Syrien: „vor Ort“-Interview

Dmitrij Jerschow in Daraja - Bild: apxwn
Dmitrij Jerschow in Daraja – Bild: apxwn

erschienen bei chartophylakeion tou polemou

NR: Dmitrij, welches waren die ersten Eindrücke von dem, was Sie in Syrien gesehen haben?
Dmitrij Jerschow: Gleich nach der Ankunft in Damaskus fiel auf, dass es keinerlei Panik gibt. Es gibt am Flughafen nicht etwa Menschenmengen mit ihrem Hab und Gut, die ganz dringend abreisen wollen. Ganz im Gegenteil, die Atmosphäre im Flughafen von Damaskus ist vollkommen ruhig und unterscheidet sich nicht z.B. von der im Moskauer Flughafen Wnukowo. Um den Flughafen herum und entlang der 30 Kilometer langen Straße nach Damaskus gibt es Checkpoints der Armee. Aber es sind viele Fahrzeuge unterwegs. Es fiel nur auf, dass sie alle recht schnell unterwegs waren. Diese Magistrale ist also nicht etwa durch die Terroristen abgeschnitten, auch wenn es, wie unser syrischer Begleiter sagte, in der letzten Zeit einige erfolglose Versuche dazu gegeben hat.
NR: Wie gravierend sind die Zerstörungen in Damaskus und in anderen Städten? Arbeiten die Läden in Damaskus? Wie steht es mit der Wasserversorgung, gibt es Mangel an Lebensmitteln? Was ist mit Schulen, Kindergärten, Banken und anderen sozialen und staatlichen Einrichtungen?
Dmitrij Jerschow: Abgesehen vom Stadtteil Abun, wohin die Rebellenbanden vor einem halben Jahr erfolglos einzudringen versuchten, gibt es in Damaskus keinerlei Zerstörungen, abgesehen von den Spuren der ab und an passierenden Terroranschläge – in Damaskus gibt es keine Kämpfe. In den syrischen Städten und Dörfern, in denen gekämpft wird, sind die Zerstörungen hingegen sehr bedeutend. Analog verhält es sich mit den Läden, Banken, Schulen und anderen Einrichtungen. Wo es unruhig ist und gekämpft wird, ist der Großteil dieser Einrichtungen geschlossen. Wo alles ruhig ist, arbeiten die Menschen im gewohnten Rhythmus.
In Damaskus läuft die Wasserversorgung stabil und es gibt auch keine Probleme mit Lebensmitteln. Doch die Wirtschaftssanktionen des Westens und die von ebenda koordinierten, mit den Händen der Islamisten verübten Anschlägen gegen wirtschaftliche Einrichtungen führten zu Preissteigerungen von mehr als 50%, was den Lebensstandard einfacher Syrer natürlich verschlechtert hat.
NR: Gibt es in den Krankenhäusern von Damaskus viele Verwundete?
Dmitrij Jerschow: Es gibt Verwundete, aber es sind verhältnismäßig wenige. Dabei muss man bemerken, dass hier sowohl verwundete Soldaten der syrischen Armee und Zivilisten, wie auch gefangengenommene und verwundete Rebellenkämpfer behandelt werden.
NR: Vor einigen Tagen wurde berichtet, dass die gegen die Regierung kämpfende Opposition dazu übergehen wird, in Syrien lebende russische Staatsbürger umzubringen. Wie wurde diese Nachricht in Syrien selbst aufgenommen, also von den Einwohnern, den russischen Syrern und den Armeeangehörigen? Gibt es Schutzmaßnahmen für russische Bürger?
Dmitrij Jerschow: Die kämpfende Opposition bringt jeden um, egal wann und wie. Das sind Unmenschen, die auch Frauen und Kinder umbringen, nur, um den westlichen Medien entsprechende Bilder zu liefern. Sie sprengen Busse, beschießen Schulen aus Granatwerfern und begehen viele andere Niederträchtigkeiten. In Syrien wird das von den normalen Menschen eindeutig abgelehnt – die Terroristen werden gehaßt. Das muss auch die übrige Welt einmal verstehen. Was konkret den Mordaufruf gegen Russen angeht, so ist dieser von Scheich al-Qaradawi, einem der Ideologen der Salafiten ausgesprochen worden, ebenso vom geistlichen Führer der Al-Nusra-Front, Scheich al-Arur.
NR: Wie ist die Lage in Syrien insgesamt?
Dmitrij Jerschow: Die Gesamtlage ist verhältnismäßig ruhig. In Damaskus, wo ich mich gerade befinde, gibt es keinerlei Panik. Die Stadt lebt ihr gewohntes, gemessenes Leben. Es gibt keine Proteste oder Kampfhandlungen. Die Terroristen, die nach Damaskus vorzudringen versuchten, sind in entfernten Vororten blockiert worden, etwa in Daraja oder Duma, und werden von der syrischen Armee jetzt systematisch vernichtet. In Daraja laufen derzeit recht angespannte Kämpfe. Ich bin dort gleich nach meiner Ankunft in Syrien, am Donnerstag, gewesen, am Freitag habe ich Daraja wieder besucht. Auf den Straßen liegen die Leichen der dort liquidierten Rebellenkämpfer. Das sind Leute aus dem Libanon, aus Libyen, Saudi-Arabien, Irak und aller Herren Länder – eine terroristische Internationale. Wie syrische Armeeangehörige sagten, war selbst ein Australier unter den Getöteten. Wir fanden dort auch Geld in den Währungen Saudi-Arabiens und Libyens.
Mitunter gelingt es der syrischen Armee auch, Instrukteure aus NATO-Ländern zu fangen. Das sind viele Türken, ebenso auch Instrukteure aus Saudi-Arabien.
Abgesehen von Daraja und Duma ist die Situation in Aleppo und auch in Harasta weiterhin schwierig. Ich bin bisher nicht dort gewesen und kann deswegen nicht als Augezeuge der dortigen Vorgänge berichten. Allerdings kann man zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass die Lage in Syrien sich im Großen und Ganzen stabilisiert. Die Armee liquidiert die Terroristen in großen Zahlen, und es hat den Anschein, als gehen dem Katar und Saudi-Arabien die Mittel aus, diese internationalen Banden weiterhin ausreichend mit Kanonenfutter und Waffen zu versorgen.
NR: Was meinen Sie sind die wirklichen Gründe für den Konflikt in Syrien? Wem nützt er?
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