Schamlos ! Entsetzlich ! Skandal !

von H.-P. Schröder

Cowhut

Jipijeieeei, Jipijeihooo,

Femenreiter reiten durch die Nacht,

jipijehoooooo!

Vieh neu-1 (2)

Femen reiter III (2)

*

Stimmen aus der Hauptstadt – Erste Reaktionen

*

Hier ist die ARD-Tagesschau, Guten Abend meine sehr verehrten Damen und Herren,

mein Name ist Moni Heber,

mit Entsetzen haben die Parteichefs der großen deutschen Volksparteien, CDU, CSU, SPD, FDP, GRÜNE, LINKE und NPD auf die bundesweite Plakataktion einer bisher noch nicht in Erscheinung getretenen Gruppe reagiert, die sich „Die Femenreiter“ nennt.

In ersten Stellungnahmen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bezeichneten Vertreter der Volksparteien CDU, CSU, SPD, FDP, GRÜNE, LINKE und NPD, die auf den Plakaten dargestellten Szenen als geschmacklos, abstoßend, rassistisch und diskriminierend. Die FDP forderte, daß die Zeiten vorbei zu sein haben, da auf deutschem Boden so etwas ausgeht, die CDU verlangte, daß die in Verhüllung dargestellten Mahnwachen entkleidet werden müssen, da hier ein Terrorverdacht vorliegen könnte, die NPD bezeichnete den künstlerischen Eindruck als dekadent und verwies darauf, daß man mit dem Entwurf hätte Arno Breker beauftragen müssen, worauf ein Anhänger der Grünen mit einem „Die Geschichte bestraft die Zuspätgekommenen“-Einwurf für Unruhe im Saal sorgte.

Der Vertreter der Linken äusserte, daß die Linke mit dieser Form der Arbeitsteilung leben könne, während die CSU einen Untersuchungsausschuß forderte und dazu aufrief, den Staatsschutz einzuschalten, alle Plakate zu überkleben, die Urheber ausfindig zu machen und verhaften zu lassen.

Eine bisher im Westen unbekannte Vereinigung „Mit Filzstift verschmierte blökende Parolenstangen in Form halbnackter Weiberärsche in Männerbegleitung unter CIA-Aufsicht, die behaupten aus Rußland zu stammen“ drohte mit nicht näher spezifizierten „Aktionen“, wie uns ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte, ohne jedoch Details nennen zu wollen. Ist die Bedrohung ernst zu nehmen? Wie groß ist die Gefahr?

Erste Analysen liefert uns jetzt Hugo Gernbeck, Sicherheitsberater und langjähriger………

Guten Abend liebe Zuschauer Innen, liebe Frau Heber, entschuldigen Sie, wenn ich Sie bereits jetzt unterbreche, aber ich lege Wert darauf, die Vergangenheit ruhen zu lassen, blicken wir in die Gegenwart. „Hier und jetzt, wo`s fetzt“, heißt unser Motto.

Guten Abend Herr Gernbeck, wie schätzen Sie die aktuelle Sicherheitslage vor dem Hintergrund der laufenden Ereignisse ein. Was ist ihre Meinung zu den Hinweisen aus dem Hause Friedrich?

Frau Heber, dazu kann ich nur sagen: Na und ! Und noch einmal: Na und ! So wie jeder vernünftige Mensch, der seine sechs Sinne nicht im Lotto gewonnen hat.

(Frau Heber schaut etwas irritiert – und entschließt sich der Teleprompteranweisung zu folgen)

Sind Sie der Ansicht, daß zusätzliche Maßnahmen notwendig sind und welche wären, ihrer Ansicht nach geeignet, dieser neuen Bedrohung wirkungsvoll entgegen zu treten? Wie ernst sind die Warnungen zu nehmen?

Sehr geehrte Frau Heber, lassen sie mich Ihnen und unseren verehrten Zuschauern, bevor ich mich den Tagesereignissen zuwende, die Grundlagen jeder Sicherheitspolitik mit zwei Sätzen umreißen. Jeder der Sicherheitspolitik betreibt, muß sich für eine von zwei möglichen Strategien entscheiden: Entweder verhindert er die Bedrohung, in dem er die Bedroher im Vorfeld ausser Gefecht setzt oder er setzt die Bedrohten ausser Gefecht.
Die Ausbreitung von Typhus kann man auf zwei Arten stoppen: Entweder indem man die Läuse tötet oder indem man die Typhuskranken und die Gesunden umbringt. Unser Innenminister hat sich leider für die zweite Variante entschie…

(Bildschirm wird schwarz, dann taucht die Sprecherin auf)

Es scheint meine Damen und Herren, daß wir unsere Leitung zu Herrn Gernbeck, unserem Sicherheitsexperten verloren haben. Wir möchten uns dafür entschuldigen und schalten jetzt in unser ARD-Hauptstadtstudio Berlin zu Hansheinz von Schaumfels, der sich in Berlin umhörte und für uns dort Stimmen sammelte. Guten Abend Herr von Schaumfels, das gab ja einen mächtigen Wirbel, was meinen die Berliner?

Tja , einen schönen guten Abend Frau Heber, liebe Zuschauer und Innen, auch Berlin blieb von den Tsunamis des Entsetzens nicht verschont. Der Bürgermeister schickte, schon kurz nachdem es hell geworden war und die ersten Plakate für Aufsehen sorgten, seinen Pressesprecher vor, um eine Stellungnahme abzugeben, in der er Gefühlen Ausdruck verleihen ließ.

Er teilte mit, ich zitiere, „daß auf Plakaten, die für Rodeosport werben, halbnackte Pferde nichts zu suchen haben, denn gerade nach den letzten Mißbrauchsskandalen sollte man sich bei Wort- und Bilddarstellungen im öffentlichen Raum, einer besonderen Sensibilität bedienen.“ Soweit unser Bürgermeister. Das waren seine Worte. Nun…

Herr von Schaumfels,
jetzt hören wir aber auch, sogar aus ihrer eigenen Umgebung, von ihrem adeligen Vetter, wir dürfen das hier erwähnen, Bodo Graf zu Scheinsein, andere Töne, Äusserungen, die geeignet sind….

Nun Frau Heber, derartige Äusserungen sollten wir nicht überbewerten, Bodo zu Scheinsein ist ein Abkömmling frühzeitig verarmten Adels, der versucht, sich mit Vorstandsposten in Stiftungen und Berufsverbänden über Wasser zu halten, Tätigkeiten die verpflichten und Meinungen diktieren, die von persönl. ..

Herr von Schaumfels, entschuldigen Sie bitte, daß ich das einfügen muss, aber Graf zu Scheinsein sprach öffentlich von neuen Möglichkeiten, von einem neuen Feld des Breitensports, das sich hier auftue und von den damit verknüpften wirtschaftlichen Perspektiven. Das erscheint mir doch.. . . .

Sehr geehrte Frau Heber, wie ich bereits andeutete, als Präsident des Bundesverbandes deutscher Zaumzeughersteller muß man so reden, sonst wird man nicht wiedergewählt. Geschäft ist Geschäft, ha, ha.., äh…. .

Liebe Zuschauer, unser Kollege von Schaumfels hat sich in Berlin Unter den Blinden umgehört und für uns einige wahllose Meinungen eingesammelt. Bitte schön Herr Kollege:

(älterer Herr mit Aktentasche)
Hallo, was meinen sie zu der Plakatwerbung der Femenreiter, würden sie uns bitte ihre Meinung sagen?

Nun ja, ich habe von den Plakaten gehört, aber ich hatte bisher noch gar keine Zeit genau hinzuschauen. Allerdings sind meine Bürokollegen amüsiert. Sie halten es für einen Gag.

Für einen Gag?

Ja, so eine Art Diskospaß, so in der Art von „Zwei Deppen auf Mallorca.“

Vielen Dank, und was meinen sie dazu? (ein Schnöselschlips)

Superwerbeaktion, geile Sache, das hat alles was eine erfolgreiche Performance haben muss, ein zentrales Objekt, einige Subjekte und eine Botschaft, die so verklausuliert `rüberkommt, daß sie alle trifft, weil sie auf alles zutrifft.

Und die moralischen Aspekte?

Welche moralischen Aspekte?

Vielen Dank. (wendet sich einer maskulin aussehenden Dame Ende Vierzig zu)

Wie ist ihre Meinung gnädige Frau?

(schaut pikiert säuerlich)
Ich bin entsetzt. Und empört. Eine bodenlos unverschämte Hetze, eine rassistisch-sexistische Herabwürdigung der Frau. Nicht nur, daß hier das Weibliche als dienstbarer Klops auftritt, dieser Klops kann anscheinend für Rundfahrten gemietet werden. Damit hat die, in der BRD staatlich geförderte Verachtung des Weiblichen, einen neuen Tiefstand erreicht. Kein Wunder, gestern noch als Gebärmaschine an den Herd gekettet, beweisen doch diese Plakate wieder einmal, daß es sich bei der Befreiung der Frau von männlicher Dominanz, die als „Neuer Auslauf“ zum Modebegriff wurde, um eine Irreführung und nachhaltige Täuschung handelt. Ich bin mit meinen Freundinnen einig, daß…

Vielen Dank für ihre Stimme und was meint ihr?

(wendet sich zwei handybewaffneten 14-jährigen zu)

Zu was? (kichern)

(Deutet hinter sich) Zu den Plakaten, gefallen die euch oder findet ihr die scheußlich?

(schauen sich an und kichern): Die sieht aus wie Britta.

Wer ist Britta?

(lachen) Die sitzt auf zwei Plätzen in unserer Klasse.

Und mit diesen ersten Eindrücken gebe ich zurück zur ARD-Tagesschau. Guten Abend aus Berlin.

Heber: Vielen Dank an Hansheinz von Schaumfels und einen schönen Abend nach Berlin. Zum Abschluß, meine sehr verehrten Damen und Herren, dürfen wir einen Vertreter von Amnesty Deutschland, den Untersekretär der Sektion Passau und Umgebung, Herrn Amadeo Onouglu, bei uns im Studio begrüßen. Herzlich Willkommen Herr Onouglu.

Guten Abend Frau Heber.

Herr Onouglu sie haben uns in einer Email geschildert, wie empört ihre Mitglieder reagierten, als sie von den Vorgängen erfahren haben.

Ja genau, liebe Frau Heber, guten Abend an die Zuschauer, diese Viehmänns oder wie sie sich nennen, ….

Femenreiter.

Entschuldigung, diese Viehmännsreiter ließen bei uns die Leitungen heiß laufen. Den ganzen Vormittag riefen schockierte Passauer und Innen bei uns an und forderten uns auf, etwas zu unternehmen. Das wäre auch am Nachmittag weiter gegangen, aber wir schließen um 12.

Herr Onouglu, was haben Sie unternommen?

Ich habe eine Email an die ARD geschickt, daß den ganzen Vormittag schockierte Passauer und Innen bei uns angerufen haben, die uns aufforderten, etwas zu unternehmen.

Aha, … ja…, sehr interessant – welche offizielle Position nimmt Amnesty in der Femensache ein?

Zuerst gilt es den Täterkreis einzukreisen, ohne Täter keine Opfer. Ohne Opfer kein Verbrechen. Ohne Verbrechen kein Amnesty. Wir müssen herausfinden, wer geschädigt worden ist. Oft sind die Dinge gar nicht das, wonach sie aussehen. Gerade Deutschland, mit seiner Vergangenheit, sollte das am Besten wissen.

Herr Onouglu, gestatten Sie, daß ich einhake. Was meinen Sie genau mit „oft sind die Dinge nicht das, wonach sie aussehen“?

Zum Beispiel, niemand kümmert sich um den Mann. Er scheint zwar freudig erregt und guter Laune zu sein, aber finden sie nicht auch, daß er verdächtig blaß aussieht? Und wie schaut es in seinem Inneren aus? Das sind drängende Fragen.

Einige unserer Anruferrinnen äusserten den Verdacht, er handele sich um eine Kerkerszene und der nette, junge Mann sei an seinen Folterknecht angekettet, sie sprachen in dem Zusammenhang nur von „der Schlampe“, womit sie sicherlich diese aparte Bikinischönheit meinten…. Um endgültig zu klären, ob hier ein Fall für Amnesty vorliegt, müssten allerdings zuerst die beiden Säulen, oder was auch immer das im Vordergrund sein soll.. …

Heber: Frauen

Frauen? Sind Sie sicher? Ich bin etwas kurzsichtig. Jedenfalls müssen die weg, damit man freie Sicht bekommt. Wie könnte man das anstellen? Was meinen Sie, liebe Frau Heber?

Herr Onouglu, ich meine, und unsere Zuschauer werden mir sicherlich zustimmen, daß Sie uns die Position von Amnesty deutlich gemacht haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit. Guten Abend und Auf Wiedersehen.

—–  ENDE  —–

Zum Abschluß, als versöhnliche Geste,- wir sind ja alle aus ein bißchen Menschengeist, oder ?-, Musik für echte Kerle

The Spooky Men`s Chorale singt „Ghost Riders in the Sky“,


 

und die Interpretation von Bruce Low: „Ghost Riders“,


 

Ein Gedanke zu „Schamlos ! Entsetzlich ! Skandal !

  1. Was machen denn die Politiker mit uns, Arbeitern, Bauern, Kinder, Schüler und Studenten?
    Sie meinen, wir wären in deren Händen, dekadent und Bildungsresistent!
    Bei den Femenreitern erkennt man wenigstens, was sie da reiten! Die Politiker reiten heute nur auf einem seidenen Faden!
    Glück Auf, meine Heimat!

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