die Causa Williamson

von H.-P. Schröder

Matthias Grünewald, die auferstehung (2)
Auferstehung, das ist europäische Kultur
Matthias Grünewald, Isenheimer Altar (1512 – 1516 )
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Lagerräumung, alles muß `raus: „Volksverhetzung“ im Winterschlußverkauf

Geht es noch a bisserl billiger? Wir werden sehen. Die Justiz bot zuerst Geld statt Gefängnis, dann 30% Rabatt, jetzt 80% Rabatt und was passiert? Die gierigen Verteidiger des „Holocaustleugners“ Bischof Williamson fordern 100%. Sie fordern Freispruch ohne Zusatzkosten.

Gestern in Regensburg. Das auf zwei Tage angesetzte Wiederaufnahmeverfahren ging ganz schnell zu Ende. Die Staatsanwaltschaft fordert wiederum Geld, nochmals den bereits reduzierten Betrag von 6.500 Euro, das Gericht lehnt dankend ab und bewilligt 1.800, in Worten EINTAUSENDACHTHUNDERT Euro, die Verteidigung lehnt dankend ab und kündigt Gegenmaßnahmen an.

Und mit jedem Wiederaufnahmeantrag, mit jeder Revisionsverhandlung, schnellt ein auf Kernaussagen beschnittenes deutsch-jüdisches Trauma aus seiner relativierten Flasche, wie ein elastischer Zombie aus einem zu eng gewordenen Grab und schiebt sich in das Bewußtsein. Hallöle, hier bin ich.

Eine unglückliche Situation für die Presse. Zu traurig. Ein konservativer Kleriker und dann so was. Und dazu noch in Bayern. Wenn man in Bayern ungezielt mit Dreck wirft, trifft man zum Schluß einen Papst, eine Justizministerin, oder Gott bewahre, irgendeine gemeine Gemeinde. Doch wie die Streuwirkung zu vermeiden wäre, bleibt das Geheimnis des Allmächtigen. Hier steht er und der Herr Redakteur kann gar nicht anders. Tragisch, sehr tragisch, sieht er sich gezwungen,  seinem Online-Beileidsartikel Beweise anzufügen, oder zumindest auf das Delicti zu verweisen, das youtube-Filmchen, in dem Bischof Williamson fast selbstverständlich bemerkt, daß ein organisierter Massenmord in der propagierten Form nicht stattgefunden hätte und dazu beiläufig erläutert, warum dies, seiner Ansicht nach, technisch gar nicht möglich gewesen wäre.

Wieso ist der Mann überhaupt noch auf freiem Fuss? Wieso noch am Leben? Weil er, ebenso wie die schwedischen Journalisten, die als Zeugen geladen waren, nicht freiwillig in die Löwengrube geht, denn auch bloßer Glaube findet seine unnatürlichen Grenzen genau dort, wo eine bestimmte Einstellung als selbstlegitimierte Beute, gerade gut genug zum Ab- und Einkassieren, angesehen wird.
Freiwillig kommt der Bischof nicht. Alternativen zum Stellen und Bereuen, wären dann noch Entführung, ein, zwei Schüsschen in`s Gesicht, oder, nach einer Anstandsperiode, und das wird immer wieder gerne genommen, der tragische Badeunfall oder das Hoppla-Ausgleiten auf vereister Schiene.

Was kann man der armen Presse raten? Alles in Kleinbuchstaben zu schreiben? Sachverhalte ganz weg zu lassen und stattdessen nur 50mal Holocaustleugner mit Überschrift in die Tasten zu hauen?

Ich habe es da einfacher. Ich bin kein abhängiger Journalist, mein Urteil ist unerstechbar:

Weg mit dem „Holocaustleugner“, dem „Volksverhetzer“, ein schrecklicher Mensch, soll er doch wegbleiben, damit a Ruh`iss und seine Verteidiger, das sind die „Holocaustleugnerverteidiger“ und im Gerichtssaal sitzen Nazis und Neonazis und zukünftige Holocaustleugner, die von ihrem Unglück noch gar nichts ahnen.

1.800 Euro Geldstrafe. Geht es noch a bisserl billiger, Herr Richter? Wir werden sehen. Die Karriere soll nicht darunter leiden.

Aber ich muß sie warnen, Hohes Gericht, denn nur mal angenommen, in der nächsten Instanz, oder im nächsten Hinterzimmer fiele das Wörtlein Freispruch, denn Freispruch wär`doch kein Problem, alles eine Frage der Begründungsverformulierung, wer könnte euch dann davor bewahren, daß auch dies nicht mehr genügt, daß 100% Rabatt zuwenig sind , denn ihr hattet euere Chancen und habt sie verstreichen lassen und jetzt werden 110% Rabatt gefordert und immer noch kein Ende, keine Zahlung wird genug sein, 150% Rabatt werden gefordert werden 1.000% , 100.000%. Was dann?

Was dann?

Zitat http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/prozess-williamson-regensburg-100.html
„Das Amtsgericht Regensburg hatte Williamson schon einmal wegen Volksverhetzung verurteilt. Das war im April 2010. Williamson sollte eine Geldstrafe von 10.000 Euro zahlen. Das Landgericht Regensburg bestätigte im Sommer 2011 das Urteil, setzte die Strafe aber auf 6.500 Euro herab. Dieses Urteil wurde durch das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg wegen eines Formfehlers aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat nach der Entscheidung des OLG einen neuen Strafbefehl verfasst. Das hat der 72-jährige Williamson nicht akzeptiert, darum musste das Amtsgericht neu verhandeln.“

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