Erinnerungen

Faschingerschienen bei Michael Winkler

Die Euro-Krise hat eine Auszeit genommen, gewissermaßen einen Winterschlaf eingelegt. Zumindest die qualitätsfreien Medien berichten darüber auf kleinster Sparflamme. Krebsgeschwüre haben allerdings die Eigenart, auch während des Schlafes weiterzuwuchern. Da kann die Tunix-Kanzlerin noch so eifrig Ruhe für den Wahlkampf befehlen, die Krise wird sich nicht daran halten.

Mein Gott, was ist aus dem Fasching geworden? Früher hat man sich die Narrenkappe aufgesetzt, um endlich mal über die Obrigkeit herziehen zu können, inzwischen ist daraus ein Witzeerzählen auf der Bühne geworden, zu dem Politiker allenfalls mit herablassendem Wohlgefallen nicken, anstatt Schamesrot im Boden zu versinken. Welchen Beweis benötigen wir noch, daß wir in einem neuen Biedermeier gelandet sind, wo sich die Bürger aufs Private zurückziehen und die Politik walten lassen? Der Verrat an der Narrenkappe erinnert an die DDR, doch deren Ende ist bekannt. Ich möchte deshalb behaupten: Das Schweigen der Schafe ist kein gutes Zeichen für die selbstgefällige Obrigkeit.

Ja, der Orden wider den tierischen Ernst ist da die Ausnahme. Da lebt der politische Witz auf. Da ziehen die Damen und Herren Volldemokraten gegenseitig übereinander her, weil das närrische Volk so meinungsscheu geworden ist, daß es sogar in dieser Beziehung Vertreter benötigt.

Die hochreligiösen zeitweisen Zuwanderer in Timbuktu haben eine Bibliothek angekokelt. Nun, das muß man ihnen zugestehen, die Islamisten sind halt ein wenig zurück, so etwa 500 Jahre, denn damals haben die spanischen Missionare, ebenfalls hochreligiöse Zuwanderer, dies genauso getan. Es ist ja unmittelbar einsichtig: Die Bibel ist Gottes Wort, und wenn das, was in den vorgefundenen Schriften steht, der Bibel widerspricht, hat es keinerlei Daseinsberechtigung. Wenn es hingegen mit der Bibel übereinstimmt, kann man es genauso getrost verbrennen, denn man hat ja die Bibel. Wobei „Bibel“ austauschbar ist, gerne gegen „Koran“ oder „Erinnerungen der Überlebenden“.

Was hingegen herauskommt, wenn der Islam zwar streng, aber nicht rückständig ist, zeigt der Iran: Dort haben sie einen Affen ins Weltall geschickt und unbeschadet zurückgeholt. Saudi-Arabien und die Türkei haben das noch nicht geschafft, obwohl diese Länder keinerlei internationalen Sanktionen unterliegen. Sollten sich die Perser zwischendurch keiner israelischen Aggression erwehren müssen, wollen sie 2020 den ersten Astronauten in die Umlaufbahn schicken.

Quelle: Michael Winkler

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