Archiv für den Monat: November 2013

Afghanistan: Karzai will Steinigung wieder einführen

Hamid Karzai 2004 - Bild: Wikipedia
Hamid Karzai 2004 – Bild: Wikipedia

erschienen bei voltairenet

Die afghanische Regierung bereitet einen Entwurf für ein neues Strafgesetzbuch vor.

Laut dem Guardian, der Kenntnis des Entwurfs hatte, würde Ehebruch mit 100 Peitschenhieben für die unverheirateten Beteiligten und mit öffentlicher Steinigung für verheiratete Frauen bestraft werden.

Im Jahr 2001 hatten die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich ihre Intervention gegen die Taliban vor allem mit der Begründung gerechtfertigt, sie praktizierten die öffentliche Steinigung von Ehebrecherinnen.

Die ausländischen Truppen sollen sich im Jahr 2014 von Afghanistan zurückziehen.

Quelle: voltairenet

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noch mehr Karzai Opium-Politik:

Karzai weigert sich, mit den Taliban zu verhandeln

Venezuela: Opposition startet landesweite Proteste

in memoriam Hugo Chavez
in memoriam Hugo Chavez

erschienen bei einartysken

von Einar Schlereth

Chávez hat nicht einmal all die Kanaillen, die am Putsch gegen ihn beteiligt gewesen sind, angerührt. Er ließ sie laufen. Glaubte er, sie würden dankbar sein? Die Geschichte liefert unzählige Beispiele für die Rachsucht der herrschenden Klassen.

Haiti ist eins der jüngsten Beispiele. Frankreich und England haben sich an dem armen Land gerächt für die schmachvollen Niederlagen, die sie vor 200 Jahren durch Toussaint l’Ouverture erlitten haben, den ehemaligen Sklaven, großen Feldherrren, Staatsmann und Philosophen, an dem sich schon der kleine Kretin
Napoleon gerächt hat. Die Deutschen rächen sich an Jugoslawien, Griechenland, weil ihre große Armee von der zerlumpten kommunistischen Guerilla besiegt wurde. Der Adel in Frankreich, der ein paar tausend seiner schlimmsten Ganoven verloren hat, schlachtete 30 000 Proletarier ab. So sieht der Humanismus der Herrschenden aus.

Unser famoser Adel, der vor fast 100 Jahren von der Sozialdemokratie, diesen elenden Verrätern gerettet wurde, hat zusammen mit Hitler auch diese ‚Genossen‘ ins KZ geworfen, die glaubten, Dank erwarten zu können. Und nach dem Fall der DDR kam der Lumpenadel aus seinen Löchern gekrochen, stieß alle Gesetze um und holte sich „seinen Besitz“ zurück.

In China, in Albanien, Griechenland – überall melden die abgedankten Könige und Adelsmänner ihre Ansprüche an. Diese Mörder, Folterer, Leuteschinder und Diebe wagen es, Ansprüche anzumelden. Oh ja, das können sie, weil jeder arme Teufel stolz darauf ist, wenn er einem Herrn Grafen die Hand reichen darf. Jede Firma stellt gerne einen Adelsmann an, auch wenn er nicht bis drei zählen kann, denn das ist gut für das Renommee.

Ich weiß nicht, wie man diesem Problem beikommen kann. Sie alle bis aufs siebte Glied ausrotten, wie es die Bibel vorschreibt, ist ja wohl nicht das Wahre. Die humanste Methode hat Mao angewandt, als er den Kaiser umerziehen ließ. Der wählte den Beruf des Gärtners und schien mit der Zeit eingesehen zu haben, was er für ein Parasitenleben geführt hat. Könnte man das mit tausenden und aber tausenden machen? Wie hoch wäre die Erfolgsrate?

Würden wir zu einer wahren humanen Gesellschaft finden, eine Gesellschaft, wo die Fähigkeiten aller Menschen, das ganze Potential des Menschseins entwickelt würde, wo Ausbeutung und Unterdrückung verpönt und verabscheut wären, dann könnte es durchaus gelingen. Aber das ist wohl nur ein Traum. Ein ebensolcher Traum, wie Chávez hatte, dass aus Kanaillen anständige Menschen werden würden.

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Überreste des legendären Panzerkommandanten Knispel entdeckt

Tiger IV - Bild: panzer-archiv.de
Tiger IV – Bild: panzer-archiv.de

erschienen bei Berliner Umschau

Danke an Armeeverkauf

von Heiko Wenzel

In Tschechien sind offenbar die sterblichen Überreste eines der erfolgreichsten Panzerkommandanten des Zweiten Weltkrieges, Kurt Knispel, gefunden worden. Wie Radio Prag unter Berufung auf eine Sprecherin des Mährischen Landesmuseums meldet, fanden Historiker die Gebeine in einem bislang anonymen Massengrab der Gemeinde Urbau im südlichen Mähren. Knispel sei anhand seiner Erkennungsmarke identifiziert worden. Daß der 1921 geborene Panzerkommandant in Urbau beigesetzt wurde, galt auch bislang als gesichert.

Knispel war 1940 eingezogen worden und diente auf verschiedenen Panzertypen, zuletzt bei der mit schweren Tigerpanzern ausgerüsteten schweren Panzerabteilung 503. Ihm werden 168 Panzerabschüsse zugerechnet, davon 126 als Richtschütze, die übrigen als Kommandant. Zudem sind 30 weitere Abschüsse nicht zweifelsfrei geklärt. Er soll gegnerische Panzer aus einer Entfernung von 3.000 Metern außer Gefecht gesetzt haben.

Trotz der hohen Abschußquote – Knispel gilt als der vielleicht erfolgreichste Panzerjäger aller Zeiten – blieb Knispel im Vergleich zu anderen Kommandanten gering dekoriert. Knispel soll sich wiederholt in Konflikte mit Nazi-Behörden begeben haben. So habe er ein Mitglied einer Einsatzgruppe angegriffen, die sowjetische Kriegsgefangene mißhandelte. Lediglich seine hohe Erfolgsquote als Panzerfahrer soll ihn vor Konsequenzen bewahrt haben. Zudem wird dem Panzerfahrer eine betont unmilitärische Haltung nachgesagt.

Knispel – der in Anlehnung an den legendären Jagdflieger des ersten Weltkriegs, Manfred von Richthofen, auch als „Schwarzer Baron“ bezeichnet wurde – kam am 28. April 1945 im südmährischen Wostiz ums Leben. Die genaue Todesursache ist unklar. Teilweise wird angegeben, er sei durch Schüsse eines Maschinengewehres getroffen worden. In anderen Berichten ist von einer Granatenexplosion die Rede, als sein Tiger-Panzer im Kampf mit sowjetischen Panzern stand. Radio Prag gibt jetzt den tschechischen Historiker Vlastimil Schildberger wieder, dem zu Folge in der Schädeldecke des Toten Splitter von Minen gefunden worden. Die Überreste Knispels sollen nun im Mährischen Landesmuseum untersucht werden.

Quelle: Berliner Umschau

Anmerkung Armeeverkauf: Es gibt ein hervorragendes Buch über diesen großen Mann und Kamerad. Flechsig Verlag, Feldwebel Kurt Knispel ISBN 978-3-88189-734-1

Nachtrag: der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist informiert und hat die Knochen. Feldwebel Knispel soll mit 20 weiteren Soldaten, offenbar auch einige von der 503 Anfang nächsten Jahres in Brno beigesetzt werden. Wir werden informiert.
Alles i.O. so weit.


völlig losgelöst, schwerelooooos – das Raumschiff der Großen Koalition

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Fußabtreter der Nation

erschienen bei Rationalgalerie

von Ulrich Gellermann

Zwei Papiere schlagen gleichzeitig auf die Köpfe der Deutschen ein. In dem einen berichtet das Statistische Bundesamt mit nüchterner Brutalität über Armut in einem reichen Land: Sie wächst und verfestigt sich. In dem anderen erzählt ein aus CDU und SPD gemischtes Doppel über die wunderbare Zukunft der nächsten vier Jahre.

Im ersten Papier wird vom flexiblen Arbeitsmarkt geredet, jenem Fleischmarkt, an dem sich die Abgehängten immer wieder für Hungerlöhne anbieten müssen. In dem anderen Papier versprechen die Koalitionäre den Mindestlohn. Für das ferne Jahr 2017. Aus dem einen quellen die Bilder der Bettler vor den Supermärkten, den Flaschensammlern an den Müllboxen, den frierenden Obdachlosen. Aus dem anderen strahlt die ferne Macht der schwarzen Anzüge und Kostüme, überwältigen die Phalanxen der Polithändler, ist das satte Brummen dunkler Dienstwagen zu hören. Dazwischen: Nichts. Eine Gesellschaft im Wartestand auf Lösung. Da wollen welche eine Regierung des Weiter-So bilden. In einem Raumschiff der Ignoranz, der sozialen Blindheit und der Gewohnheiten fliehen sie vor einer Verantwortung, die ihnen angetragen wurde, in eine Welt, die für jene auf dem Boden nicht mehr erreichbar ist.

Jahre liegen hinter uns. Jahre, in denen eine dünne, fette Schicht sich schamlos weiter bereichern konnte. In denen eine Mehrheit auf der Stelle tritt und eine wachsende Minderheit das Fürchten gelernt hat. Es gab dann, vor den letzten Wahlen einen Moment der Wahrheit: Einige wollten so etwas wie Gerechtigkeit. Wenigstens ein wenig sollte die kleine Fettschicht abgeben. So viel, dass es für ordentliche Löhne für die Vielen gereicht hätte. So viel, dass an einem Bildungssystem der sozialen Durchlässigkeit hätte gebaut werden können. So viel, dass kaputte Straßen, verdreckte öffentliche Schulen und unzureichende Eisenbahnen hätten zügig repariert werden, dass Arbeit hätte Arbeit schaffen können. Doch Steuererhöhungen für die Reichen sind im System nicht vorgesehen. Statt dessen: Die Maut. Eine weitere Steuer für fast alle. Vor dem Steuergesetz, so spreizen sich die Maut-Koalitionäre, sind alle gleich. Ob ihre Karre rostet oder ihr Daimler blinkt. Und dann schreiben sie in den Vertrag: „Unser Land braucht eine `Neue Gründerzeit´. Wir wollen Unternehmertum und Gründungsgeist stärken und zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen.“ Oben, aus dem Cockpit des Raumschiffs, kommt der Funkspruch: Du hast eine Hartz-Chance, nutze sie, Erdling.

In den großen Städten werden wie am Fließband neue Luxushäuser gebaut. Immer mehr Kunstgalerien in den besseren Vierteln machen immer mehr Umsätze. Der Aktienmarkt vibriert vor lauter Nachfrage. Doch wann immer sie über die Finanzmärkte schreiben – „Die Finanzmärkte erfüllen eine wichtige Funktion für die Volkswirtschaft“ – und zaghaft über deren Kontrolle rätseln, schreiben sie nicht, wir werden, sie schreiben wir „wollen“. Wir haben irgendwie eine Absicht. Und wo es gilt, die Mieten auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, da reden sie über die steuerliche Abschreibung im Mietwohnungsbau, den finanziellen Anreiz, das Kapital steuerlich günstig anzulegen.

„Effektivität – Bestimmt das Handeln. – Man verlässt sich blind – Auf den ander´n.“, singt Major Tom in seinem Raumschifflied aus den 80er Jahren. Blind sein, will die große Koalition natürlich nicht. Man will schon wissen was die Bürger treiben. Deshalb werden deren Daten auch weiter auf Vorrat gespeichert. Doch mächtig bleibt die Blindheit gegenüber der NSA, die im Papier als „Affäre“ gehandelt wird, nicht als Verrat: „Wir drängen auf weitere Aufklärung, wie und in welchem Umfang ausländische Nachrichtendienste die Bürgerinnen und Bürger und die deutsche Regierung ausspähen.“ Man drängt, aber man drängelt nicht.

Gedrängelt wird im militärischen Bereich: „Transatlantische Partnerschaft und NATO stärken“ lautet eine Überschrift. Und: „Wir bekennen uns zur NATO und zu ihrem neuen strategischen Konzept“. Um dann zu folgern: „Die Bundeswehr ist eine Armee im Einsatz.“ Nicht eine Armee, die das Land verteidigen soll. Kein Militär zum Schutz seiner Bürger. Man ist im dauerhaften Einsatz. Gegen wen, warum und wo, das bedarf schon nicht mehr der Begründung in der Koalitionsakte.

Schließlich wird dann doch ein Spannungsgebiet genannt: „Naher Osten und arabische Welt“. Da folgt dann nichts Entspannendes. Sondern die Verschärfung der Lage: „Wir bekennen uns zu der besonderen Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel als jüdischem und demokratischem Staat und dessen Sicherheit.“ Die Kommandanten des Raumschiffs dekretieren einen Religionsstaat, einen jüdischen, auch wenn sich dort auch andere Religionen befinden. Und schließlich kommt, für alle Fälle, die Kriegsgarantie: „Das Existenzrecht und die Sicherheit Israels sind für uns nicht verhandelbar.“ Welches Israel? Ein Land, das sich bis heute weigert, seine Grenzen zu definieren, ist hier nicht verhandelbar? Jenes der Gründung, das nach den erfolgreichen Kriegen gegen die Palästinenser, oder das Traumland aus der Bibel, für dessen Existenz nur noch ein paar Millionen Andersgläubige verschwinden müssen?

Irgendwann, weit hinten auf den 170 Seiten eines Vertrages, der noch ratifiziert werden muss, steht dann der erschreckend dürftige Satz: „Konsequenzen aus den Erkenntnissen des NSU- Untersuchungsausschusses: Wir stärken die Zentralstellenfunktion des Bundesamtes für Verfassungsschutz.“ Genau das Amt, dem man die Begünstigung des braunen Terrors zuschreiben muss, soll gestärkt werden. Nicht zerschlagen oder aufgelöst. – „Die Erdanziehungskraft – Ist überwunden. – Alles läuft perfekt, – Schon seit Stunden.“, singt Major Tom und hat das Außerirdische der Koalition vorweggenommen. Es gibt nicht viel Hoffnung, aber vielleicht können jene Mitglieder der SPD, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen, denen der schwere Dienstwagen-Traum ihrer Parteispitze nicht den Blick auf die Wirklichkeit vernebelt hat, uns aus dem Elend eines unbeschwerten, gedankenlosen Weitermachens erlösen. Bitte.

Quelle: Rationalgalerie