die Wilden und die Wilde – Teil V (Ende)

von H.-P. Schröder

Ein naturhistorisches Sittengemälde aus dem 18. Jahrhundert

Aufgeschrieben von Madame H – t im Jahre 1755 und weitergereicht von H.-P. Schröder im Jahre

.

„Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

„Sie hören dir nicht zu,
stattdessen reden sie.
Sie reden so lange laut
in deine Ohren hinein,
bis du dein eigenes Wesen
nicht mehr hörst.“

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Prometheus

Befreit Prometheus !

*

… bringen mich auf die Vermutung, daß sie von dem Volke der Eskimo sein muß, welche in dem Lande Labrador, gegen Norden von Kanada, wohnen. ….. Als sie (die beiden Mädchen) in der Champagne ankamen, hatten sie, ….. , einen kurzen Stock von einer solchen Dicke, wie es der Gewalt ihrer Hände gemäß war, an dessen Ende eine Kugel von sehr hartem Holze war („Eskimoholz“ ?) und der wie eine Art von Morgenstern aussah, nebst einer Gattung von krummem Gärtnermesser, so wie sie es mir beschrieb, aber mit zweien und breiteren Klingen, die sich, jede an ihrer Seite an einen hölzernen Griff zusammenlegen ließen (Taschenmesser); dies Messer diente ihnen inbesondere dazu, die Tiere, die sie fingen, zu zerlegen und auszunehmen, oder sich in der Nähe zu wehren.

Sie trugen ihre Waffen, wie sie sagt, in einer Art von Sack, oder Tasche, welche an einem breiten Gürtel von Fellen befestigt war, der ihnen fast bis an die Knie ging. Da ich sie fragte, ob sie dies nicht hinderte, auf die Bäume zu steigen… antwortete sie mir, nein, weil sie dann den hinteren Teil ihres Anzuges mit den Zähnen festhielten. Als ich mich nach der Bekleidung und ihren anderen Zierraten näher erkundigte, um sie mit den Modellen, die ich von den Eskimo habe, zu vergleichen, sagte sie, man habe ihr bei dem Vicomte von Epinoy alles abgenommen, ihre ersten Kleider, ihr Gewehr (?), ihr Halsband und ihre Ohrringe und es wären auf ihren Waffen einige unbekannte Zeichen eingedrückt gewesen (in „Eskimoschrift“ ?), die dazu hätten dienen können, ihre Herkunft festzustellen, man hätte aber alles beim Herrn von Epinoy als eine Seltenheit behalten und dort habe sie es noch oft gesehen und auch getragen (wenn Gäste kamen).

Gleichwohl hat Herr von L— mir gesagt, daß er von diesen Waffen nichts gewusst hätte, allein ich habe erfahren, daß er sie (das kleine Mädchen)… nicht eher als zwei Jahre nach ihrer Ergreifung zum ersten Mal gesehen hatte. Zu der Zeit trug sie eine Art von langem Rock, oder, wie sie selbst sagt, ein Kinderkleid (!)…. welches sie dennoch… nicht hinderte … in den Teich … zu springen…wenn sie eine Tür offen sah (!), um dort Frösche zu fangen…. . Bei Nacht, da sie weit heller sahen, wie Mademoiselle le Blanc sagt, als am Tage (!), liefen sie (die beiden Mädchen) herum, um sich etwas zu essen und zu trinken zu suchen…. . (Es) hatten diese Kinder eine unbegreifliche Fertigkeit ihre Augen zu bewegen… . Die Bewegungen derselben waren so schnell, daß man sagen kann, daß sie in einem Augenblick alles von allen Seiten sahen, fast ohne den Kopf zu bewegen (! – Eskimotalent?)

Das Wenige, was Mademoiselle le Blanc von dieser Fertigkeit noch übrig hat, ist erstaunenswürdig, wenn sie es zeigen will, ansonsten sind ihre Augen, wie die unsrigen; zum Glücke, sagt sie (!!!) , da man sich viel Mühe gegeben habe, ihr diese Augenbewegungen abzugewöhnen. Die Bäume waren… ihre Ruhebetten, oder vielmehr ihre Wiegen…. Sie schliefen ruhig auf denselben, indem sie auf auf einigen Zeigen sassen… und sich durch die Winde, der rauhen Luft unterworfen, wiegen ließen, …wobei sie sich mit der einen Hand festhielten während ihnen die andere als Kopfkissen diente. …(Sie wies) .. eine weiße, der unseren ähnliche (natürliche) Hautfarbe (auf)…. .

Zeugnis des Priors von St. Sulpice zu Chalons: Im Jahr der Gnade siebzehnhundert zwei und dreissig, den 16ten des Brachmonats (Juni) ist von mir… getauft worden, Marie Angelique Memmie, etwa elf Jahre alt (!!!), deren Eltern man nicht kennt… .

Aus einem Brief des Herrn Am. N…., vom 9ten Dezember 1731: … Die Achtung, die der Herr von Epinoy… gegen sie bezeigt, indem er sie den größten Teil des Tages in seinem Schloß bleiben, in seinen Wassergräben fischen und in seinen Gärten Wurzeln suchen lässt, hat viele Leute (Besucher) auf sein Schloß gezogen. Man bemerkte, daß sie alles roh aß, wie zum Beispiel Kaninchen, welche sie mit ihren Fingern ebenso gut wie ein Koch abzog. Man sah, daß sie leichter als die geschicktesten Holzfäller auf die Bäume kletterte und wenn sie oben war, den Gesang verschiedener Vögel aus ihrem Heimatlande nachmachte (Eis-Vögel?). Ich habe sie mit eigenen Augen im Garten von Chalons bloß mit ihrem Daumen und dem Zeigefinger Wurzeln suchen sehen,

indem sie… ebenso geschickt, als wenn man sich einer Schaufel bedient hätte, Löcher wie Kaninchengruben machte. … Sie ißt bisweilen Brot und das tut sie aus Gefälligkeit, denn es bekommt ihr übel, wie alles, was gesalzen ist. Zwieback und gekochtes Fleisch führen zum erbrechen… und sie kann nichts leiden, wozu Mehl verwendet wird… … Makronen findet sie gut und liebt den Aquavit (!!! Willkommen in der Zivilisation!), den sie einen… Bauchbrenner nennt.

Das Wasser, ihr gewöhnliches Getränk, trinkt sie aus einem Eimer und zieht es, wie eine Kuh, indem sie auf den Knien liegt. Sie will nicht auf Matratzen liegen, der Fußboden ist ihr gut genug…. Sie ist von mittlerer Größe und hat ein wenig von einer schwarzbraunen Farbe, jedoch zeigt sich ihre Haut am oberen Teil des Armes wie auch am Hals, weiß. Sie hat lebhafte und blaue (!!!) Augen. Ihre Sprache klingt hell und ungestüm. Sie scheint (?!) Verstand zu haben, denn sie lernt leicht, was man ihr zeigt und näht ziemlich sauber (!)….. Die Klosterschwestern sagten, daß man sich seit einiger Zeit Mühe gäbe, sie allmählich näher zu unserer ordentlichen Lebensart zu bringen, ungeachtet sich ihr Magen wider das gekochte Fleisch und das Brot empört, welche bei ihr ein Erbrechen, bis zum Blutspucken, verursachen.

Man bemüht sich besonders, ihr die Grundsätze der Religion beizubringen, damit sie in den Stand gesetzt wird, das erste Sakrament zu empfangen. …. .

Finis

zu Teil I

zu Teil II

zu Teil III

zu Teil IV

*

14 Gedanken zu „die Wilden und die Wilde – Teil V (Ende)

  1. @ Waldtürenöffner?

    Natürlich ist diese mehrteilige Erzählung von HPS zusammenphantasiert.

    Aber ein Waldtürenöffner ist noch lange kein Waldkundiger oder Waldbewanderter. Er hat also die Flüstersprache des Ameisenstaates noch nicht gehört, geschweige denn interpretiert? Denn dazu braucht man Phantasie!

    Vielleicht ist der Waldtürenöffner nur ein Diener, der den Wald des Herren für Dritte öffnen aber selbst nicht betreten darf?

    Insofern sind Türenöffner noch lange keine Herrscher über den Raum.

    Und wenn Türenöffner kraft ihrer Funktion auch in die Tiefe des Raumes schauen dürfen, heißt das noch nicht, dass diese Türenöffner den Raum vermessen können.

    – HPS vermisst aber den Raum für uns Leser. Dafür danke ich ihm. Und ich muss lange nicht alles kommentieren, was mir an der Raumvermessung von HPS nicht gefällt, sondern über meine Fragen zu dieser Art der Raumvermessung kann ich Fragen stellen oder mich alleine ins Bild setzen; das bedeutet dann: Arbeiten.

    Alles andere ist Pöbelei.

  2. …und hier gleich etwas phantasiertes hinterher

    Des Lebens Geschenke

    Wer sind wir (und) was steht uns zu:
    – dummer Esel, blinde Kuh?
    Sind die Freunde handverlesen
    oder Eitelkeit gewesen?

    Nein, das Herz kann sich nicht irren,
    Nur der Kopf kann uns verwirren.
    Darum soll in schweren Tagen
    Jeder seine Würde tragen.

    Aufrecht hoch in Not und Schmerz
    Gibt der Freund dem Freund das Herz.
    Und der Schöpfer dieser Welt
    Ist ganz freundlich zugesellt.

    Zweitens!

    Schönheit kannst du nicht erklären.
    Keine Sprache fasst sie ganz.
    Doch das Auge kann verschweigen,
    Was die Götter selten zeigen
    Hoch im Himmel bei dem Tanz.

    So die Schönheit dir begegnet,
    Fühle dich als Mensch gesegnet.
    Scheu ist dieses reine Licht;
    Kommt es selten, sieht man`s nicht
    Oder alles ist verregnet.

    Einen schönen Pfingstsonntag an alle Mitmenschen.

  3. „So die Schönheit dir begegnet,
    Fühle dich als Mensch gesegnet.
    Scheu ist dieses reine Licht;
    Kommt es selten, sieht man`s nicht…“

    Einen schönen Gruß allerseits. Die Schilderung stammt aus dem 7. Band des Allgemeinen Magazins der Natur, Kunst und Wissenschaften,erschienen 1756 in Leipzig, in Gleditschens Buchhandlung ,Seite 219 bis 272. Der Band, Ganzleder mit Rückenvergoldung und fünf Bünden, ist im ersten Teil abgebildet. Die deutsche Übersetzung von Madame H-t`s (im Original in Paris 1755 erschiener )“Geschichte einer jungen Wilden, die man in dem Alter von zehn Jahren im Walde von Songi gefunden hat“ wurde von mir, um die Spekulationen über ihre Herkunft gekürzt, passagenweise original wiedergegeben. Viele bedeutende Naturforscher der damaligen naturwissenschaftlichen Aufbruchszeit interessierten sich für den Fall und sprachen mit der „kleinen Wilden“, ohne den Fall eindeutig zuordnen zu können.
    Die alten Chroniken sind oft vorurteilfreier in ihrer Art der Wiedergabe solcher und anderer bewusstseinsverändernder Ereignisse. Die Herren der Einfalt arbeiten daran, das Wesentliche zu unterdrücken, um die Erkenntnis der Wirklichkeit (-en) zu erschweren. Sie hatten seit 1756 weitere 250 Jahre Zeit, ihre Zensur-Methodik zu perfektionieren. „Die wertvollen Dinge für uns, den Müll für euch.“ Oder „Schmeckt mir nicht, kannst du haben.“ Ihre Uhr läuft , – ab. Die Welt ist keine Phantasterei, sie ist real Wunder-voll. Verehrungswürdig auf Augenhöhe, wir sind ihr zugehörig. Wir sind die Betrogenen , wenn wir uns dem Hinschauen und dem Hinhören verweigern oder es zulassen, daß uns Einflüstererpeitscher ablenken.

  4. Danke für die Quelle HPS.

    „Die Herren der Einfalt“, köstlich. Allerdings sind für die Einfalt eher die Weiber zuständig; das liegt im Naturell…, die Kerle sind da doch eher Liebeskaspar oder Vollidioten.

    Wenn das Weib liebt, schützt es auch einen Großverbrecher und Völkermörder. Und solch eine Rasse an Weibern lässt sich mit einiger Erfahrung züchten; um eine natürliche Tarnkappe für die Völkermörderei zu haben (sic).

    Wer das Weib in der Literatur und im natürlichen Umgang studiert hat, weiß die Rachegefühle des Weibes für sich einzusetzen oder diesen aus dem Wege zu gehen.

    Deshalb können Schwule auch keine Staatsführer sein.

  5. Im Jahre 1944 hat die nationalsozialistische Regierung des Deutschen Reiches den zweiten Bildungsweg für Jedermann kostenlos eingeführt.

    Ein Abitur ist harte Arbeit aber keine Kunst.

    Es rede sich also niemand heraus, er hätte es nicht wissen können!

  6. Schönheit erklärt sich mit: Schön ist ein Frauen Hintern!
    Aber nicht der von Alice Schwarzer und auch nicht Ihre Larve.
    Wenn selbst die Götter vom Himmel kommen um unsere Frauen zu belästigen, dann gibt es doch auf der Erde etwas schönes.
    Die Götter steigen vom Himmel. Warum steigen? Gestiegen wird von einer Leiter! Leiter-Treppe aus einem Raumschiff?
    Die Natur schafft schönes, der Mednsch zerstört es!

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