Hensel´s Sonntagsmatinée: Agrarplaneten – Teil V

von H.-P. Schröder

 

Eine Geschichte in Fortsetzungen – Nur für reife Leser!

Agrar- logo

Das Publikum tobte, geriet in religiöse Begeisterung, Anfeuerungsrufe aus dem Kreis der Zuschauer erklangen, „Ok- tan, Ok- tan, Ok- tan…..“ Die Diener tanzten „Ale Oktan, Ale Oktan, Ale Oktan, Alee, Alee, Alee, Alee.“

„….verschaffe uns Auftragsberge, die selbst unsere Kinder nicht abtragen können, verschaffe uns genug Tuun…“

Eine salbungsvolle Stimme ertönte in Deckenhöhe : „Genugtuung, sehr wohl“.

Es blitzte, Rauch aus den Steckdosen, das Licht erlosch, die Notbeleuchtung sprang an. Das Publikum applaudierte begeistert. „Zugabe, Zugabe, Zugabe.“

Auf der Tanzfläche geschah Seltsames, die beiden Moms fassten sich wechselseitig an die Nase und drehten sie um, sie schrien vor Schmerz und zwickten sich daraufhin in die Wangen, die Diener fingen an, auf einander einzuprügeln.

Das Publikum reagierte empört „Aufhören, sofort aufhören.“ Die Sänften wurden zertrümmert, ein allgemeiner Tumult brach los, bis der Barkeeper auftauchte und mithilfe einiger beherzter Gäste alle zur Tür hinauswarf, die Sänftenreste hinterher und dann die Tür verbarrikadierte.

Angwang von Te war beeindruckt: „Mein Gott welche Inbrunst, welche Leidensfähigkeit und welch schlechte Grammatik in den Litaneien. Da waren bestimmt unterbewusst noch alte Rechnungen offen und zwischen Genug zu tun und Genug Tuung ist eben ein Unterschied. Gefährlich, gefährlich. Wie man bei uns zu Hause sagt: „Gefährlich sind die Götter, wenn sie genau hinhören.“

Sie kehrten zu ihren Plätzen zurück. Auf ihren Plätzen sass ein monströser Anzug mit Schlips und mindestens einhundert Taschen.

Anzug im Anzug (2)

„Entschuldigen Sie der Herr..“ , „Entschuldigen Sie bitte, die Dame..“ begannen sie gleichzeitig. „Jaaaa?“ , lispelte das Es. „Das sind unsere Plätze und das ist unser Getränk.“

„Oh dud mir leid, ein Väsähen.“ Der Anzug rutschte zu Boden und verschwand im Gedränge.

„Wo ist mein Düdelphon? Er hat mein Düdelphon.“

Herr Te rannte hinterher und kam umgehend mit dem Gerät zurück: „Stellen sie sich vor er behauptet, er hätte in höherem Auftrag gehandelt, als Jugendleiter in der Herzumir-Kapitalsektengesellschaft wäre er verpflichtet, ehrenamtliche Arbeit in ihrem Heimholungswerk zu leisten, wie er es nannte, getreu ihres Wahlspruchs „Was noch nicht in unseren Taschen ist, hat nur noch nicht den Weg gefunden.“

„Eine unglaubliche Frechheit das, der Spintizismus scheint jetzt überall auf dem Vormarsch zu sein.“sagte Fohu.

„Mein Lieber Fohu, jetzt müssen Sie mir aber erzählen, wie sie die Probleme damals lösten. Die beiden Verschwundenen tauchten also nie mehr auf?“

„Nun, nicht leibhaftig, das stimmt, aber etwas liessen sie zurück. Bei der nächsten Routinekontrolle von Plasmaproben fand man darin einige ihrer Gensequenzen. Das Plasmazentrallabor verfasste einen Bericht, konnte allerdings den Vorgang nicht erklären. Zwei abhanden gekommene Mitarbeiter und keine Fortschritte, die Zentrale wurde ungeduldig und kündigte eine Betriebsprüfung an. Der Inspektor sollte bereits in dreidreiviertel Temporalen eintreffen und dann würde es Ärger geben, das wussten alle.

Der oberste Projektleiter ordnete umgehend eine Notfallsitzung an und während sie noch über das weitere Vorgehen beratschlagten, ratlos beratschlagten, um ehrlich zu sein, platzte eine Gruppe Anfütterer vom Mittelfeld in den Raum und rief sie zu den Tanks.

Dort tat sich Erstaunliches. Die beiden, von den zwei Vermissten heimlich fabrizierten Zweiäugigen fingen an, alle möglichen Fortsätze zu entwickeln, Ausstülpungen und werkzeugähnliche Formen, mit denen sie, ich weiß, es klingt seltsam, anfingen an sich herumzuschrauben.

Agrar 51 (2)

Sie hatten etwas vor, das war klar. Sicherheitshalber verfrachtete man sie in das Eisodrom, um sie in Ruhe untersuchen zu können. Im Unterschied zu den Vieräugigen hatten sie ihre Zellstruktur vollkommen verändert und ein Kleinhirn entwickelt.

Hoffnung keimte auf, wie alle Probleme auf einen Schlag zu lösen wären und je mehr unsere Mitarbeiter darüber nachdachten, desto rosiger erschien plötzlich die Zukunft. Sie lösten die anderen Vieräugigen im Sammelbecken auf und begannen vorsichtig damit, die beiden Zweiäugigen umzubauen. Die wurden zuerst formatisiert, um sie stapelbar zu machen, anschliessend feinjustiert und in einer eigens für sie gebauten Plantage freigelassen.

Der Projektleiter übernahm persönlich ihre Betreuung, eine große Ehre, von der sie natürlich keine Ahnung hatten. Sie begannen übrigens sofort damit, Scheinfüsschen auszubilden und herumzulaufen. Aber sie wuchsen immer noch nicht. Das Team beschloss, sie Tag und Nacht zu beobachten.

(Fortsetzung folgt)

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(letztes Drittel des verlinkten Artikels)

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8 Gedanken zu „Hensel´s Sonntagsmatinée: Agrarplaneten – Teil V

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