M. Winkler – das neue Reich, Band 2

© Photo Wyacheslaw Karpezki
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erschienen bei Michael Winkler

– Das erste Kapitel des Buches „Das neue Reich 2 / Hyperborea“ –

Offizieller Erscheinungstermin: nächste Woche

Forschungsarbeit

Versuch 73 notierte Prof. Dr. Dr. Philipp Lenard in sein Protokollbuch. 18.12.2028 – die Weihnachtswoche hatte angefangen. Die Unterlagen, die das Institut für Reichstechnologie vor einem halben Jahr aus Amerika bekommen hatte, waren in mancher Beziehung sehr hilfreich gewesen. Mit ihrer Hilfe war es in nur einem Monat gelungen, die Schauberger-Repulsine zu entwickeln, einen elektrischen Antrieb, der Flüge in den Tiefraum ermöglichte, da er im Gegensatz zu den Kasimir-Scheiben nicht auf das irdische Magnetfeld angewiesen war.

Die Unterlagen hatten Patente in Chemie, Pharmazie und Metallurgie enthalten, beispielsweise ein sehr elegantes Verfahren zur Titan-Verarbeitung, welches die Amerikaner nur unvollkommen nachgeahmt hatten. Mitarbeiter des Instituts hatten alles ausgewertet und das Brauchbare bei der Industrie eingeführt. Die härteste Nuß war im Institut verblieben, der sogenannte Tesla-Generator. Nikola Tesla sollte ein Verfahren entwickelt haben, mit dem die Raumenergie angezapft werden konnte. Die Amerikaner hatten das nicht verstanden und die Unterlagen mit den in Deutschland erbeuteten Nazi-Papieren weggesperrt. Allerdings fehlten wichtige Ausarbeitungen, womöglich hatte Tesla persönlich diese Teile vernichtet, sie der undankbaren Welt vorenthalten.

Victor Schauberger hatte mit diesen Unterlagen gearbeitet, als er nach Amerika verschleppt worden war. Schaubergers Aufzeichnungen waren ebenfalls weggesperrt worden, als der erhoffte Erfolg ausgeblieben war.

Der Tesla-Raumenergie-Generator war im Institut zur Chefsache geworden, Lenard und sein Stellvertreter, Prof. Dr. Dr. Johannes Stark, arbeiteten daran. Sie hatten vergleichbare Projekte gesucht, die Maschinen eines Professors Claus W. Turtur, der leider die große Katastrophe nicht überlebt hatte, und den Generator Hans Colers, sowie zahlreiche Schriften von weniger kompetenten Leuten, die an ein Perpetuum Mobile glaubten.

62 Versuche hatten sehr erfolgreich nachgewiesen, daß die zugrunde liegenden Prinzipien absolut nichts taugten. Acht weitere Versuche waren Fehlschläge, die jedoch die Richtung vorgaben. Die letzten beiden Versuche waren Teilerfolge gewesen. Sie hatten die Raumenergie angezapft, eindeutig mehr Energie produziert als eingespeist worden war. Leider ließ sich die erzeugte Energie nicht beherrschen, sie wuchs unkontrollierbar an und beschädigte die Apparatur und das Laboratorium. Zum Glück hatte es keine Verletzten gegeben.

Lenard und Stark hatten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Eine Wand aus Stahlbeton schützte ihre Schaltwarte, nur kleine Bullaugen aus Panzerglas erlaubten die Sicht in den kahlen Raum, in dem der Generator stand. Versuch 73, kurz vor Weihnachten. Beide Wissenschaftler wußten ganz genau, was sie sich vom Christkind erhofften: eine Bescherung, die das ganze Reich beglücken und das Tor zu einer großartigen Zukunft eröffnen würde.

„Anregungsenergie.“ Lenard schaltete, Stark überwachte die Meßgeräte.

„80 PS.“ Nichts rührte sich. Die Meßgeräte waren in PS geeicht, das Institut war nicht wählerisch, es hatte genommen, was verfügbar gewesen ist. Die Wissenschaftler störten sich nicht daran, die Umrechnung in Kilowatt erforderte nur die Multiplikation mit einer Konstanten.

„100 PS – 120 PS – 140 PS – 160 PS.“

„Reaktion beginnt!“, meldete Stark. „Schalte Last auf den Generator.“

Last bezog sich auf den Triebwerksprüfstand. Die dortigen Repulsinen nahmen große Energiemengen problemlos auf.

„2.000 PS“, las Lenard ab. „Reaktion stabil.“

Stark steigerte die Energieabgabe. Die beiden Herren wußten natürlich, daß sie berühmte Namen trugen, allerdings war nur Lenard als Urgroßneffe mit jenem Nobelpreisträger verwandt. Sie hatten beide Physik studiert und zusätzlich Lenard in Elektrotechnik und Stark in Maschinenbau promoviert. Zu BRD-Zeiten waren beide nicht recht vorangekommen, hatten sich als Doktoranden durchgeschlagen, als wissenschaftliche Assistenten habilitiert, ohne Aussicht, jemals auf einen Lehrstuhl berufen zu werden. Sie wußten, daß es an ihren Namen lag, denn die beiden Altvorderen waren als die führenden Köpfe der „Deutschen Physik“ bekannt gewesen, weshalb das Können der Jüngeren erst gewürdigt wurde, als sich die politischen Verhältnisse geändert hatten.

„8.000 PS“, gab Stark bekannt. „Mehr kann die Repulsine nicht abnehmen.“

„Anregung immer noch bei 160 PS“, las Lenard ab. „Das ist eindeutig ein Raumenergie-Effekt. Ich schlage vor, wir lassen alles vier Stunden laufen, und für Versuch 74 stellen wir eine zweite Repulsine auf.“

„Einverstanden“, erwiderte Stark. „Wie es aussieht, ist Weihnachten gerettet.“

Die Unterseeboot-Klasse 301 war ein einziger schwimmender Kompromiß. Das Kabinett hatte der Marine ein 50-Meter-U-Boot genehmigt, mit 52,1 Meter war diese Vorgabe eingehalten worden. Den Beamten im Kriegsministerium hatte ein „Küsten-U-Boot“ vorgeschwebt, „für den Ostsee-Einsatz“, wie einst die Klasse 201, die ersten Boote der Bundesmarine.

Konteradmiral von Tegetthoff hatte diesen Herren vorgerechnet, daß die damaligen Strategen nur eine einzige Küste zu verteidigen hatten, ein schmales Stück Ostsee, denn für die Nordsee halfen die NATO-Partner aus. Das neue Deutsche Reich besaß viel mehr Ostsee als die alte BRD, die NATO gab es nicht mehr, weshalb auch die Nordsee der Kaiserlichen Marine unterstand. Die Herren wollten bis zwei zählen und aufhören, doch der Admiral zählte weiter: dank des Protektorats Lombardo-Venetien benötigte die Marine Kräfte in der Adria, und mit der neuen Kolonie Deutsch-Atlantis gab es nunmehr vier Küsten, welche die Marine sichern sollte.

Die Herren genehmigten schließlich die Klasse 301, zehn Meter länger als die alte 201, etwas zu groß für ein Ostseeküsten-U-Boot, nicht groß genug für die offene Nordsee und den Atlantik, aber immerhin zeitgemäß motorisiert: Der Vril-Reaktor lieferte 3.200 PS elektrischer Leistung, der Antrieb benötigte davon 2.800 PS. Die getrennten Antriebe für Über- und Unterwasserfahrt, sowie die Batterien fielen weg. Diese neuen Unterseeboote verfügten somit über Atomantrieb, mit theoretisch unbegrenzter Seeausdauer.

Am 2. Januar 2029 übergab die Marinewerft Oldenburg die U1 an die Kaiserliche Marine. Alle drei Monate sollte ein weiteres Unterseeboot übergeben werden. Die Boote waren nur mit vier Torpedorohren bestückt, im Reichskaliber 50 cm. Sie führten zwölf „Aale“ mit, die traditionell durch Zielen mit dem Sehrohr abgeschossen wurden, allerdings eine eigene Endansteuerung besaßen.

Admiral von Tegetthoff inspizierte auf der Marinewerft zwei weitere Rohbauten: die 100-Meter-Korvette und den 180-Meter-Kreuzer. An beiden Schiffen würde noch lange gebaut werden, acht Korvetten und vier Kreuzer hatte das Ministerium genehmigt. Derzeit bestand die glorreiche Marine aus sechs Fischkuttern, auf denen eine 40mm-Zwillingsflak montiert war, dem Schulschiff SMS OTTO WEDDIGEN, der Allzweck-Korvette SMS FRIEDENSTAUBE und der Fregatte SMS ADMIRAL HIPPER. Die erste neue Korvette, die SMS SEEADLER, würde frühestens Ende des Jahres fertig werden, den Kreuzer SMS SONNLAND hoffte Tegetthoff noch in Dienst zu stellen, bevor er Ende des nächsten Jahres in Pension geschickt wurde.

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