zur Frage der russischen Souveränität

jewgeni-fjodorowerschienen bei lupocattivo – Danke an André

Jewgenij Fedorow (Foto) ist russischer Politiker, Abgeordneter der Staatsduma der Russischen Föderation während vier Legislaturperioden (1993-1996, 2003-2011, 2011 bis heute), der Vorsitzende des Komitees für die Wirtschaftspolitik und das Unternehmertum der Staatsduma.

Mitglied des Zentralen Politrates der Partei “Einiges Russlands”Der Ordentliche Staatliche Berater der Russischen Föderation. 

Er ist unter anderem auch der Begründer der Bewegungen „Nationale Befreiungsbewegung“ und „Die Volksfront“, als auch einer der Gründer der Partei „Der nationale Kurs“. Er ist Veteran des Krieges in Afghanistan (1979-1989). Er ist außerdem Erfinder und hat mehr als 40 Patente auf seine Erfindungen.

Das Interview – absolut lesenswert:

Frage: In der Türkei passieren zurzeit sehr merkwürdige Dinge. In der Hauptstadt der Türkei unter dem Vorwand der Abholzung eines Parks kommt es zu ziemlich breiten Volksaufständen. In Russland konnten wir trotz der Vernichtungen von Parkanlagen und dem Aufbau stattdessen großer Einkaufszentren keine solchen Entwicklungen feststellen. In der Türkei passiert es aber. Was ist Ihre Einschätzung hierzu.

Fedorow: Nun, zuallererst haben die Parkanlagen damit natürlich nichts zu tun, zweitens schauen Sie doch auf die Reaktion der USA und ihrer europäischen Satelliten. Erdogan wurde sofort von allen Seiten angefahren, er würde zu hart mit den Protestierenden umgehen. Das ist doch das Vorgehen nach dem Standard-Drehbuchszenario, das auch ähnlich durchgeführt wurde: z.B. in der Ukraine; einige Versuche davon in Russland auf dem Bolotnaja-Platz (wörtlich „der Sumpfplatz“ – Anm. d. Übers.); in Pakistan, wo die Amerikaner damals ihren treuen Verbündeten Musharraf abgesetzt hatten, in dem sie ihn durch einen anderen „ihrer“ Präsidenten ausgetauscht hatten; in Ägypten, wo der Präsident doch auch ein Verbündeter der Amerikaner gewesen ist.

Sie (die Amerikaner) sind mit der Situation unzufrieden, nach der viele der Staaten, sogar ihre sprichwörtlichen Satelliten, Ihre Befehle nicht mehr auszuführen bereit sind. Also sind das die sogenannten Säuberungen in den eigenen Reihen.  Erdogan hat sich dem Befehl, Syrien anzugreifen, widersetzt gehabt, das ist soweit ganz klar. Er hatte das wegen der innerpolitischen Situation in der Türkei selbst getan. Deswegen sagten die Amerikaner darauf:

„OK, du gehörst zwar zu uns, bist also unser Verbündeter, unser Vasall, aber da du den Status eines Vasallen hast, ersetzen wir dich hiermit durch einen anderen Vasallen. Aus dem Grunde aber, da du nicht von selber gehen willst, helfen wir dir auf die Sprünge mit Hilfe einer Straßenrevolution.“

Das ist also ein ausgearbeiteter Mechanismus. Sie haben die Ausgaben für den Bau von Panzern und Raketen etwas verringert und gaben dieses Geld für die Manipulationen der politischen Prozesse in Russland, Türkei, Ägypten, Libyen, einigen europäischen Ländern, wo man ihre Spuren ebenfalls feststellen kann. Das Ganze ist also so eine Art von Terror, eine Art von Bestrafungsaktion.

Frage:  Für einen Machtwechsel?

Fedorow:  Sie brauchen keinen Machtwechsel. Die Türkei ist ja bereits ihr Vasall. Die Türkei möchte aber nicht zu einem fanatischen Vasallen mutieren, d.h. entgegen den eigenen innerpolitischen Interessen Syrien angreifen und somit die Existenz des eigenen Staates in Frage stellen. Deswegen möchten die Amerikaner Erdogan ersetzt haben, das ist schon mal ganz klar. Aus dieser Erwägung heraus hat man bereits einen Teil der Söldner aus Syrien nach Türkei überstellt und in entsprechenden Lagern untergebracht, um dadurch die Aufrührer, falls nötig, durch bewaffnete Kampfeinheiten zu verstärkten.

Erdogan hat nur zwei Auswege aus dieser Lage.

Erstens, die Verstärkung seiner Beziehungen zu Russland, dafür hat er nämlich den entsprechenden Draht zu Putin. Er muss also eine geopolitische Wahl vom historischen Konkurrenzcharakter treffen, damit es auch möglich würde, ihn unter den entsprechenden Schutz zu stellen.

Oder aber zweitens, sich wieder den Amerikanern zuwenden, ihnen zu Füßen fallen und ihnen dabei schwören, dass solches Benehmen seinerseits nicht wieder vorkommen werde, dass er also wieder gut und brav sei. Natürlich wird er dabei die von ihm in diesem Falle verlangten Personalumstellungen in seinem Kabinett, in den Ministerien durchführen müssen. Kurz und gut, er wird sich vollständig unterwerfen müssen.

Durch die zweite Möglichkeit würde seine Absetzung seitens der Amerikaner, in welcher Form auch immer, für ca. 1-2 Jahre aufzuschieben sein, denn die Amerikaner lassen keinen ihrer Agenten zu lange gewähren.

Frage: Agenten, die Ihnen einmal zu widersprechen die Frechheit hatten.

Fedorow: Ja, genau, die mit ihnen bereits früher in irgendeiner Weise in Konflikt geraten sind oder etwa ungehorsam wurden. Deswegen würde ich meinen, dass falls Erdogan sich als einen wahren Träger des türkisch-osmanischen Geistes versteht, er unbedingt ein Bündnis mit Russland eingehen muss, was schon immer das traditionelle Verfahren zum Schutz gegen die Aggression von außen gewesen ist.

Frage:  Aber die Türkei ist doch ein Mitglied der NATO.

Fedorow:  Na, und?

Frage:  Dann wird die Türkei doch nur noch stärker von allen Seiten beschossen werden.

Fedorow:  Die Türkei wird bereits verstärkt beschossen. Des Weiteren stellt sich nur die Frage, ob Erdogan diesen Beschuss als einen zur grundsätzlichen Vernichtung oder als eine leichte Bearbeitung mit der Knute zur Erzwingung des nötigen Verhaltens auffasst. Ich meine, das ist das erstere, also die gezielte Vernichtung, denn die geopolitischen Vorgänge zwingen die Amerikaner im Moment ihre ganze Macht und ihre ganze Kraft auf eine Karte zu setzen. Sie haben keine Zeit mehr irgendwelche Spielchen zu spielen. Ihnen bleibt in Bezug auf die anderen nur das folgende Vorgehen: bist du kein Vasall, so wirst du vernichtet, bist du ein schlechter Vasall, wirst du ebenso vernichtet – das ist also im Moment die Logik ihres Vorgehens.

Frage:  Warum hat Erdogan keine Folge geleistet? Hat er die momentane Schwäche der Amerikaner wahrgenommen?

Fedorow: Nein, es ist einfach so, dass er die Verantwortung für sein Land übernommen hat, sein Land hat eigene Interessen, diese Interessen wachsen und müssen entsprechend verfolgt werden. Die Türken haben ja auch wie Russland ihre eigene Nationalen Befreiungsbewegung in Bezug auf die Amerikaner, nur eines auf die Türken abgestimmten Typus.

Frage:  Ihrer Innenpolitik entsprechende?

Fedorow:  Ja, natürlich. Es gibt diese Befreiungsbewegungen in allen Ländern, z.B. auch in Deutschland, wir kriegen das doch mit. Erdogan, oder sagen wir, eine jede führende Persönlichkeit jedes beliebigen Landes, das den Status eines Vasallen hat (denn die Türkei hat ja nicht den Status einer Kolonie, sondern eines Vasallenstaates), möchte natürlich nicht diesen Status innehaben, spricht es aber direkt nicht aus. Deswegen wurde von den Amerikanern dieses System des schnellen Wechsels von Präsidenten installiert, damit die neuen Präsidenten es nicht schaffen, genügend an politischem Gewicht für sich und ihr Land zu gewinnen, um damit die Interessen der eigenen Nationen verfolgen und realisieren zu können. Auf Dauer wollen das natürlich zwar alle Staaten tun, denn kein Staat möchte, dass mit ihm auf diese Weise umgesprungen wird. Nur, die einen versuchen diesen Zustand zu ertragen, besonders die, die gerade erst zur Macht gekommen sind, die anderen aber weniger…

Deswegen fahren die Amerikaner diese Strategie, die da heißt, „verhaue die Eigenen, damit die Übrigen Angst vor dir haben“, d.h. dass sie einerseits die Disziplin bei ihren Vasallenländern zu erhalten, andererseits die Bestrafungsaktionen gegenüber den anderen Ländern durchzuführen suchen, um die Idee der Einpolwelt (des sogenannten Weltstaates – Anm. d. Übers.) durchzubringen und ferner die Interessen des amerikanischen Imperiums damit zu schützen.

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Ein Gedanke zu „zur Frage der russischen Souveränität

  1. Mag ja so sein, diese Schachzüge, aber zweifelhaft und wenig freundlich von den Russen ist für uns, daß sie Geschichtsforschung nicht fördern. Zur Zeit sieht es so aus, daß sie einen Riegel vorgeschoben haben. Gut, vielleicht nicht „Die Russen“, sondern ihre Anführer. Bei dem Interview stört auch wie „Die Amerikaner“ verwandt wird, denn diese sind schon lange komplett mit Werbung, Holliwud-Unterhaltung und Medien-Multikult zugekleistert, daß nur wenige bemerkt haben, daß, 100 Millionen Mexikaner u.a. eingefallen sind. Uns Deutschen bleibt wenigstens unsere Vergangenheit, die niemand nehmen kann, nur zuzudecken versuchen sie es.

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