Feind bleibt Feind – das Ende von Operation Jubilee

von H.-P. Schröder

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Feind bleibt Feind a

Foto: Dieppe, August 1942, Frankreich, Dieppe – britischer Landungsversuch („Operation Jubilee“), Leichen gefallener englischer/kanadischer Soldaten mit Schwimmwesten im Wasser treibend; PK 698

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1500 DEUTSCHE Soldaten

 

„Für Jubilee wurde erneut die 2. kanadische Division unter Leitung von Major General J. H. Roberts ausgewählt. Nach ihrer Landung bei Pourville und Puys sollten sie einen Frontalangriff auf Dieppe durchführen. Verteidigungsstellungen im Westen bei Varengeville-sur-Mer und Quiberville sowie im Osten bei Berneval sollten zuvor durch Kommandoeinheiten ausgeschaltet werden. Bodenunterstützung wurde durch 30 Kampfpanzer des Typs Churchill gewährleistet. Von Seeseite her gaben 252 britische Schiffe Feuerschutz, und die Royal Air Force und die 8th US Air Force boten 74 Flugzeugstaffeln auf. Insgesamt sollten 6100 alliierte Soldaten – darunter 5000 Kanadier – an der Küste abgesetzt werden.
Auf deutscher Seite stand die 302. Infanterie-Division, insbesondere das Infanterie-Regiment 571 mit etwa 1500 Soldaten, zur Verteidigung des Abschnitts bereit.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Jubilee

7 Gedanken zu „Feind bleibt Feind – das Ende von Operation Jubilee&8220;

  1. Der britische Angriff auf Dieppe

    Primärquelle: Eckert, Der gefesselte Hahn

    OT-Führer Niedermeyer verrät Befestigungspläne von Dieppe an den Feind!

    Aus manchen Unterhaltungen, Untersuchungen und Verneh­mungen, aus aufgefangenen Gesprächsfetzen witterte ich, seitdem die »Konvention von Evreux« zu beiderseitiger Zufrieden­heit gedieh, daß etwas in der Luft liegen mußte. Auch meinte ich, in der französischen Bevölkerung einer gesteigerten Span­nung zu begegnen, der Erwartung auf ein Ereignis, das vor der Tür stand. Es häuften sich Meldungen von einer bevorstehenden Landung der Alliierten in der Normandie; sie waren unbestimmt, ohne feste Kontur, Gerüchte, vermischt mit vagen Kombinatio­nen. Doch kennt man auch nicht die Quelle eines Gerüchts, so beweist das Gerücht selbst schon, daß eine Quelle vorhanden sein muß. Ich reiste nach Fecamp, nach Le Treport, nach Abbeville, ich forschte und horchte in Dieppe, ich fand einige Rinn­sale, die Quelle hingegen fand ich nicht.

    Die Meldungen liefen weiter ein, verwirrt und unbestimmt, aber sie kamen.

    deutsche MG Stellung bei Dieppe – die deutschen Soldaten konnten nicht ahnen, daß ihre Stellungen von einem deutschen OT-Führer Niedermeyer an den Feind verraten wurden! Jeder gefallene Deutsche von Dieppe kam auf das Konto dieses Verräters!

    Es konnte englische Propaganda sein, eine Form der psycho­logischen Kriegführung, um Unruhe und Nervosität zu erzeugen und die deutsche Heeresleitung in Frankreich zu falschen ope­rativen und taktischen Maßnahmen zu zwingen, zur Konzen­tration ihres militärischen Potentials an einer Stelle, wo solche Konzentration sinnlos war. Auch wir hatten Ähnliches schon mit Erfolg geübt.
    Immer wieder war da der Name Dieppe. Es war wie beim Pistolenschießen, bei dem eine Schützenscheibe einige Sekunden sichtbar wird, um dann wieder zu verschwinden, aufzutauchen und wieder zu verschwinden.

    Moineau, den mir die Pariser Leitstelle wieder zur Unterstüt­zung beigegeben hatte, erklärte allerdings eines Tages in großer Sicherheit, daß ich mit Dieppe durchaus auf dem Holzwege sei. Ich fand ihn bei einem überraschenden Besuch in seinem Hotel­zimmer über eine Michelin-Karte von der Normandie gebeugt, in der Hand einen Faden und an dem Faden einen Siegelring, der langsam über der Gegend von Le Havre pendelte. Meinem Erstaunen über diesen merkwürdigen Auswuchs seiner Beschäf­tigungstheorie begegnete er mit der entwaffnenden Feststellung, er pendle gerade den Landungsort der Alliierten aus. Dieppe käme jedenfalls nicht in Frage.

    Nach diesem hohen Beweis seiner Brauchbarkeit in Diensten der Abwehr ging ich mit ihm kurzerhand zum Bahnhof und kaufte ihm eine Fahrkarte nach Paris.

    Man hat diesen Moineau, hinter dem sich der bekannte fran­zösische Marinemaler Andre Lemoine verbarg, durch ein fran­zösisches Militärgericht nach dem Kriege »wegen Zusammen­arbeit mit dem Feinde« zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit ver­urteilt; ich kann den Richtern, die ihn verurteilten, auf Ehre und Gewissen versichern, daß sich seine »Zusammenarbeit mit dem Feinde« in der Plünderung unserer Schatullen erschöpfte und daß diese »Zusammenarbeit« niemals über Schaumschlägerei der beschriebenen Art hinausging.
    Ich war froh, Moineau aus den Augen und damit aus dem Sinn zu haben. Mit Maurice und Andre, beide windige Burschen, die einen besonderen Sinn für Quellen besaßen, fuhr ich am nächsten Tage über Duclair, Le Havre, Veules-les-Roses wieder einmal meiner »Schützenscheibe« Dieppe entgegen.

    Es war um die Mittagszeit, als wir in Veules-les-Roses ein­trafen. Ich erinnerte mich einer kleinen Landschenke, genannt »Flinker Hase«, in der ich bereits während des Frankreichfeldzuges im Jahre 1940 ein ausgezeichnetes Mittagessen eingenom­men hatte. Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch, den ich, kriegerisch in Uniform der Wehrmacht gewandet, abgestattet hatte, war ich heute zivilistisch, mit einigen Insignien des Wider­standskämpfers, gekleidet. Mein Erstaunen war nicht gering, als mir die schöne Wirtin des »Lapin agile« auf den Kopf zu­sagte, mich schon einmal in der Uniform des Gegners erblickt zu haben. Händeringend bat ich sie, mich den Deutschen nicht zu verraten. Von meinem Stellungswechsel gerührt, beteuerte sie, niemals würde sie einen Freund Frankreichs verraten.

    Es ergab sich jedoch bald, daß sie mich nicht für einen deser­tierten Soldaten der deutschen Wehrmacht, vielmehr für einen schon damals in gefährlicher Mission reisenden Engländer hielt. Ich sah meinen Vorteil darin, ihr diese holde Einfalt zu bewahren, und in vertraulichem Flüsterton berichtete sie weiter, es seien einige meiner Kameraden vor einigen Tagen im Nebenzimmer mit einem deutschen Offizier der »Organisation Todt« zusam­mengetroffen.

    Stolz und beglückt erzählte sie auch von einer persönlichen Botschaft, die ihr von ihrem in England lebenden Mann zugekommen sei: »Georges küßt Jeanette und wird sie bald herzlicher umarmen.« Über Radio London war die Botschaft gekommen, eine persönliche Botschaft von Georges Dumoulins an seine Frau Jeanette in Veules-les-Roses. Welch ein Wunder! Aber auch welchen Gefahren setzte sich Georges aus. Und ob ich wohl Näheres wüßte, über Ort, Tag und Stunde der Ankunft.

    Ich beglückwünschte Jeanette lebhaft; bewegten Herzens legte ich einen besonders hohen Schein auf die »addition«.
    Hier war nicht mehr trübes Rinnsal, hier hörte ich ein Bächlein rauschen. Und es flüsterte mir zu, daß sich erstens einige Feind­agenten im Abschnitt Le Havre-Dieppe aufhielten. Daß zweitens diese Feindagenten heimliche Beziehungen zu einem deutschen OT-Führer unterhielten und daß zum dritten ein Landungsunter­nehmen, unbestimmt welchen Umfangs und mit welchem Ziel, in Vorbereitung war.

    Ich fuhr nach Rouen zurück und setzte einen dringenden Kurier nach Paris ab; er kam nach wenigen Tagen mit der lako­nischen Empfehlung zurück, ich möge mich nicht um Hirnge­spinste kümmern, sondern lieber versuchen, objektive Arbeit zu leisten.

    Bums, bist buten! reagiert man in Norddeutschland auf einen unerwarteten Hinauswurf. Verdrossen beschloß ich, objektive Arbeit weiterhin im Sinne meiner »Hirngespinste« zu leisten.
    Ich saß in der »Cintra-Bar«, las zuweilen in einer französischen Zeitung und grübelte zumeist über das voluminöse Brett vor dem Kopf meines Vorgesetzten nach. Am Nebentisch tafelte und lachte unbeschwert ein junger deutscher Jagdflieger mit einem Marineleutnant. Der Jagdflieger ergötzte sich ungemein an einem Erlebnis, daß er erst vor wenigen Tagen mit einem liebenswerten, aber arg vertrottelten französischen Grafen gehabt hatte. Er er­zählte es mit lachendem Gesicht, und in der Tat war es ein komisches, ein mehr als komisches Erlebnis. Ich lachte mit, denn ich war nicht gehalten, mir vor der recht angeregten Unterhaltung die Ohren zu verschließen, aber ich dachte mir, als er geendet hatte: die Pointe, mein Lieber, die Pointe, die kannst du nicht wissen.

    Er war also, so erzählte er, in einem Luftkampf zusammen mit einem Kameraden abgeschossen worden, ihre Fallschirme hatten sich rechtzeitig geöffnet, und die beiden waren unversehrt auf der Parkwiese eines alten Schlosses zwischen Dieppe und Le Treport gelandet. Ein höflicher Schloßherr hatte sie in englischer Sprache willkommen geheißen und sie freundlichst in sein Haus eingeladen. Die Kenntnis der englischen Sprache war beim Gra­fen noch geringer als bei den beiden Jagdfliegern, aber der alte Herr blieb angestrengt bemüht, sich in der Sprache seiner Gäste verständlich zu machen, und versicherte ihnen, daß auf französi­scher Seite alle Vorbereitungen für die Landung getroffen seien, ja man habe jetzt sogar unter den »khakifarbenen Deutschen«, die an den Küstenbefestigungen bauten, einen zuverlässigen Agenten, der alle Pläne der Anlagen kopiert und zur Verfügung gestellt habe.

    Sie hätten den Scherzen des alten Herrn ein Ende gemacht und sich als deutsche Jagdflieger vorgestellt. Wie habe der alte Herr nun seinerseits gelacht und sich auf die Schenkel gehauen und erklärt, er sei gespannt gewesen, wie lange die Herren seine Witze tolerieren würden. Es sei ein netter Abend geworden, und der Graf habe sie dann mit seinem letzten gehamsterten Benzin nach Rouen gebracht. Man habe das nicht zulassen wollen und habe auf der Feldkommandantur erwirkt, daß dem Grafen das Benzin zurückvergütet wurde und er außerdem noch einen Gutschein für weitere 20 Liter Benzin erhielt.

    Und wie es im übrigen mit den Mädchen in diesem Kaff stünde.

    Nicht weniger, nicht mehr, hörte ich.

    Mir aber schien, daß die Erzählung des Jagdfliegers ein ge­wisses Mehr zu meinen eigenen Feststellungen bedeutete und daß dieses Mehr der Hammer war, mit dem ich an das Brett vor dem Kopf meines Herrn Vorgesetzten klopfen mußte. Ich machte meinen Citroen fertig und fuhr in der gleichen Nacht nach Paris.
    Ich spüre noch heute den Druck der väterlichen Handbewegung des Majors Eschner auf meiner Schulter und höre ihn sagen: »Mein Lieber, solche Meldungen erhalten wir hier täglich. Aber wenn Sie es für wichtig halten, dann setzen Sie sich doch einmal auf die Fährte dieses OT-Mannes.«

    Ich fuhr nach Dieppe, der Schützenscheibe, die mir schon im Traum erschien. Mit mir fuhren meine drei Windhunde Maurice, Andre und Dupont. Ich befahl ihnen, sämtliche Bars, Kneipen Tanzlokale und verschwiegenen Etablissements zu ermitteln, wo sich die »khakifarbenen Deutschen« der OT aufzuhalten pflegten. Ich saß mehrere Tage lang in dem »Gare Maritime«, einem Lokal, das sich besonders des Besuches höherer OT-Führer erfreute. Ich saß dort mit dem dummen Gesicht eines Franzosen, der von den Deutschen nichts, aber auch gar nichts hielt.
    Ich saß, mit stumpfem Gesicht vor mich hinbrütend, aber ge­spannt horchend auf jedes Wort, das an den Nebentischen ge­sagt wurde. Mich ödete das Lokal an, die lärmende Besoffenheit der Besucher in späten Stunden, ihre prahlerische Rede. Mich ärgerte wieder einmal die Inflation der Gefühle, die unter den deutschen Besuchern mit der Zahl der geleerten Flaschen rasch anwuchs, die lauten und plumpen Anbiederungen, die bei den französischen Gästen zumeist mit Schweigen beantwortet wurden. Ich verstand sehr gut die drei Gefreiten, die sich schließlich an­gewidert erhoben und schweigend das Lokal verließen.

    Was mich besonders erstaunen ließ, waren die Gespräche eini­ger OT-Führer, die ungeniert Dienstgeheimnisse austauschten. Man unterhielt sich hier in einem fremden Land unter den Augen und Ohren eines unterlegenen Volkes, unter den Augen und Ohren potentieller Gegner der eigenen Lebensart über die neuesten Fortschritte der Küstenbefestigungen. Silbersterne auf den Schul­terstücken sprachen von hohen Amtsstellungen. Ich döste weiter vor mich hin, notierte aber im Geiste die Gesprächsfetzen, die mir zuflogen, wie zum Beispiel: »Ich bin überzeugt, daß die Eng­länder genau wissen, wo wir Befestigungsanlagen und Bunker­stellungen, sowie MG-Nester bauen, dem >Intelligence Service« fällt es doch leicht, sich die Pläne zu beschaffen, wenn er nur will.«
    Ich hörte einen der anderen Herren entgegnen: »Mein lieber Herr Niedermeyer, ich glaube, daß Sie sich etwas täuschen, denn wir haben ja eine Polizei und eine Abwehr, und die schlafen be­stimmt nicht.« Darauf Herr Niedermeyer: »Wenn ich so etwas sage, dann habe ich meine Gründe dafür, aber reden wir nicht mehr davon.«
    »Ich habe meine Gründe dafür!« Dieses Wort des OT-Führers, von einem hämischen Lächeln begleitet, löste unter der Besatzung des Stammtisches ein verlegenes Schweigen aus. Man unterhielt sich nur noch mit gedämpften Stimmen, fragte bald nach der Rechnung und rüstete sich zum Aufbruch. Ich verließ das »Gare Maritime« und wartete im Schatten des Hauses mit angelassenem Motor; ich war entschlossen, den Gründen des Herrn Nieder­meyer auf den Grund zu gehen. Ich setzte mich rasch hinter seinen Wagen, der die Straße nach Rouen einschlug.

    Er fuhr schnell, und ich hatte Mühe, ihm zu folgen. Zu mei­nem Unglück wurde die Straße bald durch einen Wehrmachts­transport blockiert; als ich endlich wieder freie Fahrt hatte, war der Wagen des OT-Führers meinen Blicken entschwunden.

    Niedergeschlagen fuhr ich nach Paris, berichtete von meinen Beobachtungen und von meinem Mißerfolg. In dem gespannten, nachdenklichen Gesicht des Majors las ich, daß er über Zusammenhänge nachgrübelte, die mir in ihren Einzelheiten noch ver­borgen waren. Er war unruhig geworden und sagte, als ich mei­nen Bericht beendet hatte: »Sie werden zugeben, daß wir uns hier auf das gefährliche Feld eines Denkspiels begeben, bei dem Voraussetzung und Behauptung nur Kombinationen einer Mög­lichkeit sind, einer Möglichkeit, die, ich räume das ein, nach dem Studium anderer Quellen nicht unwahrscheinlich ist. Aber unsere Kombinationen basieren zunächst auf Geschwätz und unbestätig­ten Gerüchten. Schaffen Sie Beweise. Und eilen Sie sich. Es liegt was in der Luft.«

    Nach Rouen zurückgekehrt, zog ich alle verfügbaren Agenten heran; ich war wie von einer fixen Idee besessen, daß irgendwo eine Zeitbombe tickte. Ich fuhr in meinem Citroen über die Straßen der Normandie, von einer fieberhaften Unruhe getrieben.

    Maurice, Andre und Dupont hatten ihre Augen und Ohren in jeder Dorfschenke, in jeder Herberge. Nichts! Wolkenlos spannte sich ein strahlender August-Himmel über der Normandie, ein paar feindliche Aufklärer waren am Himmel zu sehen, aber das Land lag friedlich in der reifen Pracht des Sommers.

    Dieppe am 19.August, der britische Landungsversuch beginnt

    Und am 19. August — ich saß zwischen Dieppe und Rouen in dem kleinen Städtchen Totes vor einer Herberge und frühstückte nach einer durchfahrenen Nacht —, an diesem strahlenden Mor­gen des 19. August wußte ich plötzlich, daß ich die Suche nach der Zeitbombe einstellen konnte. Vor der Herberge stoppte eine Harley-Davidson; sie war in rasender Fahrt auf der National­straße von Dieppe herangekommen. Der Fahrer der Maschine, Signor Nico von der »Nico-Bar« in Rouen, der unter den Wider­standsmännern eine verschwiegene, aber mir wohlbekannte Rolle spielte, rief mit freudestrahlendem Gesicht Maurice, der an die Maschine herangetreten war, zu: »Die Engländer sind in Dieppe gelandet. Sie werden heute abend in Rouen sein!«
    Ich trat neben Maurice, und Nico erschrak. Das eben noch freudestrahlende Gesicht legte sich in ernste Kummerfalten, und er fragte mich besorgt, was nun zu tun sei. Ich war einen Augen­blick wie gelähmt. Von Dieppe her war plötzlich anhaltendes Geschützfeuer zu hören. Die Küstenwache schien also den Kampf aufgenommen zu haben. Wortlos bedeutete ich Nico, von seiner Maschine abzusteigen, schwang mich hinauf und raste nach Rouen. Noch war die Nachricht von der Landung der Engländer in Dieppe bis hierher nicht durchgedrungen, aber der ferne Geschützdonner hatte bereits eine hohe Alarmstufe ausgelöst. Wenig später, nachdem ich der Kommandantur gemeldet hatte, fuhr ich nach Totes zurück; in seinem Wagen folgte mir der schnell alarmierte Kapitän Pußback.

    In Totes stieg ich in den Wagen des Kapitäns Pußback um, nicht ohne vorher Nicos Maschine von Luft und Ventilen zu befreien. In hohem Tempo fuhren wir Dieppe entgegen.

    Britischerseits wollte man nach der Errichtung eines Brückenkopfes Dieppe bis nach Paris vorstoßen…

    Deutsche Truppen vor Dieppe

    Der Kampf war im vollen Gange, als wir uns auf die Lan­dungsstelle vorarbeiteten. Im Sperrfeuer eines Polizeiregiments, das in Dieppe stationiert war, hatten die ersten Landungstruppen
    starke Verluste hinnehmen müssen. Einige Landungsboote waren versenkt, nur ihre Aufbauten ragten aus dem Wasser. Zwei Landungsboote lagen schwer beschädigt auf dem Strand. Etwa ein Dutzend Panzer »Churchill II« lagen bewegungslos im felsi­gen Geröll des Strandes, der aus einem MG-Bunker vor dem Kasino von Dieppe mit Dauerfeuer bestrichen wurde.

    der Landestrand mit zerschossenen britischen Kriegsmaterial

    noch am gleichen Tag war diese Mini-Invasion auch restlos gescheitert

    An dieser Stelle schien der Angriff bereits abgeschlagen zu sein, aber bei unserem Vordringen sahen wir Einheiten der OT-Truppen, Polizeitruppen und Einheiten der Wehrmacht in harten Abwehrkämpfen gegen vordringende Kanadier. An den Geschütz-und MG-Stellungen vorbei hatten die Landungstruppen einen tiefen Einbruch erzwungen.
    Auch von Neufville her war ununterbrochener Geschützdonner zu hören. Die Angriffe der gelandeten Truppen richteten sich vor allem auf eine Flakstellung; an Strickleitern, die mit Raketen in die Felsen geschossen wurden, kletterten kanadische Soldaten – wie ich später feststellte, aus dem Stamme der Huronen -empor, immer wieder vom Feuer der Geschütze und der MG’s zurückgeworfen. Aus einem Häuserblock wurde die Flakstellung unter MG-Feuer genommen; ich sah, wie ein Geschütz ein­schwenkte und mit einem Volltreffer das MG außer Gefecht setzte.
    Das Polizeiregiment, die OT-Einheiten, die MG-Bunker und die Flakbatterie brachten durch entschlossene Abwehr den Angriff zum Stehen.

    Nach wenigen Stunden fluteten die ersten Landungstruppen zum Strand zurück, bedrängt von kraftvoll geführten Gegen­stößen.

    Nach dem Kampf bei Dieppe ein Bier auf den Sieg

    Was sich in der Tiefe des Einbruchgebietes, in das die kana­dischen Truppen 16 km weit eingedrungen waren, abspielte, blieb mir einstweilen verborgen, ich erfuhr erst später Einzel­heiten dieser Kämpfe.

    Ich schreibe in diesen Blättern keine Erinnerungen an Opera­tionen der Wehrmacht nieder, und so ist das Bild der Kämpfe bei Dieppe, wie ich es von meinem Beobachtungsposten aus skizzieren konnte, nur eine sicherlich unvollständige Gefechts­skizze. Doch bin ich noch heute lebhaft bewegt von den Vorgängen und Ereignissen, in deren Vorbereitung ich schon frühzeitig ein­bezogen war. Ich hatte das Ticken der Zeitbombe gehört und hatte Tage und Nächte auf großer Jagd nach dieser Bombe ver­bracht, jetzt wollte ich zum mindesten erfahren, ob unser Denk­spiel nur Phantasie und nur Kombination war. Ich machte mich auf die Suche nach Beweisen, die Major Eschner gefordert hatte.

    Die ersten fanden sich auf einem der auf den Strand aufge­laufenen Landungsboote, das, seinen Einrichtungen nach zu schließen, als Kommandozentrale für die Landungsoperationen ge­dient hatte. Im Befehlsstand des Landungsbootes fiel mir der genaue Aufmarschplan gegen Dieppe in die Hände. In den An­lagen fand ich Zeichnungen der gesamten Verteidigungsanlagen mit deutschen Beschriftungen, dazu englische Übersetzung. Somit war erwiesen, daß die Verteidigungspläne von Dieppe dem eng­lischen Nachrichtendienst in die Hände gespielt worden waren.

    Die Operationspläne lieferten weiterhin die Beweise, daß die Landung der Truppen nicht als bloßes Kommandounternehmen gedacht war. Vielmehr sollte Dieppe nach geglückter Einnahme und Bildung eines Brückenkopfes Ausgangspunkt für weitere Operationen sein, deren Stoßrichtung ganz eindeutig auf Paris wies. Die späteren englischen Erklärungen, daß die Landungs­operation bei Dieppe lediglich als Erkundungsvorstoß angelegt war, wurden jedenfalls durch die von mir aufgefundenen Pläne widerlegt.

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    die gefangenen Kanadier waren meist Angehörige des Huronen-Stammes

    Ich fuhr nach Rouen zurück, um die Dokumente mit einem Eilkurier nach Paris weiterzuleiten. Auf dem Rückweg sah ich die langen Kolonnen der Gefangenen, etwa 2000 Kanadier, vornehmlich aus der Provinz Quebec, darunter viele Indianer. Im englischen Gleichschritt, begleitet von deutscher Feldgendarmerie, marschierten sie an schweigenden, finster blickenden Gruppen vorbei, in denen ich zu meiner Freude manchen Angehörigen der Resistance erkannte. Sie waren am Morgen wohl aus Rouen und seiner Umgebung aufgebrochen, als die Kunde von der Lan­dung der Engländer zu ihnen gedrungen war. Zweifellos wollten sie ihren Befreiern einen begeisterten Empfang bereiten. Ver­drossen betrachteten sie den langen Zug der Gefangenen.

    Die indianische Beteiligung an der Landung bei Dieppe hatte noch ein böses Nachspiel. Die Indianer hatten auf ihre Art Krieg geführt und die von ihnen gemachten Gefangenen auf eine Weise gefesselt, die bei den Huronen seit einigen Jahrhunderten beliebt war. Dem Gefangenen wurden die Daumen auf dem Rücken gefesselt und die Schlinge dann den Rücken hinauf um den Hals gelegt. Sanken dem Gefangenen die Hände herab, er­drosselte er sich selbst. In meinem Bericht, den ich bei Abschluß meiner »Reise nach Dieppe« niederschrieb, meldete ich auch diese völkerrechtswidrige Art der Fesselung. Man fand eine Reihe so gefesselter toter OT-Männer. Zur Vergeltung und zur Abschreckung wurden daraufhin alliierten Soldaten in deutschen Gefangenenlagern ebenfalls Fesseln angelegt, allerdings nicht auf huronische Art.

    Es war – auf beiden Seiten – ein Anzeichen, daß der Krieg sich immer stärker in die Zone des Schreckens zu verlagern begann. Doch ahnte ich noch nicht, zu welcher Herrschaft der Terror noch gelangen sollte.

    Der Vorstoß bei Dieppe war gescheitert, aber es blieb der Schatten eines ungeheuerlichen Verrats. Ich hatte die Beweise im Befehlsstand des Schnellbootes gefunden: die deutschen Lagepläne und Aufzeichnungen über die gesamten Befestigungsan­lagen von Dieppe. Meine Befürchtungen begegneten einer Sorg­losigkeit, die mich erstaunen ließ. Ich heftete mich auf die Spur jenes OT-Führers, der mir zunächst auf geheimnisvolle Weise entglitten war; schließlich entdeckte ich ihn, verurteilt und de­gradiert wegen anderer, zumeist disziplinarer Verstöße.
    Es sollte der Tag kommen, an dem in einem Dolmetscherbüro in der französisch besetzten Zone ein ehemaliger OT-Führer er­schien, der in einem Gesuch an die französische Besatzungsmacht seine Verbundenheit zu den Widerstandskämpfern im Kriege ausführlich beschrieb. Und er nannte die Namen derjenigen Franzosen, die bezeugen konnten, daß er die Pläne der Verteidigungsanlagen von Dieppe verraten habe.

    Das war nach dem Kriege. Damals entging der OT-Führer Niedermeyer dem Henker. Meine Beweise reichten nicht aus.

    Quelle: http://germaniamagna.forumup.ch/about206-germaniamagna.html&sid=962d1b3179a9e6a42e67e4cc5be61e56

    NACHTRAG: Es fällt auf, daß dieser Beitrag nach und nach in Foren gelöscht wurde, so zum Beispiel auch hier:

    http://germaniamagna.forumup.ch/about206-germaniamagna.html&sid=962d1b3179a9e6a42e67e4cc5be61e56

    Dagegen findet man ihn noch im alten Inhaltsverzeichnis

    http://web.archive.org/web/20110108113133/http://www.nexusboard.net/sitemap/6365/operationen-und-schlachten-der-weltkriege-f55827/

    1. KORREKTUR

      Hier in der neuen Version fehlt die Quelle:

      http://web.archive.org/web/20071028213044/http://www.nexusboard.net/forumdisplay.php?siteid=6365&forumid=55827

      Hier in der alten Version ist die Quelle noch im Inhaltsverzeichnis, aber ebenfalls nicht mehr aufrufbar:

      http://web.archive.org/web/20110108113133/http://www.nexusboard.net/sitemap/6365/operationen-und-schlachten-der-weltkriege-f55827/

      Foren » Forum » Operationen und Schlachten der Weltkriege
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      Operationen und Schlachten der Weltkriege

      Großer Bilderatlas des 1. Weltkrieges
      Endkampf um Ostpreußen
      Gründe und Ursachen zum Polenfeldzug 1939
      Westfeldzug 1940 – Paris unter deutscher Besatzung
      Der Verrat von Dieppe – 19.August 1942
      Unternehmen Barbarossa – Der Präventivschlag
      Monte Cassino
      Operation Merkur – Kreta 1941
      Ardennenschlacht – Veteranenberichte
      Verbotene Eroberung Leningrads
      Stalingrad – es hätte auch so gereicht
      Unternehmen Weserübung
      Festung Budapest 1944
      Abwehrkämpfe am Westwall – Herbst 1944
      Verratene Endkämpfe – Normandie 1944
      Hochverrat im OKW – Heeresgruppe Mitte 1944
      Schlacht bei Tannenberg – WK I
      Invasion aus deutscher Sicht
      Polnische Gasgranaten 1939
      Narvik 1940
      Unternehmen Zitadelle – Russen kannten Angriffstag
      Kessel von Cholm 1942
      Die Michaeloffensive
      Verdun – WK I
      Festung Breslau
      Besetzung des Rheinlandes – 1936
      Operation Frühlingserwachen – 1945
      Pearl Harbor
      Wotanstellung
      Moderne Nachrichtenmittel: Vorteil oder Nachteil?
      Besonders bemerkenswert

      UND

      http://www.welt.de/kultur/history/article108555676/Dieppe-Katastrophe-bei-Generalprobe-zum-D-Day.html

  2. NUR DAS FREYAGERÄT, DAS DEUTSCHE RADAR WAR DAS BRITISCHE ZIEL

    (Was kaum bekannt ist: Die Freya-Radarstation wurde tatsächlich erbeutet und kam nach England)

    Das Jubilieren vergangen…

    19. August 2012

    ist vor 50 Jahren den Alliierten bei ihrem Landungsversuch in dem nordfranzösischen Hafen Dieppe. Am 19. August 1942 starteten sie in den frühen Morgenstunden das Unternehmen “Jubilee”, um mit 237 Schiffen und 7500 Soldaten, neben kanadischen auch Us-amerikanischen Rangern, britischen, polnischen und französischen Truppenteilen. Ziel des Angriffs war die kurzzeitige Inbesitznahme der Stadt Dieppe, die nach wenigen Stunden wieder geräumt werden sollte.

    Zerstörte Landungsboote, Churchill-Panzer und tote kanadische Soldaten am Strand von Dieppe

    Es wurde ein Riesenreinfall! 1942 deutsche Truppen überrennen – das war wo noch nichts!

    Rein kamen sie nicht, sondern mußten bereits gegen 9 Uhr und mit hohen Verlusten von bis zu 70 % der eingesetzten Streitkräfte unter Vernebelung des Strandes in die restlichen Landungsbote flüchten und sich absetzen. Gegen Mittag kapitulierte der Rest der verbliebenen alliierten Truppen. Das eigentliche Ziel war, alle möglichen Kenntnisse zu erlangen über die Beschaffenheit der deutschen Verteidigungsanlagen, Waffensysteme, Truppen und spezifische Verhältnisse des Küstenbereiches.

    Ganz besonders hatten sie es auf die Freya-Radarstation auf den Klippen abgesehn. Hier sollten wichtige Anlagenteile demontiert, Unterlagen geraubt und nach England gebracht werden. Aber sie hatten nicht mit unseren Altvordern gerechnet und sich sehr blutigen Nase geholt. Dafür hatten sie die Erkenntnis gewonnen, daß deutsche Soldaten hervorragende Kämpfer waren und wohl auch gute Waffen hatten und daß es im Krieg mehr auf die erstere Kategorie ankommt! Und so mußten sie mit dem Klau von deutscher Technik, Patenten, Wissenschaft und Kidnapping des entsprechenden Personals noch bis Kriegsende warten.

    Quelle: http://www.hans-pueschel.info/politik/das-jubilieren-vergangen.html

  3. WIR LIQUIDIEREN FALSCH:

    Wir begehen seit dem Siebenjährigen Krieg den fatalen Fehler, oder wir werden vom Feind dazu verleitet, den folgenschweren Fehler zu begehen, daß wir völlig falsch liquidieren. Unter Berücksichtigung der Gaußverteilung zeigt sich, daß man seit damals nur bei niedrigen Dienstgraden mit voller Härte durchgreift. Putzfrauen, Dienstboten und den Schützen Arsch ergreift des Gesetzes ganze Schärfe. Wer des Lesens und Schreibens mächtig ist, der wird dagegen mit Nachsicht behandelt.
    Und nur mit hartem Durchgreifen kommen wir wieder wirtschaftlich in Fahrt!

    1. Ich lernte noch Hunderte von Offizieren persönlich kennen, welche alle die Ansicht vertraten, daß es ein Kunststück war, den Krieg 39/45 zu verlieren!

    2. Was kann man aus dieser Epoche lernen: Wenn der Führer spätestens nach dem 20.07.44 alle, aber wirklich alle Stabsoffiziere, die zum Zeitpunkt älter als 35 Jahre alt waren, ohne jede Rücksicht an die Wand gestellt hätte, dann wäre ihm der Endsieg sicher gewesen!

    3. Denn nur durch Verrat konnte die Wehrmacht bezwungen werden. Noch im März 1945 zweifelten die Alliierten an ihrem eigenen militärischen Gelingen. Aber dann löste sich die Wehrmacht praktisch ganz von selbst auf. und in nur zwei Monaten trafen sich Russen und Amis in Torgau an der Elbe!

    4. Der Herr Hitler selbst interessiert mich nur am Rande. Was mich dagegen sehr bewegt, das ist seine Verknüpfung mit dem Schicksal des deutschen Volkes.

    5. Stalin hatte die Brutalität, welche Hitler leider fehlte. Aber niemand in der ganzen Oberkommando der Wehrmacht verfügte über diese Brutalität. Weder die Wunderwaffen, noch das vorhandene Giftgas und auch nicht die einsatzbereiten Atombomben kamen 1945 zum Einsatz! Warum wohl nicht?

  4. Man hat zum Sterben die Kanadier geschickt, d. h. man rechnete schon während der Planung mit einem Mißerfolg. Sonst hätten die Hohen Herrn im Dunkel eigene Söldner benutzt, um den Ruhmrahm abzuschöpfen. In diesem Zusammenhang kann der angestiftete Verrat nur eine Randnotiz sein, ein Versuch, das Ergebnis zu schönen. War in England genügend Nachschub an Waffen , Menschen-Material und Transportkapazität bereit, um einen errichteten Brückenkopf zu halten und auszubauen? Falls nicht, wäre das der Beweis für oben gesagtes. Wie sah es mit Luftunterstützung aus? Freya etc. das wäre dann Beifang, hätte man wahrscheinlich mit einer kleinen rußgeschwärzten Mörderbande leichter durchführen können.
    Und was die Huronen betrifft, denen hatte man 100 Glasperlen und eine pockenvirenverseuchte Pferdedecke versprochen, einen 500 Dollarschein aus 2 km entfernung gezeigt und ihnen eingeredet, sie müssten ihre alten Verbündeten, die Franzosen, vor den Engländern retten. Als sie merkten, daß sie geleimt worden waren, hat sich ihr Haß gegen die Deutschen gerichtet, Engländer waren ja in Nordfrankreich nicht vorhanden… .

    Geschichte hat viele Gesichte (r), aller Ausrederei zum Trotz aber nur eine Wahrheit. Diese ist allerdings derart vielschichtig-verwoben, daß sie komplex erfasst werden muss, um als solche erkannt zu werden.

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