Vertreibung: Ungarn bittet um Verzeihung

PannonianPlain1von Erich-Körner Lakatos

Danke an Armeeverkauf

Um das Jahr 1000 kommen die ersten Deutschen ins Ungarland. Als Begleiter der bayerischen Prinzessin Gisela, die den legendären König Stephan ehelicht. Im Laufe der Jahrhunderte ziehen viele donauabwärts, fleißige Hände schaffen bescheidenen Wohlstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist alles anders. Am 19. Jänner 1946 fährt von der bei Budapest gelegenen Ortschaft Wudersch (Budaörs) ein Zug in Richtung Deutschland ab. Die Passagiere reisen mitnichten freiwillig. Es handelt sich um Ungarndeutsche, deren Vorfahren im frühen 18. Jahrhundert einwandern und aus der von den Türken verwüsteten Gegend ein blühendes Land schaffen. Nun werden sie aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Meist sind es Bauern mit ein paar Hektar Grund und Boden, die den russischen Besatzern und ihren einheimischen Kollaborateuren ein Dorn im Auge sind. Leider findet sich in jedem Land ein Bodensatz charakterloser Elemente. Schmarotzer, die sich ins gemachte Nest setzen wollen. Auch die ungarische KP betrachtet die donauschwäbischen Bauern mit Argwohn, weil diese „Kulaken“ ihren seit Generationen hart erarbeiteten Besitz behalten wollen.

Insgesamt müssen an die 200.000 Ungarndeutsche – sie siedeln im Süden des Landes (in der sogenannten Schwäbischen Türkei), um die Hauptstadt sowie im Westen (in den Komitaten Ödenburg und Steinamanger) – Haus, Hof und Heimat verlassen. Dazu kommen noch 32.000, die ab Jänner 1945 zur Zwangsarbeit nach Rußland verschleppt werden und dort oft zu Tode kommen.

Im Gegensatz zur Tschechei gibt es in Ungarn Widerstand gegen die Vertreibung der Deutschen. Für István Bibó, dem Innenminister, ist die Zwangsaussiedlung ein Skandal. Er tritt zurück und erklärt: „Wir tun jetzt dasselbe mit ihnen wie vor einem Jahr mit unseren Juden“. Doch die Russen und ihre roten Helfershelfer setzen sich durch.

Ab 2013 wird Ungarn jeweils am 19. Jänner der zu Unrecht verjagten deutschen Mitbürger gedenken. Das beschloß das Parlament in Budapest in der Nacht auf den 11. Dezember. Ohne eine einzige Gegenstimme! 333 Mandatare waren dafür, bloß sieben enthielten sich der Stimme. Die Initiative für den Gesetzesbeschluß kam von einigen Abgeordneten der Regierungsparteien, wobei der kleinere Koalitionspartner, die KDNP (Christdemokratische Volkspartei) federführend war. Am 15. Oktober reichten die KDNP-Abgeordneten János Hargitai, József Michl, Andor Nagy und Balázs Bús sowie drei Fidesz-Deputierte den Antrag beim Präsidenten des Parlaments zwecks Behandlung im Plenum ein. Vier Wochen später erfolgte die Annahme.

Der Nationale Gedenktag kann selbstredend das Unrecht von damals nicht ungeschehen machen. Er ist jedoch für die 220.000 Ungarndeutschen sowie für die nach dem Krieg Vertriebenen und deren Nachfahren ein Zeichen dafür, daß Ungarn sie um Verzeihung bittet. Eine Geste, die auch jeden rechtschaffenen Magyaren mit Genugtuung erfüllt.

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Dreiteiliges Gemälde von Stefan Jäger: Einwanderung der Donauschwaben
Dreiteiliges Gemälde von Stefan Jäger: Einwanderung der Donauschwaben

FPÖ: Hübner begrüßt jährliches Gedenken in Ungarn an die Vertreibung der Ungarndeutschen

 

Die vorbildliche Gedenkarbeit unserer Nachbarn sollte auch die österreichische Bundesregierung anspornen

Wien (OTS) – „Die vom Ungarischen Parlament Anfang dieser Woche beschlossene Einrichtung eines jährlichen Gedenktages für die ungarndeutschen Opfer der Vertreibung nach Ende des Zweiten Weltkrieges kann als Teil einer vorbildlichen Gedenkarbeit bezeichnet werden“, meint der außenpolitische Sprecher der FPÖ, NAbg. Dr. Johannes Hübner. Es sei außerordentlich begrüßenswert, dass das Ungarische Parlament den Mut aufgebracht habe, einen parteiübergreifenden Beschluss zu fassen, nach dem künftig an jedem 19. Januar an die Vertreibung der Ungarndeutschen erinnert werden soll, so Hübner.

„Der Gedenktag würdigt das Schicksal der Opfer, die allein wegen ihrer Volkszugehörigkeit ihre Heimat verlassen mussten und zwischen 1946 bis 1948 aus dem Land vertrieben wurden. Mit der Vertreibung wurde ihnen kollektiv die Schuld an der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auferlegt. 65 Jahre danach wagt es das ungarische Parlament, ein klares und dauerhaftes Zeichen gegen das einst begangene Unrecht zu setzen“, erklärt Johannes Hübner.

„Aus Gesprächen mit Vertretern der Vertriebenen weiß ich, wie sehr die Fortgejagten und ihre Nachkommen diese Geste von offizieller Seite zu schätzen wissen. Es ist höchst an der Zeit, dass auch Österreichs politische Öffentlichkeit sich dieses weitgehend verdrängten Teils der Geschichte und der schweren Verbrechen – die bereits in Friedenszeiten – gegen die Menschlichkeit begangen wurden, erinnert. Es sollte nicht vergessen werden, wie viele Opfer dieser Verbrechen als Vertriebene in Österreich eine neue Heimat gefunden haben und maßgeblich am Wiederaufbau unseres Landes beteiligt waren“, stellt Hübner abschließend fest.

Quellen: www.ots.at, zur Zeit, Batschka (Bilder)

9 Gedanken zu „Vertreibung: Ungarn bittet um Verzeihung

  1. Gute Geste des Ungarischen Parlamentes und Dank zurück im Namen der Menschlichkeit !.
    Bleibt zu hoffen, daß die weiteren Folgen kommen werden, wie Anbietung der Rücksiedlung der Vertriebenen und deren Nachkommen, soweit sie es wünschen.
    Die Ungarischen Verantwortlichen sollten eingeladen werden zu einem Freundschaftstreffen mit vaterländisch gesinnten und auf Gerechtigkeit und Versöhnung eingestellten Menschen.
    FÜR DIE GESAMTE ALTERNATIVE FREIHEITSBEWEGUNG EINE MÖGLICHKEIT DER ZUSAMMENARBEIT.

  2. Wahrlich ein Tag der Freude,dem allerdings auch Taten folgen sollten.

    Vielleicht gelingt es endlich,an die kulturell hochstehenden Zeiten einer intensiven Freundschaft mit den Magyaren anzuknüpfen und einen neuen völkischen Bogen zu spannen,der es erlaubt,Rückreisewilligen Erleichterungen zu schaffen.

    Allerdings werden diese fleißigen Hände auch hierzulande gebraucht,so daß eine erneute Abwanderung für uns Deutsche schmerzlich wäre.

    Alles in allem jedoch bin ich froh,daß eine Schandtat der Vertreibung nunmehr in Erinnerung bleibt und viele junge Menschen inspiriert,über ein neues Europa nachzudenken.

    Aus Liebe zu Deutschland

  3. @ALzD:
    … da ich des Öfteren Gelegenheit hatte in diesem Land zu weilen, behaupte ich einfach mal, dass die dortige Bevölkerung wesentlich besser über die deutsche Momentansituation informiert ist, als der gemeine Deutsche selbst! Selbiges gilt für Rumänien.

    Der Gedenktag für die vertriebenen Deutschen ist für diese Völker auch eine Lossagung vom Bolschewismus, Welcher für diese Völker ebenfalls nie eine Alternative darstellte.
    Ich danke dem ungarischen Volk für seine Aufrichtigkeit in Zeiten der z..-Unterwanderung!

  4. ein guter Anfang, dem auch die Tschechen folgen sollten. Ganz abgesehen von den Rumänen, Kroaten und Slowenen, POlen und Ostpreussen warten auch auf Rückkehr.
    Was soll das Demokratie-Gelabere, wenn die Staaten nicht bei sich selbst anfangen und Unrecht umkehren. Das REcht auf Heimat ist Menschenrecht. Und verkappter Nationalismus ist ein Götze, der schon zu viel Blutzoll forderte

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