Exklusiv-Interview mit Harry Wörz

goddess-of-justiceerschienen bei Stadtblatt Pforzheim – Danke an Gerald

 

“Polizisten haben gelogen und betrogen, aber ich kämpfe weiter”

 

Wer mit Harry Wörz nur fünf Minuten redet, spürt instinktiv: Dieser Mann könnte kein Mörder sein. Trotzdem saß der heute 44-jährige fast fünf Jahre ohne Beweise im Gefängnis, bevor er Mitte Dezember 2010 vom höchsten Bundesgerichtshof endgültig freigesprochen wurde. Dreizehn lange Jahre musste er für seine Unschuld kämpfen. Immer wieder wurde ihm vorgeworfen, er habe im Jahr 1997 versucht, seine Ex-Frau, eine Polizistin, umzubringen.

Ein nervenaufreibender Kampf, der deutliche Zeichen an dem eher schmalen, zerbrechlich wirkenden Mann hinterlassen hat. “Jetzt brauche ich erstmal viel Ruhe”, sagt der frühere Installateur und Bauzeichner aus Birkenfeld bei Pforzheim im Exklusiv-Gespräch mit unserer Redaktion.

Diese Ruhe hat er dreizehn schwere Jahre nicht gehabt: “Ein Leben unter Verdacht” heißt denn auch ein Fernsehfilm über die langen Leiden des Harry Wörz. Mehrfach ging der Justiz- und Polizeiskandal quer durch alle deutschen Medien. “Heute kann ich deutlich sagen: Die Pforzheimer Polizei hat gelogen und betrogen, um mich fertig zu machen”, sagt er.

viele Jahre in ständiger Angst – seine innere Stärke war sein Glück

Ist Harry Wörz, das wohl bekannteste Justiz- und Polizeiopfer Deutschlands, inzwischen ein “Medien-Star”? “Das kann vielleicht schon sein, aber ich fühle mich nicht so.” Er sei immer ein einfacher, bescheidener Mann gewesen und wolle dies bleiben, meint der 44-jährige nachdenklich. Immer wieder muss er während unseres Gespräches tief gähnen, die Erinnerung an die ganzen schlimmen Jahre der falschen Verdächtigungen steht ihm immer noch schmerzlich im Gesicht geschrieben. Er muss viel, viel Schlaf nachholen zur Zeit. Denn vor dem endgültigen Urteil im Dezember konnte er Jahr für Jahr oft tagelang keine Ruhe finden. Trotzdem wirkt der freundliche, ruhige Mann hellwach, wenn er uns von den kleinsten Details seiner Leidensgeschichte berichtet, die mitgebrachten Akten durchblättert, exakt und schnell Auskunft auf unsere Fragen gibt.  Jedes Datum, jede Zahl, jeden Fakt hat er im Gedächtnis. Vielleicht hat ihn diese innere Stärke trotz allem über die ganzen schlimmen Jahre gerettet. Höchstwahrscheinlich.

Drogen und Beziehungsdrama unter den Beamten

“Sie haben mein Leben zerstört”, sagte Wörz nach der endgültigen Urteilsverkündung Ende 2010. Wer sind “sie”? Eine verschworene Clique von Polizeibeamten, Staatsanwälten und auch Richtern. Sogar sein Ex-Schwiegervater, der ihn immer wieder schwer belastet hat, war Polizist. Dieser – er hatte neben seiner Frau eine Geliebte – war ursprünglich selbst der Tat verdächtigt, wurde aber nicht weiter verfolgt. Immer wieder wurden neue Anklagepunkte konstruiert. Denn eines durfte für die Pforzheimer Beamten nicht sein: Dass einer aus ihren eigenen Reihen es gewesen war, der seine Kollegin und Harrys Ex-Frau Andrea W. töten wollte. Vorangegangen war damals zur Tatzeit ein klassisches Beziehungsdrama. Die Polizistin Andrea (sie lebte seit längerer Zeit von Wörz getrennt) hatte ein Verhältnis mit ihrem Kollegen Thomas H., der aber verheiratet war und zwei Kinder hat. Abwechselnd schlief dieser “Macho” mit beiden Frauen, bis seine Ehefrau ihm kurz vor der Tat ein Ultimatum stellte: “Entweder sie oder ich!”

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6 Gedanken zu „Exklusiv-Interview mit Harry Wörz

  1. „… Bis auf Thomas H.: Er wurde vor rund einem Jahr vom Dienst suspendiert, befindet sich aber seltsamer Weise seither immer noch auf freiem Fuß. Warum? Schließlich landete damals Harry Wörz sofort in Untersuchungshaft und dann fast fünf Jahre im Gefängnis – ohne Beweise. Auf diese mehrfach von uns gestellte Frage will uns der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Karlsruhe bis heute keine klare Antwort geben“. …

  2. Es ist bedrückend wenn man soetwas liest. Neben der unklaren Rechtslage, auf der sich das ganze Justizwesen gründet, scheinen die Strukturen desselben mittlerweile mafiös durchwachsen. Es ist ja nicht der erste Fall der ans Licht der Öffentlichkeit kommt.

    Das es offensichtlich noch anständige Menschen im Justizwesen der BRD gibt, macht die Sache nicht besser.

  3. grotesk

    Warum wir in einer „Truman Show“ leben … wer hat nicht schon vom Pogromly der NSU gehört?
    Nun sollte sich doch in der Historie sagen wir vom 1.1.1980 bis zum 1.11.2011 von dieser Monopoly Version namens Pogromly finden lassen. Aber Nichts!

    Gibt es irgend eine natürliche Person welche das „Produkt“ vor dem 4. November 2011 gesehen hat, geschenkt bekam, gefunden oder sonstwie erworben hatte?

    Nochmal Pogromly: Erleben Sie live die Entstehung einer Legende!
    http://www.geistbraus.de/2011/12/nochmal-pogromly-erleben-sie-live-die-entstehung-einer-legende/

    Auch wenn Herr Jürgen Elsässer das Produkt Pogromly als materielles Objekt und real existent annimmt, im wesentlichen haben die Herren der Scripted Reality für die Präsentation „ihres“ Pogromly rund einen Monat benötigt.

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