Hensel´s Sonntagsmatinée: Agrarplaneten – Teil VI

von H.-P. Schröder

 

Eine Geschichte in Fortsetzungen – Nur für reife Leser!

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Ein Baum in der Mitte der Plantage wurde ausgehöhlt, so daß sich der Chef darin verstecken konnte, zusammen mit einem halben Dutzend Aufnahmegeräten, einem Elektrosmogger für alle Fälle, etwas Eigenproviant und Leckerlies für die Versuchsobjekte. Am nächsten Morgen hatten sich alle verändert. Auch der Chef.

 

Schnittchenteile II (2)

Er war eingeschlafen und die beiden Plasmanten, wie sie genannt wurden, zertrümmerten währenddessen sein Weltbild. Der Chef sah sehr alt und sie sahen sehr verändert aus.

Vermutlich konnten sie trotz der Eingriffe nochmals Werkzeuge ausbilden – sie  hatten sich gegenseitig bearbeitet. Sie wiesen jetzt eine Art Einschnürung im oberen Drittel auf und darüber einen waagrechten, beweglichen Schlitz, rechts und links davon eine Art Trichter, aus dem mittleren Drittel ragten ausserdem zwei lange dünne Fühler mit Zapfen an den Enden hervor. Man beschloß, den Zaun zu erhöhen und noch mehr Kameras aufzustellen. Die zweite Nacht brachte dann fast das Aus.

Mit einer Art Hammer und mit Hilfe einer langen Stange aus Eigenplasma hatten die Plasmanten versucht, den Baum zu fällen, in dem der Chef sass, was nicht gelang, da der Baum mit der Grundplatte verschweisst war. Ausserdem begannen die Plasmanten miteinander zu reden.

Den Chef zog man mehr tot als lebendig aus dem Baum, er hatte alle Haare verloren und war sehr verschlossen geworden. Die Techniker kleideten den Stamm daraufhin mit Titanohartschaum aus und der Chef wurde durch eine Hyperkommunikationseinheit ersetzt. Die Multifühldie-Linguisten verglichen ihre Aufzeichnungen und begannen mit der Entschlüsselung. Sie definierten Ordnungsgruppen, daraufhin bauten die Techniker ein Übersetzungsmodul in den Baum ein. Während der Nacht drangen seltsame Geräusch aus dem Gehege.

Das alles hat sich lange vor meiner Zeit abgespielt. Das Meiste kenne ich nur aus den Akten. Leider sind die Protokolle seitenweise geschwärzt, man bleibt auf Vermutungen angewiesen, was sich da im Einzelnen abgespielt haben mag, jedenfalls am nächsten Morgen wies der eine Plasmant eine kugelförmige Verdickung um die Mitte auf und der Andere trillerte den ganzen Tag etwas, das der Übersetzer mit „O Happy Day“ wiedergab.

Das Wachpersonal erhöhte den Zaun um zwei Meter.

Der Planungskoordinator entschloss sich, die Zentrale um Erlaubnis zu bitten, mit den Plasmanten Kontakt aufnehmen zu dürfen. Die entwickelten weiter berunruhigende Fähigkeiten. Als der Inspektor eintraf, brachte er die Erlaubnis zur Kontakaufnahme und eine Eskorte aus zweihundert Spezialvertreibern mit. Die Zentrale schien Schlimmes zu befürchten.

Wir konnten alle beruhigen, denn wir waren nicht untätig geblieben und legten einen Stufenplan vor, der auf Zusammenarbeit mit den Plasmanten setzte. Projekt „Gemeinsame Nahrungskette“ war geboren. Es gelang, die Vorgesetzten zu beruhigen und nachdem das Team günes Licht erhielt, bauten wir alle Anlagen an der Oberfläche ab und fingen an durch den Baumtranslator mit den Plasmanten zu reden.“

Fohu und Angwang nahmen einen tiefen Schluck aus dem Doppelgurgelgefäß. Pause.

Im Hintergrund stand seit Minuten eine kleine graue Gestalt in einem Trenchcoat. Sie nutzte die Gelegenheit sich zu nähern und schlug ihren Mantel zurück, dutzende bunter Aufkleber wurden sichtbar. „Für 20 Fass E 10 lass ich euch nicht im Kalten steh`n.“ und „Spirit statt Sprit!“ oder „Auf den Wegen von Oktan rollen wir bergauf voran.“ und anderes in der Art.

Gebt den Göttern was ihnen gebührt (2)

„Kleine Spende für Oktan, die Herren? Hat ihnen die Vorstellung gefallen?“ zischte der Trenchcoat. Angwang wandte sich um: „Sehr eindrucksvoll, in der Tat eine überzeugende Präsentation von spiritueller Aktion und materieller Reaktion. Wie sieht es bei euch mit Dauererfolgsgarantien aus? Irgend `was zur Zeit im Angebot?“

Die Gestalt schien zuerst zu schrumpfen, dann verdoppelte sie ihre Größe. „Oh, sie sind ernsthaft interessiert?“ erscholl die bereits bekannte, salbungsvolle Stimme in der Luft über ihnen.

„Nein, ich habe nur Spass gemacht.“, sagte Angwar.

„Sehr bedauerlich. Abtreten!“

Die Gestalt im Trenchcoat begann zu schrumpfen, rasend schnell wurde sie kleiner und kleiner und – löste sich auf.

„Nein, nein“ schrie Angwang ihr hinterher ,,Ich habe nur Spass gemacht, Wieviel?, Wie – viel?“

Zu spät, der Besucher war verschwunden.

(Fortsetzung folgt)

*

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(letztes Drittel des verlinkten Artikels)

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