Hensel´s Sonntagsmatinée: Karrieren auf den Müllhaufen der Denkfabrik

von H.-P. Schröder

Eine phantastische Erzählung in Fakten mit Illustrationen des Autors – Teil I

Unverk (2)

Kapitel I – Die Zeitfahrer

Bravo! Rahn versenkt eine Bombe zum 3:2 Endzustand und die Amerikaner versenken eine Bombe „Bravo! Bravo!“ unhaltbar im Bikini-Atoll und anschließend das Atoll im Pazifik. Rahn versenkt die Bombe im ungarischen Tor zum Endstand und die Amerikaner versenken das Bikini-Atoll zum Einstand. 1:0. Der Krieg geht weiter. Geplant ist, er soll ewig dauern.

Neunzehnvierundfünfzig tickt die Weltenuhr der siebten Schöpfung, neun zehn hundert vier und fünfzig.

Mc Carthy findet Kommunisten. Da wo die amerikanische Hausfrau nachlässig putzt. Er findet sie, wo keine sind und er vernichtet sie in kurzen Prozessen. Er redet es Ihnen auf den Kopf zu, sie brechen zusammen und gestehen Wort für Wort. Mc Carthy ist ein Agent der Bolschewisten. Sein Auftrag lautet „Amerika  vernichten“. Mac beginnt mit dem, was er für die Intelligenz ab Bürgertum aufwärts hält. Das Rezept war bereits in der Ukraine erfolgreich von Stalin, in einem Freilandversuch unter Idealbedingungen, angewandt worden. Darauf versucht Mac aufzubauen. Bevor er zum Ziel kommt, haben die Amerikaner die Lust verloren. Wegen langweiliger Präsentation und Mangel an Sexy. Das Medienzeitalter erhöht die Dosen, hält sie als Dosenpfand und hat ihnen eingeredet, es würde alles gut. Der Inquisitor sieht plötzlich alt aus. Unattraktiv. Die Zeit der Aluminiumhüte dämmert heran. Exquisitere Inquisitoren betreten den Schauplatz. Der Plan leuchtet.

Gegenüber säubert man sich ebenfalls. Von Innen nach Aussen. Geschickt unterstützt durch hochfliegende Objekte, an deren Steuer Pubertierende im Höhenrausch auf Auslöscher drücken. Ab und zu kommt es zu Bodenberührungen und zu direkt menschlichen Kontakten – You too Igor?

Bisher unbesiedelte Landstriche in Sibirien werden mit Mensch und Material gefüllt und dann sich selbst überlassen. Totalverluste an Mensch und Material sind die Folge. Siechtum greift nach der Macht. Die Schlechtesten der Schlechten ermuntern sich gegenseitig und schlagen sich um die Ruder. Die Registratur notiert die Ergebnisse und kappt Ankerketten. Auf beiden Seiten.

Kapitel II – Zentrale Meldestelle

Tief im Untergrund, da wo niemand jemals schläft und wenige jemals aufschauen, liefen die Projekte wie geplant. Man hielt die vollautomatischen Fernrohre starr auf vielversprechende Kandidaten gerichtet. In der AföV I, der Abteilung für öffentliche Vorführungen, stapelten sich Passbilder, Akten mit Herkunftsnachweisen und Kartonagen kleiner Röhrchen voll übelriechender Flüssigkeiten, die man besser verschlossen hielt, oder baldigst in den Kühlschrank zurückstellte. Es gab summende Abteilungen, die sahen anders aus, hell und freundlich, staubfrei. Keine Menschen, nur komische Geräte, ähnlich wie Fernseher, aber flach und größer und bunt, über die Kolonnen von Zeichen liefen, die die Farbe wechselten und sich gruppierten, in 24-stündigem Wechsel.

Ab und zu bewegte sich ein klobiger Kasten, ein Tisch auf Beinen, zwischen den Reihen. Eine Art Arm erschien, mit einem Tuch, fuhr über kurvige Flächen, eine Art Kamera betrachtete das Weggewischte und übertrug die Bilder in den Kontrollraum. Andere Kästen zogen Papierschlangen aus Maschinen, die angefangen hatten sich zu bewegen und vertrauliche Mitteilungen zu drucken. Die Kästen fuhren Scheren aus und schnitten ab, was wichtig blinkte, verstauten es in ihren Tresorfüßen und bewegten sich eilig Richtung Ordonanzzimmer.
Am Ende der verlassenen Eingangshalle plätscherte ein Springbrunnen. Die Palmen, eine rechts und eine links davon, in bauchigen Töpfen mit hellbraunen Kügelchen gleicher Form gefüllt, wirkten kräftig und gesund. In ihren Spitzen wuchsen Äpfel und Bananen neben Kokosnüssen. Ab und zu fiel etwas auf den Boden. Ein Kasten trug es zum Mülleimer.

In der Abteilung für anständige Betreuung, AfaB, saß der erste AusMenschgemachte, hinter einem Aktenstapel, vor sich einen der schmalen Vonfernseher und einige nicht identifizierbare Gerätschaften, silberne Scheiben im Dutzendpack und gläserne Würfel, mit abgeschrägten Kanten, die immer auf derselben Seite landeten, wenn sie, von einem wandernden Aktenstapel versehentlich über die Tischkante geschoben, zu Boden fielen. Keine Uhr tickte.

Kapitel III – Kinderspielplatz

„Komm`endlich zum Essen“. „Was gibt es, was gibt es?“ „Dein Lieblingsgericht.“ „Ich komme, ich komme.“
Sie starrt auf ihren Teller und versucht den Brechreiz zu unterdrücken. „Mami, das mag ich nicht, das weißt du ganz genau, du hast gelogen.“ Sie duckt sich zu spät. Der Löffel fliegt in den Teller, Gemüse spritzt. „Deine Mutter lügt nie, du ungezogenes Mädchen. Dafür wirst du heute zwei Teller essen, zwei, hast du verstanden?“

Der erste AusMenschgemachte stempelt ein Doppelkreuz hinter das  Kästchen IM F = Soll  sich selbst verdrängender Wahnsinn von Dauer sein, muß er in  der Familie beginnen.
Hinter dem Kästchen sind bereits viele kleine Kreuze und auf dem Blatt sind viele Kästchen. Er beugt sich über die Folie und klingelt nach dem Supervisor.

Kapitel IV – Doppelbindungen

Erst beim dritten Versuch schien die Schlinge zu halten. Sorgfalt war schon immer seine Stärke. Er hatte die Frachtpapiere unterschrieben und danach die Container verteilt. Alles lief Bestens, bis Clarke auftauchte. „Der verdammte Hund, ich hätte ihn ignorieren sollen, ich habe immer alles ignoriert, einmal eine Ausnahme zu machen, war ein Fehler und das sind die Folgen. Er zog probeweise, ein Knoten verrutschte und er nahm das Seil nochmals ab. Vielleicht noch ein Tässchen Kakao mit Brandy? „Den magst du doch so gerne“, hörte er die Stimme seiner Frau sagen. Die Erinnerung senkte seine Körpertemperatur. So lange her. Er fröstelte. Ein Kakao wäre jetzt die Lösung vor der Endabrechnung… . Er setzte den Topf auf kleine Flamme, griff nach einer Tasse und stellte den Zucker daneben.
Er ging zurück in das Esszimmer und stieg wieder auf den Tisch.
Damals setzte sein Zerfall ein. Ein einziger Satz genügte, dachte er  und er begann vor sich hinzubröckeln. Ihm wurde schwindelig, er kippte. Im Fallen streckte er die Hand nach dem Strick, er verhedderte sich, der Stuhl knickte zur Seite. Was hatte ihm Clarke in`s Ohr geflüstert, was war das noch mal….“ Als sein Kopf gegen die Kante schlug, war er bereits bewußtlos.
In der Küche kochte die Milch über.

Kapitel IVa – Direkte Wege

Unter der Kapuze kam rotblondes Haar zum Vorschein. Der große Mann hinter dem Tisch verbeugte sich und sagte zu seiner Begleitung: „Lasst uns alleine.“ Die Türen wurden geschlossen, durch die schweren Flügel drang kein Laut. „Es ist soweit. Wir haben die Schleusenwärter informiert. Auf dem ersten Abschnitt gehen wir zu Fuß, Pilger aus Deutschland auf dem Weg in ihre Heimat. Verzeiht, ihr müsst von eu`ren Badegewohnheiten lassen. „Ich lasse mir nicht….“ „Vorübergehend, bis wir die Schleuse erreichen, dann ist keine Beschränkung mehr notwendig. Wir halten euch alle Widrigkeiten vom Leib. Es ist für alles gesorgt und niemand wird etwas erfahren.“

Drei Bettelmönche verließen Cremona am frühen Morgen des nächsten Tages, kurz nachdem die Stadttore geöffnet wurden. In flirrender Julihitze zogen sie nach Norden. Ihre Reise führte sie in ein Gebirgstal, steil hinauf, an einem eiskalten Bach entlang, zwischen Felstrümmern hindurch, bis sie vor einer Felswand Rast machten. „Ich danke Euch“, sagte der große Mann, „daß ich euch bis hierher begleiten durfte. 300 Bewaffnete erwarten euch auf der anderen Seite, sie bringen euch von Chur nach Konstanz. Wir werden alles festhalten. Für die große Zeit danach, wenn die Welt wieder im Gleichgewicht sein wird und alle Bücher sich öffnen und jeder sie lesen und verstehen kann.
“Nur wer Herr seiner selbst ist, kann Kaiser werden!“, rief er mit lauter Stimme und ein Felsentor öffnete sich. Die kleine Gestalt trat in die Schatten.

Im Jahre 1212 zieht Friedrich der Zweite in Konstanz ein. Die Spione Ottos IV. hatten nichts bemerkt, die Bewachung der Alpenpässe hatte sich als nutzlos erwiesen. Die Geschichte nahm ihren vorherbestimmten Verlauf.

*
(Fortsetzung folgt)

Link zu Teil II

Link zu Teil III

Link zu Teil IV

4 Gedanken zu „Hensel´s Sonntagsmatinée: Karrieren auf den Müllhaufen der Denkfabrik

  1. Nur für das Protokoll:
    Es handelt sich um eine phantastisch (klingende)- e Erzählung aus der Wirklichkeit, keine Phantasia, wie vermutet wurde.

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