USA-Russland: der neue Kalte Krieg

obama putinerschienen bei asiatimesonline

von Pepe Escobar

Übersetzung John Schacher

Erleben Sie den neuen (kalten) Krieg, genau wie den alten (kalten) Krieg. So gleich, und doch verschieden. An einem Tag sind es die unzähligen Auswirkungen von Washingtons „Schwenk“ nach Asien – wie die Umklammerung Chinas. Am nächsten Tag ist es der mehrjährige Versuch, Russland Boxhiebe zu versetzen. Nie langweilig, das New Great Game in Eurasien.

 

In Russland war die Verunglimpfung aller Bezüge zu Sochi – was ein Licht auf die inhärente Dummheit der westlichen Massenmedien-„Standards“ wirft – nur eine Nebenhandlung der Hauptshow, die immer ins Persönliche geht: die unerbittliche Dämonisierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin. [1]

Das aktuelle Nulandgate – wie US Assistant Secretary of State Victoria „Neo-con“ Nuland ihr berühmtes „F ** K die EU“ äußert – war jedoch viel ernster. Nicht wegen „Obszönität“ (lobe den Herrn!), sondern wegen der Bereitstellung von etwas, was das US-Think-Tank-Land als „Indikator des amerikanischen strategischen Denkens“ gefeiert hat.

Hier wird das Spiel auf den Punkt gebracht: Deutschland fernsteuert einen der Führer des ukrainischen Protestes, Schwergewichtsboxer Vitali Klitschko. [2]

„F ** k the EU“ wird im Wesentlichen in Richtung Berlin und Klitschko, seinem wichtigsten Schützling gerichtet. Washington sieht die Sache nirgendwo hinführen, besonders da Deutschland sich langsam eine komplexe Energie-Investment-Partnerschaft mit Russland aufgebaut hat.

Die Obama-Regierung will Ergebnisse – schnell. Nuland selbst erklärte (Check it out, ab 07.26 Uhr), dass Washington in den letzten zwei Jahrzehnten über 5 Milliarden US-Dollar für die „Demokratisierung“ der Ukraine „investiert“ hat. Also ja: Das ist „unser“ Spiel und die EU ist im besten Fall ein Ärgernis, während Russland der große Hemmschuh bleibt. Willkommen in Washington´s ukrainischer „Strategie“.

das ukrainische Schachbrett

Im US-Think-Tankland kursiert gegenwärtig auch die Vorstellung, dass die Obama-Regierung mit einer Strategie vom Gleichgewicht der Mächte fachmännisch und geschickt vorgeht. Libyen als Teil dieser „Strategie“ ist ein kranker Witz, Libyen nach Gaddafi ein gescheiterter Staat, dank der humanitären Bombardierung durch die North Atlantic Treaty Organization. Inzwischen in Syrien läuft die US-„Strategie“ darauf hinaus, Araber Araber in Scharen töten zu lassen.

iranIran ist viel komplexer. Wohl berechnet die Obama-Regierung, dass sie durch Gespräche zwischen dem Iran und den P5 +1 (fünf ständige Mitglieder des Sicherheitsrates plus Deutschland bei den Vereinten Nationen) in der Lage sein wird, die Russen auszumanövrieren, welche Teheran nahestehender sind. Dies unter der Annahme, dass die Obama-Regierung wirklich ein Atomabkommen mit dem Iran will, welcher dann den Schleusentoren der westlichen Wirtschaft gegenüber stünde.

In Syrien haben die russischen Positionen die Oberhand behalten, nicht zu erwähnen, dass Putin Obama vor einem weiteren Krieg im Nahen Osten bewahrt hat. Syrien war ein russischer Sieg; kein Wunder, dass Washington von einem Sieg in der Ukraine träumt.

Wir können das, was aktuell vorgeht, als Remix der Orangenen Revolution 2004 interpretieren. Aber das Große Bild geht weiter zurück – zur NATO-Erweiterung in den 1990er Jahren. als amerikanische NGOs versuchten, Russland durch einen Flirt der NATO mit Georgien zu destabilisieren – und so Raketenabwehrsysteme nahe an die russischen Grenzen zu bringen.

Im mittlerweile als Markenzeichen bekannten Stil der Obama-Administration gilt die Unterstützung des Außenministeriums für Anti-Russland und Pro-EU-Proteste in der Ukraine als „leading from behind“ (Sie erinnern sich an Libyen?)

Sie kommt komplett mit „humanitären“ Appell, fordert „Versöhnung“ und die „Gut gegen Böse“-Zweiteilung maskiert eine Fahrt in Richtung Regime-Wechsel. Lasst alle Hoffnung fahren auf Stimmen der Vernunft in US-Medien wie der New York University oder Princeton Stephen Cohen, der es in diesem Stück auf den Punkt brachte und betonte, dass die wesentliche Offenbarung von Nulandgate es war, „dass hochrangige US-Beamte „Hebammen“ für eine neue, anti-russische ukrainische Regierung durch Verdrängung oder Neutralisierung seines demokratisch gewählten Präsidenten sind – was einen Staatsstreich bedeutet“.

Hier offenbart sich die „Strategie“ deutlich: lieber gleich jetzt Marionette der USA – mit oder ohne Putsch – statt später eine EU-Marionette. Niemanden auf  der Umgehungsstraße schert es, dass Viktor Janukowitsch gesetzlich als Präsident der Ukraine gewählt wurde, dass er das Recht hat, einen zweifelhaften Deal mit der EU abzulehnen.

Und niemand von der Umgehungsstraße sorgt sich darum, dass die Proteste nun vom Pravy Sektor (Rechts-Sektor) geführt werden – einer bösen Sammlung von Faschisten, Hooligans, Ultranationalisten und allerlei unappetitlichen Neonazi-Elementen, den ukrainischen Äquivalenten von Bandar Bush Dschihadisten in Syrien.

Doch die US-„Strategie“ hat entschieden, dass Straßenproteste zum Regimewechsel führen sollen. Sie gilt für die Ukraine, aber funktioniert nicht in Thailand.

Washington will den Regimewechsel in der Ukraine nur aus einem Grund; im breiteren Blick auf das Neue Große Spiel in Eurasien wäre die grobe Entsprechung dieses Zusammenhangs ein Austritt von Texas aus den USA bei gleichzeitiger Verbündung mit Russland.

Dennoch ist dieser Schachzug zum Scheitern verurteilt. Moskau bieten sich unzählige Möglichkeiten, um wirtschaftlichen Einfluss in der Ukraine zu nehmen; es hat Zugriff auf viel bessere Geheimdienst-Info als die Amerikaner und die Demonstranten / Banden / Neo-Nazis sind nur eine laute Minderheit.

Washington ist zäh, nicht willens aufzugeben. Denn es sieht sowohl die politische Krise in der Ukraine als auch die entstehende Finanzkrise in Kasachstan als „Chancen“ (Obama-Jargon), die wirtschaftlichen und strategischen Interessen Moskaus zu gefährden. Es ist, als ob die Umgehungsstraße für eine weit verbreitete Finanzkrise in der von Russland geführten Zollunion (Russland, Kasachstan und Weißrussland) beten würde.

Beten in der Tat ist alles, was sie haben, während die EU, trotz allen grandiosen rhetorischen Wunschdenkens eine geteilte Einheit bleibt. Nach Sotschi wird Vlad der Hammer wieder mit aller Macht zurück im Geschäft sein. Nuland und Co, sehen Sie sich vor.

*

Pepe-Escobar-obama-does-globalistanHinweise:
1. Journalistische Kunstfehler und die Gefahren des Russland-Bashing , RT, 9. Februar 2014.
2. EU Salon Klitschko in die Ukraine führen , Der Spiegel Online, 10. Dezember 2013.

Pepe Escobar ist der Autor von Globalistan: Wie der globalisierten Welt wird in Liquid War Auflösen (Nimble Books, 2007), Red Zone Blues: Ein Schnappschuss von Bagdad WÄHREND des Surge (Nimble Books, 2007), und Obama hat Globalistan (Nimble Books, 2009).

Quelle: asiatimesonline

7 Gedanken zu „USA-Russland: der neue Kalte Krieg

  1. Wie gerne würden die Propagandamedien den Putin ganz offen als „russischen Untermenschen“ verkaufen. Aber an diesen Geist alter Tage trauen sich die Demagogen dann doch nicht heran. -Warum denn nicht?

    1. Wenn Münster, dann: Viele, liebe Grüße! Und man hält dagegen: ENGLISH Obama Homosexual Love Affair with Top US Republican Senator Shocks Russia!
      Glück Auf, meine Heimat!

    2. @ Helga
      ist zum Weinen!
      Aber andererseits auch wieder eine Hilfestellung für all jene, die noch ein wenig Resthirn in Betrieb halten…
      die FEMEN-Teile wurden von der Rechtsabteilung aber schon informiert, besser maskiert aufzutreten – ergo wurden juristischer Boden und Spätfolgen bedacht. Sie wissen genau, was sie tun!

  2. @ Liebe Helga In zukünftigen Konflikten wird man Betreuungseinheiten brauchen um die eigenen Frauen zu schützen ich betrachte die Bilder der beiden FEMEN als freiwillige Meldung zu so einer Betreuungseinheit.

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