Irakkrieg: mein letzter Brief

erschienen bei 20min.ch

Thomas Young wurde im Irakkrieg schwer verwundet. Jetzt liegt der Friedensaktivist im Sterben und schreibt einen letzten Brief an George W. Bush – eine schonungslose Abrechnung.

storybildThomas Young in der Sterbeklinik (Bild: Claudia Cuellar).

An: George W. Bush und Dick Cheney
Von: Thomas Young

Ich schreibe diesen Brief am 10. Jahrestag des Irakkriegs und im Namen meiner Kameraden. Ich schreibe diesen Brief im Namen der 4488 Soldaten, die im Irak fielen. Ich schreibe diesen Brief im Namen der Hunderttausenden verwundeter Veteranen und im Namen jener, denen seelische und körperliche Wunden das eigene Leben zerstört haben. Ich bin einer von denen, die schwer verwundet wurden. Ich bin querschnittgelähmt, seit ich 2004 in Sadr City in einen Hinterhalt geriet. Mein Leben neigt sich dem Ende zu. Ich befinde mich in einer Sterbeklinik.

Ich schreibe diesen Brief im Namen der Männer und Frauen, die ihren Ehepartner verloren haben, im Namen von Kindern, die einen Elternteil verloren haben, im Namen von Vätern und Müttern, die Söhne und Töchter verloren haben und im Namen jener, die meine Tausenden Kameraden mit Hirnverletzungen pflegen. Ich schreibe diesen Brief im Namen jener Veteranen, deren Trauma und Ekel über das, was sie im Irak gesehen, ertragen und selbst gemacht haben, sie in den Selbstmord getrieben haben und im Namen jener Soldaten, von denen im Schnitt jeden Tag einer Selbstmord begeht. Ich schreibe diesen Brief im Namen der rund einen Million toten Iraker und der zahllosen irakischen Verwundeten. Ich schreibe diesen Brief in unser aller Namen – dieser menschlichen Trümmerlandschaft, die Ihr Krieg zurückgelassen hat. Im Namen jener, die den Rest ihres Lebens mit endlosem Schmerz und Kummer verbringen werden.

Ich schreibe diesen Brief, meinen letzten Brief, an Sie, Herr Bush und Herr Cheney. Ich schreibe nicht, weil ich glaube, dass Sie die schrecklichen menschlichen und moralischen Konsequenzen Ihrer Lügen, Täuschungen und Ihres Macht- und Geldhungers begreifen. Ich schreibe diesen Brief, bevor ich selbst sterbe, weil ich Ihnen klarmachen will, dass ich und Hunderttausende meiner Kameraden und Millionen meiner Mitbürger und Hunderte Millionen im Irak und Nahen Osten begriffen haben, wer Sie sind und was Sie gemacht haben. Sie mögen sich dem Zugriff der Justiz entziehen, aber in unseren Augen haben Sie sich ungeheuerlicher Kriegsverbrechen, Plünderungen und des Mordes schuldig gemacht, einschliesslich des Mordes an Tausenden jungen Amerikanern – meinen ehemaligen Kameraden –, die Sie ihrer Zukunft beraubt haben.

Ihre politischen Ämter, Ihre Millionen an Privatvermögen, Ihre PR-Berater, Ihre Privilegien und Ihre Macht vermögen nicht Ihre Charakterlosigkeit zu verbergen. Sie haben uns in den Kampf und in den Tod im Irak geschickt, Herr Cheney, nachdem Sie selbst sich vor der Einberufung nach Vietnam gedrückt haben, und Sie, Herr Bush, sich damals unerlaubt von Ihrer Einheit in der Nationalgarde entfernt hatten. Ihre Feigheit und Selbstsucht sind seit Jahrzehnten bekannt. Sie weigerten sich, für unser Land das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, aber Sie schickten Hunderttausende junger Männer und Frauen in einen sinnlosen Krieg, so gedankenlos, wie man den Müll hinausbringt.

Zwei Tage nach 9/11 wurde ich Soldat. Ich tat es, weil unser Land angegriffen worden war. Ich wollte gegen jene zurückschlagen, die knapp 3000 meiner Landsleute umgebracht hatten. Ich wurde nicht Soldat, um in den Irak zu gehen, ein Land, das mit 9/11 nichts zu tun hatte und keine Bedrohung für seine Nachbarn, geschweige denn für die USA darstellte. Ich wurde nicht Soldat, um die Iraker zu «befreien» oder imaginäre Massenvernichtungswaffen auszuschalten oder etwas, was Sie zynisch «Demokratie» nannten, in Bagdad und im Nahen Osten zu installieren. Ich wurde nicht Soldat, um den Irak wiederaufzubauen, was mit dem Ölreichtum Iraks bezahlt werden sollte, wie Sie uns damals weismachten. Tatsächlich kostete dieser Krieg die USA über drei Billionen Dollar. Vor allem aber wurde ich nicht Soldat, um einen Präventivkrieg zu führen, was laut internationalem Recht illegal ist. Als Soldat im Irak beförderte ich, wie ich heute weiss, Ihren Schwachsinn und Ihre Verbrechen. Der Irakkrieg ist der grösste strategische Fehltritt in der amerikanischen Geschichte. Er hat das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten zerstört. Er brachte eine korrupte und brutale pro-iranische Regierung an die Macht, die ihre Herrschaft mit Folter, Todesschwadronen und Terror zementiert. Der Iran ist nun die dominierende Regionalmacht. Egal in welcher Beziehung – moralisch, strategisch, militärisch und wirtschaftlich: Der Irakkrieg war ein Desaster. Sie, Herr Bush und Herr Cheney, haben ihn angefangen. Also sollten auch Sie die Konsequenzen tragen.

Ich würde diesen Brief nicht schreiben, wäre ich in Afghanistan verwundet worden, beim Kampf gegen jene Mächte, welche die Terroranschläge von 9/11 verübt haben. Wäre ich dort verwundet worden, würde ich mich zwar elend fühlen, wegen meines sich verschlechternden Gesundheitszustandes und nahenden Todes. Aber wenigstens hätte ich die Gewissheit, dass meine Verletzungen ein Resultat meiner Entscheidung sind, das Land, das ich liebe, zu verteidigen. Ich müsste nicht in meinem Bett liegen, den Körper voller Schmerzmittel, langsam sterbend, im Wissen, dass Hunderttausende Menschen, einschliesslich Kinder und ich selbst, von Ihnen geopfert wurden. Für wenig mehr als die Gier von Ölfirmen, für Ihr Bündnis mit den Ölscheichs in Saudi-Arabien und für Ihr wahnhaftes Streben nach einem Weltreich.

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Original (englisch) bei truthdig

 

4 Gedanken zu „Irakkrieg: mein letzter Brief

  1. Diese Gejammere ist eines Soldaten, der sich freiwillig zum Kampf für Volk und Vaterland meldete, mehr als unwürdig. Der gute GI sollte sich mal die Filme von Hinrichtungen deutscher Soldaten durch die US-Boys ansehen! Hier wird ihm mit allergrößter Anschaulichkeit gezeigt, wie unschuldige Deutsche auch in ihrer allerschwersten Stunde Haltung bewahren.

  2. Ich würde diesen Brief nicht schreiben, wäre ich in Afghanistan verwundet worden, beim Kampf gegen jene Mächte, welche die Terroranschläge von 9/11 verübt haben. Zitat Ende

    Aber ja doch! Deswegen auch beim Judenblaettchen 20 Minuten. Schwachsinn. Stirb schnell du Idiot! Selbst schuld!

  3. Verblödet würde ich nicht gleich sagen. Sondern eher im glauben daran einer guten Sache gedient zu haben indoktriniert. Er spricht in seinem Brief doch sehr klare Worte, denen man als nicht entmenschlichter Mensch Respekt zollen sollte. Sicherlich kann man sich Filme anschauen, in denen deutsche Soldaten Opfer von Hinrichtungen wurden, wie man sich auch ebenfalls abscheuliche Aufnahmen ansehen kann, in denen nach den Nürnberger Prozessen Kriegsverbrecher hingerichtet wurden (da sie sich laut Definition der Nürnberger Prinzipien u.a. gegen den Weltfrieden verschworen hatten). Jedoch ist Krieg nunmal Krieg und niemals eine saubere humanitäre Sache. Laut dem Politikwissenschaftler Rudolph J. Rummel der während seiner empirischen Arbeit u.a. Massenmorde im 20. Jahrhundert untersuchte, starben in diesem allein etwa 150 Millionen Soldaten. Dass Soldaten also sterben ist klar, wobei sicherlich auch solche Gräultaten an Zivilisten lieber gemieden werden, da das schmerzhafte Themen sind. Wie auch die Massengräber in Polen wo deutsche verscharrt wurden. Doch zur Sache. Was es daher zu benennen gilt ist neben den 150 Millionen Soldaten die auf dem Schlachtfeld starben (wobei jene die den Krieg Überlebten eine PTBS entwickeln, siehe dazu auch „Two Thousand Yard Stare“), es wohl noch viel weniger bekannt ist, dass der Demozid weltweit weit über 200 Millionen unbewaffnete Zivilisten im 20. Jahrhundert das Leben gekostet hat. Es steht nach Rudolph J. Rummel sogar die Zahl von 350 Millionen im Raum der möglichen Tatsachen. Kurzum: Krieg und Demozid ist somit eine menschliche Tragödie bzw. ein verdorbener Alptraum von parasitären Eliten.

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