Hensel´s Sonntagsmatinée: Agrarplaneten – Teil II

von H.-P. Schröder

 

Eine Geschichte in Fortsetzungen – Nur für reife Leser!

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Herrn von Te hatte es endgültig die Sprache verschlagen. Seine Atemöffnungen begannen schon wieder zu zucken, er wirkte hilflos, wie ein Insekt auf der Eisbahn.

„Ja, aber….ja aber…“ Seine Stimme versagte. „Aber mein lieber Herr Fohu, wie ist so eine Geschichte möglich? Zauberei? Ein Trick von den Alten Hintergängern vielleicht? Oder vielleicht doch ein Scherz ihrerseits, natürlich ohne böse Absicht, in allerbester Wuzzlaune? Ja?“

„Keine Zauberei, reine Wissenschaft. Ich will es ihnen erklären, obwohl ich das gar nicht dürfte. Wir fingen mit dem üblichen Saatprogramm an und irgendetwas ging schief. Gründlich schief. Das Protonplasma veränderte sich, ob es an der Sonne lag oder an einer irregulären Dunkelwolke wird sich wahrscheinlich nie mehr klären lassen. Tatsache ist, es begann Augen zu entwickeln und uns zu beobachten.“

Vollaugen (2)

Angwangs Atemöffnungen schlossen sich mit einem Knall. Er hatte, völlig geistesabwesend, nach dem Wuzz gegriffen und es in eine der Öffnungen geschüttet.

Als die Schüttellähmung abklang, stand der Sanitäter auf und sagte zu ihm, während er sein einst blitzendes Besteck luftdicht verpackte: „He Alter, das nächste Mal, wenn du Selbstmord begehen willst, mach es in der VIP-Lounge, dort arbeiten nur Schnösel. Jetzt muss ich für drei Tage ìn die Desinfektionskammer. Wegen dir!“

Er warf ihm einen empörten Blick zu und verschwand.

„Mein lieber Freund, ihr seht krank aus, ihr solltet den Ruheraum aufsuchen, lassen wir es gut sein.“

Der Vertreter richtete sich auf. „Niemals, so kommt ihr mir nicht davon, ich will sofort wissen wie es weitergeht, am Ende habt ihr vielleicht doch geflunkert. Ich würde mir lebenslang Vorwürfe machen.“

„Also gut, auf ihre Verantwortung, aber keine Getränke mehr. Wo war ich stehen geblieben?“

„Bei den Augen“, ächzt Herr Angwang von Te.

„Ach ja richtig, die Augen, das war scheußlich und das war erst der Anfang. Das Zeug hörte nämlich nicht mehr auf zu wachsen und überall erschienen diese Augen. Zum Schluss waren es hunderte. Sie haben nie zur selben Zeit geschlafen, ein paar standen immer offen. Es war äusserst unangenehm – und gefährlich. Wir wären in kürzester Zeit aufgeflogen. Es musste also etwas geschehen. Zuallererst stoppten wir das Wuchern mit einem Bremshormon, das wir tonnenweise in das Grundwasser schütteten, danach brachten wir die Masse in Form und schnitten längliche Stücke ab, mit allerhöchstens vier Augen, zwei oben, zwei unten.“

Der Handelsvertreter sass wieder halbwegs aufrecht und hing gebannt an seinen Lippen.

Barflei (2)

„Darf ich ihnen noch etwas servieren, meine Herren?“, meldete sich plötzlich der Barkeeper.

Möchten Sie noch einmal aufwischen?“, bellte Herr Fohu unhöflich. „Wir hatten bereits eine Wochendosis. Danke nein, uns genügt das.“

Nach einer Pause begann Angwang: „Ich wünschte unser Bezirksleiter Herr Schwab Buumsogern wäre bei uns. Er sucht ständig nach aussergewöhnlichen Produkten mit dem gewissen Pfiff. Kann man mit der Nahrung reden, bereitet sie sich selbst zu? Entschuldigen Sie bitte, mir ist nicht gut. Und, haben sie die Sache in den Griff bekommen?“

„Schrittweise, schrittweise. Schrittweise sind neue Schwierigkeiten entstanden. Unsere überstürzte Aktion mit dem Bremshormon führte dazu, daß viele Organismen ihr Wachstum im Jungstadium einstellten oder tausend Generationen lang verzögerten. Das brachte einige groteske Lebensformen und neue Probleme hervor.“

„Einbeinige Riesenspinnen, die wir als Schattenspender eng zwischen die Tanks gepflanzt hatten, so daß ihre Netze aneinander stiessen und verschmolzen, wurden nutzlos. Ihre Nachkommen musste man plötzlich mit der Lupe suchen. Alles sehr unangenehm das. Und das Protonplasma, auf das die Aktion abzielte, das wucherte sogar noch eine Zeitlang weiter. Zum Schluss lagen überall vieräugige Schnittchen, die uns wild anstarrten, inmitten einer Spielzeugflora. Die Pflanzen waren übrigens auch betroffen.

Vielleicht sollten wir doch noch etwas trinken? Ein Scherz, ein kleiner Scherz Herr Angwang, regen sie sich bitte nicht auf. Durchatmen, durchatmen.“

„Es geht, danke. Und was geschah dann?“

„Weiterhin Betrübliches. Nach einem letzten Schub hörte das Protonplasma vollständig auf zu wachsen. Keine einzige Zelle mehr. Gott sei Dank auch keine weiteren Augen, aber wie gesagt, es stellte das Wachstum ein. Das war tödlich für die Nahrungsproduktion.

(Fortsetzung folgt)

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(letztes Drittel des verlinkten Artikels)

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