Depression

Depressionerschienen bei Michael Winkler

Wann ist es Ihnen das letzte Mal so richtig gut gegangen? Alle Sorgen verdrängt, mit einem so glücklichen Gesicht, wie es normal nur das Werbefernsehen zeigt? Kein Kopfweh, das Knie schmerzt nicht, die Zehen tun nicht weh, die Zähne geben Ruhe und die Lunge legt eine Sonderschicht ein, keine Spur mehr von Atemnot? Sie dürfen sogar schummeln, selbst wenn Sie diesen Zustand durch Alkohol oder sonstigen Mitteln erreicht haben, zählt das bei dieser Frage mit. Also, wann? Sie können sich nicht mehr erinnern, aber Sie wissen, daß es früher einmal der Fall gewesen ist? Ja, dann geht es Ihnen so wie den meisten, vermutlich sogar allen, die diese Zeilen lesen.

Es hat eine Zeit gegeben, da war das anders: Ihre Kindheit, Ihre Jugend. In dieser Zeit haben wir in einer Zauberwelt gelebt, voller Neuigkeiten, voller Eindrücke, voller Erlebnisse. Auch wenn Osterhase, Nikolaus und Christkind verschwunden sind, blieb die Welt zauberhaft, ein steter Quell des Neuen, Inspirierenden. Auch wenn Sie die Anatomie einer Hauskatze nicht interessiert haben mag, selbst wenn quadratische Gleichungen eine Plage gewesen sind, die Schule erweiterte Ihr Wissen, stimulierte Ihren Geist. Und nicht zu vergessen: Es gab jedes Jahr eine Beförderung! Erste Klasse, zweite Klasse, dritte Klasse – es ging bergauf, stetig und zuverlässig.

Die Geburtstage waren damals eine Eintrittskarte zu neuen Möglichkeiten, heute sind sie nur noch eine Erinnerung daran, daß die Steuererklärung fällig wird, sich irgendwelche Beiträge erhöhen werden und sich die restliche Lebenszeit unaufhaltsam weiter verkürzt. So zwischen 20 und 40 reift die Erkenntnis, daß man niemals mit einem Zeppelin die Dschungel der Venus erkunden wird, und daß im eigenen Garten kein weißes Kaninchen wohnt, das einem den Weg ins Wunderland zeigen kann.

Mit dem Abitur hat man alle Möglichkeiten zur Auswahl, die größte Fülle erreicht. Sie können eine Lehre beginnen, ein Studium der Philosophie oder der Physik, ein soziales Jahr ableisten, zur Bundeswehr, eine Weltreise beginnen, ob nun mit dem Geld der Eltern oder per Anhalter. Führerschein und eigenes Auto lassen die Welt kleiner werden, Berlin, Paris, Zürich – alles gerät in Reichweite. In den Augen der Welt mögen Sie mit dem Abitur allein noch nichts erreicht haben, doch in Ihren eigenen Augen sind Sie nun in der Lage, bei der Welt Ihr Geburtsrecht einzufordern.

Ja, das ist die Erfahrung meines eigenen Lebens, der Punkt der freien Auswahl mag bei Ihnen ganz anders ausgesehen haben. Einen solchen Punkt gibt es jedoch in jedem Leben, den Punkt der maximalen Fülle, nicht des Bankkontos, sondern der Lebensmöglichkeiten. Das Leben hat Ihnen die Karten ausgeteilt, jetzt ist es Ihre Entscheidung, welche Karten Sie „drücken“ und mit welchen Sie spielen wollen. Der Weg zu diesem Gipfel verläuft zumeist als Einbahnstraße, Abweichungen und Umwege sind eher die Ausnahme. Dann, wenn Sie dort sind, müssen Sie entscheiden, was Sie tun wollen.

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