die Tür zu allen Krankheiten ist – die Angst

angst 1ohne Quellenangabe

Die jungen Medizinstudenten aus Bordeaux kamen nicht als Patienten zu dem berühmten Arzt nach Salon-de-Provence. Die beiden befanden sich auf einer Studienreise nach Italien und wollten die Gelegenheit benützen, dem »Scharlatan und Schwarzmaler und Panikmacher« Michel Nostradamus gründlich die Leviten zu lesen. Entsprechend angriffslustig und erregt stürmten sie in sein Haus. Frangois, ein großer, stämmiger Bursche voraus, Jacques, sein kleinerer, nervöser Studienkollege mit hochrotem Kopf, hinterdrein.

»Wir müssen Ihnen einmal sagen, was die ganze Welt von Ihnen hält«, fiel Frangois mit der Tür ins Haus. »Mit Ihren Prophezeiungen haben Sie entsetzliches Unheil angerichtet. Die Leute können nicht mehr schlafen. Es gibt Bürger, die ihr Hab und Gut verkaufen und verprassen, weil sie glauben, ernste Anstrengungen und Pläne für die Zukunft lohnten sich sowieso nicht mehr. Wir haben sogar davon gehört, daß einige sich schon umgebracht haben, weil sie nicht warten wollen, bis die vorhergesagten Schrecken eintreffen. Können Sie soviel Unheil denn verantworten?«

Nostradamus bat die beiden in den Garten und setzte sich mit ihnen auf eine Bank im Schatten des Mandelbaumes.
»Also, meine Freunde«, begann er seine Verteidigung, »ihr seid der Meinung, es sei verantwortungslos, vielleicht sogar verbrecherisch, in die Zukunft zu blicken und laut zu verkünden, was uns erwartet? Warum? Unser Herr Jesus Christus hat vor seinem Tod auch über die bevorstehende Zerstörung des Tempels von Jerusalem gesprochen und geschildert, wie die Welt eines Tages untergehen wird. Und immer wieder hat er sich auf die alten Propheten berufen und ihre Aussagen zitiert. Also kann das Prophezeien doch keine böse Sache sein für den, der diese Geistesgabe besitzt. Oder? Seht, ich weiß, daß ich noch rund ein Jahr zu leben habe. Jeder Mensch weiß, und zwar mit absoluter Sicherheit, daß sein Leben auf dieser Welt in einer Katastrophe enden wird, nämlich mit dem Tod. Ist das ein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und zu jammern? Oder gar sich zu töten, weil ja eines Tages, früher oder später, doch alles mit dem Tod zu Ende sein wird? Oder sollen wir es machen wie die verrückten römischen Kaiser, die sich einreden wollten, sie wären unsterblich? Nein. Also, was werft ihr mir vor?«
»Sie haben unfaßbare Angst verbreitet. Vielleicht sind Sie selbst stark genug, die Wahrheit zu ertragen. Doch die meisten Menschen können das nicht. Sie wollen hoffen, Sie wollen sich freuen können auf das Schöne, das auf sie zukommt. Man darf sie doch nicht lahmen in ihrer Initiative, wie Sie das mit Ihren Schreckensvisionen gemacht haben«, ereiferte sich Jacques.

»Wenn die Menschen vor Angst verzagen, haben wir als Mediziner die Aufgabe, sie stark zu machen und der Angst den Kampf anzusagen. Sie allein ist der Unheilstifter, nicht der Prophet. Und sie kommt zuallererst aus der enttäuschten Hoffnung. Wer den Leuten vorgaukelt, das Leben sei problemlos und nur heiter, der ist schlimmer als ein Prophet. Als Ärzte werden Sie es erfahren – die Angst ist die Tür. Durch sie kommen alle Krankheiten. Sie schafft den Kriegen und Niederträchtigkeiten Zugang. Sie läßt Seuchen und Verblendungen herein. Es ist immer nur die Angst. Meine Prophezeiungen verbreiten keine Angst. Ich bin der Schreiber der Zukunftsgeschichte. Wer vernünftig ist, kann daraus lernen, den rechten Weg zu finden, als wäre er auf Spuren eines Menschen gestoßen, der schon vor ihm gegangen ist. Studieren Sie die Geschichte der großen alten Kulturen. Die alten Völker haben uns Zeugnisse von Würde und innerer Ruhe hinterlassen. Die Nationen der Zukunft werden nichts anderes mehr überliefern als Spuren der Pest und des Todes, weil sie zu Sklaven ihrer Angst geworden sind.«

Die erregte Diskussion setzte sich fort bis spät in die Nacht hinein. Heftig prallten die Meinungen aufeinander. Nostradamus erklärte den beiden Studenten einige seiner Prophezeiungen und versprach: »Die Erde wird noch 2332 Jahre weiterbestehen«, aber mit jedem neuen Fortschritt würden die Waffen der Vernichtung schrecklicher. »Diese Entwicklung läßt sich nicht aufhalten. Die Menschen könnten nur dann vernünftig werden, würden sie die Angst voreinander und vor der Ungewißheit verlieren«, sagte Nostradamus immer wieder.

Borretsch wiki
Borretsch – Bild: wiki

Gurkenkraut gegen die Angst

Uns hat der Arzt von Salon-de-Provence eine Reihe von Rezepten hinterlassen, die Angst und Trübsinn vertreiben sollen. Manche davon sind höchst einfach, doch deshalb nicht weniger interessant:
»Tee aus Blättern und Blüten des Gurkenkrautes geben das Lachen zurück…«
Mit dem Gurkenkraut sind nicht die Blätter der Gurkenpflanze gemeint, sondern der Boretsch, eine Heilpflanze, die ursprünglich aus Kleinasien stammte und von den Griechen und Römern bald als Salatgewürz benutzt wurde. Im Volksmund hieß die Pflanze bei uns (und an manchen Orten nennt man sie heute noch so) Herzfreud oder auch Liebäuglein, ein deutlicher Hinweis auf die Stimmungsaufhellende Wirkung der Heilmittel, die daraus bereitet wurden.
Schon der römische Schriftsteller und Naturforscher Gajus Secundus Plinius (24-79 nach Christus) schrieb in seiner „Naturgeschichte“ über den Boretsch: »Diese Blume, in Wein gelegt und damit getrunken, erfreut Herz und Gemüt.«
Und Tabernaemontanus, der Leibarzt des Pfalzgrafen Johann Kasimir zu Heidelberg, ergänzt: »Kraut und Blumen bekommen wohl gegen die Traurigkeit.«

Der Boretsch selbst enthält nach neuesten Untersuchungen keine Drogen, die als Ursache für die aufheiternde Wirkung angesehen werden könnten. Doch man kann vermuten, daß sich diese Heilpflanze durch die glückliche Kombination ihrer Wirkstoffe günstig auf jene Zentren des Gehirns auswirkt, die körpereigene „Muntermacher“ herstellen. Jedenfalls kann dem Boretsch die erleichternde Wirkung nicht abgesprochen werden.
Ein anderes Rezept gegen Angst und Schwermut beschreibt Nostradamus ausführlich als »Konfitüre aus den Wurzelschalen des Boretsch. Sie bewahrt davor, wassersüchtig zu werden, und macht froh und leicht, verjagt Depressionen, verjüngt, hält das Altern auf, bewirkt eine gesunde Gesichtsfarbe und dämpft die Aggressivität.

Nehmen Sie die Wurzeln des Gurkenkrautes, und zwar im Monat Dezember, wenn die Pflanze keine Blätter hat. Sobald sie nämlich Blätter hat, sind die Wurzeln wertlos, weil die ganze Kraft im Stengel und in den Blättern enthalten ist.

Verwenden Sie von den größeren Wurzeln nur die Rinde. Diese werden gründlich gereinigt, gewaschen, aber nicht abgekratzt. Zerschneiden und halbieren Sie die Stücke, und lassen Sie diese dann in ausreichend Wasser kochen.
Wenn sie gut gekocht sind, in der Art, wie man auch andere Konfitüren kocht, nehmen Sie die Wurzelstücke mit einem Schaumlöffel heraus, und legen Sie diese in eine große, tiefe Schüssel. Schütten Sie das Wasser, in dem sie gekocht wurden, aber nicht weg, denn ein Teil der Wirkkräfte ist in ihm zurückgeblieben. Nehmen Sie ausreichend Zucker, lassen Sie ihn im Absud zergehen und aufkochen, bis ein Sirup entstanden ist. Dieser muß dann zunächst abkühlen. Erst wenn er richtig kalt geworden ist, schütten Sie ihn über die Wurzeln und lassen diese vierundzwanzig Stunden lang zugedeckt stehen.

Nach den vierundzwanzig Stunden gießen Sie den Sirup wieder um und bringen ihn erneut zum Kochen – diesmal, bis er schaumig wird. Dann lassen Sie ihn wieder kalt werden und geben den kalten Sirup über die Wurzel-Stückchen. Diesmal bleibt die Schüssel drei oder vier Tage stehen.
Sollten Sie danach feststellen müssen, daß der Sirup noch einmal aufgekocht werden muß, dann tun Sie es. Aber kochen Sie die Wurzeln niemals mit, denn sie würden zäh wie Leder werden.
Wenn die Konfitüre fertig ist, füllen Sie diese in große, tiefe Töpfe. Man kann diese Konfitüre lange stehen lassen. Sie wird immer noch besser.«
Ziemlich viel, was da in einem Atemzug versprochen wird: Mittel gegen Wassersucht, Aufheiterung des Gemüts, Verjüngung, gesunde Gesichtsfarbe, Nervenberuhigung.

Aber das ist ja eben typisch für den Arzt Nostradamus – entweder ein Mittel hilft, dann bringt es nicht nur den Körper, sondern auch das seelische Befinden in harmonische Ordnung, oder es stört die körperlichen Funktionen und zieht damit auch Geist und Seele in Mitleidenschaft. Körperliche und seelische Beschwerden gehen Hand in Hand und lassen sich nicht voneinander trennen.

»Angst«, so sagte der >schlafende Prophet< Edgar Cayce, »hindert den Körper daran, Gifte auszuscheiden… Dadurch entstehen Benommenheit im Kopf und eine belegte Zunge. Die schleimproduzierenden Gewebe der Bronchien arbeiten nicht mehr richtig. Alle Schleimhäute beginnen zu leiden und anfällig und krank zu werden… Angst ist das Schlimmste für einen Menschen und seine Umgebung. Denn an der Angst >erstickt< der Organismus. Seine Lebenskraft wird zerstört.«

angst 2das Rezept der Mumie

Edgar Cayce hatte am 12. Februar 1937 im Traum ein seltsames Erlebnis: Er sah sich bei den Pyramiden in Ägypten. Plötzlich entdeckte er einen Stein mit uralten Inschriften. Während er ihn noch betrachtete und recht verzweifelt darüber war, daß er ihn nicht entziffern konnte, erwachte eine Mumie zum Leben und half ihm, die rätselhaften Zeichen zu verstehen. Es handelte sich um ein Rezept gegen Angst und Trostlosigkeit.

Dieses Rezept ist inzwischen als „Mumienspeise“ bekannt geworden:
»Man nimmt zu gleichen Teilen getrocknete Feigen und entkernte Datteln. Sie werden fein zerkleinert und mit Wasser in einen Topf gebracht, so daß das Wasser sie nicht ganz bedeckt. Über die Datteln streut man einen oder zwei Eßlöffel Maismehl oder geschroteten Weizen. Das wird bei kleiner Flamme etwa eine Viertelstunde lang gekocht und währenddessen häufig umgerührt.«

Edgar Cayce sagte: »Das ergibt ein fast geistiges Mahl für den Körper.«
Darüber gibt es heute keinen Zweifel mehr: Angst oder Zuversicht, Depressionen oder Glücksempfinden – das sind weithin keine Charakteranlagen, die man jederzeit kontrollieren könnte, indem man sich eben ein bißchen „zusammenreißt“. Allein solche seelische Gewaltanwendung kann schon wieder krank machen. Und es gibt auf unserer Welt genügend verklemmte und verkorkste Menschen, die das beweisen.

Vielmehr kann der kranke oder fehlgesteuerte Körper die Seele ebenso bedrücken und verformen, wie seelische Belastungen den Körper krank machen können. …

(keine Quelle)

 

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