Novorussia: Mosgowoj ermordet

Mosgowoj totAnm.: Diesen Mann war ein großer Kämpfer, ein Held seines Landes. Ich bedaure seinen Tod sehr und ziehe meinen Hut vor ihm. Lebe wohl, Alexej Mosgowoj!

erschienen bei Saker

Es ist die schlimmste Nachricht aus Noworossija in den vergangenen Monaten. Alexej Mosgowoj, Kommandeur der Lugansker Brigade Prisrak, fiel heute einem Anschlag zum Opfer.

Der Anschlag erfolgte ungefähr an der selben Stelle wie der gescheiterte Mordversuch vor einigen Wochen. Diesmal wurde nicht nur eine Sprengladung verwendet, sondern zudem das Fahrzeug von beiden Straßenseiten unter Feuer genommen. Nach bisherigen Berichten starben mit ihm seine Wachen und die Pressesprecherin der Brigade.

Es gibt naheliegende Gründe, nicht von einem Anschlag durch ukrainische Sabotagetrupps auszugehen. Erst vor kurzer Zeit gab es eine heftige Auseinandersetzung zwischen Plotnitzki und Mosgowoj um die Abhaltung einer Parade zum Tag des Sieges in Altschewsk und um die antifaschistische Solidaritätskonferenz, die dort stattfand (und über die wir berichtet haben). Nach Mosgowojs Eintrag auf seiner VK-Seite wurde er von Plotnitzki mit Erschiessung bedroht, falls eine solche Parade in Altschewsk stattfände.

Dieses Ereignis weckt nicht nur üble Erinnerungen an den Mord an Bednow Anfang des Jahres. Auch wenn jede innere Auseinandersetzung gefährlich ist, ich glaube nicht, dass die Verhältnisse in Lugansk weiter so bleiben dürfen.

Mosgowoj war eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten Noworossijas. Im Zivilberuf Leiter einer Blaskapelle, hatte er sehr früh nach den Besetzungen in Lugansk angefangen, eine Miliz aufzubauen, und Prisrak war eine der ersten funktionsfähigen Einheiten in Lugansk.

Im Andenken an diesen Mann, der schmerzlich vermisst werden wird, poste ich noch einmal seinen Appell. (!!!)

Mit ihm ist ein Teil der Würde Noworossijas gestorben


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Und ein altes Lied, das mir dazu passend scheint…


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Aufnahmen vom Ort des Anschlags


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erste Reaktionen

Die ukrainische Seite hat – wie nicht anders zu erwarten – mit Jubel reagiert, und der Betreiber des berüchtigten Portals für Mordaufrufe, Geraschenko, hat des Ganze mit dem zweiten Teil des Kiewer Mantras verknüpft: Putin wars.

Die selbe Meinung findet sich auch auf den mit Strelkow verbundenen Seiten.

Das allerdings ist von allen denkbaren Versionen die unwahrscheinlichste. Denn wenn es darum gegangen wäre, Unbotmässigkeit Moskau gegenüber zu ahnden, dann wäre es nicht ausreichend, eine Person an der Spitze zu entfernen, wie bekannt oder populär sie auch sein mag. Es hätte ebenfalls sichergestellt sein müssen, dass die möglichen Nachfolger gehorsamer sind. Die Nachfolger wurden aber bereits in der Nacht bekannt gegeben. Und zum stellvertretenden Kommandeur der Brigade wurde Pjotr Birjukow, bisher militärischer Kommandeur des kommunistischen Freiwilligenbatallions. Schwer, darin einen Gewinn für Oligarchen zu sehen.

Ein weiterer Punkt, der gegen diese Theorie steht, ist, dass die antifaschistische Konferenz, die Plotnitzki in Lugansk untersagen wollte, aus zwei Teilen bestand, und der zweite Teil in Donezk stattfand. Dort allerdings in offiziellen Räumen mit offiziellem Segen. Wenn der Versuch, die Konferenz in Lugansk zu unterbinden, und die Auseinandersetzung zwischen Mosgowoj und Plotnitzki, die sich darum wand, tatsächlich das Ergebnis Moskauer Wünsche gewesen wäre, hätte sich ähnliches in Donezk abspielen müssen. So scheint es sich schlicht um mangelndes politisches Geschick der Lugansker Führung gehandelt zu haben.

Bei der zweiten Theorie, die im Raum steht, geht es um organsiertes Verbrechen. Mosgowoj war den Geschäften im Weg. Der Kommentator von Anna-News, Marat Musin, verknüpft diese Sicht mit einer Variante über die, nennen wir sie mal, “Moskauer Theorie”. Diese Version steht zwischen der extern/russischen und der intern/Lugansker Position.

Die dritte Möglichkeit, eine interne Lugansker Auseinandersetzung, scheint vor dem Hintergrund der Konfrontation Mosgowojs mit Plotnitzki nicht unmöglich. Es gibt allerdings eine kurze Passage auf dem Blog putnik-1 findet sich folgende Passage: “Allen, die jetzt die Information verbreiten, dass die “GRU” Alexej Mosgowoj getötet habe… Ich sitze in direktem Kontakt mit ihnen. Alle sagen, und ich stimme dem zu, dass die offizielle (und inoffizielle!) Reaktion auf den Tod Alexejs an der Spitze der LNR nicht mit der auf den Tod von Bednow vergleichbar ist. Enttäuschung, Sorge, Zorn – und keine Erleichterung oder, noch weniger, Freude.”

Die offizielle Stellungnahme der Lugansker Staatsanwaltschaft vermutet eine ukrainische Sabotageeinheit. Auch diese Frage wurde in den Blogs unterschiedlich diskutiert; Dmitry Steschin, der Korrespondent der Komsomolskaja Prawda allerdings merkte in seinem Kommentar auf Facebook an, ukrainische Täter seien für ihn die wahrscheinlichsten. “Mosgowoj war kein großer Kommandant, Stratege und Taktiker, durch dessen Verlust die Armee enthauptet werden wird. Aber er war eine Person, deren Tod am Vorabend eines aktiven Angriffs Zwietracht säen kann. Das Objekt wurde perfekt gewählt.”

Hierzu ist folgendes anzumerken: ja, es ist durchaus möglich, dass der Anschlag vor einigen Wochen, bei dem mehrheitlich ein “einheimischer” Hintergrund vermutet wurde, und das Attentat gestern auf das Konto unterschiedlicher Täter gehen. Ort und Vorgehensweise des ersten Anschlags waren öffentlich genug, dass es sich um eine gezielte Nachahmung handeln könnte. Und auch wenn es in manchen Kommentaren behauptet wird, ein Eindringen 50 km hinter die Frontlinie ist nicht unmöglich. Hier die Karte dazu:

Der rote Punkt in der Mitte der Karte kennzeichnet den Ort des Anschlags.

Insgesamt hat mich dieser Blick durch die Blogs eher beruhigt; die Wahrscheinlichkeit einer internen Lugansker Auseinandersetzung sehe ich nicht mehr ganz so hoch.

Dazu trägt sicher auch die Meldung bei, dass am gestrigen Nachmittag das Fahrzeug der gemeinsamen russisch-ukrainischen Gruppe zur Überwachung des Waffenstillstands unter Beschuss von der ukrainischen Seite kam. Und dass die jüngsten Berichte aus Donezk davon sprechen, die Kiewer Truppen seien inzwischen auf 45.000 Mann aufgestockt worden.  Das sieht nach wie vor sehr nach Angriffsvorbereitungen aus, und dazu würde auch ein solcher gezielter Angriff passen.

In diesem Fall könnte der Schuss allerdings nach hinten losgehen. Hierzu eine Aussage aus der Brigade selbst, vom oben bereits erwähnten Pjotr Birjukow: “Wenn der Feind plötzlich beschliesst, sich zu freuen, dann tut er das vergebens. Solche Dinge erzeugen nicht Furcht, sondern Hass. Das ist eine weitere große Zahl auf der Rechnung, die bezahlt werden wird, früher oder später.”

 

 

7 Gedanken zu „Novorussia: Mosgowoj ermordet

  1. Im Mai zu sterben , Alexej Mosgowoj
    Original: http://slavyangrad.org/2015/05/23/aleksey-borisovich-mozgovoy-it-is-a-gift-to-die-in-may/

    Im Mai zu sterben, ist nicht schlecht,
    die Totengräber graben bequem.
    Und all die Nachtigallen singen,
    Ein letztes Mal, so unvergleichlich.

    Und das Dröhnen der Maistürme,
    Übertönt die Trauer der Beerdigung …
    Und der Regen, verströmt statt Tränen,
    wäscht die traurigen Erinnerungen fort.

    Schützender Grabhügel
    Unter einer Decke von grünem Gras.
    Nicht mal ein Kreuz steht dort,
    Inmitten von müden Birken.

    Das Rascheln der jungen Blätter,
    Die es ins Leben zieht.
    Das Gras noch nicht sonnenwelk,
    Und Alles, Alles ist erst aufgewacht.

    Im Mai zu sterben, ist nicht schlecht …
    Zurückzuleiben im frischen Frühling.
    Und obwohl ich nicht alles verstehen konnte,
    Bleibt doch kein Zweifel …

    Im Mai zu sterben, ist nicht schlecht …

  2. Natürlich -die gebildeten Krieger; ein musikalischer Mann: eine Autorität also.

    Auf diese Köpfe hat der Feind es abgesehen wie die Judith auf den Holofernes es abgesehen hat.

    Und! ist es verwerflich in einem Krieg, welcher ohne Kriegserklärung, ohne Mut und nur mit asymmetrischen Hinterhältigkeiten gefochten werden kann und wird, feige Anschläge auszuführen?

    Ekel über Ekel.

  3. Kiew-treue Einheit bekennt sich zu Mord an Milizenchef im Donbass

    http://de.sputniknews.com/politik/20150524/302466262.html

    teilte Teni-Kommandeur Alexandr Gladky via Facebook mit. Er bestätigte, das Mosgowoi nach dem Bombenanschlag noch geatmet habe. Man habe ihm aus Maschinengewehren den Todesstoß gegeben. Im selben Statement forderte Teni-Chef von der Regierung in Kiew das auf Mosgowoi ausgesetzte Kopfgeld.

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