schlagschatten zu sein, einmal ganz beziehungslos-nichtig statt immer nur in Beziehung zu sein mit Tag, Ding, Werk, Ich, Welt, Weib, Stern, Gott.

Nicht Wohlgefühl und Glück, nicht Leid und Mißgeschick bestimmen die Tiefe und das Lebensgefühl und den Sinn und die Deutung und den Wert, sondern die ewige Erregbarkeit ist es, die zur Ruhe will, die aus der Ruhe stammt, die ja nur die inverse Ruhe ist, wobei Glück und Leid kaum noch als Unterschiede erlebt werden.

Immer erleben wir uns an einem andern, durch etwas anderes; erst aus dem Nichts heraus sind wir beziehungslos; dann aber spannen und entspannen wir uns aus dem Willen zur Beziehung ins Leben hinein — zum dauernden Wechsel von räumlichen Dimensionen, körperlichen Größen, seelischen Tumulten — um immer wieder so das Gesicht unseres Daseins in das große Dunkel zu senken — um wieder-geboren, erhoben, zurückzukehren in diese immer neue, immer bewegtere, lichtere Flut.

Und deshalb auch:

Jedes Erlebnis birgt in sich eine Vernichtung. Vernichtung aller Gegenständlichkeit, die immer nur räumliche Ausfüllung, Darstellung und zeitlicher Vorgang ist. Alle Gewöhnung verschwindet als Spuk. Jedes Sicherheitsvermögen der Bewußtheit geht plötzlich verloren. Der Leib ist entleibt; Füße, die stürzen, Hände, die fernen Meteoren gleichen, Augen, die flammend im Wirbel kreisen. Geist — aller Beziehung befreit, hebt sich selber auf; das Leben zerfließt zur großen Leerheit. Im letzten Seufzer des gewaltigem Ausatmens verlöschen die Dinge zwischen Stein und Stern. Die Welt bricht zusammen — und erbricht das Nichts, dort, wo schärfst umrisseneUmgrenzung der Ich-Belebtheit sich deckt mit dem unheimlichen Schwindel magischen Nicht-Seins.

Wir aber leben in Angst um dieses Nichts herum und leben deshalb nicht mehr. Nur aus diesem Nichts ist stärkste Lebenspotenz, Erkenntnis und Wiedergeburt.

Und deshalb brauchen wir wieder die große Lust, die Lust zur Gefahr.

Und deshalb sollen wir die selbstisch kleine Lust am Schönen, am Künstlerischen, am Geistvollen und Ausdrucksvollen — und diese Lust an den Tatsachen und Zusammenhängen und der Klärung und der Deutung aufgeben — und uns wieder an den Schrecken und die Schrecknisse gewöhnen, anstatt sie durch Wissen zu verkleinern und uns zu verbarrikadieren und betäuben vor diesem letzten, beziehungslosen, mörderischen, göttlichen, uferlosen Erlebnis in das Nichts hinein —- und vielleicht aus diesem Nichts zurück in Größe, Glanz, Erleuchtung, Lust und Tief sinn.

Und Kristallisationspunkte solchen Erlebens sind diese Bildwerke Asiens — diese Bildwerke, die uns nicht Erfüllung sein sollen, wohl aber Ruf und eine Verführung: um der Erlösung willen. Und wenn es sein soll um des Unterganges willen. Aber zu Ende geht nur ein Karneval — niemals ein Fest.















































Text und Bild aus dem Buch: Asiatische Monumentalplastik (1900), Author: With, Karl.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Kunst & Buchübersetzungen aus dem Kunstmuseum Hamburg:

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Indogermanischer Volksglaube

Mecklenburger Geschichte

Die Bagdadbahn

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Jules Joseph Lefebvre

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Rembrandt

Fra Filippo Lippi

Das Weib in der antiken Kunst

Wolfgang Willrich

Hans Thoma

GABRIEL METSU

Lucas Cranach der Ältere

Albrecht Altdorfer

Albert Anker

Georg Sluyterman von Langeweyde

Hieronymus Bosch

Walhall – Germanische Götter- und Heldensagen

Die Miniaturen des frühen Mittelalters

Kunst im 3. Reich

Das Deutsche Rathaus der Renaissance

Deutsche Exlibris

Pompeji vor der Zerstörung

Weltkarikatur Völkerverhetzung

Deutsche Burgen und feste Schlösser

Quinta Essentia

Der Krieg in Bildern

Stuttgarter Psalter

Blumenkunst

Buchempfehlungen

Kräuterbuch aus dem Jahre 1664

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365 Tage Rohkost

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Geschichte der Teutschen Nazion

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Deutsche Burgen und feste Schlösser aus allen Ländern deutscher Zunge

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Rembrandt und seine Umgebung

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DIE TECHNIK IN DER KUNST

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Olympische Kunst

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Geschichte der modernen Kunst Band I

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Deutsche Mystik und deutsche Kunst

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Deutsche Zeichenkunst im 19. Jahrhundert

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Walhall – Germanische Götter- und Heldensagen

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Die Entwicklung der Kunst in der Stufenfolge der einzelnen Künste

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Deutsche Mythologie

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Die altdeutsche Buchillustration

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Die Weltkarikatur in der Völkerverhetzung, was sie aussagt und was sie verrät

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Album der Dresdner Galerie

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Deutsche Exlibris und andere Kleingraphik der Gegenwart

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Deutsches Leben im 14. und 15. Jahrhundert

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Blätter zur Plastischen Anatomie des Pferdes

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Die Nibelungen: dem Deutschen Volke Wiedererzählt

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Quinta Essentia

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Impf-Friedhof. Was das Volk, die Sachverständigen und die Regierungen vom “Segen der Impfung” wissen.

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Das Kriegskochbuch

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Führer für Pilzfreunde (1896)

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Christliche Sinnebilder

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Die Frau als Hausärztin: ein ärztliches Nachschlagebuch der Gesundheitspflege und Heilkunde in der Familie, mit besonderer Berücksichtigung der Frauen- und Kinderkrankheiten, Geburtshilfe und Kinderpflege (1911)

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Bilder-Atlas des Pflanzenreichs nach dem natürlichen System (1901)

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Asiatische Monumental-Plastik

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Dresdner Galerie: HYACINTHE RIGAUD, ALBRECHT DÜRER, TIZIAN, RAFFAEL, FERDINAND BOL, ADRIAEN VAN DER WERFF, SALOMON KÖNINCK, JAN VAN DER MEER VAN DELFT, CARLO DOLCI, KASPAR NETSCHER, GERARD DOU, REMBRANDT VAN RIJN, JAN DAVIDSZ DE HEEM, GABRIEL METSU, REMBRANDT VAN RIJN, ADRIAEN VAN OSTADE, DER MEISTER DES TODES DER MARIA, JUSEPE DE RIBERA, GUIDO RENI, LORENZO LOTTO, FRANCISCO DE ZURBAR AN, RAPHAEL MENGS, REMBRANDT VAN RIJN, BARTOLOME ESTEBAN MURILLO, HANS HOLBEIN DER JÜNGERE, JEAN ETIENNE LIOTARD, ANTON GRAFF, ANGELICA KAUFFMANN, ANTONIO ALLEGRI DA CORREGGIO, JAN VAN EYCK, ANTONIUS VAN DYCK, JACOB VAN RUISDAEL, CLAUDE LORRAIN, ANTOINE WATTEAU, PAOLO VERONESE, MEINDERT HOBBEMA, PETER PAUL RUBENS, CIMA DA CONEGLIANO, JAN WEENIX, PALMA VECCHIO, JAN WILDENS, MICHELANGELO CARAVAGGIO, POMPEO BAtONI, FRANCESCO FRANCIA, JAN VAN DER MEER VAN HAARLEM, DAVID TENIERS DER ÄLTERE, WILLEM KLAASZ HEDA, ADRIAEN BROUWER, JAN FY , HRISTIAN LEBERECHT VOGEL.

Gezeigte Kunstgemälde in der Dresdner Galerie
1. HYACINTHE RIGAUD, König August III. als Kurprinz
2. ALBRECHT DÜRER, Christus am Kreuz
3. TIZIAN, Der Zinsgroschen
4. RAFFAEL, Die Sixtinische Madonna
5. FERDINAND BOL, Jakobs Traum
6. ADRIAEN VAN DER WERFF, Verstoßung der Hagar
7. SALOMON KÖNINCK, Der Eremit
6. JAN VAN DER MEER VAN DELFT, Die lesende Frau
9. CARLO DOLCI, Die heilige Cäcilie
10.KASPAR NETSCHER, Gesang mit Klavierbegleitung
11. GERARD DOU, Der Geiger
12. REMBRANDT VAN RIJN, Selbstbildnis mit seiner Frau Saskia
13. JAN DAVIDSZ DE HEEM, Das große Stilleben mit dem Vogelnest
14. GABRIEL METSU, Der Geflügelverkäufer
15. REMBRANDT VAN RIJN, Die lachende Saskia
16. ADRIAEN VAN OSTADE, Der Meister in seiner Werkstatt
17. DER MEISTER DES TODES DER MARIA, Die große Anbetung der Könige
18. JUSEPE DE RIBERA, Die heilige Agnes
19. GUIDO RENI, Christuskopf mit der Dornenkrone
20. LORENZO LOTTO, Maria mit dem Kinde und Johannes
21. FRANCISCO DE ZURBAR AN, Bonaventuras Gebet während einer Papstwahl
22. RAPHAEL MENGS, Amor
23. REMBRANDT VAN RIJN, Bildnis eines bärtigen Alten
24. BARTOLOME ESTEBAN MURILLO, Maria mit dem Kinde
25. HANS HOLBEIN DER JÜNGERE, Bildnis des Morette
26. JEAN ETIENNE LIOTARD, Das Schokoladenmädchen
27. ANTON GRAFF, Selbstbildnis in ganzer Gestalt
28. ANGELICA KAUFFMANN, Weibliches Bildnis als Vestalin
29. ANTONIO ALLEGRI DA CORREGGIO, Die Madonna des h. Franziskus
30. JAN VAN EYCK, Ein Flügelaltärchen
31. ANTONIUS VAN DYCK, Die Kinder Karls L
32. JACOB VAN RUISDAEL, Die Jagd
33. CLAUDE LORRAIN, Landschaft mit der Flucht nach Ägypten
34. ANTOINE WATTEAU, Gesellige Unterhaltung im Freien
35. PAOLO VERONESE, Die Hochzeit zu Kana
36. MEINDERT HOBBEMA, Landschaft mit Mühle
37. PETER PAUL RUBENS, Merkur und Argus
38. CIMA DA CONEGLIANO, Mariä Tempelgang
39. JAN WEENIX, Das große Stillleben mit dem toten Hasen
40. PALMA VECCHIO, Jakob und Rahel
41. JAN WILDENS, Winterlandschaft mit einem Jäger
42. MICHELANGELO CARAVAGGIO, Die Falschspieler
43. POMPEO BATONI, Die büßende Magdalena
44. FRANCESCO FRANCIA, Die Anbetung der Könige
45. JAN VAN DER MEER VAN HAARLEM, Blick von den Dünen
46. DAVID TENIERS DER ÄLTERE, Im Dorfe
47. WILLEM KLAASZ HEDA, Ein Frühstückstisch
48. ADRIAEN BROUWER, Bauernschlägerei beim Kartenspiel
49. JAN FYT , Hund, Zwerg und Knabe
50. CHRISTIAN LEBERECHT VOGEL, Zwei fürstliche Knaben

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