Mehrwertsteuererhöhung adé: Silbermünzen müssen ab 2014 nicht teurer werden

von Tim Schieferstein

Schon seit einiger Zeit steht fest, dass es den bisher ermäßigten Steuersatz auf Silbermünzen ab dem nächsten Jahr nicht mehr geben wird. Im Zusammenhang einer Harmonisierung durch die Europäische Union wird daher ab 2014 auch in Deutschland für Silbermünzen der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gelten. Bisher gehört Deutschland zu den ganz wenigen Ländern in Europa, die noch einen verminderten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zulassen.

Aufgrund einer vorherigen Abmahnung durch die EU müssen ab nächstem Jahr jedoch auch hierzulande 19 Prozent Mehrwertsteuer beim Verkauf von Silbermünzen in Rechnung gestellt werden. Durch Import aus Nicht-EU-Ländern in Kombination mit der Differenzbesteuerung nach §25a UStG ist es jedoch Händlern möglich Silbermünzen ab 2014 zu nahezu unveränderten Preisen anzubieten.

Händler können Differenzbesteuerung nutzen

Für Privatkunden hat der Wegfall der reduzierten Mehrwertsteuer zunächst einmal die unangenehme Auswirkung, dass Silbermünzen auf einen Schlag und zwölf Prozentpunkte teurer werden dürften, ohne dass sich der eigentliche Silberpreis dabei verändert hat:

silber-mehrwertsteuer-erhoehung

Auch aus diesem Grund raten schon seit einigen Monaten nahezu alle Münzhändler dazu, noch in diesem Jahr Silbermünzen zu erwerben, damit die verminderte Mehrwertsteuer genutzt werden kann. Kaum ein Händler weiß allerdings, dass er auch im nächsten Jahr noch die Möglichkeit haben wird, seinen Kunden die Silbermünzen zu einem günstigen Preis anbieten zu können. Es gibt nämlich gleich zwei Möglichkeiten, die dazu führen, dass sich die Kosten für den Händler nicht erhöhen müssen.

Die erste Möglichkeit besteht darin, dass der Händler die Silbermünzen zuvor von einer Privatperson angekauft hat und differenzbesteuert, denn in diesem Fall muss keine Mehrwertsteuer berechnet werden. Die zweite Möglichkeit ist es, die Silbermünzen in einem Land außerhalb der Europäischen Union zu erwerben und in der Folge die sogenannte Differenzbesteuerung anzuwenden. Auch ab 2014 ist es nämlich erlaubt, den verminderten Einfuhrumsatzsteuersatz von sieben Prozent zu nutzen, falls es sich bei den Silbermünzen um einen Import aus einem Land handelt, welches nicht zur EU gehört. Kauft der Händler seine Silbermünzen also beispielsweise in den Vereinigten Staaten, so kann er die Differenzbesteuerung nutzen.

Preise können durch Differenzbesteuerung unverändert bleiben

Damit die Preise für Silbermünzen auch ab dem nächsten Jahr für Endkunden möglichst unverändert bleiben können, muss der Händler zum einen die Differenzbesteuerung anwenden, zum anderen in diesem Zusammenhang aber auch einige wichtige Punkte beachten. Eine wichtige Grundlage ist es, dass der Händler sich darüber informiert, auf welche Weise die Differenzbesteuerung überhaupt funktioniert. Wichtig ist zunächst, dass die Silbermünzen aus einem Nicht-EU-Land stammen müssen, also beispielsweise aus den USA. Importiert der Händler also Münzen aus den Vereinigten Staaten oder aus Australien, so wird der Wert nach wie vor mit sieben Prozent verzollt. Wichtig ist nun, dass sich der Händler nicht – wie es bisher üblich war – die von ihm gezahlte Vorsteuer erstatten lässt, sondern stattdessen muss der Händler die Vorsteuer im Rahmen der Differenzbesteuerung auf seinen Einkaufspreis rechnen. Findet nun ein Verkauf an Privatkunden statt, wird die normale Mehrwertsteuer von 19 Prozent lediglich auf die Differenz zwischen dem Einkaufspreis und dem aktuellen Verkaufspreis berechnet, und nicht – wie bisher üblich – auf den Nettoverkaufspreis. Durch diese Methode erhöht sich der Preis für den Endkunden nicht um rund zwölf Prozentpunkte, sondern um weniger als ein Prozent. Dies gilt allerdings nur für den Fall, dass der Händler seine bisherige Handelsmarge nicht ausweitet.

die Differenzbesteuerung an einem Beispiel erläutert

Eine Silbermünze, die ein Gewicht von einer Unze hat, kostet aktuell rund 19,50 Euro. Ohne dass eine Preiserhöhung beim Silber stattfinden würde, würde der Preis für diese Silbermünzen ab 2014 wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf knapp 21,70 Euro ansteigen. Die Münze würde sich also für den Endkunden um knapp 2,20 Euro verteuern. Vorausgesetzt, der Händler bleibt bei seinen bisherigen Handelsmargen und wendet die Möglichkeit der Differenzbesteuerung an, würde sich die Münze auf lediglich 19,53 Euro verteuern. Dies ist möglich, da die Mehrwertsteuer eben nicht mehr auf den Nettoverkaufspreis, sondern nur noch auf die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis berechnet wird. Falls der Händler die Differenzbesteuerung in diesem Zusammenhang übrigens nicht anwenden möchte, so hat der andererseits die Möglichkeit, seine Handelsmarge um mehr als 900 Prozent zu steigern.

silber-mehrwertsteuer-differenzbesteuerung-zahlenbeispiel

der Wiener Philharmoniker Münze droht das Aus

Auch wenn es durch die Differenzbesteuerung für Händler die Möglichkeit gibt, Silbermünzen auch im nächsten Jahr noch zum derzeit günstigen Preis anbieten zu können, so wird der Wegfall der verminderten Mehrwertsteuer auch Opfer fordern. Diese Opfer werden aller Voraussicht nach ausschließlich die Silbermünzen sein, die aus der EU stammen, wie zum Beispiel die Britannia Münze (Großbritannien) und auch die Wiener Philharmoniker Münze (Österreich). Bei diesen Münzen kann die Differenzbesteuerung nämlich nicht angewendet werden, da sie bereits aus einem EU-Land stammen. Um das Prinzip der Differenzbesteuerung anwenden zu können, müsste beispielsweise die Wiener Philharmoniker Münze zunächst aus Österreich exportiert werden, um dann wieder aus dem entsprechenden Nicht-EU-Land importiert zu werden. Dies würde jedoch so hohe Kosten verursachen, dass sich dies für den Händler nicht mehr lohnen würde. Daraus resultierend ist zu befürchten, dass das Interesse an diesen Münzen, die aus einem EU-Land stammen, erheblich nachlassen wird.

wie sich Privatanleger jetzt und ab 2014 verhalten sollten

Für Privatanleger stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie sie sich aufgrund der kommenden Mehrwertsteuererhöhung verhalten sollten. Zunächst einmal ist es nicht notwendig, dass Anleger sich jetzt in 2013 noch unbedingt mit Silbermünzen eindecken müssen. Ab dem nächsten Jahr muss man allerdings verstärkt auf achten, sich für einen Händler zu entscheiden, der einerseits Differenzbesteuerung anwendet und andererseits seine Handelsmargen nicht signifikant erhöht hat. Ein Vergleich der Münzhändler ist also ab dem kommenden Jahr wichtiger denn je.

ausführliche Broschüre zur Thematik als Download

Möchten Sie noch weitere Informationen zu diesem Thema haben? Dann laden Sie sich an dieser Stelle gerne die Broschüre zur Mehrwertsteuererhöhung bei Silbermünzen und der Alternative Differenzbesteuerung herunter.

über den Autor

Tim Schieferstein ist Geschäftsführer der Solit Edelmetall Handelsgesellschaft mbH, Betreiberin von www.goldsilbershop.de. Als Mitglied des Berufsverbands des Deutschen Münzfachhandels ist es der Gesellschaft wichtig, die Gemeinschaft der Münz- und Edelmetallhändler auch durch gegenseitigen Wissensaustausch zu stärken. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann zum Jahrtausendwechsel absolvierte er berufsbegleitend eine Weiterbildung zum Fachwirt für Finanzberatung (IHK) und ist einer der Gründungsgesellschafter der VSP Financial Services AG. Seit 2005 ist er überzeugter Edelmetallinvestor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.