Syrien: Interview mit Anhar Kochneva

anharerschienen bei 1news.az

Übersetzung von fedot – Danke

Interview mit der bekannten ukrainischen Journalistin Anhar Kochneva, die heute eine Korrespondentin des russischen NTV ist. Sie lebt und arbeitet in Syrien seit dem Beginn des Konflikts. In dieser Zeit verbrachte sie 153 Tage in Gefangenschaft der Terroristen. Sie befindet sich heute in Damaskus und im Interview für 1news.az erzählt sie über die Situation in Syrien, über die Reaktion der Einheimischen auf die Entscheidung von US-Präsident Obama das Land anzugreifen und hat einige weitere Fragen beantwortet.

Frage: Sagen Sie bitte, wie haben die Menschen in Syrien auf die Entscheidung von Obama, das Land anzugreifen, reagiert? Wie war die Reaktion der normalen Menschen?

Anhar: Normale Menschen haben die Informationen wirklich ruhig wahrgenommen. Fast jeder versteht, dass „Tomahawks“ nicht alles zerstören werden, sondern nur bestimmte Ziele in Syrien. Diese Ziele sind nicht unbedingt in den dicht besiedelten Gebieten. Es kann aber auch sein, dass es einfach nur Gerede ist, dem keine Taten folgen. Man hörte so etwas schon mehrmals. Was die Regierung angeht, so denke ich, dass sie schon etwas dagegen unternimmt. Aus den russischen Medien bekommt man schon Einblicke, dass einige Personalabteilungen von verschiedenen Ämtern verlegt werden. Das ist auch richtig: im Falle der Anschläge muss man die Menschenverluste minimieren.

Frage: Westliche Sender zeigen uns ständig Bilder von einem zerstörten Damaskus. Dagegen zeigen die russischen, dass da alles wie gewöhnt weiterläuft. Hand aufs Herz, was ist die wirkliche Situation in Damaskus?

Anhar: Glauben Sie mir, die Situation in Damaskus ist sehr ähnlich dem Bild, wie es von den russischen Medien beschrieben und gezeigt wird. Wir haben hier in Damaskus mehr als 10 Journalisten aus Russland. Es sollen noch einige kommen. Sie werden erwartet. In diesen 2,5 Jahren sind wir wie eine Familie geworden. Wir helfen uns gegenseitig.

Frage: Was ist mit der Situation?

Anhar: Um dorthin zu gelangen, wo es wirklich einen umfassenden Krieg gibt, ist nicht so einfach. Man muss sehr viel unternehmen. Da wird keiner so einfach rein gelassen. Auch Presseausweis ist nutzlos. In letzter Zeit muss man zusätzliche Genehmigung von dem Informationsministerium bekommen. Kampfbereiche sind gesperrt. Das andere Problem ist aber, dass die Banditen terroristische Angriffe auf den überfüllten Plätzen verüben. Sie beschiessen Städte, Vororte und Dörfer. Gerade jetzt hört man in der Nähe meines Haus Schusse und laute Knalle. Das sind die Banditen, die nur wenige Kilometer von hier entfernt sind. Die benutzen gerade Granatenwerfer. Ja, viele Menschen werden dabei getötet und verletzt. Nicht selten betrifft es auch Kinder. Es gibt Bereiche in Syrien, wo es keine Kampfhandlungen gibt, obwohl die Gebiete unter der Kontrolle der Banditen sind. Und es gibt Gebiete, die von den Banditen angegriffen werden. Vor paar Tagen habe ich mehrere Städte im Zentrum von Syrien und an der Küste besucht: die Situation ist da ganz friedlich. Die Gebiete sind unter der Kontrolle des Staates. Alle öffentliche Einrichtungen und Dienste funktionieren.

Frage: Es ist nicht wahrscheinlich, dass USA nur begrenzt Syrien angreifen. Was meinen Sie, welches sind dann die nächsten Schritte der Koalition gegen Bashar al Assad?

Anhar: Was haben die schon nicht alles gemacht haben. Sogar die einfachsten Sachen sind hier nicht mehr möglich. Seit 2,5 Jahren können wir mit den Karten von VISA und MASTERCARD kein Geld von den Geldausgabeautomaten bekommen. Gegen wen sind diese Sanktionen verhängt worden? Gegen ausländische Bürger? Nur weil wir so frech waren, nach Syrien zu reisen? Einem Bekannten von mir, einem Diplomaten, wurde das Konto von einem amerikanischen Zahlungssystem blockiert. Nur weil er in einem Online-Shop etwas bezahlen wollte und das von einem Computer mit einer syrischen IP-Adresse. Er rief dann seine Bank in Beirut an und sagte, dass er kein Syrer und geschäftlich manchmal in Syrien unterwegs ist. Nach einer Weile bekommt er einen Brief, der sehr arrogant verfasst wurde und da stand, dass sein Konto und das ganze Geld darauf einfach gelöscht sind. Einfach so, nur weil er gewagt hatte, nach Syrien zu reisen. In Syrien können wir keine Programme kaufen oder aktualisieren. Wenn jemand seine Emails bei Gmail lesen möchte, bekommt man eine Meldung, dass Sie in diesem Land keine Emails lesen dürfen. So sieht es hier aus. Sie haben noch nicht gewonnen, trotzdem „demokratisieren“ sie uns schon. Sie schicken Waffen und Geld nach Syrien. Die hiesige Banditen sind schon fast zu Ende, also senden sie einfach neue aus dem Ausland nach. Ich habe vor Kurzem die Leiche von einem Getöteten aus Schweden gefilmt. Er versuchte einen Checkpoint anzugreifen. Was hat er hier mit dem Shahid-Gürtel gesucht?

Frage: Wird es einen Krieg geben? Wird Russland sich beteiligen?

Anhar: Ich habe es immer gesagt und nicht nur ich: es läuft hier so weiter, solange Geld und Waffen an die Terroristen geliefert werden. Wenn sie keine neue Waffen und kein neues Geld bekommen, werden sie schnell aufgeben. Sie geben jetzt schon in vielen Gebieten auf. Nicht alle wollen an der Warteschlange vorbei zu Gott. Viele wollen zurück zu ihren Familien. Jede Woche sind es Hunderte. Was Russland betrifft. Das Land sollte sich nicht militärisch beteiligen. Es reicht schon, dass Russland den Westen bremst. Dank Russland gibt es Syrien noch.

Frage: Gibt es einen Grund zu glauben, dass der Krieg gegen Syrien der Anfang des Dritten Weltkriegs sein wird? Was kann der Krieg in Syrien für den Nahen Osten bedeuten?

Anhar: Ich denke, dass es der Anfang des Dritten Weltkrieges wird. Das wird alle auf der Erde in irgendeiner Weise betreffen. Daher ist es wichtig, dass das Böse nicht die Linie überschreitet. Das klingt zwar pathetisch, aber Syrien wird von den übermächtigen, bösen und schwarzen Mächten zerrissen.

2 Gedanken zu „Syrien: Interview mit Anhar Kochneva&8220;

  1. Auf CNN haben gerade Kissinger und Brzezinski ihren Senf (-Gas?) abgelassen: kein Sieg für USA oder Russland. Na bitte, das Spiel auf dem großen Schachbrett ist noch nicht vorbei.

  2. nur eine Randbegebenheit, aber möglicherweise aufschlußreich: Nachdem Putin mit seinem NYT Artikel einen ordentlichen Stich ins Wespennest gelandet hatte, haben sich viele amerikanische Politiker darüber mockiert. An vorderster Front wie immer Mc Cain, der nach der üblichen Hetze den Wunsch äußerte ebenfalls mal einen Artikel für die Pravda (heute völlig unbedeutend – er hat halt keine Ahnung von seinem Lieblingsfeind) zu schreiben. Nun hat er eine Einladung ins russische Fernsehen – Viel Glück beim Blamieren Herr McCain:
    http://german.ruvr.ru/2013_09_15/Russenfeind-McCain-nach-Russland-eingeladen-0768/
    (wahrscheinlich wird er kneifen)

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