Michael Winkler: Revolution

amtstuhlerschienen bei Michael Winkler

Eines Tages, in Deutschland:

07:00 – Zusammentreten und konstituierende Sitzung der lokalen Revolutionskomitees

08:30 – Deutschlandweite Telephonkonferenz der Revolutionskomitees

09:00 – Ausrufung der Revolution

09:15 – Einsammeln unliebsamer Personen und Konterrevolutionäre, insbesondere Politiker, Richter, Staatsanwälte, Banker, leitende Beamte, Journalisten, Gender-, Integrations-, Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte

10:30 – Aushebung der Sammelgräber

12:00 – Zusammentreten der Volkstribunale, Anhörung unliebsamer Personen und Konterrevolutionäre, anschließend Hinrichtung und Überführung ins Sammelgrab

16:30 – Ausrufung des Deutschen Reiches und Proklamation des Deutschen Kaisers

17:00 – Kaiserkrönung

17:30 – Konstituierende Sitzung der kaiserlichen Regierung

20:00 – Regierungserklärung des Reichskanzlers im Fernsehen

20:30 – Festakt mit Auszeichnung verdienter Revolutionsführer

22:30 – Festliches Abschlußfeuerwerk

Ja, eine gut durchorganisierte Revolution ist eine saubere Sache. Wir rufen kurz in der Firma an, nehmen uns einen Tag frei, revoltieren und kommen am nächsten Tag ein bißchen verkatert von der Siegesfeier wieder zur Arbeit ins Büro, zufrieden und glücklich dank der neuen Regierung.

Ist doch alles wunderbar?

Ja, nur, leider, läuft es nicht so. Unter „Französische Revolution“ finden Sie den 14. Juli 1789, doch dieser eine Tag markiert nur den offenen Ausbruch einer Entwicklung, die lange vorher begonnen hat. Stabile Verhältnisse in Frankreich gab es nicht etwa bereits am 15. Juli 1789, sondern erst nach der endgültigen Niederlage Napoleon Bonapartes, 1815. Und selbst da kann man noch argumentieren, ob die Revolution da wirklich schon zu Ende war oder sich doch noch bis zur Ausrufung der Dritten Republik 1871 fortgesetzt hat.

Eine Revolution ist eine zeitliche Entwicklung. Nur selten ist sie mit einem Ereignis abgetan, bei dem ein gelangweilter General mit seiner Garnison den Präsidenten-Palast umstellt und eine neue Regierung ausruft. Der Präsident hat Anhänger, die ihrerseits die Revolutionäre angreifen, womöglich sind die Garnisonen der Nachbarstadt noch loyal, dann kommt es zu einem Bürgerkrieg.

Falls Sie sich in der obigen Zeittabelle über die Hinrichtungen ab 12:00 Uhr gewundert haben – die sind leider unumgänglich. Ein toter Präsident hat nur noch wenige Anhänger, und eine Rückkehr an die Macht ist ausgeschlossen. Bei der Auflösung des Ostblocks ist Rumänien diesen Weg gegangen und hatte nie wieder Probleme mit der alten Regierung. Den alten Machthaber gefangenzuhalten und ihn dreimal täglich zu verhöhnen, ist eine Praxis, die vor allem in Hollywood-Schundfilmen gezeigt wird und mit der Realität wenig zu tun hat.

Bei einer echten Revolution zeichnen sich Volkstribunale durch eine effiziente Verhandlungsführung aus: Name der Angeklagten – fürs Protokoll, auf dem Sammelgrab gibt es keine Namen – Beruf der Angeklagten – Amtsrichterin – das wird als Schuldeingeständnis und Hinrichtungsgrund eingetragen – Gegenstimmen? – Vermutlich keine – Todesurteil, Vollstreckung und Aufruf des nächsten Angeklagten. Wobei ein entfesselter Volkszorn sich sowohl die Verhandlung als auch den Transport zu einer Hinrichtungsstätte spart.

Eine Revolution läuft nur ganz selten unblutig ab, oft genug fließt das Blut in Strömen. Der französische Adel wurde derart reduziert, daß er als Machtfaktor für alle Zukunft ausgemerzt war, ebenso der russische Adel 1917. Allerdings neigt eine Revolution zu Übertreibungen und zu Verfolgungswahn; Robespierre und Stalin mögen hier als Beispiele genügen.

Eine Revolution bricht nicht deshalb aus, weil die Zustände im Land unerträglich geworden sind, eine Revolution bricht aus, wenn es eine Führung gibt, welche die Massen in eben dieser Revolution anführt. Deshalb versucht jeder Staat, eine revolutionäre Führung so gut es geht zu unterdrücken. In Rußland ist die Revolution ausgebrochen, als Lenin von der deutschen Militärführung ins Zarenreich eingeschleust worden ist. Die Regierung des Zaren hatte Wladimir Iljitsch Uljanow zuvor derart unter Druck gesetzt, daß dieser in die Schweiz fliehen mußte.

1918 gab es in Deutschland ein revolutionäres Potential und eine revolutionäre Führung, SPD, USPD und die Anfänge der Kommunisten. Der Munitionsarbeiterstreik im Februar war das Wetterleuchten, das im November zu den Matrosenaufständen geführt hat und in die zeitweise Ausrufung der Räterepubliken mündete. Wobei „Räte-Republik“ die deutsche Übersetzung von „Sowjet-Republik“ ist. 1945 gab es in Deutschland kein revolutionäres Potential, Stauffenberg war ein Putschversuch, keine vom Volk getragene Revolution. Die Kommunisten der späteren DDR-Führung sind erst mit der Sowjet-Armee in Deutschland angekommen.

Das Fehlen einer revolutionären Führung im heutigen Merkelstaat heißt jedoch nicht, daß die BRD vor einer Revolution sicher ist. Die unterdrückten Bauern haben 1525 in Thomas Müntzer und Florian Geyer Anführer gefunden. Aktueller ist die Situation bei den Grüninnen: Als die Bewegung sich zu einer Partei geformt hat, wurde sie schlagartig für Personen attraktiv, die zuvor mit den Ökopaxen gar nichts zu tun hatten. Die ursprüngliche Grüninnen-Führung wurde abserviert, an ihre Stelle traten der Schlägerbanden-Führer („Putzgruppe“) und Steinewerfer „Joschka“ Fischer, Altkommunisten wie Jürgen Trittin oder Winfried Kretschmann, oder verkrachte Existenzen wie Claudia Roth.

Es wird nicht so sittsam abgehen wie im obenstehenden Zeitplan. Die Damen und Herren Revolutionsführer treffen sich nicht im Wohnzimmer, um dann per Rundruf die Revolution abzusprechen, die Revolutionsführer stoßen spontan dazu und werden an die Spitze getragen.

Der Merkelstaat dreht die Schrauben immer härter an. Die lächerliche Holocaustjustiz und der idiotische Kampf gegen Rechts verhindern allerhöchstens das Zustandekommen einer „Bewegung“. Die BRD ist darauf ausgerichtet, einen neuen Hitler zu verhindern. Dabei wird übersehen, daß die Machtübernahme Hitlers vergleichsweise moderat erfolgte, wenn man die Zeit bis 1938 berücksichtigt. Die Sturmabteilung SA konnte zwar zuschlagen und Terror verbreiten, doch sie besaß Offiziere, die dem Treiben Einhalt geboten, sobald das beabsichtigte Ziel erreicht worden war. Diese Führung gibt es bei einer „spontanen“ Revolution nicht. Auf diese ist der Merkelstaat nicht vorbereitet.

Am 7. Oktober 1989 winkte Erich Honecker noch als strahlender Staatsratsvorsitzender auf der Tribüne dem paradierenden Volk zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR zu. Die Mauer würde es noch in 50 und in 100 Jahren geben, war damals die feste Überzeugung der DDR-Führung und ebenso der westlichen Regierungen. Am 9. November war Honecker abgesetzt und die Mauer offen – es kann so schnell gehen. Diese friedliche Revolution wurde aus dem Hintergrund von westlichen Geheimdiensten gesteuert, da wurde die Volksbewegung nur vorgetäuscht, der Ablauf an sich kann in seiner Geschwindigkeit jedoch durchaus als Beispiel angesehen werden.

Der Merkelstaat kämpft bereits ums Überleben, und die Oberen wissen das. Betrachten wir das enorme Aufgebot an Sicherheitskräften, das bei einem Staatsbesuch nötig ist, sehen wir, daß die „Demokraten“ der ganzen Welt gefährdet sind. Ohne Schutztruppe wagen sich keine Kanzlerin, kein Ministerpräsident, kein Minister in die Öffentlichkeit. Wer das Justizgebäude im provinziellen Würzburg betritt, erlebt intensivere Durchsuchungen als an jedem Flughafen. Das zeigt deutlich, wie unsicher und verängstigt die ach so selbstherrliche Justiz in Wirklichkeit ist. Trotzdem maßt sie sich noch immer an, „im Namen des Volkes“ zu urteilen.

Der Merkelstaat steht mit dem Rücken zur Wand. Die selbstauferlegten Verpflichtungen, für die „Zuwanderer“, für Europa, für Israel, als Söldnertruppen für den US-Imperator, erschöpfen die finanzielle Leistungskraft der BRD. Trotz der höchsten Steuerabpressung aller Zeiten muß diese Regierung weiterhin Schulden aufnehmen, also Hypotheken auf die Zukunft aufnehmen, um den Verpflichtungen nachzukommen. Die großmächtige Regierung ist eine hilflose Gefangene der Bankenwillkür, der Hochfinanz der Wall-Street. Gerade einmal ein Gregor Gysi hat den Mut, öffentlich zu sagen, daß das Besatzungsstatut noch immer gilt, die sonstigen Volldemokraten tun so, als wüßten sie von nichts.

Zur wichtigsten Überlebensstrategie eines Parasiten gehört, den eigenen Wirt nicht zu töten.

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4 Gedanken zu „Michael Winkler: Revolution

  1. Es gab eine Zeit, da hat man Hochverrätern eine Pistole auf dem Tisch gelegt und Sie wussten was zu tun war. Heute tragen DIE alle eine Pistole am Mann oder in der Handtasche und verweigern den Dienst am Volk, wie zuvor im Amt.
    Dies zur verantwortungsvollsten Handlung gegenüber dem gebeutelten Volk, als es noch Werte gab.
    Das führte aber zu Verlusten in den eigenen Reihen. Um das zu ändern, schuf man durch Mann oder Frau Polizeigesetze mit Knüppel und Spray, um die Verluste auf den mündigen Bürger (im Aufstand der Mob genannt) zu verteilen. Da sind 3% Verlust auf Millionen reproduktives Material leichter zu vertragen als 3% auf nichtvermehrbares geschlechtsgleich liebendes (aber verzichtbares) und mit Inzucht belastetes.

  2. Also ich weiß nicht. Am Anfang des Textes macht er mir Hoffnung, je weiter ich mich aber durchlese umso mehr schwindet diese Hoffnung oder wird mir am Ende total genommen. Es fängt mit C-Dur an und endet in Moll.

    Weitere Meinungen?

    1. @ garlic
      versteh Dich, am Anfang reisst es einen… Doch die moderate Handhabung des Neuanfangs ist der einzig gangbare Weg! Wir wollen der Welt doch kein Vorbild in Form einer Horde von entfesselten Wilden geben – auch wenn man den angesammelten Frust und viele Verkrustungen intuitiv durch „Ausrasten“ beseitigen will…

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