Kaiserschmarren – Fortsetzung der Premiere

von H.-P. Schröder

Das Lied von der Jelinek, von der Erowinger und vom Kaiser von Kalifornien und von deren Ende, dargebracht von Laien aus der Mitte der Gesellschaft. In einem Akt

Parabel nach einer Szene aus Peer Gynt, aus einer Inszenierung

des Nationaltheaters Mannheim

Das Ende vom Lied II.

Die Darsteller in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Der Kaiser von Kalifornien

Sechs Leprakranke

Ein leprakranker Diener

KDF, Hofkapellmeister (abwesend)

Elfriede*, mein Mädchen

Mussolini

Stalin

Eine Fliege (unsichtbar)

Ein Schafskopf

Ein Wurm

Die Opfer (anwesend)

(Kaiser salbungsvoll:) „So möge die Ordination des Publikums jetzt beginnen.“ (setzt sich bequem in Positur, wobei der Schafskopf hin und her wackelt, Stille) „Ach so, ja, ich, das ist ja mein Part. (die Geduld verlierend ) Ich bin den Hokuspokus nicht mehr gewohnt. Wo steckt denn nur KDF? Fast kommt es mir vor, als würde er mich meiden wollen. Das geht auf keinen Fall, ich zahle für 24 Stunden Bereitschaft, ich erhalte 24 Stunden. Das ist der Deal. Werde ihn mir vorknöpfen. Er ist schwerfällig geworden und bald ist er fällig. So macht man das. Wie ? Ach so.

Also so macht man das. Auf der Überfahrt, da habe ich sie mir betrachtet, alle, zuerst die in der ersten Klasse, dann die in der Zweiten, die in der Dritten und zuletzt bin ich in den Bauch des Schiffes hinuntergestiegen. Das Gesindel war querdurch überall. Strolche und Strauchdiebe, Trickbetrüger, Heiratsschwindler, Vergewaltiger, Erpresser, Wechselfälscher, Hochstapler und Muttermörder. Alle hungrig und auf der Suche. Herrenloses Material aller Herren Länder, aus dem man eine zukünftige Größe schnitzen kann. Mich.

Ich nehme die Schlimmsten beiseite, einen nach dem anderen, die Lumpen im Anzug und die Lumpen in Lumpen und rede ihnen gut zu. Pass` auf, sage ich, ich habe dir einen Vorschlag zu machen. Und dann erkläre ich es jedem auf seine Art, nach seiner Fassungskraft. “Heute ist dein Glückstag,“ sage ich, „mach` mit und du bist ein gemachter Mann. Du hast ausgesorgt. 70 % Prozent sind für mich, 20 % teilt ihr unter euch auf, 10% darf das Viehzeug da draussen behalten. Ihr treibt die Kohle ein. Wenn es Schwierigkeiten gibt, regelt ihr das. Wenn Zuträger gebraucht werden, regelt ihr das. Ich mache die Verbindungen nach oben und die nach unten, dafür bekomme ich die 70 % und zahle alle Spesen. Vorläufig. Und natürlich nur gegen Prüfung und gegen Quittung, daß wir uns da verstehen. Wir können sofort anfangen. Die Leute auf dem Schiff haben eine Menge Zaster dabei und die, die wenig haben, sollen das abarbeiten, was sie uns schulden. Wenn wir drüben sind, dann….. „

(Hinter der Bühne poltert es, Stühle werden umgeworfen, Geschrei, streitende Stimmen, fünf Lepröse stürzen nach vorne, fallen übereinander, zerren sich gegenseitig an den Kleidern)

(Kaiser) “Ruhe! Aufhören. Was ist denn da los ? Seid` ihr verrückt geworden. In der Öffentlichkeit vor allen Leuten ? Ruhe sag` ich ! Maul halten !“

(Ein Sechster kommt nach, im quietschenden Rollstuhl, einen Krückstock schwenkend, auch sein Gesicht wutverzerrt. Die mit dem Buckel drängt sich vor.)

(Kaiser) „Komm` näher. Noch näher. Was gibt`s ? Ich glaub` ich kenne dich. Bist du nicht eine der Erowingers, die Räudige Erowinger-Sue ?“ (Sue erfreut) „Daß ihr mich noch erkennt. Ja die bin ich euer Gnaden, wisst ihr noch, damals (strahlt), die Buchführung für den Club der Robinsons. Schöne Zeiten waren das, wochenlang Sonne, Segel, Campi mit Scampi, Kreideküste, blaues Meer…..“

(Der Kaiser unterbricht) „Damals hattest du noch keine Lepra, was… „ (er lacht schadenfroh)

(Die Räudige Erowinger-Sue verzweifelt) „Wir sind alle krank.“ (Der Kaiser richtet sich drohend in seinem Einkaufswagen auf. Mit Nachdruck:) „Ich nicht !“

 

(Sue, mit schriller Stimme) „Wenn ihr uns nur endlich das Gegenmittel gäbet.“

 

(Kaiser) „Ich will davon nichts mehr hören. Das Ding ist ausgehandelt. Was gibt `s ?“

 

(Sue) „Die Fußtruppen haben nichts mehr zu beißen Sire. Sie murren!“

 

(Kaiser) „Nur die Fußtruppen murren ?“ (Sue) „Ach nein, auch wir sind unzufrieden. Wir brauchen Unterhaltung, Action, das Nichtstun bekommt uns nicht. Einen Überfall, einen Coup, wie in alten Zeiten, nur so zum Zeitvertreib, möchten wir erbitten Majestät. Der Lagerkoller frißt uns auf.“ (schaut wehleidig)

(Kaiser belustigt) „Man sorgt für Euch, trägt euch auf Händen, wischt euch Maul und Hintern wenn gekleckert wurde und dann das. Das ist euer Dank. War ich nicht immer gut zu euch ? Wie ein gütiger Vater ? (Stille) Nun, (gedehnt)- Narren soll man nicht aufhalten. Wenn`s weiter nichts ist, euch kann geholfen werden.“

(Jubel brandet auf, Hochrufe, die Leprösen drängen heran, wollen den Saum des Bärenfellmantels küssen, der Kaiser wehrt sie ab. Der im Rollstuhl schreit hurrah, hurrah und wirft seine Krücke in die Luft, die ihm beim Herabfallen eine leichte Kopfwunde schlägt.)

 

(Kaiser) „Zurück ihr Kanaillen, holt euere Waffen.“ (Aus dem Lautsprecher ertönt die Internationale, die Sechs rennen von der Bühne, Metallgeklirr, sie kommen wieder, tragbare Granatwerfer und schweres Kriegsgerät umgeschnallt, in den Händen Messer, Maschinenpistolen, Harpunen, Enterhaken und Handgranaten; sie flüstern miteinander, freudig erregt führen sie sich gegenseitig ihre Ausrüstung vor. )

(Kaiser) „So gefallt ihr mir schon besser, die Moral ist ausgezeichnet und jetzt bringt mich von der Bühne.“ (Die Sechs im Chor) „Nöö, muß das ein….“

 

(Kaiser) “Macht schon was ich sage.“ (Der Einkaufswagen wird murrend hinter die Kulissen gerollt. Der Kaiser von hinter dem Seitenvorhang) “Achtung Abmarsch ! Vor bis zum Bühnenrand, wird`s bald, marsch. Noch weiter, noch weiter. Haaaalt! Ausrichten. Seht ihr sie ?“

(Die Sechs im Chor) „Jawohl Chef.“

 

(Kaiser von hinter den Kulissen) „Augen geradeaus! Waffen entsichern! Holt euch, was ihr braucht. Eins, zwei, drei und Feuer frei!“

(Bühne und Zuschauerraum werden dunkel, die Notbeleuchtung springt an. Die sechs Leprösen stehen nebeneinander, dem Publikum zugewandt und zeichnen sich als Schattengruppe ab. Das Geräusch des sich entfernenden Einkaufswagen dringt herein.

Man hört den Kaiser rufen: „Achte auf den Weg, Tölpel, sonst steige ich aus.“ Dann werden Geldstücke hochgeworfen, klimpern auf die Erde und rollen davon. Es ertönen Jubelrufe wie von einer großen Menschenmenge. Der Kaiser beginnt zu singen:)

„Das Publikum ist dumm, erst wird`s beraubt, summsumm, dann schlägt man`s tot, bummbumm, das Publikum bleibt stumm und weiß nicht `mal warum und weiß nicht mal warum…… .“

(Der Gesang verliert sich in der Ferne, die Notbeleuchtung geht aus.)

ENDE

*Jelinek, Elfriede, ist eine österreichische Sozialklischeedichterin (Literaturnobelpreis 2004), deren Werke der postfaschistischen Fäkalapathie zugerechnet werden. Mit ihrem „NSU“-Schwindlerstück „Das schweigende Mädchen“ unterstützt sie aktiv die Aufrechterhaltung des „NSU“-Schwindels.

http://de.wikipedia.org/wiki/Elfriede_Jelinek

* “Jelinek, Elfriede, setzte sich gemeinsam mit Erika Pluhar, Günter Grass, Erich Fried, Ernest Bornemann und weiteren Intellektuellen für den wegen Mordes verurteilten „Häfenliteraten” Jack Unterweger ein, der im Jahre 1990 entlassen wurde und – wieder in Freiheit – neun weitere Morde beging.“

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