die Wilden und die Wilde – Teil II

von H.-P. Schröder

 

„Wenn ihr euch
nicht ändert,
bald, sofort, jetzt,-
bleibt alles wie es ist.
Alles!“
Aus: „Der Eremit des Inneren“

Ein naturhistorisches Sittengemälde aus dem 18. Jahrhundert

Aufgeschrieben von Madame H – t im Jahre 1755 und weitergereicht von H.-P. Schröder im Jahre

Die Geliebte Rossetti III (2)

Collage unter Verwendung eines Ausschnittes aus Dante Gabriel Rossettis Gemälde „Die Geliebte“

*

Madame H-t s Bericht über das kleine Mädchen ist vielschichtig. Die Ereignisse sind vielschichtig. So wie sie auf uns kommen, wurden sie vielschichtig gefiltert. Fragen wählten die Antworten. Antworten gefielen und wurden aufbewahrt. Andere Antworten mißfielen und fielen in Ungnade. Widersprüchliche, verstörende Details, Beobachtungen am Rande des Gesichtsfeldes, dort wo die Dinge ineinander übergehen, wurden nur mündlich weitergegeben, oder schriftlich nach Rom, in die Zentrale des großen Magens, gemeldet, bis sie irgendwann entschärft, ihren Geist aufgaben. Und die Energischen, diejenigen, die sich mit Interesse näherten, wollten vielleicht nur ihre Urteile bestätigt sehen und sie gingen, als das Reservoir erschöpft schien. Viele Ebenen durchwirken sich. Die Anschauungen der Zeitzeugen, die Erzählungen des kleinen Mädchens aus der Rückschau heraus, nachdem es „französische Sprachen und Sitten“ lernte und dadurch umgeformt wurde, Suggestionen von aussen und von innen, Madames eigene Vorlieben, Gefälligkeitsäusserungen, das Schnürleibchen aus Gewohnheit und Konvention. Aus all` dem Objektivität destillieren zu können, setzt ein objektives Bewusstsein voraus, eines das bereits im Voraus weiß`, wo die Verbindungswege laufen. Wer könnte von sich behaupten, er verfüge über seine Sinne, er könne verhindern, daß sie ihn manipulieren, ja daß sie über ihn verfügen? Das kleine Mädchen… . Ja das käme in Frage. Überleben zwischen gewalttätigen Menschen, Bären und Wölfen, mit den Kaninchen mit 50 Stundenkilometern um die Wette laufen (gleiten), das setzt einen nützlichen Einsatz der Möglichkeiten der Sinne und der Motorik voraus, die man durchaus als deren Beherrschung ansehen kann. Zumindest funktionierten sie, solange sie sich durch die „Wildnis“ bewegte.

Geschichte einer Wilden, die man in dem Alter von zehn Jahren im Walde von Songi gefunden hat*

Fortsetzung vom 11.Mai 2014

Als diese Königin durch Chalons ging, erzählte man ihr von der jungen Wilden, die damals in dem Kloster der sogenannten Regentes war, und führte sie zu ihr. Sie war zu der Zeit schon seit einigen Jahren von der Wildnis entwöhnt: allein ihr Sinn, ihre Arten zu handeln, und selbst ihre Stimme und Sprache schienen….., nur von einem kleinen Mädchen von vier bis fünf Jahren zu seyn (vom „Sinnesapparat“ der Beobachter aus betrachtet). Der Schall ihrer Stimme war fein und durchdringend, obgleich schwach: Ihre Worte kurz und voller Verwirrung, wie bei einem Kinde, das die Worte noch nicht weiß, um das auszudrücken, was es sagen will (Das noch nicht seine Empfindungen den Worten unterordnet!)

Ihre Gebärden und vertraulichen und kindischen Arten zu handeln, zeigten endlich, daß sie noch keine Menschen unterschied, als nur diejenigen, die sie am meisten liebkosten.

Die Königin von Polen überhäufte sie mit Liebkosungen (Mit körperlichen? Dann war ihr Äusseres nicht abstoßend. Oder ist der Ausdruck im Sinne von „Gunstbezeigungen“ zu verstehen, wie Geschenken, Gefälligkeiten, kleinen Leckerbissen etc.?) und nachdem, was sie über ihr Laufen gehört hatte, bat sie, daß sie mit ihr auf die Jagd kommen solle. Da sich das Mädchen hier in Freiheit bewegen konnte, überließ sie sich ihrer natürlichen Neigung („ihrer natürlichen Neigung“ = ihren Sinnen): so lief sie den Kaninchen und Hasen nach, sobald sie aufstiegen, holte sie ein, kam alsbald wieder zurück und brachte sie der Königin. Die Königin bezeugte ein Verlangen, sie mit sich zu nehmen und sie in Nancy in ein Kloster zu bringen, doch sie wurde von denen, die in dem Kloster zu Chalons für ihre Unterweisung Sorge tragen, wo der hochseelige Herzog von Orleans damals für sie bezahlte (!), auf andere Gedanken gebracht. Die Königin begnügte sich damit, und versprach einen Empfehlungbrief für sie an ihre Tochter, die Königin von Frankreich zu schreiben, dem sie eine Pflanze mit vielen Ästen aus künstlichen Blumen beifügte, welche (-s Kunstwerk) die junge Wilde gemacht hatte. Dieses Kunstwerk hatte ihr die junge Wilde überreicht, die schon damals große Geschicklichkeit darin erlangt hatte, in solchen Arbeiten die Natur nachzuahmen, eine Geschicklichkeit, die sie nachher noch verbesserte. An der Güte (Gunst) der Königin von Polen hat sie einen Verlust erlitten, den ihr nur die Güte unserer Königin zu ersetzen vermag.

Ich kehre nun wieder zu der ersten Zeit nach ihrer Ergreifung zurück: ehe ich aber fortfahre, muß ich vermelden, was man über die Begebenheiten aus ihrem Leben, bevor sie sich im Dorfe Songi sehen ließ, in Erfahrung bringen konnte (nachdem sie anfing die französische Sprache zu „denken“ und zu sprechen). Fräulein le Blanc; das ist der Name, den sie jetzt führt (den ihr die hiesigen Wilden gegeben haben, sie wurde ja auch getauft, und damit katalogisiert, von der damit gesicherten Einkommensquelle ganz abgesehen; dazu ein paar vorzeigbare Kunststückchen und fertig war das Schauobjekt für den Jahrmarkt „zivilisierter“ Eitelkeiten ); erinnert sich sehr genau, zwei oder drei Tage vor ihrer Ergreifung über einen Fluß gekommen zu sein: und man wird bald sehen, daß dies eine von den gewissesten Begebenheiten in ihrer Geschichte ist. Sie hatte damals eine Gespielin bei sich, welche ein wenig älter und ebenso schwarz war, wie sie. (Gespielin oder Gefährtin ? ; war die kleine Wilde 9 Jahre oder 19 Jahre alt? Der Ausdruck „Gespielin“ in Zusammenhang mit einer Jagdgefährtin „der kleinen Wilden“ ist eine typische Reflektion eines Begriffes aus Madame H-t s eigener Gesellschaftsschicht, – eine Deutungsmusterfalle, die die Dinge komfortabel, genießbar pudert, indem sie weglässt.)

Es mochte nun dies die natürliche Farbe dieses anderen Kindes sein, oder man mochte es, ebenso wie die kleine le Blanc, angestrichen haben. Sie setzten durch Schwimmen über den Fluß (übereinenFluß, Madame H-t geht davon aus, daß kein Zweifel daran besteht, daß es sich dabei um die Marne handelt. Sicher?) und tauchten darin, um Fische zu fangen, wie ich genauer erklären werde…. . Die kleine le Blanc (Eine interessante Namenswahl: „Mademoiselle le Blanc“, ein Kunstname, -die lieben Nonnen, oder wer immer da mitmachtedachte-, als Teil der Umerziehung: „le Blanc, die Weiße“, eine von uns, -endlich genießbar! Hallelujah!) hatte…. in jeder Hand einen Fisch und einen Aal zwischen den Zähnen. Nachdem beide ihre Fische ausgenommen und gewaschen hatten, aßen sie dieselben, oder verschluckten sie vielmehr. Denn so, wie sie es mir beschrieben hat, kauten sie ihre Speisen nicht, sondern brachten sie nur zum Mund und zerrissen sie mit den Vorderzähnen in kleine Stücke, welche sie verschluckten, ohne zu kauen. Nach der Mahlzeit wanderten sie in das Land hinein, so daß sie sich von dem Fluß entfernten. Nicht lange darauf, erblickte diejenige welche jetzt Mademoiselle le Blanc geworden ist (geworden ist!,= zu Fräulein le Blanc gemacht wurde..! Ein Schimmer Einsicht.) zuerst einen Rosenkranz auf der Erde (Einen Rosenkranz?, ei welch` glücklicher Umstand. Die französische Wildnis muß seinerzeit voller verlorener Rosenkränze gewesen sein oder sollten da die Nonnen ihre feinen Händchen im Spiele gehabt haben, zumindest suggestiv?), den ohne Zweifel („ohne Zweifel“) einer oder der andere, der des Weges gekommen war, verloren hatte (Ohne Zweifel ein Wunder). ….. so fing sie an, vor Freude zu springen und zu schreien. Weil sie befürchtete, ihre Gespielin (!) möchte sich dieses kleinen Schatzes bemächtigen, so streckte sie (schnell) die Hand aus, um ihn an sich zu nehmen. Da zog sie sich einen so starken Schlag (von ihrer „Gespielin“) mit der Keule über die Hand zu, daß sie diese im ersten Augenblick nicht mehr gebrauchen konnte, aber sie verlor nicht die Kraft, um mit der anderen Hand ihrer Gespielin mit dem Gewehr (Gewehr? Ein Übersetzungsfehler?) einen Schlag an die Stirn zu versetzen, der sie zu Boden streckte, so daß sie in ein schreckliches Geschrei ausbrach. Der Rosenkranz war der Preis ihres Sieges.: sie machte sich ein Armband daraus. Da sie vermutlich mit ihrer Gespielin Mitleid hatte, deren Wunde stark blutete, ging sie einige Frösche zu suchen, zog einen davon ab und klebte ihr die Haut auf die Stirn, um die Blutung zu stillen. Dann verband sie die Wunde mit einem Streifen Baumrinde, den sie mit ihren Fingernägeln von einem Baume abriß. Hierauf trannten sich die Beiden, die Verwundete nahm ihren Weg nach dem Fluß, die Siegerin lief nach Songi.

Man sieht leicht, daß alle diese Umstände, die vorhergehenden, sowie viele der noch folgenden, oder die, die ich verschwiegen habe (!), nicht eher von Fräulein le Blanc haben erzählt werden können, als bis sie französisch sprechen gelernt hatte. Das Ereignis mit dem Streit zwischen den Beiden ist eines der ersten Begebnisse, welches man hat von ihr erfahren können.

Man hatte zwei Kinder durch den Fluss schwimmen sehen…. daher fragte man die kleine le Blanc, alsbald nach ihrer Ergreifung, zu einer Zeit, als die Erinnerung an die Begebenheit noch frisch war, mittels Zeichensprache, um zu erfahren, wo ihre Gespielin geblieben wäre.* Sie antwortete ohne Zweifel durch Zeichen und deren Wiederholungen, – die man ihr vielleicht vorsagte, daß sie sie rot gemacht hätte, um auszudrücken, daß sie blutete……………. . Noch weit dunkler ist dasjenige, was vor der Ankunft dieser beiden Kinder in der Champagne mit ihnen vorgegangen sein mag. Fräulein le Blanc besinnt sich nur von weitem und verworren darauf….. Wir wollen jetzt nur ihre Geschichte weiter verfolgen. Das Geschrei aus der Kehle, welches ihr statt der Sprache diente (?) hat meiner Meinung nach wohl oft Gelegenheit zu den harten Begegnungen gegeben, die sie zuweilen auszustehen gehabt hat. (Welchen?) Es war etwas Schreckliches (!), besonders wenn es Zorn oder Erschrecken anzeigte. Ich habe, nach dem Freundschafts- oder Freudengeschrei von einer gemäßigten Art, das sie mir vormachte, zu urteilen, einen Eindruck bekommen, ein Geschrei, welches mich erschreckt hätte, wenn ich nicht darauf gefasst gewesen wäre. Das fürchterlichste Geschrei aber rührte von einem ihr natürlichen Abscheu her, wenn jemand, den sie nicht kannte, ihr nahe kam und sie berühren wollte. Man hat einen solchen Vorfall bei Herrn von Beaupre, dem jetzigen Staatsrat und damaligen Aufseher der Champagne, gesehen. Er hatte die kleine Wilde, nicht lange nach der Zeit, da man sie in das Haupthospital von St. Maur in Chalons gebracht hatte (!), wohin sie, nach ihrem Taufschein (!) am 30. Oktober 1731 kam, zu sich in sein Haus führen lassen.

Ein Mensch, dem man erzählt hatte, welchen Abscheu sie empfand, sich anfassen zu lassen, vermaß sich, zu versuchen, sie zu umarmen (gegen „gutes“ Geld ?) obwohl man ihm die Gefahr schilderte, der er sich dabei aussetzen würde, da sie ihn nicht kenne. Das Kind (plötzlich wieder Kind) hatte eben ein Stück rohes Rindfleisch aus der Lende in der Hand (!), wovon es mit großem Vergnügen aß (Beute!). Aus Vorsicht (Weil man wußte, was geplant war, – nämlich eine „Vorführung“) hielt man sie an ihren Kleidern fest. Sobald sie diesen Menschen, in der Stellung, als ob er sie am Arm fassen wollte, nahe bei sich sah, versetze sie ihm, sowohl mit ihrer Hand, als auch mit ihrem Stück Fleisch, einer solchen Schlag in das Gesicht, daß er sich, geblendet und betäubt, kaum noch auf den Beinen halten konnte.

Die Wilde (Plötzlich wieder wild) entwischte im selben Moment, weil sie sich einbildete (einbildete ?), daß die Leute, welche sie nicht kannte, Feinde wären, die ihr nach dem Leben trachteten, oder weil sie Angst hatte, daß sie für das, was sie soeben getan hattte, gezüchtigt werden würde (was sicher bereits schon öfter geschehen war). Sie lief zum Fenster, durch welches sie Bäume und einen Fluß erblickte, um hindurch zu springen, wie sie es denn auch wirklich getan haben würde, wenn man sie nicht (gewaltsam) zurückgehalten hätte. Das Schwerste und das Gefährlichste, was man an ihr zu bessern (bessern = abzugewöhnen) hatte („hatte“ man ?), war die Ernährung aus rohem und blutigem Fleisch, oder von Blättern, Zweigen und Wurzeln der Bäume. Ihre Natur und ihr Magen, die an den ständigen Verzehr roher Nahrung gewöhnt waren, konnten die zarten Speisen, welche das Kochen, nach dem Geständnis vieler Ärzte unverdaulich macht (zumindest für „Wilde“), nicht ertragen. So lange sie auf dem Schlosse von Songi war und auch noch die beiden ersten Jahre hindurch, die sie in dem Hospital von St. Maur in Chalons verbrachte (!), hatte der Vicomte von Epinoy, der sich um sie kümmerte, Befehl erteilt, ihr an Wurzeln und rohen Früchten dasjenige, was sie am liebsten aß, zu bringen. (An der Stelle hätten wir gerne erfahren, was genau das für Wurzeln und Früchte waren? Wahrscheinlich fand Madame H-t das nicht so wichtig.) Allein das rohe Fleisch und die rohen Fische, die ihr auf dem Schloss zu Songi im Überfluss zur Verfügung gestanden hatten, wurden ihr im Krankenhaus von Chalons vorenthalten. Es scheint, daß sie Fische besonders mochte, entweder weil sie ihr schmeckten, oder weil sie an Fische gewöhnt war und es ihr von Jugend an leichter fiel, Fische im Wasser zu fangen, als Wild an Land durch Laufen zu erjagen (Warum nicht Jagen mittels Pfeil und Bogen, Speer und Schlinge? Warum nicht Fischefangen mittels Haken oder Netz? Hinterherlaufen scheint, im Vergleich dazu, eine aussergewöhnliche und mühselige Methode zu sein und ein spezielles Lauftalent zu erfordern. Zum Beispiel sind die Geschwindigkeiten interessant. Wenn Hasen, die das kleine Mädchen im Lauf fing, mit 50 Kilometer pro Stunde Haken schlagen, dann sind das ca. 14 m/sec. Wikipedia: „Der im Jahr 2009 bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin von Usain Bolt aufgestellte Männer-Weltrekord in 9,58 s entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,44 m/s oder 37,58 km/h.“)

Herr von L… erinnert sich, daß sie noch zwei Jahre nach ihrer Ergreifung, der Angewohnheit folgte, die Fische im Wasser (mit den Händen) zu fangen. Er hat mir erzählt, daß eines Tages, als er zu Gast bei dem Vicomte von Epinoy auf dem Schloss von Sogni war und der Vicomte die kleine Wilde hatte kommen lassen, diese, sobald die Tür geöffnet wurde, zu einem viele Acker großen Teich gelaufen sei (Flächenmaß, 1 Acker = 4047 Quadratmeter), mit allen Kleidern hinein sprang und an allen Seiten herumschwamm, dann auf eine kleine Insel stieg, dort Frösche fing und sie mit Wohlbehagen verzehrte. Sie hat mir in diesem Zusammenhang einen lustigen Streich erzählt. Wenn der Herr von Epinoy in Songi war und Gesellschaft kam, gefiel es ihm, das kleine Mädchen (aus dem Hospital) holen zu lassen, das damals schon anfing zahm (!) zu werden und an dem man einen lustigen Sinn und eine sanfte, leutselige Gemütsart bemerkte, welche die wilden und grausamen Sitten, die zur Erhaltung ihres Lebens notwendig gewesen waren, nicht ganz getilgt hatten. (Interessant ist hier der großen Wilden Madame H—t eigenes, umkehrendes Deutungsmuster. Das Wilde ist das Unnatürliche und das Gesittete, Andressierte ist nach Madame H —t das Ursprüngliche, das Natürliche, welches im Benehmen der kleinen Wilden, nachdem der Kampf um das Überleben jetzt vorbei ist, wieder durchbricht.) Denn ausser in den Fällen, da sie befürchtete, daß man ihr ein Leid antun wolle, ließ sie sehr gut mit sich umgehen und war guter Dinge. Da sie also eines Tages auf dem Schlosse und bei einem großen Gastmahl anwesend war, bemerkte sie, daß nichts auf den Tisch kam, was sie für das beste Essen hielt, da alles gekocht und gewürzt war. Sie rannte wie der Blitz an die Wassergräben und Teiche und brachte ihre Schürze gefüllt mit lebenden Fröschen zurück. Dann teilte sie mit beiden Händen diese auf die Teller der Gäste aus und sagte voller Freude darüber, was für schöne Sachen sie gefunden hatte: „Das ist deins, das ist deins… „. …. . Man kann sich leicht vorstellen, was dies bei den Personen an der Tafel auslöste, welche aufsprangen, auswichen, oder die herumspringenden Frösche niederwarfen. Die kleine Wilde wunderte sich sehr, daß man ein so vortreffliches Gericht so wenig achtete. Sie sammelte die verstreuten Frösche wieder ein und warf sie erneut in die Schüsseln und auf den Tisch. Ebenso ist es bei mehreren anderen Gelegenheiten zugegangen.

Es kostete äußerste Schwierigkeiten, sie der rohen Nahrungsmittel zu entwöhnen und sie nach und nach zu unseren ordentlichen Speisen hin zu führen. Die ersten Versuche, die sie (oder man?) unternahm, (sie) sich an gesalzene Speisen zu gewöhnen und Wein (!) zu trinken, hatten zur Folge, daß ihr alle Zähne ausfielen, welche man ( welche die Wilden ), wie sie sagte, zusammen mit ihren Nägeln, als Sonderbarkeiten, aufbewahrte (-n).

Ihre Zähne sind ihr wieder nachgewachsen und jetzt so wie die unsrigen. (! , das spricht entweder gegen das ihr zugeschriebene Alter, oder sie besaß, neben den Milchzähnen, noch ZWEI andere Zahnreihen, also drei zusammen, obwohl sie wahrscheinlich mit Milchzähnen nicht das Kunststück fertiggebracht hätte, rohes Fleisch zu zerbeißen. Und wie sahen die Zähne aus, die nicht „wie die unsrigen“ azussahen?)

Aber ihre Gesundheit hat sie nicht wieder erlangt, und sie ist noch bis auf den heutigen Tag, sehr zerrüttet. Das kleine Mädchen fiel von einer tödlichen Krankheit in die andere.**

Fortsetzung folgt

*

* Später, viel später, kam das Gerücht unter den Wilden auf, daß das kleine Mädchen sie aufgegessen hätte.

** Aus dem Gesagten lässt sich der Schluss ziehen, daß ihre Biochemie (Aufspaltung, Umwandlung und „Verarbeitung“ der Nahrung) und die dazugehörige Mechanik, (Kauapparat, Kiefermuskulatur etc.) ihres Metabolismus, perfekt für „wilde“ Nahrung eingerichtet waren. Komplikationslos. Und weiter bedeutet es, daß die Nahrungsumstellung durch einen angenommenen Ortswechsel, an einen Ort mit einem veränderten natürlichen Nahrungsangebot, z. B. ein Umzug vom nördlichen Nordamerika oder aus den arktischen Gebieten nach Frankreich, von dem abgesehen, daß das neue Leben eine völlige Um- bis Neuorientierung auf allen Gebieten, von Klima bis Gesundheitspflege voraussetzen würde, keine Beschwerden oder zumindest weit weniger Beschwerden verursacht hat, als die Umstellung von roher auf gekochte Nahrung.

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zu Teil I

zu Teil III

zu Teil IV

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