Syrien: aus russischer Sicht

Orange - Kontrolle durch die Regierung Grün - Kontrolle durch die Rebellen Gelb - kurdische Autonomien Grün gestreift - FSA-alliierte Kurden Blau - okkupiertes Gebiet Rot - intensive Zusammenstöße
Orange – Kontrolle durch die Regierung
Grün – Kontrolle durch die Rebellen
Gelb – kurdische Autonomien
Grün gestreift – FSA-alliierte Kurden
Blau – okkupiertes Gebiet
Rot – intensive Zusammenstöße

 

von Fedot – Vielen Dank!

Hallo, ich habe vor kurzem ein Interview im russichen Radio gehört. Es geht um den Krieg in Syrien. Die Sendung war bei Echo-Moskau, einem pro-westlichen Radiosender, wo es aber viele unterschiedliche Meinungen gibt. Manchmal auch sehr radikale, was im Westen nicht vorstellbar ist.

Das Interview war mit dem bekannten russischen Journalisten Maxim Schewtschenko, der vor kurzen in Syrien war und wurde am 28.03.2013 produziert. Hier der Link dazu: http://echo.msk.ru/programs/personalno/1040336-echo/.

Vielleicht ist es für Sie interessant. Ich hatte etwas Zeit und konnte es übersetzen.

TF: Guten Tag. Das ist die Sendung „Eigene Meinung“. Ich heiße Tatjana Felgenhauer und bin froh, hier in unserem Studio den Journalisten Maxim Schevtschenko zu begrüßen. Guten Tag, Maxim Leonardovitsch!

MS: Guten Tag, Tatjana.

TF: Sie sind praktisch gerade aus Damaskus zurückgekehrt.

MS: Ja.

TF: Dann versuchen wir die Sendung „Eigene Meinung“ und „Mit eigenen Augen“ zu vereinen. Gerade hat Herr Lawrow, der Chef des russischen Aussenministeriums, nach dem Treffen der Länder der Arabischen Liga (LAL) seine Besorgnis ausgedrückt und er sieht jetzt keinen Ausweg mehr, wie  die UNO jetzt noch arbeiten soll, nach all den Beschlüssen der LAL. Es ist ein Fakt, dass die Ergebnisse des LAL-Treffens nur aussagen, dass die Organisation komplett auf eine friedliche Lösung verzichtet hat. In wieweit sind Sie mit dem Minister Lawrow einverstanden, da Sie die syrische Situation von innen kennen?

MS: Ich bin damit absolut einverstanden. Ich war nun eine ganze Woche in Damaskus. Ich war in der Delegation, die Alexander Andreewitsch Prohanow geleitet hat. Michail Leontjew war auch dabei, auch andere bekannte russische Journalisten und weitere einflussreiche Persönlichkeiten. In dieser Zeit haben wir uns mit Präsident Assad getroffen, der sich gar nicht versteckt, obwohl man die Informationen verbreitet, dass er mit der Familie irgendwo auf einem Schiff lebt. Seine Frau hat ihn nicht verlassen. Sie leben im Zentrum von Damaskus und praktisch ohne Bewachung.

TF: Frieden und Ruhe in der Familie von Bashar Assad…

MS: Ja, wir waren in seinem Haus, in seiner Residenz im Zentrum von Damaskus gewesen und nicht in der Residenz, die auf dem Berg liegt. Das ganze hat einen wunderbaren Eindrück gemacht, weil es eine große Stadt ist und im Zentrum das Leben weitergeht. Der große Markt funktioniert, Cafes sind geöffnet, Menschen gehen spazieren. Man muss aber nur 10 Minuten fahren, dann sieht man am Rande der Stadt Stalingrad. Stadtteile wie Deraja oder Jarmuk, Lager der palästinensischen Flüchtlinge und ein paar weiteren Orte – da gibt es schwere Kämpfe zwischen den Häusern, richtige Kämpfe mit Panzern. Man sitzt im Cafe, trinkt Kaffee und über dich hinweg fliegen Grad-Raketen. Die Menschen nehmen es nicht mehr wahr. Ich kann sagen, dass diese Kämpfe einen schweren Eindruck hinterlassen, weil ein schönes Land in einen gesetzlosen Bürgerkrieg ohne Auswege verwandelt wird. Ich habe das Gefühl, dass die Syrier auf beiden Frontseiten sehr müde vom Krieg sind. Dieser Krieg wird von Außen gelenkt und gesteuert. Von diesem Standpunkt ausgehend ist die Position der Liga der Arabischen Länder sehr interessant. Weil die meisten Gräueltaten auf dem Gebiet von Syrien von Leuten aus Jemen oder Saudi Arabien ausgeübt werden – und die haben niemals Christen oder Alawiten gesehen. Für die Syrer oder vielleicht für einen Tschetschenen, oder beispielsweise für einen Dagestaner ist es anders. Ja, leider gibt es da Söldner aus dem Kaukausus, die für die Opposition kämpfen. Es gibt materielle Beweise, dass es solche Leute gibt. Ja, wenn diese Leute wenigstens wissen, dass es Christen gibt. Die haben christliche Kirchen gesehen, die sprachen vorher mit Christen aus verschiedenen Regionen der Welt. Es gibt da aber Menschen, die kämpfen für den Jihad, die kennen keine anderen Menschen aus anderen Kulturen. Für solche Menschen sind alle nicht sunnitischen Muslime einfach Teufel und Ungeheuer, die man nur töten und vernichten muss. Die denken, dass man mit den anderen Menschen gar nicht reden darf. Gerade da gibt es die schlimmsten Gräueltaten. Das Ausmaß der Gräueltaten ist unbeschreibbar.

TF: Was meinen Sie zur Liga der Arabischen Staaten, zu den Menschen, die für das Unternehmen verantwortlich sind. Die scheinen ja den ganzen Konflikt zu regulieren. Haben Sie eine Vorstellung, mit was Sie da zu tun haben?

menschenrechte syrienMS: Ja, die haben eine klare Vorstellung. Sie haben eine sehr klare und zynische Vorstellung. Wir haben da einen sehr merkwürdigen Verein auf der Seite der Opposition. Ich konnte es mir gar nicht vorstellen, dass es so zu etwas kommen kann. In diesem Verein sind radikale Salafisten aus der Organisation Jhabhat an-Nusra, eine salafistische Organisation, die auf der Position eines salafistischen-sunnitischen Jihad und einer Revoluion steht. Und in diesem Verein gibt es auch Sodomiten aus Westeuropa. Der Aussenminister von Deutschland – so weit wir es wissen – lebt mit einem Mann zusammen. Und die Deutschen haben ihre Patriot-Raketen entlang der Grenze von Türkei und Syrien gestellt.

TF: Haben Sie irgendwelche Probleme mit Homosexuellen?

MS: Nein, ich habe da keine Probleme. Ich fixiere nur das, was ich sehe. Und ich sehe einen Verein zwischen radikalen Salafisten und den europäischen Sodomiten, Neo-Osmanisten (weil Erdogan und die Türkei eigene Interessen verfolgen). Türkei will das Osmanische Kalifat und Osmanische Imperium neu gründen. Nur das ganze soll jetzt neu und liberal sein und die Türkei sieht Syrien als ihre eigene Provinz, die sich unabhängig gemacht hat. Die wollen diese Provinz zurück haben, egal mit welchen Mitteln. Unabhängig davon, ob da eine national orientierte Marionetten-Regierung aufgestellt wird. Deshalb ist die Grenze zwischen der Türkei und Syrien, die 800 Kilometer lang ist, eine offene Grenze, über die ein unendlicher Fluss von Waffen, Munition und Militärberatern läuft. Und die USA haben Interesse am großen Spiel. Je mehr Kriege und chaotische Zustände es im nahen Osten gibt, desto einfacher und interessanter kann man regulieren: Ölpreise, Grenzen für zum Beispiel für den Kurdischen Staat oder irgendwelche neuen Arabischen Staaten. Von Seiten Saudi Arabiens und dem Katar sowie der Europäer gibt es großes Interesse, um den kurzesten Weg für Energieressourcen von Kuweit bis Tartus und von Latakia bis zur Mittelmeerküste zu bauen. Dann kann man Erdöl und Gas sehr schnell und einfach nach Europa transportieren. Es ist der billigste Transit-Weg, um die europäischen Märkte zu sättigen. Auch Israel hat da eigene Interessen. Bashar Assad und Syrien, das ist das letzte arabische Land, das offene und direkte Hilfe für die palästinensische Befreiungsbewegung geleistet hat. Auf dem Gebiet von Syrien habe ich Palästinenser getroffen, die gerade in der Volksarmee sind, die unter dem Kommando der demokratischen Front steht und eine Kampforganistaion ist. Das sind Organisationen die Israel, egal in welcher Form, nicht anerkennen. Nebenbei, im Vergleich dazu, die Hamas-Organisation ist schon sehr labil, die sind bereit Israel anzuerkennen, weil Katar es der Hamas-Organisation so sagt. Die Syrer haben die Palästinenser immer unterstützt. Assad (Vater und Sohn) haben immer die palästinensischen Organisationen unterstützt. Deshalb ist die Zerstörung des heutigen Syriens für Israel so wichtig. Damit kann Israel die Unterstützung der palästinensischen Verteidigungsbewegungen beenden. So hat sich alles zusammen geführt. Das ist ein Ball der Interessen.

TF: Ein ziemlich bunter Verein gegen einen alleinstehenden Bashar Assad. Oder doch nicht Alleinstehenden?

MS: Es geht nicht um Assad. Nicht nur um Assad.

TF: Sie meinen, es geht nicht um Assad?

MS: Es ist eine sehr komplexe Konstellation, die ich verstanden habe.

TF: Also hat die Sache etwas mit Assad zu tun oder nicht? Steht er alleine gegen diese Kampagne oder nicht?

syrienMS: Ich erzähle was passiert ist. Ich habe die ganze Reihenfolge verstanden, wie Syrien in diese Situation gekommen ist. Ich habe vorher diese Zusammensetzung der Außeninteressen beschrieben, die dazu führen sollen, dass Syrien sich verändert und Assad abgesetzt wird. Jeder in diesem sehr komplexen Verein hat eigene Interessen – bei den Jihadisten sind das die eigenen, bei Erdogan die anderen, und bei Katar und Saudi Arabien sind es die weiteren. Die haben alle ihre Gründe… Auch europäische Liberale und Sodomiten und Amerikaner haben ihre Interessen.

TF: Wieso erwähnen Sie immer diese Sodomiten? Das ist doch unmöglich.

MS: Ich weiß es nicht… Wenn sich ein Mensch so benimmt und sich und seine „Ehegattin“ vorstellt…

TF: Der ist da doch der einzige.

MS: Er ist aber ein Minister, ein Aussenminister. Verstehen Sie es. Er ist doch nicht irgendein Dichter oder Philosoph. Wir reden doch nicht über irgendeinen Jean Genet.

TF: In Ordnung. Die europäischen liberalen Sodomiten haben Sie aufgeregt. Wir sollen weiter über die innere Situation besprechen.

MS: Hören Sie, ich habe nichts gegen ihn. In diesem Fall ist es mir egal, wer er ist. Ich konstatiere einfach diesen Fakt, dass es ein wilder Verein aus radikalen Fundamentalisten und …

TF: Die Welt ist tolerant.

MS: Die Welt ist tolerant. Die Welt, wo die versuchen jemanden zu stürzen…

TF: Die Menschen verstehen sich.

MS: Die Welt, wo sie einen stürzen, den sie stürzen wollen. In dieser Weltordnung, wo alle tolerant sind, gibt ganz wilde Vereinigungen.

TF: Gab es innenpolitische Voraussetzungen?

siria 32MS: Innere Voraussetzungen. Wie hat alles angefangen? Ich erinnere mich, vor 6-7 Jahren, als ich in Damaskus war, habe ich mich mit dem damaligen Vice-Premier Dardari getroffen. Das war ein Liberaler mit einer feinen goldenen Brille. Der erzählte mir so arrogant, dass das alte Syrien mit allen sozialen Orientierungen nicht mehr notwendig ist. Wenn ausländische Investitionen und fremdes Geld kommen, werden neue Finanzinstitutionen gegründet. Ich habe damals schon einen Artikel geschrieben, dass dieser syrische Gajdar (russischer Politiker als der Jelzin Zeit) Syrien zu nichts Gutem führt. So ist es auch passiert. Fast 60-70% der Bevölkerung sind Dorfbewohner. Syrien hat sich selbst 100%-ig mit eigenen Lebensmitteln versorgt. In Syrien gab es keine Import von Lebensmitteln. Kein Fleisch und kein Gemüse aus dem Ausland. In der Wirklichkeit unterstützte Syrien finanziell diese Landwirtschaft. Als diese liberale Revolution angefangen hat, wurden auch liberale Institutionen gegründet (sehr ähnlich wie in Russland in den Jahren 1992-92). Damit wurde auch die Landwirtschaft nicht mehr rentabel. Sie wurde schlagartig verarmt, weil es einem Spekulanten viel mehr Profit brachte, die Lebensmittel im Ausland zu kaufen. Es war einfacher die Tomaten in der Türkei zu kaufen (oder wie wie bei uns damals Tomaten und Gurken in Israel), als die eigene Landwirtschaft zu fördern. An dieser Sache ist nur der Staat interessiert. Assad initierte diese liberalen Reformen. Die meisten Dorfbewohner sind Sunniten. Dagegen werden die Städte zumeist von den Christen, Alawiten, Sunniten (die für die Baas-Partei sind) und staatlicher Intelligenz bewohnt. Traditionell sind die Städte im Osten Syriens besonders Handelszentren. Diese Städte sind unabhängig. In jeder Stadt gibt es einem riesigen Markt, Cafe-ketten und so weiter. Die Städte wurden schnell reich dank diesem Fluss des Geldes. Dafür wurden die Dörfer augenblicklich verarmt. Syrien kannte keinen Hunger und hat in letzten Jahren erfahren, was das ist. Es gab eine Konfrontation zwischen der Stadt und dem Dorf – das ist die objektive Realität. In dieser Situation war es sehr einfach, die Dorfbewohner zu radikalisieren. Es ist sehr einfach ein Dorf zu radikalisieren. Man gibt einfach 500 Dollar. Für einen Emmir aus Katar oder einen Scheich aus Saudi Arabien ist es kein großes Geld. Er gibt das Geld einem Kämpfer. Und für einen syrischen Bauern ist es viel Geld heute. Das ist fast ein Jahreseinkommen. In Syrien haben wir einen Krieg, der Folge einer liberalen Reform ist. Zuerst wurde die Regierung geschwächt. Es wurden die Beziehungen zwischen dem Volk und der Regierung geschwächt. Die große Zahl der Bevölkerung wurde verarmt und so wurden die Menschen für die Terroristen sehr einfach verfügbar. So etwas beobachte ich gerade in Kaukausus und das gleiche sehe ich in Russland.

TF: erklären Sie mir dann…

MS: Warten Sie bitte. Ich möchte meine Gedanken zu Ende führen. Entschuldigung. Das ist das erste. Assad hat dann versucht, das Ganze rückgängig zu machen. So bekam er auf einmal 2 Fronten gegen sich. Auf einer Seite waren es die unzufriedenen sunnitischen Bauern und Dorfbewohner, die gegen seine Politik waren. Auf der anderen Seite waren es die Liberalen und Mittelschicht aus der Stadt, die schon abhängig vom leicht verdienten Geld waren. Es war eine neue Art der Wirtschaft, die mit der realen Arbeit nichts mehr Gemeinsames hatte. Es ging nur darum, etwas zu verdienen und nicht darum, etwas zu produzieren. Keine richtige Realwirtschaft. Heute hat die Arbeit eines Bauern, Lehrers oder zum Beispiel Fahrers gar keine Bedeutung mehr. Sie ist selbstverständlich, egal wie viel man arbeitet, man verdient dabei nur die Erdnüsse. Ein Angestellter von irgendeinem Fond oder einer Investment-Bank in der Stadt kann aber sehr schnell zu einem reichen Mann oder gar Millionär werden. Ich kann mich gut erinnern, dass Damaskus vor 5 Jahren mit vielen Amerikanern überflutet war. Das waren sogenannte Aktenkoffer-Investoren. Es gab Unmengen davon. Man bekam keine Möglichkeit mehr, ein Zimmer im Sheraton oder im Mariott zu buchen. Die waren voll von Amerikanern. Die heutigen Problemen sind die Folge dieser verbrecherischen Politik, die vom Präsidenten und seinem Vize-Premier Dardari durchgeführt wurde. Dardari ist dann abgehauen und jetzt Leiter der UNO-Mission im Nahen Osten. Klar, jetzt ist er dagegen.

TF: Dann erkären Sie mir bitte, was mit dem Präsidenten ist? Das heißt, dass nicht nur…

MS: Wir haben ihn auch getroffen.

TF: Ja, als erstes ist es sehr interessant in welchem Zustand und Verfassung er ist und welche Pläne er jetzt hat.

assadMS: Physisch und körperlich ist er in einer sehr guten Form, in ausgezeichneter Verfassung. Man sieht aber, dass er sehr müde ist. Leider darf ich nicht alle Einzelheiten unseres Treffens erzählen, weil das Treffen „off the records“ war. Ohne Aufnahmen. Es war kein richtiges Interview. Ich kann aber das Gesamtbild beschreiben, ohne dabei jedes einzelne Wort von ihm zu zitieren. Seine Einschätzungen von dem was passiert. Er hat auf viele versteckte und sensible Fragen geantwortet. Deshalb werde ich mich in meinen Antworten auf seine Meinung und seine Position beziehen.

TS: Möchte er zurücktreten?

MS: Nein, er will nicht zurücktreten, weil auf seiner Seite nicht nur Alawiten und nicht nur die Baas-Partei ist. Dieser Krieg hat inzwischen alle politischen Rahmen gesprengt. Ich sprach auch mit den Offizieren der Republikanischen Brigade, die in den Kämpfen bei Deraja war. Da sind schwerste Kämpfe am Rande von Damaskus. Deraja ist das ein großer sunnitischer Stadtteil von Damaskus. Ich habe hier auch Fotos, die von Nadja Kevorkova gemacht wurden. Sie war da zusammen mit Russia Today. Es sieht wie Stalingrad aus. Das sind komplett ausgebrannte Häuser. Jedes Haus wurde gestürmt, in den Seitengängen zwischen den Häusern versteckten sich Scharfschützen mit Granatenwerfern. Überall zerstörte und ausgebrannte Panzer. Da sind sehr große Verluste nicht nur auf der Seite der Opposition, sondern auch auf der Seite der Armee. Präsident… Ich habe mit Offizieren gesprochen. Sie haben mich umkreist. Einer war sunnitischer Muslim aus Deraja, der betet, ein Gläubiger, der 5mal am Tag Salat (Gebet) macht, aber keiner von den Salafiten und keiner von den Ihvanen. Ein christlicher junger Mann war dabei. Alexandr Andreevitsch hat sein orthodoxes Kreuz mit ihm ausgetauscht. Dabei waren auch ein orthodoxer Maronit, ein Druse, 2 Alawiten und ein Sunnit. Das ist eine internationale Armee. Auf der Seite von Assad ist faktisch nicht die Baas-Partei (wie man es uns erzählt), sondern das ganze Syrien, wie wir das Land kennen. Man kann auf der Straße ein Mädchen oder eine Frau sehen, die voll in einem Tschador verkleidet ist. Da bleiben nur die Augen sichtbar. Und diese Frau geht zusammen einer anderen Frau, die einem Mini-Rock angezogen hat, geschminkt und mit offenen Haaren. Die sprechen ganz friedlich miteinander und keine hat irgendwelche Problemen miteinander.

TF: Wen sieht Bashar Assad als seine Verbündeten und Freunde?

syria frauMS: Russland ist heute der wichtigste Verbündeter von Bashar. Ich kann sagen, dass die Einstellung von Russland (das haben alle in Syrien gesagt, die wir getroffen haben: Offizielle Leute, alle Offiziere, alle Soldaten und ganz normale Menschen von der Straße) das einzige ist, was die NATO von einem Luftangriff zurückhält. Und wenn es diesen Angriff der NATO nicht geben wird, dann wird Syrien nicht verlieren. Wenn die Luftwaffen der Nordatlantischen Allianz in den Konflikt eingreift, dann habe ich Angst, dass die Opposition die Übermacht über die syrische Armee bekommt. Da spielt es dann kaum eine Rolle, dass Syrien unsere Panzir-Raketenstationen in Stellung hat. Dann kann Syrien sich nicht mehr verteidigen. Dazu noch Israel, das manchmal Lügen verbreitet, dass Assad bequemer für Israel wäre  – und trotzdem verübt das Land Luftangriffe gegen syrische Territorien. Speziell habe ich eine Information mit großem Interesse wahrgenommen, ich habe sie von 3 verschiedenen Quellen bekommen – von der Regierung, von den Palästinensern und von der liberalen Oppostion. Während einer der Kämpfe auf den Golanhöhen waren 7 verletzte Rebellen auf die Seite von Israel gekommen. Sie wurden aufgenommen, geheilt und zurück zum Kämpfen abtransportiert. Auf der Seite der Opposition findet man israeische Waffen, dabei auch richtig markierte Waffen, wo zu lesen steht, dass die Waffen in Israel produziert wurden. Selbstverständlich erzählt man, dass man die Waffen in der Türkei und über Jordanien kaufen kann. Nicht desto trotz gibt es das alles an Ort und Stelle. Das Gesamtinteresse ist klar zu erkennen, dass man von Außen den ganzen zivilisierten Kontext von Syrien ändern will. Syrien war ein Land, wo es unendliche Toleranz gegenüber verschiedenen Religionen gab. Dort existierte eine große und alte Tradition vom Zusammenleben verschiedener Konfessionen. Was kommt danach? Jetzt verliert die Regierung, der Islam wird verlieren, das Christentum wird verlieren und alle anderen auch. Als wir da waren, wurde ein großer Imam in einer Moschee durch eine Explosion getötet. Wir waren gerade in Damaskus. Die erste Reaktion, die ich in den sozialen Netzwerken gelesen habe (von den sogenannten Salafiten) war: „Gut so“, „das hat er verdient“, „Er soll in der Hölle brennen“, „ich freue mich“. Erst danach, nach 2-3 Stunden sind sie aufgewacht und haben angefangen zu schreiben, dass Assad ihn getötet hätte. Aber es war eine Explosion von einem Selbstmörder in der Moschee. Dieser Imam war gegen Salafismus und gegen Sufismus. In Saudi Arabien wurde extra eine religiose Schule gegründet, um mit ihm zu polemisieren. Dann haben sie sich doch entschieden ihn lieber zu töten, als mit ihm zu diskutieren. Einfach getötet. Diese unmenschlichen und grausumen Terrorangriffe sind von dieser schrecklichen Koalition inspiriert. Syrien ist in eine Arena der grausamen ethnischen Kriege umgewandelt. Der Krieg läuft schon nach dem gleichen Szenario wie in Libanon. Im ersten Jahr hat die Armee große Verlüste gehabt. Genauso wie unsere Armee damals in Grozny, es gab auch bei uns diese Panzerkolonnen.

TF: Also, Assad bleibt nicht mehr lange Zeit an der Macht? So wie Sie es hier beschreiben.

Terroristen der FSA um ihren Mörser posierend - Bild: politaia
Terroristen der FSA um ihren Mörser posierend – Bild: politaia

MS: Nein, ich kann nur sagen, dass der Krieg schon seit 2 Jahren läuft. 50% der Bevölkerung sind für Assad und 50% sind gegen ihn. In der ersten Zeit hat die Armee Panzerkolonnen in Städte geschickt. Die Panzer wurden geschlagen und verbrannt, weil die Armee nicht bereit dafür war, gegen professionelle Rebellen zu kämpfen. Diese Rebellen haben ihr Handwerk in Afganistan, Tschetschenien, Libyen und in anderen Kriegsregionen gelernt. Zu diesme Zeitpunkt ist ein Teil der Armee desertiert und zur Opposition übergelaufen (zumeist Generäle, die Sunniten waren). Die Armee aber, die jetzt übrig geblieben ist, ist ein ganz andere als zu Anfang. Die Armee war ursprünglich nur darauf vorbereitet, um gegen Panzerattacken oder Flugzeugangriffe aus Israel zu kämpfen. Doch jetzt hat sich die Armee in 2 Jahren darauf eingestellt, in einem Partisanenkrieg, einem Kampf im Inneren einer Stadt, von einem Haus zum anderen, von einer Straße zur anderen zu kämpfen. Sie kann sich jetzt ziemlich erfolgreich gegen die professionellen Rebellenbrigaden von der anderen Seite behaupten. Ich denke, dass die Syrer früher oder später darauf kommen, dass sie das Problem ohne Gespräche nicht lösen werden können. Inzwischen ist es nur der Druck von Außen, der die Seiten gegeneinader kämpfen lässt. Schauen Sie, dieser Mord an dem Imam in Damaskus (er hieß Al-Burre, so weit ich mich erinnern kann)… Schauen Sie… Ich denke, dass dieser Mord das Haupt der Opposition Al-Khatab zum Rücktritt bewegt hat.

TF: Können Sie in 10 Sekunden erklären, wer diesen Druck von Außen neutralisieren kann? Was meinen Sie?

MS: Die Position von Russland. Wenn die Position von Russland bleibt so wie sie ist, dass die Lösung der Probleme im Inneren des Landes liegt und wenn wir standhaft bleiben und jeden militärischen Angriff von Außen (egal in welcher Form) gegen Syrien behindern. Dann wird dieser Konflikt früher oder später erlöschen. Sie beenden es selbst. Ich denke innerhalb von einem Jahr, maximal in 2 Jahren, wird dieser Bürgerkrieg zu Ende sein.

TF: Jetzt gehen wir in die Pause und danach reden wir über die anderen Themen.

6 Gedanken zu „Syrien: aus russischer Sicht

  1. Sehr interessantes Interview!Hoffentlich bleibt Rußland hier wirklich standhaft!? Ohne Putin wäre Syrien schon an die Emire verkauft worden,da bin ich mir sicher!Dann wären aus amerikanischen Aktenkoffern eben russische geworden.Allerdings ist Tartus der zwingende Aspekt für die Russen,in Syrien zu bleiben,vor allem nach dem von den NWO-Haien veranlaßten Finanzdesaster in Zypern…

    ALzD

  2. Die Dame kennt sich aus. Sie weiß, dass die BRD einen sodomitischen Außenminister hat. Sodomie ist die alte Bezeichnung für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Bestialität ist die Bezeichnung für Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

    Aber heute sagt man zur Pornographie ja auch Erotikkunst…

  3. Zur Erinnerung, und weil „Linke“ Kriegsprotest ja nicht einmal mehr zu Protokoll geben.

    Die Linke verteidigt ihre Unterstützung für Syrienkrieg
    Von Johannes Stern
    15. Januar 2013

    Zwei Wochen, nachdem führende Vertreter der Partei Die Linke eine Erklärung unterzeichnet hatten, die sich für eine Intervention in Syrien einsetzt, bekräftigte Tom Strohschneider, der Chefredakteur ihrer Zeitung Neues Deutschland, die Unterstützung der Linkspartei für den Krieg gegen Syrien.

    Strohschneiders Artikel trägt den Titel “Wir müssen reden: zur Debatte um den Syrien-Aufruf ‚Freiheit braucht Beistand’“. Er beginnt ihn mit einem Loblied auf die syrische Opposition, die er als progressive Bewegung bezeichnet, die unterstützt werden müsse. …

    http://www.wsws.org/de/articles/2013/01/link-j15.html

    —–

    12. Januar 2012 Wirbel um Syrien-Aufruf mehrerer Linken-Abgeordneter „An der Seite des Mörders Assad“

    Mehrere Linken-Abgeordnete haben einen Online-Anruf unterzeichnet: Die Sanktionen gegen Syrien müssten sofort beendet werden. USA und Nato bereiteten in der Region einen Krieg vor. Die Antwort aus dem Auswärtigen Amt folgt prompt: Die Unterzeichner stünden „an der Seite des Mörders Assad“. …

    http://www.sueddeutsche.de/politik/wirbel-um-syrien-aufruf-mehrerer-linken-abgeordneter-an-der-seite-des-moerders-assad-1.1255921

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    Aktuell: Pseudo-Linke unterstützen Waffenlieferungen an Terroristen

  4. 40 Jahre alt scheint es doch wie ein Kommentar zu Syrien: Pink Floyd „Dogs of war“:

    Dogs of war and men of hate

    With no cause, we don’t discriminate

    Discovery is to be disowned
    
Our currency is flesh and bone



    Hell opened up and put on sale

    Gather ‚round and haggle
    
For hard cash, we will lie and deceive

    Even our masters don’t know the webs we weave



    One world, it’s a battleground

    One world, and we will smash it down

    One world … One world



    Invisible transfers, long distance calls
    
Hollow laughter in marble halls

    Steps have been taken, a silent uproar

    Has unleashed the dogs of war



    You can’t stop what has begun

    Signed, sealed, they deliver oblivion

    We all have a dark side, to say the least

    And dealing in death is the nature of the beast
    


    One world, it’s a battleground

    One world, and we will smash it down

    One world … One world


    (One world)
(One world)



    The dogs of war don’t negotiate

    The dogs of war won’t capitulate
    
They will take and you will give

    And you must die so that they may live
    


    You can knock at any door
    
But wherever you go, you know they’ve been there before

    Well winners can lose and things can get strained

    But whatever you change, you know the dogs remain
    


    One world, it’s a battleground

    One world, and we will smash it down

    One world … One world

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