Spezialreport Teil I: reiches Mali, armes Land

von H.-P. Schröder

 

Hallo Misereor, haltet bitte DEN Ausbeutern euere Sammelbüchsen hin und NICHT UNS!

 

„Die Erde begann als Minenkolonie, das war in Afrika,

wo sie Gold abbauten. Und wissen sie was,

die Erde ist immer noch eine Minenkolonie.

Sie floriert wie niemals zuvor in ihrer langen Geschichte.

Und wir sind die Arbeiter.“

Michael Tellinger

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Goldig (2)

 

Gold – Business as usual

Statistiken und Daten zum Goldbergbau in Mali stammen von http://www.mbendi.com/indy/ming/gold/af/ml/p0005.htm

und von den Seiten, der an der „Ersch(l)ießung“ Malis beteiligten Konzerne

Mali ist nach Ghana und Südafrika Afrika`s drittgrößter Goldproduzent. 2009 wurden in Mali 53,7 Tonnen Gold gefördert. 53.700 Kilogramm Gold ist die offizielle Zahl, es gibt immer Schwund, durch Diebstähle und unregistrierten Bergbau – eine Dunkelziffer, die zu addieren wäre. Der Preis für die Feinunze Gold (ca. 31 g) lag am 15. Januar 2013 bei ca. 1.690 Dollar. Die 53,7 Tonnen Gold von 2009 repräsentieren heute im Endverkauf einen ungefähren Wert von 53.700.000g geteilt durch 31=1.732.258 Feinunzen, multipliziert mit 1.690 Dollar. Ein hübsches Sümmchen. Die Goldbergwerke Malis befinden sich alle im Süden, weit entfernt von den nördlichen Gebieten.

Der Abtransport der malischen Goldvorkommen wird von drei Unternehmen federführend durchgeführt: Als in Mali an vorderster Front kämpfend ist die auf der Kanalinsel Jersey ansässige Firma Randgold zu nennen, deren Hauptgeschäft auf dem malischen Gold beruht. 2011 war ihr bestes Jahr, wie dem Jahresbericht 2011 http://www.randgoldresources.com/randgold/applications/randgold/templates/annual_report_2011/downloads/Annual%20Report%202011.pdf zu entnehmen ist.

Laut wikipedia erwirtschaftete Randgold im Jahre 2011 einen Reingewinn, nach Abzug der Steuern, von 433,4 Millionen Dollar, bei einem Umsatz von 1.127,1 Millionen Dollar. Nicht nur scheint es erstaunlich, daß die Rendite 38 Prozent des Umsatzes beträgt, noch erstaunlicher scheint, daß bei einem Umsatzvolumen von 1.127 Millionen Dollar gerade einmal 50 Millionen Dollar an Steuern bezahlt worden sind. Der Hauptverantwortliche, der Chief Executive (Chefexekutor) von Randgold ist der ehemalige südafrikanische Offizier und Guerillabekämpfer mit abgeschlossenem Geologiestudium Mark Bristow, „who has homes in the US, London, South Africa and Mauritius. Eine andere Schlüsselfigur ist, laut wíkipedia, ein Philippe Lietard. Die Vita der im Vorstand versammelten Figuren liest sich wie ein Streifzug durch Großkapital (Rothschild, Weltbank) und Großindustrie in Komplizenschaft mit Ressourcenschnüfflern von Universitäten und Mining schools.

Randgold betreibt, direkt oder in Teilhabe, die Morila-Gold-Mine in Mali, den Loulo-Gounkoto Minenkomplex in Mali, die Tongon-Mine in der Elfenbeinküste, das Kibali-Erschließungsprojekt in der Demokratischen Republik Kongo, zusätzliche „Projekte“ in Massawa im Senegal und „Sondierungen“, vor allem im Kongo und in Mali.

Vorgehensweise am Beispiel Kongo

Die Randgold Homepage gibt über das im blutenden Kongo vorangetriebene Kibali-Mammutprojekt Details preis, die symptomatisch sind: „Das Kibali-Projekt ist das bisher größte Projekt von Randgold. Die dortigen Goldreserven werden auf mindestens 10 Millionen Unzen geschätzt, eine Schätzung die sich zunehmend nach oben korrigiert. Kibali wird eine der größten Goldminen Afrikas werden. Das Areal umfasst 1.836 km² in den Moto-Goldfeldern im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, 560 km nordöstlich von Kisangani und 150 km von der ugandischen Grenze. Kibali ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Randgold (45%), AngloGoldAshanti (45%) und dem kongolesischen Partner Sokimo (10%), der von Randgold als „halbstaatlich“ bezeichnet wird. Wieso? Darum: Die 10% Kongo teilt sich Sokimo nochmals mit der am kongolesischen Anteil beteiligten „Moku Goldmines Ltd.“-Erschließungsgesellschaft, deren Stammsitz sich in der Schweiz befindet, im Verhältnis 35% für den Kongo zu 65% für die Moku, wodurch der Anteil des kongolesischen Staates an diesem Gewaltprojekt auf genau 3,3 Prozent zusammen schrumpft.

3,3 Prozent Ertrag für die Nomenklatura des Kongo, 96,7 Prozent Ertrag für die Ausländer.

3,3 % für die Pseudo-Herren des Kongo. Und die Bevölkerung? Und deren Weidegründe? Und die Landbesitzer in dem Gebiet? Null Problemo, die erhalten einen Sack Hirse und werden vertrieben, äh natürlich umgesielt. In 24 Stunden seid ihr verschwunden, klar?

Von den 3,3% müssen dann die Privatvillen, sinnlose Protzprojekte und die an Ausländer vergebenen Gewaltbaumaßnahmen, Strassenzuführungen zu den Goldfeldern und so weiter, bezahlt werden. Und wenn etwas schiefgeht, rücken die Franzosen ein, oder eine Rebellenarmee in Bereitschaft wird aktiviert und schießt die Hälfte der Ortsansässigen tot, die andere wird zur Abschreckung zerhackt, echtes Bush meat, funny frisch, Banki zerquetscht ein Tränchen mit bloßer Faust, deeply konzernt, aber leider, leider alles Kommunisten. Und Terroristen. Was? Nichts mehr zu fressen?, Flüchtling? Schlimm, schlimm, aber genau dafür haben wir doch das UN-Organisations–Flüchtlinghilfswerk gegründet, und ihr dort draussen, kleiner Mann und kleine Frau in der BRD-GmbH, ihr dürft es finanzieren, wir werden uns um die von uns arm Gemachten kümmern, aus christlicher Nächstenliebe, „give us your money, give us your lifetime, we love you“, cheers!, mein Ehrenwort und jetzt weitermachen, Maul halten, alles roger!

Haarausfall wegen des Quecksilbers? Das kommt vom heimlichen Schwarzschmelzen im Hinterhof. Und dann sollen`se `mal nicht so viel saufen, ausserdem, bei der Hitze stören Haare. Mißgeburten en groß? Was soll`s, sind Sie aber empfindlich, Sie Schwächling! Die pimpern eh am Fließband und faul sind die, ne, ne, ohne uns wüßten die gar nicht, was für Schätze sie `mal besessen hatten, Gold, Diamanten, Platin, Uran, Kupfer, Niob-Tantal, Lithium, Eisen, da wird man direkt euphorisch.

Und darauf nochmals einen Dujardin und noch einen Airbus voller Huren aus Paris für den Präsidentenpalast. Schließlich hat der Präsident bei uns studiert, der läßt sich nichts vormachen, der weiß, daß wir wissen, daß er weiß, was sich gehört, in den Feinunzen-Kreisen.

Ach ja, abgebaut werden mittlerweile Lagerstätten mit einem Goldgehalt von einem Gramm Gold pro Tonne Gestein. Tausend Tonnen Gestein für ein Kilogramm Gold. Tausend Tonnen müßen abgesprengt, verladen, zur Mühle gefahren, zu Staub zermahlen mit Chemikalien versetzt ausgelaugt werden, das Gold aus der Lösung gefällt, in metallisches Gold überführt und dann geschmolzen werden. 1.000 Tonnen Gestein, ganze Berge, weg, einfach weg, gewaltige Trichter in der Haut der Erde, Ödland, vergiftet, 500 Jahre Unfruchtbarbarkeit. Asse läßt grüßen, ein Andenken derselben prähumanen Mischpoke.

Ödland, Heimatlosigkeit, Hunger und Krankheit, das bleibt für die dort lebenden Menschen und für sie, Herr Mark Bristow, mit abgeschlossenem Geologiestudium, ein Penthouse in Manhattan.

Für das Kibali-Projekt im Kongo sind vier (!) Wasserkraftwerke und ein thermisches (Verbrennungs) Kraftwerk vorgesehen. Für das Projekt, nicht für die dort lebenden Menschen.

http://www.randgoldresources.com/randgold/content/en/randgold/home,

Zusätzlich Details aus https://en.wikipedia.org/wiki/Randgold

Anteilseigner von Randgold sind:

BlackRock, Inc. 11,55 %
FMR LLC 15,00 %
Streubesitz 60,78 %
VanEckAssociatesCorporation   7,60 %
Wells Fargo & Company   5,07 %

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Neben Randgold trifft man in Mali auf Iamgold. Iamgold macht in Gold und Niobium; im Jahr 2011 ließ die Gesellschaft 4,6 Millionen Kilogramm Niobium in Kanada fördern. I am Gold ist in Torornto ansässig und betreibt in Mali die Bergwerke Sadiola-Gold-Mine und Yatela-Gold-Mine. Aus der Sadiola-Mine bezog Iamgold 2011 121.000 Feinunzen = 3,751 Tonnen Gold und aus der Yatela Mine 29.000 Feinunzen = 899 Kilogramm Gold, summasummarum ca. 4.650 Kilogramm Gold aus Mali. Der Handelspreis von einem Kilogramm Gold betrug am 17. Januar 2013 54.334 Dollar.

http://www.iamgold.com/English/Operations/Production-Summary/default.aspx

Die Struktur von AngloAmerican

Der dritte Mitspieler ist, bekannt wie ein bunter Hund, überall anzutreffen, wo begrabene Knochen vermutet werden: Anglo American mit der Tochtergesellschaft AngloGold Ashanti, dem drittgrößten Gold-“Produzenten“ der Welt. Man schreckt nicht davor zurück, die altehrwürdigen Ashanti zu beschmutzen. Das waren nebenbei erwähnt afrikanische Künstler, die sich ihr Gold erkämpften und keine Abgreifer.

Der Umsatz von AGA im Jahre 2008 erreichte 3.619 Millionen Dollar, laut wikipedia. Weiter schreibt wiki über Anglogold: NGOs und Nachrichtenmagazine vermuten, dass die Goldförderung, insbesondere die durch Anglo-Gold Ashanti, vor allem in Ghana zu Umweltbeeinträchtigungen, Menschenrechtsverletzungen,[4] Vorschubleistung der Kinderarbeit sowie Vergiftungen der Bergarbeiter führt. Die Chemikalien, die zur Herauslösung des Goldes verwendet werden, gelangen in Seen und teils ins Trinkwasser.[4] Auch das Schweizer Konsumentenmagazin Kassensturz ermittelte miserable Arbeitsbedingungen in der Goldindustrie Westafrikas: Die Bergleute sterben an Quecksilbervergiftungen und „Kinder schuften 12 Stunden am Tag“ fern ihrer Familie.[5]

Die von Greenpeace unterstützten Public Eye Awards 2011 vergaben aufgrund dieser Vorwürfe den Negative Award der Fachjury an Anglo-Gold Ashanti.[6]

Angloamerican kümmert sich in Mali um die Bergwerke Morila, Sadiola und Yatela.

http://www.anglogoldashanti.co.za/About+our+business/Our+regions+and+operations.htm

https://de.wikipedia.org/wiki/AngloGold_Ashanti

die Goldbezirke Malis im Überblick,

aus www.mbendi.com

Aus der Sadiola-Hill-Gold-Mine wurden 2009 135.000 Feinunzen Gold gezogen. Die Mine befindet sich im Besitz von Iamgold (41%), AngloGold Ashanti (41%) und der Regierung von Mali (18%).

35 km nördlich von Sadiola liegt die Yatela-Goldmine, die seit 2001 produziert. 2009 betrug die Beute 89.000 Feinunzen Gold. Die Beute teilten sich AngloGold Ashanti (40%), Iamgold (40%) und die Regierung von Mali (20%).

Die Morila-Mine spendete ihren Besitzern Randgold (40%), AngloGold Ashanti (40%) und der Regierung von Mali (20%) seit ihrer Inbetriebnahme im Oktober 2000 mehr als 5 Millionen Unzen Gold.

Die Syama-Mine liegt 30 km von der Grenze zur Elfenbeinküste entfernt und 300 km südöstlich der Hauptstadt Bamako. 80% der Mine gehören Resolute Mining, 20% gehören der Regierung durch SOMISY. 2009 betrug die Ausbeute 24.762 Feinunzen.

Die Société des Mines de Loulo ist eine 80%ige Tochtergesellschaft von Randgold und ist im Besitz der Loula-Abbaurechte, in einem 372 km² großen Gebiet in Westmali. Anteilseigner der restlichen 20% ist die Regierung. (Einschub: Anteilseigner ist die Regierung von Mali? Welche Regierung, fragt man sich? Hier ein Putsch, dort ein vorzeitiger Rücktritt, und der Konzern fördert weiter, als ob nichts geschehen wäre. Ob Revolution oder Hungersnot, die Lizenzen laufen weiter, ob Rechts- oder Linksregierung, ob Anarchie, Völkermord oder Rebellion, der Konzern fördert ungestört weiter. Das ist überaus seltsam.)

Zur Zeit besteht der Loulo-Minenkomplex aus den zwei Haupttagebauen Yalea und Gara, einigen Nebenabbauen und der neuen Yalea-Mine. Eine zweite Untergrundmine, in Gara, wird derzeit fertiggestellt. Die Vorräte auf das ganze Gebiet bezogen, werden derzeit auf 11,41 Millionen Feinunzen Gold geschätzt. 2008 betrug die Förderung 258.095 Feinunzen.

Die Avnel-Gold-Mining-Limited besitzt und betreibt im Kalana-Gebiet eine Mine und führt dort Erkundungsmaßnahmen, durch das ihr zu 80% gehörende Tochterunternehmen SOMIKA, durch. Die Kalana-Mine hat zwischen 1985 und 1991 schätzungsweise 80.000 Feinunzen produziert. Nach der Wiederinbetriebnahme spendete die Mine von 2004 bis Mitte 2009 100.000 Feinunzen Gold. Die Vorräte werden auf 886.000 Feinunzen geschätzt.

Randgold hat ein Goldvorkommen bei Gounkoto, 25 km südlich des Loulo-Komplexes, entdeckt.

Die Robex-Resources, eine kanadische Prospektoren- und Minenentwicklungsgesellschaft, ist im Besitz von neun Zulassungen in Mali. Drei der Rechte liegen in Südmali (Mininko, Kamasso und N`Golopene, die anderen sechs sind im westlichen Teil des Landes, bei Diangounte, Sanoula, Kolomba, Moussala, Wili-Wili und Wili-Wili West).

Das Hauptaugenmerk liegt auf Wili-Wili, Wili-Wili West und auf Mininko. Mininko wird auf ein Potential von 760.000 Feinunzen geschätzt. Der Goldgehalt beträgt durchschnittlich 1 g pro Tonne.

Die erforderlichen Erdbewegungen: 760.000 Feinunzen x 31g= 23 Millionen 560 Tausend Tonnen Gestein, die gebrochen, bewegt, gemahlen und gelaugt werden müssen, um das Gold zu gewinnen.

Alleine die Menge des Sprits, die durch einen Tagebau pro Tag verfressen wird, ist gigantisch.

Facilities linked to Gold Mining in Mali (13),

aus http://www.mbendi.com/indy/ming/gold/af/ml/p0005.htm

Gold Minen (13):

Auf www.mbendi.com sind Firmen aufgelistet, die sich an der „Ersch(l)ießung“ Malis beteiligen, eine Liste viel zu umfangreich, um sie hier im einzelnen wieder zu geben. Alleine die Abteilung Geological Exploration = Erkundung und Erschließung listet 553 Zuträger, Ausführer und Umsetzer.

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Link zu Teil II

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zum Thema beim Julius-Hensel-Blog:

4 Gedanken zu „Spezialreport Teil I: reiches Mali, armes Land

  1. Steinmeier versucht sich gerade erneut als Kriegsverbrecher zu positionieren: Dürfen Frankreich nicht alleine lassen.

    Dieser Untertanengeist deutscher Politwüstlinge gegen den Willen des eigenen Volkes und für einen Alliierten mit neokolonialistischer Ausrichtung ist mehr als ekelhaft.

    Aber Steinmeier darf! halt nicht nein sagen. Er muss also Ja! sagen. Das ist hündisch.

  2. Was sagt eigentlich Kriegsministerin Leyen zu dem geplanten Afrikafeldzug II.?

    Und ist denn schon eines ihrer sieben Kinderlein im uniformtauglichen Alter und wird von Mama zum Sterben für deutsche Interessen nach Mali geschickt?

  3. Der Artikel zeigt wie der Autor einseitig und schlecht informiert ist.
    Der Einsatz von Quecksilber und deren Folgen sind das Resultat des artisanal Mining. Professionelle Minenbetriebe setzen niemals Quecksilber ein. Ein weiterer Grund diese zum Zug kommen zu lassen (und Arbeitsplätze für lokale Arbeitskräfte zu schaffen) statt die Einheimischen im wilden Bergbau abbauen zu lassen und die Natur zu zerstören und sich selbst zu vergiften.
    Professionell wird Gold mit Cyanid Lösung aus dem Erz gelöst. Ein Grossteil des Cyanids wird recycled, der Rest verfällt innert einigen Tagen. Wasser muss natürlich zuerst gereinigt werden, bevor es entsorgt wird, der Abraum muss gesichert werden (z.B. durch einen Damm).

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