Hensel´s Sonntagsmatinée: Agrarplaneten – Teil IV

von H.-P. Schröder

 

Eine Geschichte in Fortsetzungen – Nur für reife Leser!

Agrar- logo

Endlich erschien Herr Angwang von Te, leicht ausser Atem, aber mit einem fröhlichen Ausdruck auf den beiden Gesichtern:

„Frohe Botschaft, Herr Kollege, ein Anruf von Herrn Buumsogern, das Geschäft blüht, ein neuer Auftrag aus dem Coopquadranten. Die letztjährige Mark Rabatt Expedition entdeckte dort vier Planeten mit Hungerkünstlern und wir haben die Ausschreibung gewonnen. Ein ganz dicker Fisch. Ah, sie haben bereits die Bowle bestellt.“

„ Meinen Glückwunsch. Was gibt es denn da zu tun?“

„Viel, offiziell sind wir bei solchen Projekten immer dem Vorundnachgeschichtsministerium unterstellt, von dort kommen die Mittel. Aber in Wirklichkeit arbeiten wir mit den Nachbarkonzernen.

Protonprotein ist ja schon groß, aber da gibt es noch Stratobrei und die Exklave von Synthivit, nicht zu unterschätzende Konkurrenten, wenn es um Marktanteile geht. Bei Projekten dieser Größenordnung kooperieren wir, das kann keiner alleine organisieren. Stellen sie sich vor, vier Planeten voll mit Hungerkünstlern, da bleibt ein satter Gewinn für alle.“

„Ich verstehe nicht ganz, Hungerkünstler sind doch eigentlich ein völlig brotloses Gewerbe, gerade für ihren Geschäftszweig.“

„Leider ein Punkt über den jetzt ich nicht reden darf, tut auch nichts zur Sache, nur soviel, ein Wort: Schrittweise Umerziehung.

Hungerkünstler II-1 (2)

Wir fangen bereits an hormongedopte Naschereien in Kometenkerne zu verpacken und sie in den Umlaufbahnen auszusetzen. Ein Langzeitprojekt, wie Ihres. Wie ging es denn damals mit dem Plasma weiter?“

„Auf die Geschäfte!“ Er nahm einen blubbernden Schluck. Und einen zweiten.

Vom Korridor drangen ungewöhnliche Geräusche herein. Die Tür flog auf und eine Gruppe, die zwei Sänften mit sich führte, betrat die Bar. Alle starrten auf die Ankömmlinge.

„Moms und dann noch zwei, sehr außergewöhnlich, sie gelten als extrem scheu“, bemerkte Herr Fohu, „vermutlich ist Gebetszeit.“

„So sehen die also aus, ich bin nie einem begegnet“, entgegnete Herr Te. Weitere Diener erschienen und begannen die Tanzfläche mit Tüchern zu bedecken.

Oktan ! (2)

„Kennen sie die Geschichte der Moms?“ , fragte Herr Fohu. „Sie gelten als mit allen Wassern gewaschene Kaufleute im Zwischenhandel. Niemals im Aussendienst. Das hat mit ihrer Kontaktscheu zu tun. Selbst untereinander sind sie sehr reserviert.“

Mittlerweile bildeten die Barbesucher einen doppelten Ring um die Gruppe auf der Tanzfläche, die Diener fingen an Blumen zu streuen.

„Als ihr Planet einen verseuchten Raumsektor voller Formal Ester Aphrodisien durchquerte fiel die gesamte Bevölkerung in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kamen, war der Planet desinfiziert und sie hatten einen Kater. Seither sind sie radikale Antiholkolen und bezeichen das Ereignis als das „Große Erwachen“, obwohl böse Zungen behaupten, das Große Erwachen wäre eine Halluzination, hervorgerufen durch die Dämpfe, in Wirklichkeit wären sie immer noch im Delirium. Sie vollziehen die Taufe mit Weingeist, nachdem einer ihrer Erztranspiranten öffentlich verkündete, daß gegen Geist nur Gegengeist helfe. Zum Beten suchen sie ausschließlich die herabgekommendsten Spelunken und die verrufensten Bordelle auf. In ihrem berühmten „Führer der Inneren Weisheit zur äusseren Anwendung“ steht geschrieben „Um den Finsterghul zu erleuchten, müsse man in dessen Wohnhöhle beten.“ Ich vermute der Ewige Abschied ist eine Notlösung, es war nichts Schlimmeres aufzutreiben. Sie arbeiten übrigens völlig ohne Missionare. Wollen wir uns das Ganze anschauen?“

„Gerne, hoffentlich setzt sich keiner auf unsere Plätze.“

„Ach was, da steht ja die Blubberschüssel und Sie können zur Sicherheit ihr Düdelphon auf den Sitz legen.“

Sie drängten sich durch die Menge. Die beiden Moms hatten begonnen sich rythmisch zu wiegen und murmelten Unverständliches. Schüchtern erklangen erste „Oktan, Oktan“ Rufe aus den Reihen der Diener. „Ihre Hauptgottheit“, flüsterte Angwang. „Pscht!“ kam es von den Umstehenden.

Die Moms steigerten das Tempo, wurden lauter: “Abgehobener Verworfener, Herr Oktan, der du alle roten Zahlen bis unendlich kennst und jede Ware in ein Bingo verwandeln kannst, erfrische unsere Bilanzen…..“

Das Tempo nahm zu, das Publikum applaudierte gerührt. „… erfrische unsere Bilanzen, fülle den Korb des Handels ohne Boden, verschaffe uns – Auftragsberge….“ Begeisterung im Publikum, anerkennende Pfiffe. Die Diener setzten mit einem dreistimmigen Choral ein: „Ohne Äthanol, doch mit Oktan wird das fromme Werk getan“, gefolgt von „Mächtiger Oktan feuer die Filialen an“.

(Fortsetzung folgt)

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(letztes Drittel des verlinkten Artikels)

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