Spanien: back to Franco – Escrache

Himmler bei Franco 1940 - Bild: Bundesarchiv
Himmler bei Franco 1940 – Bild: Bundesarchiv

erschienen bei uhupardo

Die politische Realität in Spanien ist inzwischen derartig pervertiert, dass es nicht einfach ist, es Lesern in anderen Ländern verständlich darzustellen. Doch dies ist wahrscheinlich das aktuell beste Beispiel. Die Madrider Regierung hat eine neue Gefahr für die Demokratie ausgemacht! Sie nennt sich “Escrache”: Dieses Wort ist schwierig zu übersetzen und meint so etwas wie “öffentliche Anprangerung”. Mariano Rajoy rückt diejenigen, die Abgeordneten auf der Strasse ihre Meinung mitteilen, ausdrücklich in die Nähe des Terrorismus und ordnet Polizeigewalt an.

Als die Plattform für Hypotheken-Geschädigte (PAH) vor zwei Monaten ankündigte, man werde sich die Gesichter derjenigen Abgeordneten merken, die 1,5 Millionen Unterschriften ignorieren, wurde das von der konservativen Regierung als “nicht tolerierbare Drohung” bezeichnet. Gemeint war: Wer das Volksbegehren nach einer Reform der Zwangsräumungsbestimmungen nicht unterstützt, sollte damit rechnen, dass man ihn öffentlich anprangert. So geschah es dann auch, mit ausnahmslos friedlichen Mitteln wohlgemerkt.


Ganz anschauen! Gewalt und Festnahmen bei Zwangsräumung 5. April in Madrid.

“Escrache” ist es nur, weil es bisher noch Wenige sind, die sich auf solche Art äussern. Wären es mehr, hätten wir schon den Aufschrei der Revolution, die es mittelfristig sowieso brauchen wird. Natürlich ist die Ansage “Ich merke mir dein Gesicht und weiss, wo du wohnst” nicht gerade eine Liebeserklärung, doch angesichts der Situation in Spanien ist Escrache geradezu eine Verharmlosung des überfälligen Protests, der sich bisher darauf beschränkt, dass die Erniedrigten in der Krise ihrem Volksvertreter lautstark vernehmlich ihre Meinung mitteilen. Dabei muss es nicht bleiben, wenn die Regierung auf ihrem Lösungsweg “Back to Franco” besteht.

Überall im Land finden derzeit beinahe täglich Escraches statt – auch heute im Baskenland. Mariano Rajoy sollte solche Aktionen besser als das begreifen, was sie in Wirklichkeit sind: Die Ruhe vor dem Sturm!

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