die Erhebung der Bauern 1460-1524/1525

Käsebauer und Käsefrau
Drei Jahre vor dem Bauernkrieg: Zerlumpt, ärmlich aber selbstbewusst und bewaffnet: »Käsebauer und Käsefrau«. Einblattholzschnitt, wahrscheinlich von Hans Weiditz, 1521.

erschienen bei mybude

Im Oktober 1460 schrieben einige Adelige aus dem Hegau an den Bischof von Augsburg, informierten ihn über Unruhen der Bauern in ihren Herrschaften und baten ihn zugleich um solidarische Unterstützung gegen die Aufständischen. Sie berichteten auch über die Ziele und Forderungen der Bauern, die erstaunlich bescheiden waren und so gar nicht nach großer Empörung aussahen: Weder sollten die Herren willkürlich Dienste von ihren Bauern fordern, noch sie nach Gutdünken strafen dürfen, und auch das freie Recht auf ihr Erbe sollte den Bauern zustehen.

Solche Forderungen klangen ausgesprochen maßvoll und wurden noch unterstützt durch die Versicherung, dass die Bauern gern alle Dienste und Zinsen leisten wollten, die sie schuldig wären. Vielleicht kam das alles den hegauischen Herren selbst zu bescheiden vor; denn in ihrem Brief orakelten sie noch, dass weitere, ihnen nicht bekannte Artikel gegen den Adel gerichtet seien. Und wenn sie das auch nicht beweisen konnten, so tischten sie dafür um so rascher eine Gräuelmeldung auf. Die Bauern hätten aus einem Dorf das Sakrament aus der Kirche rauben wollen und dem Priester, »der solches wehren wollte, die Hände wohl halb abgehauen«. Solche Behauptung musste auf den Bischof doch Eindruck machen! Auch hätten sie, so wurde zum Schluss berichtet, ein Banner, auf dem ein Pflug und ein Bundschuh gemalt seien.

der Bundschuh

»Der Bundschuh«! Hier haben wir das Zeichen, das schon verschiedentlich bei Bauern als Symbol des Aufruhrs gegolten hatte und das von nun an mehr als ein halbes Jahrhundert lang bis zum großen Bauernkrieg immer wieder Adel, Geistlichkeit und auch Bürger erschreckte. Es war der mit langen Riemen versehene Schnürschuh der Bauern, der als Gegensatz zum gespornten Stiefel der Ritter galt und von dem die Sage behauptete, dass er schon im ersten Kreuzzug bei der Eroberung Jerusalems als Feldzeichen der einfachen Leute mitgeführt worden sei.

Unruhen und Aufstände von Speyer bis nach Kärnten

Unter dem »Bundschuh« erhoben sich 1493 auch die Bauern von Schlettstadt und neun Jahre später die im Bistum Speyer; aber wie schon 1460 im Hegau, so wurde auch hier beide Male die Empörung niedergeworfen, noch ehe sie richtig begonnen hatte.

Der Anführer der Bauern von Speyer, ein gewisser Joss Fritz, war gerade noch rechtzeitig dem Zugriff der Obrigkeit entkommen und nach Lehen, in der Nähe von Freiburg, gezogen. Dort verhielt er sich zehn Jahre ruhig, doch als sich 1513 die Bauern in der Schweiz empörten und es auch an verschiedenen deutschen Orten zu gären begann, sah Fritz seine Stunde erneut gekommen und organisierte auch in Lehen den »Bundschuh«. Man kann nur staunen, wie sorgfältig und ausführlich dieser einfache Mann inzwischen sein Reformprogramm vorbereitet hatte. Es nimmt bereits alle jene Forderungen vorweg, die uns ein Jahrzehnt später in den berühmten »Zwölf Artikeln« der Bauern wieder begegnen.

Dass der Aufstand in Lehen scheiterte, war nicht seine Schuld. Wieder wurde er verraten. Die Obrigkeit schlug rasch und hart zu und ließ dreizehn der Aufrührer hinrichten. Joss Fritz entkam erneut, zog unstet durch das Land und organisierte 1517 ein drittes Mal den »Bundschuh« am Oberrhein. Diesmal allerdings war es kein Aufstand der Bauern allein. Fritz sammelte die Unzufriedenen im Lande, fand sie vor allem auch unter dem Fahrenden Volk und den Bettlern, denen er immerhin eine beachtliche Belohnung für ihre Teilnahme an der Empörung aussetzte. (Woher er das Geld dafür hatte, ist bis heute nicht geklärt.) Durch Zufall fasste man aber einen seiner Hauptwerber, der sogleich ein Geständnis ablegte, und damit konnten die Behörden erneut den »Bundschuh« niederschlagen. Von Fritz wissen wir nur, dass er weiter ruhelos durch das Land zog und den Menschen hartnäckig seine Ideen einzuhämmern suchte.

Diese Erhebungen unter dem Zeichen des »Bundschuh« waren nicht die einzigen in Deutschland. Überall gärte es, kam es zu mehr oder minder begrenzten Ausbrüchen des berechtigten Volkszorns. Auch in der Schweiz, in Salzburg, in der Steiermark und in Kärnten hatten sich Unruheherde gebildet. In Württemberg schlossen sich 1514 die Bauern gegen den Steuerdruck Herzog Ulrichs im »Armen Konrad« zusammen, und in ihrem Aufstand verschmolzen typisch lokale Belange und Interessen mit den Ideen des »Bundschuh«.

der Pfeifer von Niklashausen

Ebenfalls lokal begrenzt, aber wieder ganz anderer Art war 1476 die Bewegung des »Pfeifers von Niklashausen« im Fränkischen. Hans Böhm, ein Dorfmusikant, wie wir heute sagen würden, predigte in dem kleinen Dorf Niklashausen im Taubertal, die heilige Jungfrau selbst sei ihm erschienen und habe ihm verkündet, dass alle Menschen vor Gott gleich seien, es dürfe keine weltliche Obrigkeit mehr geben, Zins, Pacht und Steuern müssten abgeschafft werden, Wald, Wasser und Weide sollten allenthalben frei sein. Solche Sätze ergänzte er noch durch Ausfälle gegen das Regiment der Fürsten und gegen die unchristliche Geistlichkeit. Der Funke entfachte rasch einen großen Brand. Zehntausende liefen ihm zu und lauschten seinen Predigten. Solange er es bei seinen Verkündigungen beließ, hielt sich der Bischof von Würzburg, dessen Untertan Hans Böhm war, noch zurück. Doch als er dann seine Zuhörer aufforderte, zum nächsten Zusammentreffen die Waffen mitzubringen, ließ er ihn überraschend durch einige Reiter gefangennehmen und auf den Marienberg nach Würzburg bringen.

Am darauffolgenden Sonntag versammelten sich angeblich an die dreißigtausend Wallfahrer. Zwar gingen viele wieder heim, als sie von der Verhaftung des Pfeifers hörten, doch zogen mehrere Tausend nach Würzburg, um dort seine Freilassung zu fordern. Der Bischof ließ sie mit schönen Redensarten und ein paar Warnschüssen abspeisen. Den friedlich Abziehenden schickte er aber Reiter nach, angeblich, weil sich ein paar Aufrührer unter den Bittstellern verborgen hielten. Wenige Kilometer hinter Würzburg kam es zu einem Treffen, bei dem zwölf Bauern den Tod fanden und ein paar andere verhaftet wurden. Die meisten ließ der Bischof wieder laufen. Hans Böhm aber und zwei seiner engsten Gefährten wurden hingerichtet. Die beiden Bauern starben unter dem Schwert, der Pfeifer als angeblicher Ketzer auf dem Scheiterhaufen, auf dem er noch im Angesicht des Todes fromme Marienlieder gesungen haben soll.

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gelesene Originaldokumente der Zeit – hochinteressant:


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Doku zu Thema:


15 Gedanken zu „die Erhebung der Bauern 1460-1524/1525

  1. Dein Feld, o Gott, gehört mir nicht.
    Du hast es aus geborgt.
    Ich pflanze, Wasser gibst du mir und Licht.
    So ist die Frucht besorgt.

    Der Wald, o Gott, gehört mir nicht.
    Du hast ihn aufgebäumt.
    Mein Vater schaute dein Gesicht,
    Mein Sohn hat es geträumt.

    Der Bach, der Fluss gehört mir nicht
    Und nicht das weite Meer.
    Ich schuf das Wasser nicht, noch Licht,
    Noch Leben um mich her.

    Doch darf ich mich als Gärtner Dir,
    als Bauer wohl verdingen,
    Als Forstmann tief in dem Revier
    -So kann es wohl gelingen.

    Hans mein Igel

  2. Die Bauernkriege, die als aufgeworfener Bundschuh eben nicht in Norddeutschland stattfanden, weil der Norddeutsche sich eben nicht von den Pfaffen über den Schnabel nehmen lies…

    Wald-, Wasser- und allgemeines Fischrecht wurden uns deutschen schon vor fünfhundert Jahren durch das orientalisch-römische Wüstenrecht abspenstig gemacht. Und die Pfaffen haben es dann kodifiziert.

    Und das halbe Süddeutschland geht bis heute freiwillig in die Kirche der Zwingherren.

    Deshalb sitzt auch der Besatzer in Süddeutschland und nicht im Norden. Arschkriecher aller Orten?

    Wer den Papst anbetet, betet auch die jüdisch gesteuerten US-amerikanischen Besatzer an.

    Noch Fragen?

  3. @ garlic

    Danke der Nachfrage.

    Wenn ich Gedichte anderer Geister rezitiere, dann pflege ich diese in Anführungszeichen zu setzen. Da ich mich weder mit fremden noch mit den eigenen Feder gerne schmücke.

    Natürlich ist dieses Gedicht von mir. Das ist mir auch peinlich genug. <Ich wohnte früher einmal in der Nähe des Berliners Tores in einer Straße, die den Namen eines norddeutschen Dichters trug.

    Wie hieß der Klaus noch?-

  4. Ach, komm schon Hans mein Igel, warum soll es Dir denn peinlich sein und Du Veröffentlichst es dann. Ich finde das Gedicht sehr gelungen und beim lesen dieses habe ich auch mitgefühlt. Ich werde das Gedicht auf meinem kleinen, aber unabhängigen Blog weiter veröffentlichen. Eine gute Dichterarbeit, weiter so!

  5. @ Garlic

    Dann veröffentliche einmal!

    Ich komme gerade von einer Zeitreise von Frank R. zurück. Das war herrlich musikalisch.

    „Der Väter Land“ und ähnliches, danach Mozart in Variationen und so weiter. Zum Schluss Bach, die Badienerie (1,46 Minuten) und andere Leichtigkeiten aus dem genialem Universalwerk dieses Mannes.

    Hochbildung ist kein Geheimnis, sondern in erster Linie Fleißarbeit; ganz preußisch wahrscheinlich. Und ein wenig Talent gehört auch dazu.

  6. Etwa so die Kanzlerin, Tochter eines Pastor der evangelischen Kirche in der DDR, kam aber aus französischer Gefangenschaft, um in Hamburg eine Deutsche zu heiraten und eine Schläferin zu erzeugen, die danach beim Papst um Firmenrechte bettelt? Glück Auf, meine Heimat, das geht nur mit einem Ratzinger, oder jetzt bei mir mit einem Wodka und vermischt mit Limo! Glück Auf, meine Heimat!

  7. Danke @ garlic.

    Ein wunderschönes Stück Musik. Das hilft mir über Winfried mit seinen 300 Jahren Schildkrötenrücken leicht hinweg. Ist der ein Troll?

  8. Wer Bach hört, hat den Weg zu Gott in den Ohren. Was sein Kopf draus macht, kann nur ein Mensch wissen.
    Vor 500 Jahren oder sonstwann ist gar nichts entstanden.
    Vor über 1000 Jahren sind die Könige beseitigt worden.

  9. Vielleicht ist es doch so, wie Luther dann später schimpfte, daß die Bauern in die Anarchie geraten, alles verwüsteten? oder man kann sagen, die Ordnung des Mittelalters, die allen Ständen etwas bedeutete, war dabei zu zerfallen, und dann Absolutismus zum einen und J.S.Bach zum Überirdischen an den langen Sonntagen in der Kirche.

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