Libyen: Anfang eines neuen Kapitels

von John Schacher – Danke an Yvonne

In Sachen Libyen ein guter Bericht von Moeen Raoof, der in seiner Abschlussbewertung die augenblickliche Lage als einen sich entwickelnden Aufkochvorgang beschreibt, der später wohl als neues Kapitel libyscher Entwicklungen bezeichnet werden wird. Wieviel dabei anbrennt, sieht Moeen primär in Abhängigkeit vom Verhalten der LIFG unter Abdelhakim Belhadj. Welche Rezepturen erhält das Guantanamo-„Opfer“ Belhadj in seiner Rolle als Militärgouverneur von Tripolis seitens seiner NATO-Oberen aktuell in Paris, was wird im handlungsunfähigen Staat Libyen als nächstes geschehen?

 


.

Der aus der 2011er-Revolution noch bekannte Rebellen-General Haftarhe and several of his former affiliates moved to the United States, where they were ostensibly trained by the CIA in Langley, Virginia“ – gibt derzeit eine Machtvorstellung, die von Bengazi ausging. Dort befehligte er unter anderem den Kampfeinsatz von Luftstreitkräften, die mit Sicherheit zum Ausgang der dortigen Schlacht gegen die Milizen führte. Die angegebene Totenzahl von 80 ist unter diesen Umständen als sehr niedrig zu betrachten. Unmittelbar darauf weitete Haftar seine Aktion auf das Parlament in Tripolis aus, wo er gegen die aus Katar gesteuerte Muslim-Bruderschaft vorgehen will (siehe ARD). Ein Oberst seiner Einheiten, Mochtar Fernana, erklärte am Sonntagabend das Parlament „im Namen von Vertretern der Armee und der Revolutionäre“ für abgesetzt.

Wir hatten Haftar hier, hier, hier und hier im Visier.

Die vom Katar finanziell betriebene MB hat außer in Libyen den arabischen Frühling verpatzt und wurde deshalb finanziell trockengelegt und abgesägt. Siehe Ägypten. Die USrael-nahen Saudis als zweiter Arm im westlichen Spiel finanzieren und steuern hingegen jene Islamisten, die sich als sog. Al-Qaeda-nahe Organisationen überall im Nahen Osten verbissen haben und die vor allem über funktionierende Nachschubversorgung verfügen. Der Fall von Homs war eine der totalen Belagerung geschuldete Ausnahme.

Guantanamo-Opfer Belhadj (derzeit bei UK geführt) ist im Eifer des Gefechtes um Tripolis (Schiessereien um und im Parlament, Miliz-Außenstellen…) nach Paris gejettet und dort im Außenministerium und bei US-/UK-Filialen beratschlagt worden, sagt Moeen. Bedeutet, daß wirklich Top-Leute aufgetreten sein müssen, denen Libyen zu gefährlich ist.

Haftar ist ein direkter CIA-Mann, während man Belhadj eher der NATO zuordnen könnte. Zwei Arme der gleichen Maschine, die entweder am gleichen Strang ziehen oder zerreiben – je nach Auftrag. Dialektik nennt man das höflich.

Wie hier berichtet wurde ja kürzlich einer aus Misrata mittels Mafia-Methodik zum Premierminister gewählt, nachdem der aktuelle Stelleninhaber einen Mafia-Methodik-Rücktritt nach nur einem Monat im Amt hinlegte. Davor flüchtete der Premier Ali Zeidan mit dem Würzburger Personalausweis vor seiner Verantwortung.

Die ARD schreibt von Zintan-Kräften (Sintanmiliz), die in Tripolis auftreten, von den westlich am meisten beeinflussten und bestbewaffnetsten Kräften – nämlich den Panzersammlern aus Misrata – ist weit und breit nichts zu hören – seit ihrem letzten Gemetzel in Tripolis, wo unter Einsatz von Luftabwehrkanonen auf friedliche Demonstranten 70 starben und Hunderte verwundet wurden. Werden die bei uns bald als die Guten auftreten?

Zu Haftar habe ich eben noch eine Anekdote aus 2011 gefunden, vom Anfang der Revolution:

Kommandierender General ist Khalifa Heftar, der die täglichen Operationen leitet. Er kämpfte seit seiner Gefangennahme im Tschad-Krieg 1986 aus dem Exil heraus gegen das Regime und soll nun den Truppen Gaddafis Paroli bieten. Drei Dutzend erbeutete Panzer haben seine Männer nach den alliierten Luftangriffen mit Tiefladern in die Stadt holen können. Deren Technik jedoch lässt sich nur durch einen elektronischen Fingerabdruck starten. Und so wissen die Rebellen bislang nicht, wie sie die modernen Kettenfahrzeuge zum Laufen kriegen. Inzwischen bemüht sich die Militärführung um Waffenlieferungen und Ausbilder aus dem Ausland. „Wir brauchen vor allem Raketen zur Panzerabwehr, Waffen gegen schwere Artillerie und Grat-Batterien“, sagt sein Sprecher, Oberst Ahmed Bani. (Tagesspiegel 2.4.2011)

Sein Stall und sein Lebenslauf sind klar definiert:

„So soll der Oberbefehlshaber der Rebellenarmee, Oberst Khalifa Haftar, sehr gute Beziehungen zur CIA unterhalten. Erst vor kurzem ist er aus dem Exil zurückgekehrt. Gelebt hat er angeblich in der Nähe des CIA-Hauptquartiers in Langley. Haftar galt im Exil als Chef der Untergrundbewegung Libysche Nationale Armee (LNA), die seit den 90er Jahren Gaddafis Regime bekämpft. Diese Anti-Gaddafi-Bewegung ist der militärische Ableger der in der Nationalen Front für die Rettung Libyens organisierten Exil-Opposition. Die LNA-Kämpfer und ihr Anführer Haftar sollen in der Vergangenheit von den USA finanziert und ausgebildet worden sein, heißt es in einem Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des US-Parlaments (CRS).“ Das schreibt die Frankfurter Rundschau. Und fügt hinzu: „Schon seit Tagen wird berichtet, dass die Rebellenführung über geheime Kanäle mit dem alliierten Kommando in Kontakt steht.“ (fr-online.de, 31.3.11)uweness.eu

Abschliessend bewerte ich die Situation so, daß die Ereignisse der nächsten Zeit lediglich die Liefersicherheit des Öls für den Westen betreffen und deshalb die Zügel gestrafft werden. Die Bevölkerung bleibt Beiwerk. Parolen fehlen, Angst regiert. Von keiner gewichtigen Stammesversammlung wurde berichtet – seit langem keine Initiativen mehr. Dieses traditionell „oberste“ Gremium der Nation Libyen – von Gaddafi stets gepflegt – hat durch die Einrichtung westlicher Machtstrukturen offenbar sein uraltes Gewicht an die Gewehre verloren. Was bleibt, sind wie immer unsere besten Wünsche für ein geschundenes Libyen – und ein ewiger Söldner namens Haftar, der Verrat im Generalsrang studiert hat.

 

2 Gedanken zu „Libyen: Anfang eines neuen Kapitels

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.