Bayer zappenduster

irrenanstalt30erschienen bei Rationalgalerie

Danke an Ulrich

von Wolfgang Blaschka

Bevor an den weißblauen Grenzpfählen Maut-Häuschen errichtet und am Weißwurstäquator Senfschuss-Anlagen installiert werden, um „Tatsachen“ für die Koalitionsverhandlungen in Berlin zu schaffen, gelang es unserem bayerischen Korrespondenten noch einen letzten authentischen Bericht von der Landtagswahl herauszuschmuggeln. Danach fiel er vermutlich in eine tiefschwarze Schweinsbraten-Agonie mit anschließender Brez’nknödel-Depression. Seitdem ist der Kontakt aus Restdeutschland zu unseren „Brüdern und Schwestern drunten“ nur noch eingeschränkt möglich. Einreise-Visum bekommt nur noch, wer eine gültige Tischreservierung für eines der Oktoberfestzelte vorweisen kann.

Kaum, dass die letzten Bajuwaren souverän zur Urne geschritten waren, wurde es kohlrabenschwarze Nacht, nicht nur wegen der Jahreszeit: Die CSU hatte ihre absolute Mehrheit im Sack, bereits eine Woche vor allen anderen; das hatte sich die Staatsregierung so ausbedungen wegen der Signalwirkung auf den Bund. Dort kriegt jetzt die FDP den Mitleidsbonus und echte Chancen auf Leihstimmen, damit Frau Merkel mit ihrer koketten Raute vor dem Unterleib nicht ganz allein dem Triumph der bayerischen Unionspartei ausgeliefert sei. Denn Seehofer wird nun im Überschwang seines fulminanten Sieges nicht etwa den Mittelfinger abspreizen, sondern mit fuchtelndem Zeigefinger seine „Maut für Ausländer“ in den Koalitionsvertrag heineinzubohren versuchen, auch wenn das europarechtlich noch so gar nicht geht. Sie werden sich schon irgendwie einigen (müssen). Horsti wird wieder sagen: „War doch nur Spaß“, doch die Kanzlerin wird einen Kropf im Hals bekommen wie eine allgäuerische Bergbäuerin, dass die Schlandkette zum Zerreißen spannt. Sie wird gequält lächeln diese letzte Woche ihres Steuselkuchen-Wahlkampfs, bevor ihre restlichen Mitbewerber endgültig abstinken. So haben es die Umfragen vorhergesagt, so stand es überall geschrieben, und so hat es der Wählerwille promtu erfüllet, als „self-foolfilling prophecy“ des demoskopischen Horrorskops sozusagen.

„Das Lächeln meiner Kanzlerin“ wird (wie in dem Lied von Konstantin Wecker) die letzten inhaltlichen Fragen überdecken, es geht nur noch um Sympathiepunkte, Befindlichkeiten und die Farben ihrer Jacketts. Wenn sie jeden Tag eine andere Farbe trägt, kann sie in allen Lagern noch was abfischen. Bei Braun (für die Piraten) könnte sich manche Stimme von rechts außen dazugesellen. So hat es ja Seehofer vorgemacht und an das Patriotische in den Patrioten appelliert im Bierzelt von Gillamoos. Hat funktioniert. Er hat überhaupt aus der Position des Igels heraus die Wettläufe der Hasen abgefangen. Wenn die Grünen ihren Veggie-Day propagiert haben, dann wurden sie breit lächelnd beschieden: Haben wir doch längst! Am Freitag wird in katholischen Gegenden seit jeher fleischlos gegessen, entweder Fisch oder Mehlspeisen. Nicht zu machen, auch noch am Donnerstag Tofu-Gerichte anbieten zu wollen! Im „Vorhof des Paradieses“ gibt und gab es bereits alles, was an Segensreichem vorzuschlagen gewesen sein könnte, außer einer Millionärssteuer vielleicht. Aber die wäre ja eher ein Fluch, weil dann doch niemand mehr ernsthaft reich werden wollte. Wo kämen wir denn da hin?!

DIE LINKE ist auch gar nicht drin im Landtag, und so lässt sich auch die nächsten fünf Jahre an der unteren Hälfte der Bevölkerung bequem vorbei regieren. Es darf alles so bleiben wie es ist, nur noch besser als bisher. Die öffentliche Daseinsvorsorge darf bald nach Haushaltslage gekürzt werden, steht jetzt (aller Wahrscheinlichkeit nach, das stellt sich zwei Tage nach der Wahl heraus) in der Verfassung. Was mal die fortschrittlichste aller Bundesländer war, wird jetzt umfrisiert auf neoliberal. Dazu braucht man keine FDP. Das war geschickt eingefädelt. Man sprach nicht viel davon, sondern legte dem Wähler und der Wählerin einfach einen zusätzlichen Stimmzettel in die Kabine für ein Votum zu einer Verfassungsänderung, die es in sich hat: Die Schuldenbremse. Hört sich zunächst gut an: Wer hat schon gern Schulden?! In der grausigen Wirklichkeit wird sie sich allerdings als Sozialbremse auswirken. Und das nun mit Verfassungsrang.

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