Sankt LULL O CRAUS – Teil III

von H.-P. Schröder

 

Fortsetzung der letzten Warnung

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Freier Fall -4
Freier Fall

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„Was weiß Sie wirklich?“, dachte er. „Selbstverständlich. Wir treffen eine Vereinbahrung. Wir tauschen gleichwertiges, wer etwas erfährt gibt es weiter.“ Sie sah auf, sah ihn an, zu lange…. .

„Ist etwas ? Sind Sie einverstanden?“

„Versuchen wir es.“ Sie drehte den Kopf wieder zur Scheibe hin, versuchte hinter den Horizont zu schauen: „Sie sind sich doch darüber im Klaren, daß unsere Wasservorräte zuende gehen ? Zuviele Raumreisen, Sie verstehen.“

Er ging nicht darauf ein. „Bis dann, ich hoffe wir sind uns einig.“, sagte er, als er aufstand und sie verließ.

Tief unter ihnen, im Fels unter dem Drehturm, tagten zur selben Jetztzeit die Astrognomen. Die Astrognomen versammelten sich in einer Höhle. Kein Licht drang herein. Sie waren ungestört. „Fremdes Licht verzerrt die Dinge, Dinge, die von fremdem Licht beschienen werden, hinterlassen falsche Eindrücke“, hatte ihr Gründer verkündet, „deshalb sind Fremdlichtergebnisse unbrauchbar. Lernt die Dinge zu beleuchten und dann sagt mir, was ihr seht. Findet euere Wahrheit, summiert sie, fügt sie aneinander. Jede Flickendecke enthält mehr Wahrheit, als ein menschlicher Gedanke.“

Wie man daraus ersehen kann, war der Begründer der Astrognomie kein Astrognom. Doch niemand schien sich daran zu stören. Vielleicht weil niemand es bisher bemerkt hatte.

Jene verordnete Einsicht befolgend, trafen sich die Astrognomen zu wichtigen Beratungen in einer Höhle, um Beeinflussungen draussen zu halten. Alle Astrognomen sind Ketzer. Das ist Folge und Voraussetzung und stammt aus den dunk`len, leeren Räumen, in denen sie ihre Leben verbringen. Auf dem Sterbebett weisen dann die Meisten die Meßschnüre weit von sich, klappen ihr Berechenbuch zu, nicht ohne zuvor auf das letzte Blatt ein „Ungenügend“ notiert zu haben und werden bekehrt, – behaupten die einfachen Handwerker, von denen sie sich ernähren.

Nach dem Singen der Eintrachtshymne warfen die Astronomen das Los, um den Wortausführer zu bestimmen. Der blickte in die Runde und begann. Viele Stimmen kamen aus seinem Mund., eine übernahm das Kommando. Es war die perfekte Kopie der Stimme des Kommissionsvorsitzenden:

“Wir haben schlechte Nachrichten erhalten, – wie man`s nimmt. Das Wasser ist für uns verloren, sofern wir eine zweite Sache nicht in den Griff bekommen. Im Rat haben sich zwei Ansichten Bahn gebrochen, die einander widersprechen. Die eine Fraktion, materialorientiert möchte ich sie nennen, verweist auf Prämisse 1 in unseren Statuten, die besagt, daß alle Orte, die unbewohnt sind, als Rohstoffquelle genutzt werden können, ohne daß weitere Maßnahmen, ausser den üblichen, wie Topographiebegradigungen oder Magnetfeldaufforstungen, erforderlich sind. Wie sie alle wissen, trat etwas ein, was uns eine einfache Antwort und eine klare Lösung verbietet. Die Verhaltensauffälligkeit einer Blase hat uns der Geschichte des Planeten auf die Spur gebracht und völlig andere Faktoren entblößt, die das ganze Projekt gefährden. Jedenfalls wird das Einbringen eines Antrages diskutiert, der darauf abzielt, das Unternehmen zu stoppen und bald ganz einzustellen. ……………“

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Raumzeitwechsel: Aus dem Protokoll der Behörde für verlassene Planeten

„Wir folgten dem Kahlschlag und stießen an seinem Ende, wie erwartet, auf das jüngste Opfer der Pest. Die Einzelheiten unserer Vorgehensweise setzen wir als bekannt voraus, so daß wir auf die Erläuterung technischer Prozesse verzichten können. Unsere Rekonstruktionen stützen sich auf die sichergestellten Relikte. Diese sind zu 100 Prozent verläßlich, da kein Interpretationsmuster die Auswahl beeinflusst. Alles wird sichergestellt, was sichergestellt ist wird aufgeführt, so daß unsere Schlüsse weder Übertragungen noch Mutmaßungen enthalten, noch auf Ergänzungen angewiesen sind, sondern objektive Wirklichkeit vermitteln. Die Dinge sprechen für sich. Kataloge aller Objekte, samt Erläuterungen der Fundumstände im Gesamtzusammenhang sind, nach Anmeldung, bei uns einsehbar.

Um unsere Entscheidung, über deren Tragweite wir uns bewusst sind, zu verdeutlichen, möchten wir einige dramatische Punkte aus verschiedenen Kapiteln der Entwicklungsgeschichte herausgreifen und bündeln. Der vollständige Abschlußbericht bleibt unwiderruflich gesperrt. Darin sind die Strategien ausführlich dokumentiert, die die Gesellschaft zerstörten. Eines der Mittel war, Zwietracht zu säen, indem die Infizierer Schädlinge unter Naturschutz stellen ließen. Ihre Agenten im Staatswesen gaben Gesetze als rechtsverbindlich aus, die sie zuvor selbst verfasst hatten und die jeden mit harten Strafen bedrohten, der es wagen sollte, dem Selbsterhaltungstrieb zu gehorchen und sich gegen Angriffe durch Schädlinge zu wehren. Zuwiderhandlungen wurden gnadenlos verfolgt. Die Induzierung kollektiven Wahnsinns war somit eingeleitet. Die Anzahl der Schädlinge vermehrte sich unkontrollierbar und uneindämmbar in`s Ungeheu`re. Die Verrohung in allen Bereichen, als Ausdruck des Kampfes zwischen Selbsterhaltungstrieb und repressiver Gewalt der Verbrecherkaste war unvermeidlich, die materielle Verwüstung der Lebensgrundlagen im zweiten Schritt die Folge.“

Aus dem Protokoll der Behörde für verlassene Planeten: Rohstoffe und Gedenkstätten in der Rückschau

Die Ausgrabungen
……Die Archäohomiden-Entdeckung der Ursachen, wodurch der neu entdeckte Planet des gelben Sterns entvölkert wurde, zirkulierte in Geheimpapieren unter den zuständigen Gremiumsmitgliedern. Beunruhigung entstand in der Bevölkerung durch die Gerüchte, die der ansteigende Druck auf die Ratsmitglieder nach außen preßte.

Nach der internen Rekonstruktion der Erinnerungsstätten um den Kult der 6 Milliarden, erging die Anweisung weiter zu forschen, aber mit äußerster Vorsicht, da es sich um geweihten Boden handele und die Totenruhe der 6 Milliarden höchsten Respekt verdiene. Damals gab es die ersten Stimmen, die vor einer Ansteckungsgefahr warnten und bereits Infektionen im Rat vermuteten.

Tempel, Anbetungsstätten, Mausoleen und Wallfahrtsorte kamen an das Tageslicht, Rituale, Liturgien, Handlungsanweisungen in Form von Predigten und Totengebeten wurden festgehalten. Namen wurden rekonstruiert, große Zeremonienmeister traten aus dem Dunkel und erhielten Gesicht und Stimme; Foxman, Weizmann, Lehmann, Wiesel & Wiesel, Silberstein & Blankfein.

Dann wurden die Schuhmuseen entdeckt und die Seifenkartonausstellungen des Erleuchteten War-Holo dokumentiert. Je mehr Hinweise auftauchten, desto größer wurde das Rätsel. Wer waren die Täter, die Verursacher jener entsetzlichen Verbrechen? Die Verursacher blieben seltsam gesichtslos. Die Rede war von Schwarzen Männern, während es an anderen Stellen hieß, daß die Täter Rassisten gewesen wären, die Schwarze Männer verfolgt hätten. Die Mörder der sechs Milliarden blieben in einem zwielichtigen Dunkel, in dem sie vollkommen verschwanden. Endeten sie durch Selbstmord ? Die Täter waren nirgends abgebildet, während spirituelle Führer wie die Gebrüder Mad Off, Holy Rabbi Geldschein, Wieselthal das Gebenedeite oder der Armutsprediger Franzkuß Goldmann in aller Munde waren. Deren Porträts hingen an jeder Strassenecke, ihre Predigten wurden stündlich per Tele-Visionen weltweit übertragen.

Die wenigen Überlebenden, die der Auslöschung der sechs Milliarden entgangen waren, errichteten ein Spinnennetz von Kultstätten, das einstmals die ganze Oberfläche überzogen hat. Zum ewigen Gedenken an das Große Brandopfer, wie die Inschriften verkündeten. Um eine Wiederholung des Geschehens unmöglich zu machen, begründete sich ein Geheimbund, eine Art von Wächterkult, wie sie auf primitiven Planeten, aus den unterschiedlichsten Anlässen heraus, sich häufig begründen, mit Totem und Tabu und Ketzerverbrennungen………

Religiöser Wahnsinn
Der Kult florierte unter der Führung einer charismatischen Persönlichkeit mit Namen Sankt Lull O Craus. Dieser Sankt Lull O Craus verordnete eine Zwei-Klassengesellschaft, deren einzige Aufgabe darin bestand, das Spinnennetz zu unterhalten und Nachwuchs zu rekrutieren, wobei sein Schlachtruf „Sühne statt Söhne“ dem zunehmend im Wege stand. Die Bevölkerung ist dann im Laufe weniger Jahrhunderte, wahrscheinlich mangels forpflanzungsfähiger Massen, ausgestorben, ihre Bauten verfielen und der Schutt der Kontinente hat alles unter sich begraben. Bis die Archäohomiden kamen.

Dies war der Wissensstand auf der uns unter dem Namen „Planet am Ende des Kahlschlags“ bekannten Welt, als sich im Rat eine Geheimfraktion zusammenfindet, die Raubgrabungen nach Wasser vorbereitet, da sie das Wasser um jeden Preis abbauen möchte.
Der Rat erhält den Antrag vorgelegt (von den verzweifelnden „Raubgräbern ?) den Planeten in seinem jetzigen Zustand als Erinnerungsstätte zu konservieren und ein striktes Betretungsverbot anzuordnen. Dem widersetzt sich eine Gruppe um den Seelentröster und stimmt gegen den Antrag. Sie plant „lebende Erinnerungen“ zu pflegen und die größte Kathedrale des Universums auf dem Planeten zu errichten, in einem Land das einst Esisrasselwasselwahn hieß.

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Wiedergeburt
Wieder Geburt

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Die Gruppe um den Seelentröster hat sich heimlich und illegal das gesamte, bisher unter Verschluß gehaltene Datenmaterial der Archäohomniden verschafft und es andächtig studiert, einschließlich der Ka-Tzelmodelle (??? Um was es sich dabei handelte bleibt ungeklärt.), Modellen der Museen, Erinnerungsaufzeigungen und Zeugnissen, Dokumenten, Büchern, bewegten Bildern etc.., und der symbiolitischen Literatur um den Gelben Stern und um das Sexblaue Heilseck. Die Gruppe vertieft sich in die „Problematik“.  

Der Seelentröster geht in Klausur und retro konstruiert aus den Übertragungsdaten eine Geschichte des Planeten. Folge: Die Gruppe zieht ihre Einwände gegen die Unterschutzstellung, angesichts der Ungeheuerlichkeit der entdeckten Vorgänge um die 6 Milliarden Ermordeten, zurück. …….

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(Fortsetzung folgt)

zu Teil I

zu Teil II

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