Hensel´s Sonntagsmatinée: Wer ist verrückt?

von H.- P. Schröder

Wer besitzt das Recht, Ölbohrlizenzen in unseren Ozeanen zu verkaufen? Niemand hat das Recht, Ölbohrlizenzen zu verkaufen. Niemand besitzt dieses Recht.

 

 Bohrer !-1 (2)

Niemand besitzt diesen Planeten. Oder? Wer verkauft das Recht, aus unseren Ozeanen Öl zu pumpen, Gold aus unseren Urwäldern zu schaufeln und hochgiftigen Müll auszuscheiden, um ihn dann in unserem Boden zu vergraben, wohl wissend, daß er Mutter Erde damit in das Gesicht schlägt und daß Profitmaximierung und der „menschliche“ Faktor automatisch die nächste Katastrophe, das nächste Massensterben, auslösen können, Katastrophen, deren Folgen nicht beherrschbar sind und die das Immunsystem des Planeten beschädigen werden?

Wer ist verantwortlich für derart beispiellose Verbrechen, gegenüber deren Dimensionen Arzneimittelskandale, vergiftetete Nahrung, privatisiertes Wasser und die Überfälle auf den Irak, auf Afghanistan, Libyen, Somalia, Yemen, Syrien und Mali sich ausnehmen, wie bescheidene Prügeleien zwischen Vorstadtbanden?

Wie muß jemand behandelt werden, der Dinge verkauft, die ihm nicht gehören?

Wer hat das Recht, oder klarer ausgedrückt, welcher Gesetzlose nimmt sich das Recht, weltweite Verschmutzungsrechte weltweit zu verkaufen? Wer ist dafür verantwortlich, daß mit der Erlaubnis unseren Planeten zu verschmutzen, Handel getrieben wird? Davon abgesehen, daß einen Planeten zu vergiften ein Verbrechen ist und daß das Verkaufen des Rechtes, einen Planeten zu vergiften, ein kosmisches Verbrechen an der gesamten Schöpfung, an der vergangenen, wie an der zukünftigen, darstellt – wer besitzt überhaupt das Recht, so eine Erlaubnis zu erteilen? Wer?

Wer ist verrückt?
Jemand, dem er nicht gehört, verkauft einen Berg. Der neue Besitzer, dem der Berg – juristisch gesehen – ebenfalls nicht gehört, errichtet ringsum Schilder mit der Aufschrift „Das ist mein Berg!“. Er schneidet den Berg in handliche Stücke und verkauft sie. An dich, denn du willst ein Haus bauen. Doch worauf? Du kaufst ein Grundstück, von jemandem, dem es nicht gehört und fängst an, mit den Steinen, die du jemandem abgekauft hast, dem sie nicht gehörten, ein Haus zu bauen.
Zuvor sollst du jemanden bezahlen, der von jemandem, den dies nichts angeht und den du nicht kennst, die Lizenz erhalten hat, Pläne zu machen. Mit dem erkauften Plan gehst du zu jemanden, den dies ebenfalls nichts angeht und bittest ihn, dir, aufgrund des Planes, der von jemandem stammt, der von einem unbefugten Dritten dazu ermächtigt worden ist, mit Steinen, die du von jemandem gekauft hast, dem sie nicht gehörten, auf einer Parzelle, die demjenigen, der sie dir verkaufte, ebenfalls nicht gehörte, die Erlaubnis zum Bau eines Hauses zu erteilen, zu deren Erteilung der Erlaubnisverwalter gar kein Recht hat.
Wer ist verrückt?
Wer ist verrückter auf dem Planeten Erde? Scharlatane, die die Gewaltpraxis ihren Mitmenschen aufzwingen, oder diejenigen, die sich ihr fügen und mithelfen, sie weiter zu verbreiten?

Die Bohrer III (2)

Wer sind die Verrückten? Wer ist der Stör Fall?

 

AGRARPLANETEN
Eine Geschichte in Fortsetzungen – Nur für reife Leser!

von H.- P. Schröder

Agrarier VI-1 (2)

Anstatt eines Vorwortes

Über Geburtswehen neuer Formen und die Banden der Erbsünde
aus den „Essays“ von Bernard Shaw

„Wenn „das Herz des Menschen vor allem ränkevoll und verzweifelt lasterhaft ist“, dann, wahrlich, muß der Mann, der sich von seinen Leidenschaften leiten läßt, schlechterdings ein Schurke sein, und seine Lehrer dürften wohl von seinen Eltern erschlagen werden. Aber wie, wenn der Jüngling, der hilflos seinen Leidenschaften anheimfällt, fände, daß Ehrlichkeit, Selbstachtung, Haß gegen Grausamkeit und Ungerechtigkeit, daß der Wunsch nach Tüchtigkeit und Gesundheit und Leistungsfähigkeit Hauptleidenschaften sind: wahrlich, dann ist ihr Übermaß so gefährlich für die Jugend, daß es zur Weisheit des Alters gehört, den Jungen zu sagen: „ Seid nicht allzu rechtschaffen; warum wollt ihr euch zugrunde richten?“
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Ich bin sicher, mein lieber Tucker, daß Ihre Freunde das oft genug in vaterländischem Amerikanisch paraphrasiert haben, wenn sie Ihnen Vorstellungen wegen Ihres Anarchismus machten, der nicht nur Gott, sondern sogar der Weisheit des Kongresses der Vereinigten Staaten Trotz biete. Leute, die vorgeben, ihre Leidenschaften zu beherrschen und abzuschwören, und die ihr Betragen prahlerisch nach der bequemsten Auslegung einer Bibelstelle regeln oder, was noch schlimmer ist, nach ihrer Fähigkeit, Gründe dafür zu finden (als ob sich nicht vortreffliche Gründe für jede erdenkliche Handlungsweise vom Dynamitverbrechen und der Vivisektion bis zum Märtyrertum finden liessen) – solche Leute brauchen andererseits selten gewarnt zu werden, allzu rechtschaffen zu sein, da ihre Aufmerksamkeit tatsächlich oft eines ziemlich starken Stoßes nach der entgegengesetzten Richtung bedarf.
Leidenschaft ist der Dampf in der Maschine aller religiösen und moralischen Systeme. Ist sie überwollend, so sind es die Religionen auch und bestehen auf Menschenopfern, auf Hölle, Grimm und Rache.“
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Agrarplaneten

 

Am 4. Dzyan trafen sich der Nahrungsinspektor Fohu und der Handelsvertreter Angwang von Te zufälligerweise in der Kneipe Zum Ewigen Abschied.

Zufälligerweise ist nicht ganz richtig, es waren nur noch zwei Plätze frei. Der Ewige Abschied liegt so günstig in Sichtweite direkt neben den Flugsteigen, daß er meist überfüllt ist.

Wie jeder gebildete Reisende weiß, lassen sich dort auf die Schnelle noch ein paar Bierchen zischen, bevor es weitergeht in die Öden Zonen oder Richtung Heller Kern.

So direkt aneinander gequetscht kam man sich schnell näher, die Erfrischungen machten die Unterhaltung doppelt angenehm, nur der Lärm musste übertönt werden.
„Wir arbeiten sozusagen in der gleichen Branche“, sagte Herr Fohu, „ich halte die Ware sauber und Sie sorgen für den Absatz. Da hängen wir ja an derselben Kette, ha, ha. Was verkaufen Sie denn so, hoffentlich keine Artrechen, die mag ich überhaupt nicht, die haben so etwas beklemmendes beim Reinbeißen, ha, ha, ha.“
Herr Fohu lächelte dem Handelsvertreter aufmunternd zu.
„Artrechen?“ dachte der bei sich, „nie gehört, was ist denn das?“ Er wagte aber nicht zu fragen.

In der Bar-1 (2)

„Ich bin unterwegs für Protonprotein, sie wissen schon, die mit dem „Protonprotein für`s liebe Bübchen, macht es fit im Oberstübchen“, Te lächelte etwas verkrampft, verschluckte sich, musste husten und lief gelblich an.
Herr Fohu wurde lebhaft: „Mein Gott was für ein Zufall, da arbeiten wir ja fast im selben Kettenglied.“ Er konnte sich kaum mehr beruhigen und versuchte noch näher zu rücken. Die Antenne störte etwas. „Man erzählt sich ja fabelhafte Dinge über ihre Produkte. Was ich schon immer `mal fragen wollte. Wie sieht es mit der Haltbarkeit aus? Bleiben ihre Fleischkonserven tatsächlich 400 Jahre frisch, wie die Werbung verspricht?“

Angwang von Te  fühlte sich  herausgefordert, er nahm ein volles Fläschchen und goß es in die Öffnung: „Aber natürlich, wir stehen zu unserem Wort, überlichtgeprüft und 400 Zentraljahre oder 2000 Parsec Mindesthaltbarkeit, garantiert. Die Behälter sind aus Sterilquarzstoff, stoß-, druck-, temperatur- und strahlungsresistent bis 15.000 Röntgen.“
Er griff ein weiteres Fläschchen. „Damit können sie getrost die Singularität überschreiten und wieder zurück, zwei Mal am Tag, wenn es sein muss!“
Im Hintergrund schaltete sich ein Lautsprecher ein. Der Barmann hob den Kopf, der Lärm flaute ab.
„Achtung, Achtung! Aufgerufen werden die Schiffe nach N`uaio, in den Lateransektor und in den Schorfheidehaufen. Die Passagiere des Luxusliners Admiral Schiller, auf dem Weg vom Sagittarius zu den Sahnenebeln, werden höflich ersucht sich Richtung Kai 1 zu begeben, sofern sie Zeit und Lust dazu haben. Der Kapitän lässt ausrichten, daß es ihm nichts ausmacht zu warten, er warte immerhin schon seit sechs Stunden, aber das Startfenster schliesse sich bereits. Er lässt weiterhin ausrichten, die Bordbar sei bestens sortiert und 24 Bordstunden offen. Gute Reise. Ende.“
Um die Beiden herum setzten sich Gepäckkulis in Bewegung, Währungen aus 100 Systemen klimperten eilig auf die Theke, der Raum leerte sich.

Vips (2)

Nur einige Damen und Herren in der Plüschecke, dort wo handserviert wird, blieben sitzen und bestellten in aller Ruhe die nächste Runde.
Der Raum leerte sich, neue Reisende erschienen, standen in Gruppen, nahmen Platz, soweit dazu in der Lage, manche hängten sich in die Deckenschlaufen. Der Barmann füllte Gläser, verteilte Flaschen und gab Bestellungen weiter. Der Lärm nahm wieder zu.
„Und was treiben Sie in diesem Sektor Herr Inschpektor?“, versuchte Angwang von Te das Gespräch mit einem Scherz fort zu setzen. „Auf Temperaturkontrolle in den Kühlhäusern oder sind Sie privat unterwegs?“ Er goß sich einen ein, Herr Fohu hob sein Glas, sagte „Prost“ und lockerte gleichzeitig die Bauchbinde.

„Heiß hier, ich vertrage diese Hitze nicht mehr, in meinem Beruf bin ich andere Temperaturen gewohnt.“ Er lehnte sich zurück und nahm einen tiefen Schluck. Schweigen.
Schweigen.
„Was machen Sie denn so beruflich?“, Angwang ließ nicht locker. „Noch vier Flaschen vom Aussergewöhnlichen auf mich“, wandte er sich an den Mann hinter dem Tresen. „Jetzt machen Sie es doch nicht so spannend“, sagte er, „wird ja wohl kein Staatsgeheimnis sein.“
„Wie Staatsgeheimnis? Was meinen Sie?“ , klang es etwas erschrocken von gegenüber, „Natürlich nicht, eher ein Geschäftsgeheimnis.“
„Aber doch nicht in staatlichem Auftrag“, bohrte Angwang von Te nach, „wer sollte denn den  Altmonopolyisten Konkurrenz machen können. Bleibt doch sowieso alles im selben Sternhaufen.“
Ein guter Witz. Er kicherte. Das grüne Wuzz wirkte heute besonders heftig. Er wurde mutiger: „Erzählen Sie doch mal, ich wittere eine spannende Geschichte. Sie können mit meiner Diskretion rechnen. Nach 20 Flaschen Wuzz schweige ich jahrzehntelang.“
Noch ein guter Witz. Er kicherte wieder. Man erzählt, daß die Meistersäufer von Blubb die tödliche Dosis auf 12 Flaschen festgesetzt haben.
Unbestätigten Gerüchten nach soll der Rekord mehrmals gebrochen worden sein, Zeugen für diese Ruhmestaten liessen sich allerdings nie auftreiben.
„Also gut, aber das muss unter uns bleiben, versprechen Sie es, ja? : Wir arbeiten an einem Geheimprojekt, seit 8.000 Yul, und jetzt, so scheint es, steht es vor seinem erfolgreichen Abschluss. Da muss man doch schliesslich mal mit irgendjemand darüber reden können.“
„Meinen aufrichtigen Glückwunsch Herr Fohu. Und, darf ich fragen, um was es sich im Einzelnen handelt?“
„Nein“, kam es schroff zurück, keine Einzelheiten, Geheim!, nur soviel: Intelligente Nahrung!
„Waaaas? Intelligente Nahrung? Sie machen sich lustig über mich.“
„Nicht nur intelligent, sie baut sich auch selbst an und erntet sich selbst, was sagen Sie jetzt? Erstaunlich, nicht?“

(Fortsetzung folgt)

*

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Link zu Teil X

15 Gedanken zu „Hensel´s Sonntagsmatinée: Wer ist verrückt?

  1. Vollkommen richtige Fragen, was ist mit den Antworten ??
    Mir ist klar, dass sie hier nicht explizit gegeben werden dürfen, aber ein kleiner Hinweis würde dem Artikel sehr gut stehen… 🙂

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