de Maizière: ein Meister der Taktik

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erschienen bei „der Freitag“

von Stefan Hebel

Verantwortungsethik Verteidigungsmininister de Maizière ist sanft im Umgang, aber knallhart in der Sache. Er kennt keine Skrupel, eine Militarisierung der Außenpolitik voranzutreiben.

Thomas de Maizière tut einen Teufel, sich zur Kanzlerfrage zu äußern. Er wolle, verkündet er brav, auch nach der Bundestagswahl Verteidigungsminister bleiben. Und widmet sich mit Verve seiner Pflicht, egal ob es um Afghanistan geht oder, wie jetzt, um Mali: Da hört man ihn reden von der „nachhaltigen Stabilisierung“ gegen „die Islamisten“, an der Deutschland sich allerdings nur begrenzt beteiligen könne, denn – so viel Wahrheit muss sein: „Das ist ein altes französisches Interessengebiet.“ Genauer muss man ja nicht werden: Gold, Uran, ethnische Unterdrückung, die „den Islamisten“ erst den nötigen Zulauf brachte – wer will das so genau schon wissen?

Nur nicht zu deutlich werden – so macht man sich beliebt in Deutschland. Im Sympathie-Ranking steht de Maizière auf Platz zwei hinter Angela Merkel. Und still genießt er wohl die nicht endenden Spekulationen, er könnte Kanzler werden, wenn Angela Merkel nicht mehr will, vielleicht zur Mitte der nächsten Legislaturperiode. Oder erst mal Oppositionsführer mit Kanzler-Ambitionen, wenn die Wahl im September verloren geht. Er bestätigt nichts, er dementiert nichts. Und er wahrt damit für sich jede Chance. In den CDU-Vorstand hat er sich beim Parteitag im Dezember schon mal wählen lassen – mit dem fast Merkel’schen Ergebnis von mehr als 96 Prozent.

De Maizière wäre ein wahrhaft würdiger Nachfolge-Kandidat, denn sein politisches Handeln weist verblüffende Ähnlichkeiten mit den Erfolgsrezepten der amtierenden Kanzlerin auf. Wie seiner Chefin gelingt es ihm nahezu perfekt, eine knallharte politische Ausrichtung hinter einer gefälligen Fassade zu verbergen.

Militarisierung des Denkens

Der Minister hat es dabei mit einer Öffentlichkeitzu tun, die der Militarisierung der Außenpolitik, den Kampfeinsätzen in aller Welt, der bewaffneten Verteidigung ökonomischer Interessen und dem skrupellosen Waffenexport weitgehend skeptisch gegenübersteht. Für diese skeptische Öffentlichkeit verfügt Thomas de Maizière über ein verbindliches, im Umgang sehr angenehmes, also seinerseits geradezu „ziviles“ Auftreten. Und das nutzt er virtuos, wenn es darum geht, die Zivilgesellschaft „abzuholen“, um sie an die Militarisierung des Denkens zu gewöhnen.

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