Hensel´s Sonntagsmatinée: um Deutschlands Freiheit

von H.-P. Schröder

 

Zu gewaltig, um es zu verstecken: Das Franz von Sickingen – Ulrich von Hutten-Denkmal in Bad Münster am Stein

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An die, die es angeht…. .

 

„Sehet da die große Scheune des Erdkreises, in welche zusammengeschleppt wird, was in allen Landen geraubt und genommen worden; in deren Mitte jener unersättliche Kornwurm sitzt, der ungeheure Haufen Frucht verschlingt, umgeben von seinen zahlreichen Mitfressern, die uns zuerst das Blut ausgesogen, dann das Fleisch abgenagt haben, jetzt aber an das Mark gekommen sind, uns die innersten Gebeine zerbrechen und alles was noch übrig ist, zermalmen. Werden da die Deutschen nicht zu den Waffen greifen? Nicht mit Feuer und Schwert anstürmen? Das sind die Plünderer unseres Vaterlandes, die vormals mit Gier, jetzt mit Frechheit und Wut, die weltherrschende Nation berauben, vom Blut und Schweiße des deutschen Volkes schwelgen, aus den Eingeweiden der Armen ihren Wanst füllen und ihre Wollust nähren. Ihnen geben wir Gold; sie halten auf unsere Kosten Pferde, Hunde, Maultiere und oh Schande! Lustdirnen und Lustknaben. Mit unserem Gelde pflegen sie ihre Bosheit, machen sich gute Tage, kleiden sich in Purpur, zäumen ihre Pferde und Maultiere mit Gold, bauen Paläste von lauter Marmor.“

Ulrich von Hutten, 1520*

Bad Münster Blick (2)

Bad Münster am Stein, ein Landstädtchen in reizender Landschaft

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Fiktives Stimmungsbild vor ernstem Hintergrund

 

Irgendwann in  einem  Ort an der Nahe, wo fünf Schilder aus vier Richtungen auf eine drittklassige Pizzeria hinweisen und wo die  50+ Passanten alle paar Meter durch Hinweistafeln in Kurhäuser, Richtung Salinen, zur Promenade, in Cafés, auf Tennisplätze und in`s Schwimmbad gelockt werden sollen und wo auf Schilderwänden Heidis Bettenparadies zwischen Schnitzelranch und der Pension Pfeiffer um die Gnade der Aufmerksamkeit Vorbeigehender ringt, hat die Stadtverwaltung jenes durchaus verdienstvollen Badeortes an der Nahe, in Komplizenschaft mit evangelikalen Kreisen, ein Schweigegelübde abgelegt.

Niemand soll erfahren, daß beide im Besitz eines kunstgeschichtlich bedeutenten, klassizistischen Denkmales des Historismus sind und niemand soll erfahren, daß dieses  Bronzedenkmal auf tonnenschwerem Steinsockel die beiden Humanisten, Reformatoren und Patrioten Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen in Überlebensgröße und in dramatisch-dynamischer Szene darstellt.

Die Anonymen haben das Schmuckstück im Wald vergraben, nicht direkt vergraben, sie haben es stehen lassen, irgendwo über dem Ort und unterhalb der Burg (heute Evangelische Akademie), von Wald umgeben, auf einem lichten, halbrunden Platz, nicht ungepflegt, aber konträr zu seiner Bedeutung und Ausstrahlung inmitten schlichter Unauffälligkeit, einzig durchbrochen von einigen dürren Worten auf einem blattgroßen Anzeiger. Und sie haben alle Hinweisschilder, die zu der Sehenswürdigkeit führen, entfernt. Aus Datenschutzgründen. Vermutlich.

Die ehemalige Herberge der Gerechtigkeit (2)

Die Ebernburg, der Stammsitz derer von Sickingen, genannt „Herberge der Gerechtigkeit“ oder das, was davon übrig ist. Hübsch aufgemacht, heute im Besitz der evangelischen Ebernburgstiftung

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Auf dem Stadtplan neben der Ortsausgangsstrasse, vom Schauplatz in Luftlinie gerade mal 300 bis 400 Meter entfernt, ist eine Art Halmahütchen eingezeichnet, das „Denkmal“ bedeuten soll.  Ein x-beliebiges Denkmal. Ohne ein erklärendes Wort daneben, kein Name, keine Textzeile, die auf die Art und die Bedeutung des Denkmals weist.

Denk`doch` mal. Um zu wissen, worum es sich bei diesem Denkmal handelt, muß man es bereits kennen. Das ist weder Zufall, noch Schlamperei, noch Geiz, das riecht nach Kalkül.

Heute, da Klitschenorte mit Klitschenpizzerias und Sommerrodelbahnen, mit „Festivals“ um zusammenphantasierte „historische“ Ereignisse und mit nichtsnutzigem Einerlei aus künstlichem Schnickschnack locken, versteckt die Gemeinde Bad Münster am Stein ihre Kronjuwelen im  Wald. Normal ist das nicht.

Dafür muß es Gründe geben. Denen gilt es nach zu spüren. Das machen wir kostenlos. Wir sind uns bewußt, daß es nur für Schwammiges und für  „gegen“, aus dem unseren Mitmenschen abgenommenen Säckel etwas gibt, aber wir sind nicht für Schwammiges, wir denken logisch mit Herz und wir sind nicht für „gegen“, sondern wir sind für dafür, dafür, dafür, für Aufbau, für Erhaltung, für Fortführung.

Deshalb begeben wir uns von Zeit zu Zeit an den Regietisch. Wir stellen uns Irrtümern. Wir benötigen keine schwarzen Kapuzen. Wir nehmen niemandem etwas ab, weder die Fingerabdrücke, noch Lippenbekenntnisse, noch Steuergroschen. Im Gegenteil, wir geben. Freigiebig. Wir haben nichts zu verbergen, wir können jedem und allem in das Gesicht schauen. Auch Franz von Sickingen, auch Ulrich von Hutten. Wir haben keine Berührungsängste.

Hutten, Sickingen Denkmal (2)

Ein Ort der Erquickung. – „Zieh` Sickingen, der Feind steht schon im Land.“

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So achtlos wie Bad Münster am Stein und die Evangelische Akademie mit ihrem Schatz umgehen, verdienen sie, daß man ihn ihnen wegnimmt. Man hatte der Ebernburgstiftung, bzw. der Evangelischen Akademie 300 Euro als Grundstock einer Kasse angeboten, um daraus die Anfertigung und Aufstellung von Wegweisern, die zu dem Platz hinaufführen, zu finanzieren. Um zu verhindern, daß das Geld zweckentfremdet wird, wurde zur Bedingung gemacht, daß zuerst verwaltungstechnische Schritte vom Leiter der Evangelischen Akademie, der Besatzerin des Denkmales, zu unternehmen sind, um Ernsthaftigkeit in der Sache zu beweisen.

HInweis (2)

Historientafel am Rondell, Sickingen-Hutten Denkmal in Bad Münster am Stein

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Das geschah Ende Juli 2012. Das Angebot wurde dankend zur Kenntnis genommen. Nach einigen Monaten und einigen gewechselten Emails war immer noch nichts Greifbares geschehen, bis dann nichts mehr kam. Wir wissen, daß „kaum einer mehr ein Ehrenamt will“, wie es Professor Bechtoldt von der Evangelischen Akademie ausdrückte und wir zollen ehrenamtlicher Tätigkeit höchsten Respekt. Aber wir sind in der Lage differenziert zu denken. Es ist ein Frage der Gewichtung. Zu oft fließt die Energie, ob ehrenamtlich oder unehrenamtlich, in Schnickschnack. Dabei ist der Schilderfall einfach zu lösen, spottbillig und ohne großen Aufwand. Falls man den Willen dazu hat. Ortsansässige  Handwerksbetriebe fertigen die Hinweisschilder ehrenamtlich an (Materialkosten 300 Euro?), solide, witterungsbeständige  Blechschilder, die Schrift deutlich abgesetzt und die Buchstaben groß genug, auch für ältere Herrschaften. Städtische Arbeiter gießen die Sockel, bringen die Trägerstangen an und sorgen für die Aufstellung an deutlich sichtbaren  Plätzen in der Umgebung (an der Abzweigung von der Hauptstrasse, am Aufgang zur Burg etc.).

Ausserdem ist es möglich, durch eine würzige Zwischenkollekte für das dem Herrn wohlgefällige Werk, von Ladenbesitzern, Supermarkt- und Saunabetreibern, Würstelbuden- und Pizzerienwirten, von den Pensionen und Pensionären, den Bäckereien und Lebensmittelgeschäften ein bescheidenes Sümmchen zu erhalten. Auch die Presse macht mit. Für das dem Herrn wohlgefällige Werk. Wer es nicht glaubt, sollte es versuchen. Ehrenamtlich.

Ich bin sicher, viele Orte in Deutschland würden sich darum bemühen, den beiden Großen eine würdige Heimat und ein würdiges Andenken zu schaffen, mit Vorträgen, Festveranstaltungen, Ewigem Licht, Blumen, Rezitationen, Historiendramen und Konzerten und Fackelzügen.

Fackelzüge, Fackelzüge, Volk, Volk, Fackelzüge, Fackelzüüüüüüüge, Nationale Einheit, Volk, Volk, Fackelzüge, Nationale Einheit.

Ach wie wohl das tut. FACKELZÜGE! Man kann es gar nicht oft genug hören. FACKELZÜÜÜÜGE! Übrigens ist der Feind immer noch derselbe, er nennt sich heute nur anders. Und das Angebot mit den 300 Euro, das gilt immer noch.

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Bettlektüre für Ausgeschlafene: Ulrich von Hutten, Um Deutschlands Freiheit, Eine Auswahl aus seinen Schriften, Nordland Verlag GmbH, Berlin 1943

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* Zitiert aus Rueb: Ulrich von Hutten 1488-1523, Amman Verlag, 1988, Seite 194-195

4 Gedanken zu „Hensel´s Sonntagsmatinée: um Deutschlands Freiheit

  1. Von der Ebernburg hat man eine gute Sicht, gegenüber der Rotenfels ist mit Sagen verbunden. Franz von Sickingen hatte die Burg mit Kanonentürmen befestigt wie auch den Nanstein über Landstuhl weiter südlich, wo er bei der Belagerung starb. Schön romantisch und ruhig ist es auf der Burg Rheingrafenstein über dem kleinen Fluß, und dann ist noch um die Biegung die Altenbaumburg. Die Pfalz ist so schön und vielfältig, wenn man von den besiedelten Gegenden und Straßen wegkommt.

  2. Die Mutter Franz von Sickingens stammte von der Hohenburg auf der elsässisch-pfälzischen Grenze gelegen auf hohem Berge gegenüber dem Maimont. Werke und Schriften Ulrich von Huttens via metapedia.

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