Hensel´s Sonntagsmatinée: Heimat kennt keine Grenzen III

von H.-P. Schröder

 

Eifelwanderungen mit dem Grafen von R.
Teil III: Panoramen

 

Am nächsten Morgen sprach zum ersten Mal der Himmel zu uns. Es sollte an diesem Tag nicht sein letztes Wort sein. Der Himmel sagte, mit leicht belegter Stimme, denn es war ziemlich frisch, wie sich noch herausstellen sollte:

Aufbruch (2)

„Ihr seht wie blau ich bin, erhebt euch und begebt euch auf den Weg; heute ist ein guter Tag“

*

Dann steht der Sonnenschein plötzlich im Glashaus und treibt uns hinaus. Auf den Pilgerpfad. Zuerst am Rand des Venns entlang. Mit Ohrenschützern gen Monschau. Ein attributaler Blick zurück und voraus: Das Eifelland, – Burgenland, Felsenland, Land der Kreuze und Vulkane, Kirchenland und alles aus echt Natur. Bis auf das Plastik der „Windparks“, die sich ebenso schnell vorfressen, wie die Rapsmonokulturen. Windpark, Monokultur, Biodiesel.
Seltsam, Park, Kultur, Bio, – dabei ist das Gegenteil wahr. Wer nichts zu verbergen hat, der gebrauche das rechte Wort. Das rechte Wort lautet: Ödland. Windödland, Monoödland, Ödlanddiesel. Genug davon, hebet euch hinweg, ihr hemmenden Gedanken. Heute ist die Welt weltweit und bietet keinen Platz für Enge.

Kreuz im Venn (2)

Und schon taucht das erste Kreuz auf. Ein uralter Felsen mit Kreuz am Rande des Venns. Der Fels heißt Richelsley. Das berühmte, 6 Meter hohe Kreuz wurde 1890 zu Ehren von Stephan Horrichem errichtet, der im 30 jährigen Krieg als Prior des Klosters Reichenstein vielen Menschen in Not geholfen hat. Die kleine Andachtsnische mit Madonnenstatue erinnert an den Initiator, den Kaltherberger Pfarrer Joseph Arnoldy. Ein friedlicher Ort für Pilger und für diejenigen, die Pilger werden – wollen.

Wieviel Sterne (2)

„Sag` mir wieviel` Sternlein …. Wieviele?“

Eifelmond II (2)

Himmelsskulptur

Kunst auf der Erde (2)

Erdskulptur

Prärieland (2)

Prärieland

Kloster Reichenstein (2)

Das Kloster Reichenstein

*

Zwei Mal passieren wir Reichenstein. Erst beim zweiten Mal haben wir begriffen. Reichenstein wächst, es gesundet, wird wieder heil. Halb verfallen und lange Jahre als Hofgut genutzt, ersteht das alte Klosterleben in neuem Glanz, oder sollte man sagen, das neue Klosterleben in altem Glanz? Eine Klosterneugründung mag eine gewaltige organisatorische und finanzielle Aufgabe darstellen, die eines Tages abgeschlossen ist, wenn der letzte Balken eingefügt und der Schlußstein aufgesetzt wurde, aber das Kloster mit Leben zu füllen, die Fähigkeit Gebäude und Menschen aus der Profanität in die Spiritualität zu überführen, wird  darüber entscheiden, ob das Werk Bestand haben wird.

Stützen (2)

Die Voraussetzungen dafür sind günstig. Solide Gebäude auf geschichtsträchtigem Grund, ein  wunderschöner Platz in gesegneter Umgebung, 125 Hektar Grundbesitz, der Landwirtschaft und Viehzucht ermöglicht und eine Bruderschaft im Aufbruch, die den Regeln des Hl. Benedikt folgt.

Reichenstein war Kloster vom 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1802, als es im Zuge der Säkularisation in private Hände überging. Heute schließt sich ein Kreis und ein neuer Ansatz beginnt, wenn es gelingt, innere Zerwürfnisse und Widersprüche zu überwinden, ohne daß dabei erneut Wunden entstehen. Hätte man überhaupt mit Rom verhandeln dürfen? Sind die Spannungen, Bischof Williamson betreffend, nicht eine unerwünschte Folge der versuchten Annäherung an Rom? Verhandlungen, falls sie diese Bezeichnung verdienen, verlangen, eigene Positionen zu relativieren, um überhaupt erst als Verhandlungspartner infrage zu kommen. Kann diese Bereitschaft bestehen, oder bedeutet das nicht, die Gründe und Motive, die Erzbischof Lefebvre damals bewogen, seinen entschieden scheidenden Schritt zu wagen, zur Disposition zu stellen, falls, und das ist der alles entscheidene Drehpunkt, falls Rom seinerseits keine Bereitschaft erkennen lassen sollte, sich selbst zu reformieren?

Wobei es  nicht nur darum gehen kann, Traditionsformen einzuführen, wer glaubt dies sei die Lösung, irrt. Rom ist eine Behörde geworden, eine Behörde, die sich selbst gerade im Umbruch befindet. Wenn ein Papst sein Amt verlässt und der neue Papst ungewohnte Themen anspricht, sind das Symptome von Bewegung. Ob sie aus- und erlöst oder verebbt, wird sich zeigen.

Rom und die Piusbruderschaft müssen sich eigenen Widersprüchen und den Bewegungen unter der Decke stellen, um zu überleben. Machtpolitik und Kungeleien haben die Kirche über zwei Jahrtausende gerettet, aber um welchen Preis? Als Vermittler hat die Religion versagt, keine erfüllende Antwort wurde den Gläubigen gegeben, die die Gläubigen von dem Zwang  zu glauben, vom Befolgen, erlöst hätte.

Die Theologie wird keinen Ausweg weisen. Nie gelang es der Theologie, die Blößen zu verdecken, ohne irgendwann die Gewalt zu Hilfe zu rufen. Sich seiner eigenen Geschichte zu stellen, alles offenlegen, auch um den Preis, die Fassade einstürzen zu sehen, seine Sünden zu bekennen, zu bereuen, tätig zu bereuen und den Stall auszumisten, endlich, endlich auszumisten, das sind die unabdingbaren Voraussetzungen zur Bestandserhaltung.

Bestehen diese Fähigkeiten und die Bereitschaft sie anzuwenden nicht, wäre der Untergang vorprogrammiert, nicht nur der der Kirchen und der Piusbruderschaft, sondern aller Religion. Wollen wir das wirklich, wollen wir den Bestien und den Feinden der Menschheit das Feld überlassen? Wäre es nicht an der Zeit, das Rätsel unserer Existenz ernsthaft zu erforschen?

Bequemlichkeit ist zwar angenehm, tötet aber Körper und Geist. Wo bleibt die Lebendigkeit? Trotz ausgeprägter Liebe zur Form scheint sie mir derzeit eher in den Kreisen der Piusbruderschaft zu finden zu sein, als in den Kreisen der „Amtskirche“, sofern die Piusbruderschaft Kurs hält und die inneren Differenzen überwindet. Ein erster Schritt dazu, muß die Bereitschaft sein, den Bund, der vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe, als unauflöslich anzuerkennen. Nur so können die Fundamente gerettet werden. Zum Abschluß auf den lebendigen Weg ein lebendiges  Gebet:

„Du sollst nicht töten.“ Damit ich das Gebot befolgen kann, muß es mein Feind zuerst beherzigen, andernfalls bin ich tot.

Liebe Piusbruderschaft, wie verträgt sich die wiederholt zum Ausdruck gebrachte Akzeptanz der obersten Autorität des Papstes, samt der  Anerkennung des Unfehlbarkeitsdogmas, mit der Ablehnung der vom Papst getragenen Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils?

Lieber Gott, bitte antworte direkt, ohne den Umweg über die Theologie zu nehmen.

 

2 Gedanken zu „Hensel´s Sonntagsmatinée: Heimat kennt keine Grenzen III

  1. Sehr geehrter hmmm,

    meiner Meinung nach liegen sie vollkommen richtig: Oben hui, unten Spangdahlem+Frankfurt+Ramstein+Hahn.

    Um sicher zu gehen, bat ich Meister Sen um Rat.
    Er sagte, ohne hoch zu schauen: „Ansichtssache.“

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