Mollath-Skandal: Martin Maske, ein Mann im Hintergrund

Gustl Mollath - Foto: ein-buch-lesen.de
Gustl Mollath
Foto: ein-buch-lesen.de

erschienen bei opablog

Für Gustl Mollath ist Martin Maske lange ein Niemand, höchstens ein dienstbarer Geist, Möbelträger oder so. Und auch für den außenstehenden Beobachter bleibt Maske etwas farblos. Ist er christlicher Aktivist? Ist er Rotarier, Lioner? Ist er CSU? Ist er aus einem Ort, einer Jejend? Keine Ahnung.

Sportler ist er. Und Banker. Doch Maske ist damals, 2002, nicht irgendein Banker. Er ist auf dem Weg nach oben, nach ganz oben. Und wer sich mit ihm verbindet, könnte frau denken, ist mit auf diesem Weg. Die Provinz (und sei es auch die mit dem Stinkreichtum Einiger, die bayrische) hat Maske schon hinter sich gelassen. Er ist in Berlin angekommen, genauer im Berliner Umland, nämlich am Seddiner See (nicht zu verwechseln mit dem Seddinsee im Südosten der Hauptstadt). Dort entwickelte sich seit 1991, man hatte “die zweite deutsche Diktatur” gerade begraben, endlich ein Projekt der highen Gesellschaft, ein großes Ding, das nicht nur der schönste, beste und herrlichste Golfplatz Deutschlands werden soll, sondern auch noch ein schönes, herrliches (und sicheres!) Wohnparadies für betuchte Zuzügler und auch noch (Aller guten Dinge sind drei.) ein erstklassiges Renditeobjekt für den Anleger. Sein Name ist “Golf- und Country Club Seddiner See”, kurz G&CCS AG. Mit 22.000 € Eintrittsgeld und 3.500 € Jahresbeitrag bist Du dabei. Auf der Webseite erfährt man, daß das Territorium fast so groß ist wie Monaco (!), durch und durch aber sowas von ökologisch und langjährig vom Präsidenten, dann Ehrenpräsidenten, Ferdinand Fürst von Bismarck geadelt wird. In diesem Projekt engagiert sich die HVB Immobilien AG und damit Martin Maske im Rahmen der Golfanlagen Errichtungs GmbH schon seit 1995, und Maske versichert noch im Oktober 2002, daß sie “genügend langen Atem” haben. (Off Topic: Es ist nicht uninteressant, sich den (dreifach preisgekrönten!) Webauftritt des G&CCS mal genauer anzusehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Investitionen wackelnde Banken betreiben, die später als systemrelevant vom nichtsahnenden Bürger gerettet werden.) Ende 2002 könnte Martin Maske sagen: “Ich bin ein Berliner!”, und auch Petra Mollath/Müller/Maskes Zukunft bei der feinen Bethmann-Bank scheint nichts im Wege zu stehen. Ja man/frau ist so sehr berlinisch, daß man/frau Gustl Mollath in Berlin-Tiergarten anzeigt (noch einmal anzeigt, nach bereits vorher in Nürnberg erfolgten Anzeigen, Vergl.: Chronik) ; denn der Gustl hat sich vor die ganze rosige Zukunft quer gelegt.

Martin Maske weiß von seiner Petra längst (mindestens seit langem im Jahr 2002) was die Stunde geschlagen hat. Ohne über die internen Gepflogenheiten des Paares zu spekulieren, bin ich doch überzeugt, daß Maske jetzt schon mehr weiß, als im künftigen Revisionsbericht stehen wird. Über eine gewisse Zeit (bis zum Abschluß der Revision) ist Maske vermutlich der bestinformierte Bankmanager. Seine Informationen betreffen drei Ebenen. Der Einfachheit halber unterscheide ich sie als Kriminalitätsebenen nach den Größenordnungen der Gewinnbeträge:

A – Petra Mollath-Ebene (also die beteiligten Bankmitarbeiter) – bis zu einstellige Millionenbeträge

B – Kunden-Ebene (Man könnte sie heute auch “Ebene der 19 Selbstanzeiger” nennen) – bis zu zweistellige Millionenbeträge. Namen aus dieser Ebene sind bisher kaum bekannt. Es gehören sicher auch politisch leichtgewichtige Leistungsträger dazu, Apotheker, Ärzte, Sparfüchse aller Art. Jedoch reihen sich auch einige Großkopfete ein. Namen, wie Diehl, Schwanhäußer, Dassler, werden manchmal genannt + eine unbekannte Person von öffentlicher Bedeutung. (Übrigens könnte über die Schiene Schelsky auch Siemens zumindest diffus beunruhigt gewesen sein. Sie konnten nicht ausschließen, daß über die Mollath-Aufdeckungen auch über ihre Geschäfte etwas bekannt wird. ) Dies leitet über zu Ebene

C – dreistellige Millionenbeträge oder/und erheblicher politischer Einfluß. Das ist die Ebene der Kriminalität der Bank selbst, die wenige Jahre später in die sog. Finanzkrise mündet mit den Milliarden-Verlusten und -Rettungspaketen. Versteht sich, auf dieser Ebene ist Landesvater Stoiber himself und seinesgleichen gefordert “das Schlimmste zu verhüten”.

All das, so meine Behauptung, überschaut Martin Maske Ende 2002 im Prinzip. Er ist persönlich wohl nicht in die Nebengeschäfte der A-Ebene verwickelt, seine Beziehung zu Petra Mollath ist möglicherweise zunächst nicht bekannt (wird aber später irgendwann offenkundig). Wieweit er direkt auf die höchste Führungsebenen der Bank einwirken kann, kann ich nicht einschätzen, indirekte Einflußmöglichkeiten wird er gehabt bzw. sich geschaffen haben. Aus alldem ergibt sich, daß seine Motivation, die Stimme des Verräters zum Schweigen zu bringen, mindestens so groß ist, wie die von Petra Mollath. Daraus schließe ich, daß er von vornherein in alle diesbezüglichen Aktivitäten eingebunden ist, mehr noch, sie aktiv mitentwickelt hat. Aus diesem Blickwinkel wären alle Ereignisse und Entwicklungen der Jahre 2003 bis 2006 noch einmal zu analysieren.

Bezeichnend ist z. B. solch winziges Detail, daß RA Woertge Mollaths Fax vom 4.8.2004, das später angeblich der Polizei die entscheidenden Fingerzeige zur Aufklärung der Reifenstechereien gibt, sogleich in Kopie an Maske schickt.

Martin Maske wurde, wie bekannt, 2003 Direktor der (oder in der) neu geschaffenen HRE. Wie mehr oder weniger ruhmvoll er in dieser Funktion gewirkt hat, ist mir nicht bekannt. Am 1. Juni 2008 steigt er jedenfalls als ehemaliger Bankmanager mit einigen Querelen in die Geschäftsführung des Sportvereins Post-SV ein und beginnt ein forsches Modernisierungsprogramm beim größten Sportverein Nürnbergs (und einem der größten Deutschlands). Seitdem strampelt und hampelt Maske erfolgreich zum Wohle der Jugend und des Sports, beglückwünscht vielleicht bald wieder Frau Verena Fili (Staatsanwältin) zu sportlichen Erfolgen im Tennis oder Frau Petra Maske zum Platz im Schafkopfturnier 2012 des Tennisclubs, zwar nur den 15. aber immerhin beste Dame.

Wie er in seinem Kopf damit umgeht, daß da ein Gustl Mollath Jahr um Jahr in der forensischen Psychiatrie weggeräumt verbleibt, ist mir ein Rätsel. Ich vermute, daß er die Diskussionen um den Mollath-Skandal verfolgt, daß ihm das etwas Zeit und Nerven kostet; mit steigender Tendenz.

Quelle: opablog

2 Gedanken zu „Mollath-Skandal: Martin Maske, ein Mann im Hintergrund

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